Wilhelm Ostwald

Ostwalds Familie

WILHELM OSTWALD wurde am 2. September 1853 als Sohn einfacher Handwerksleute in Riga geboren.
Sein Vater, WILHELM GOTTFRIED OSTWALD, war ein Handwerker.
Seine Mutter, ELSBETH OSTWALD, kümmerte sich um ihn und seine beiden anderen Brüder.

In seiner Selbstbiografie (aus: Lebenslinien, Band 1) beschrieb OSTWALD seine Familie so:
Mein Vater war zur Zeit meiner Geburt ein ganz armer aber geschickter und unternehmungslustiger Handwerker, der nach langen Wanderjahren als Böttchergeselle im inneren Rußland sich in seiner Vaterstadt als Meister niedergelassen und eine ebenso arme Bäckerstochter geheiratet hatte. Das erste erarbeitete Geld verwendete er zum Ankauf eines eigenen Häuschens. Es langte nur zu einem sehr dürftigen Heim in der billigsten Gegend, nämlich am äußersten Rande der Moskauer Vorstadt in den 'Sandbergen', einem breiten unfruchtbaren Dünenzug, der die Stadt nach Osten begrenzte. Dies mein Geburtshaus ist bald hernach unter dem Bahndamm des Riga-Dünaburger Schienenweges begraben worden, so daß ich es selbst niemals bewußt gesehen habe.

Leitidee der wissenschaftlichen Forschung

OSTWALD studierte ab 1872 Chemie an der Universität Dorpat. Schon während dieser Zeit begann er sich mit dem zu beschäftigen, was später zur Leitidee seiner wissenschaftlichen Forschung wurde, der Suche nach den Gesetzmäßigkeiten der Bildung chemischer Verbindungen.

Ab 1875 war er Assistent am dortigen Physikalischen Institut. 1878 legte er sein Doktorexamen ab und wurde bereits 1881 als Professor der Chemie an das Polytechnikum in Riga berufen.
Fünf Jahre später (1887) folgte die Berufung auf den Lehrstuhl für physikalische Chemie der Universität Leipzig .
Dieser Lehrstuhl war bis dahin weltweit der Einzige auf diesem Gebiet.
In diesem Amt wurde OSTWALD Mitbegründer und wesentlicher Organisator der physikalischen Chemie.
Erste Assistenten von OSTWALD waren WALTHER NERNST und SVANTE ARRHENIUS.
Diese beiden sowie VAN'T HOFF und OSTWALD waren die führenden Männer der physikalischen Chemie ihrer Zeit.
Von den vielen Studenten, die OSTWALD ausbildete, wurden etwa 70 zu Professoren ernannt.

Ostwald wurde von Arrhenius' Arbeit beeinflusst

Als OSTWALD 1884 ARRHENIUS' Arbeit über die elektrische Leitfähigkeit von Elektrolyten erhielt, erkannte er sofort die Bedeutung dieser neuen Theorie.
Zu späterer Zeit holte er ARRHENIUS an das Rigaer Institut und ließ ihn dort verschiedene Untersuchungen durchführen.

Mit eigenen Messungen konnte OSTWALD zeigen, dass auch die Reaktionsgeschwindigkeit in Lösungen von der Konzentration an Ionen abhängig ist und dass die molare Leitfähigkeit wässriger Elektrolytlösungen mit zunehmender Verdünnung steigt.
Ein Jahr später formulierte er diese Erkenntnisse in einem Gesetz, dem OSTWALDschen Verdünnungsgesetz für schwache Elektrolyte.

Daneben erkannte OSTWALD, dass die Dissoziation mehrbasiger Säuren stufenweise erfolgt.
Seine Untersuchungen über den stufenweisen Verlauf anderer chemischer Reaktionen führten ihn schließlich zur Ableitung der OSTWALDschen Stufenregel.

OSTWALD war auch dafür verantwortlich, dass sich die elektrolytische Dissoziationstheorie durchsetzte. Sie ist Hauptbestandteil der modernen physikalischen Chemie. Dazu trug sicher auch die 1887 von ihm geründete „Zeitschrift für physikalische Chemie“ bei, in der wissenschaftliche Ergebnisse veröffentlicht wurden.

Ostwalds Jahre in Leipzig

Im Jahre 1897 eröffnete in Leipzig ein physikalisch-chemisches Institut, das sich hauptsächlich mit der Erforschung der Kinetik und Katalyse beschäftigte.

Bereits 1889 hatte OSTWALD verschiedene Untersuchungen zur chemischen Katalyse durchgeführt. Dabei konnte er den Begriff der Autokatalyse klären. Er erkannte, das Katalysatoren nur die Geschwindigkeit jener Reaktionen beeinflussen können, die thermodynamisch möglich sind. Andererseits vermögen es die Katalysatoren aber nicht Reaktionen auszulösen, die thermodynamisch gar nicht ablaufen können. Wie groß die Bedeutung seiner Katalyseforschung für den Bereich der Technik war, zeigte sich später in der Arbeit seines Schülers MITTASCH.

Farbenlehre und Nobelpreis

Im Jahr 1905 legte WILHELM OSTWALD sein Lehramt in Leipzig nieder und siedelte in sein Landhaus „Energie“ nach Großbothen über. Er setzte sich nun mit naturphilosophischen und chemiehistorischen Themen auseinander. Für seine Arbeiten zur Katalyse und seine grundlegenden Untersuchungen zu den chemischen Gleichgewichtsverhältnissen erhielt er 1909 den Nobelpreis für Chemie.

Ab 1914 wandte er sich erneut der experimentellen Forschung zu. Sein Ziel war die Entwicklung einer Farblehre, die zum einen wissenschaftlich begründet und zum anderen praktisch anwendbar ist. Hierzu untersuchte er die verschiedensten Farben und Farbstoffe. Er zerlegte jeden Farbstoff in drei Bestandteile. Diese drei Bestandteile sind weiß, schwarz und die jeweilige Buntfarbe. Diese Arbeit nahm mehrere Jahre in Anspruch. An ihrem Ende stand ein Farbatlas mit 2500 Farben, der 1921 erschien. Die von OSTWALD begründete Farblehre fand Anwendung in der Textilindustrie und Porzellanmalerei. Zwar wurden schon bald objektive Mängel seiner Farblehre sichtbar, dennoch waren seine Versuche die ersten Schritte auf dem Weg zur Kolorimetrie und Systematisierung der Farben.

OSTWALD wurde auch durch das von ihm entwickelte Verfahren zur Salpetersäureherstellung bekannt. Dabei wird Ammoniak katalytisch in drei Teilschritten oxidiert. Zuerst entsteht Stickstoffmonooxid, danach Stickstoffdioxid, das im letzten Teilschritt durch Absorption in Wasser zu Salpetersäure reagiert.
Das Verfahren wurde nach OSTWALD auch als „OSTWALD- Verfahren“ bezeichnet.

WILHELM OSTWALD war mit HELENE V. REYHER verheiratet. Am 4. April 1932 starb er mit 78 Jahren in Leipzig.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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