Arnold Zweig

Lebensgeschichte

Seine Lebensgeschichte führte den Autor von Schlesien (heute Polen) über Berlin im damaligen Preußen nach Palästina und wieder zurück nach Berlin.
ARNOLD ZWEIG wurde am 10. November 1887 in Glogau als Sohn eines Sattlers geboren. Er besuchte die Kattowitzer Realschule als eher durchschnittlicher Schüler und legte im Jahre 1907 sein Abitur ab. Von 1907 bis 1915 studierte er Germanistik, Anglistik, Romanistik, Philosophie, Psychologie, Kunstgeschichte und Nationalökonomie in Breslau, Tübingen, München, Göttingen, Rostock und Berlin.

Seine ersten Veröffentlichungen erfolgten bereits in den Jahren 1906 und 1907. Es waren vor allem Gedichte, Sonette und Aufsätze. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war er noch nationalistisch begeistert. Durch das Kriegserlebnis wandelte er sich allerdings zum entschiedenen Pazifisten. 1915 wurde ZWEIG Armierungssoldat (Angehöriger von Pioniereinheiten) an der Westfront. Ab 1917 war er Mitarbeiter der Presseabteilung im Hauptquartier des Oberbefehlshabers Ost, von 1918 an Mitglied des Soldatenrates in Wilna und seit 1923 Redakteur der „Jüdischen Rundschau“ in Berlin.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten musste ZWEIG aus Deutschland fliehen und emigrierte über die Tschechoslowakei, die Schweiz und das südfranzösische Sanary-sur-Mer nach Palästina. In Haifa lebte er zurückgezogen und isoliert vom hebräischsprachigen Leben. Das war einer der Gründe, warum ZWEIG 1948 nach Deutschland zurückkehrte:

„Ich gehe auf drei Wochen nach Berlin“,

äußerte er vor seiner Abreise.

Die Entscheidung, sich in der sowjetischen Besatzungszone niederzulassen, wurde ihm von der Bundesrepublik lange nicht verziehen und so verwundert es nicht, dass sein Werk dort politisch stark kritisiert wurde. In der DDR dagegen wurde ZWEIG geehrt und gefeiert. Seine Bücher erschienen bald in beachtlichen Auflagen, der „Grischa“-Roman wurde in den Schulen Pflichtliteratur. Trotz seiner marxistischen Weltanschauung bereitete er den marxistischen Interpreten nicht geringe Schwierigkeiten. 1949 und 1967 war er Abgeordneter der Volkskammer, 1950 Präsident und 1953 Ehrenpräsident der Deutschen Akademie der Künste in Berlin. 1957 wurde ZWEIG Präsident des „Deutschen P.E.N.-Zentrums Ost und West“, 1967 des „P.E.N.-Zentrums DDR“. Er starb am 26. November 1968 in Ost-Berlin.

Literarisches Schaffen

Erste literarische Arbeiten entstanden in den Jahren 1906 und 1907. Es sind vor allem Gedichte, Sonette und Aufsätze. Seine frühe Lyrik zeugt von Schwermut und Einsamkeit. Sie ist gekennzeichnet von Identitätskrisen und der Suche nach dem eigenen Ich.

1912 erschienen die impressionistisch geprägten „Novellen um Claudia“, die ihn deutschlandweit bekannt machten. Sie gaben halb in Form eines Novellenkranzes einen Einblick in das Leben des Großbürgertums.

Für die Tragödie „Ritualmord in Ungarn“ (1914, ab 1918 u. d. T. „Die Sendung Semaels“) über die Judenverfolgung erhielt er 1915 den Kleist-Preis.
In seinen Werken setzte sich ARNOLD ZWEIG allerdings eher verhalten mit dem Judentum auseinander.

ZWEIGs bekanntester Roman ist der 1927 geschriebene „Der Streit um den Sergeanten Grischa“, der zum Weltkriegszyklus „Der große Krieg der weißen Männer“ mit den Romanen

  • „Junge Frau von 1914“ (1931),
  • „Erziehung vor Verdun“ (1935),
  • „Einsetzung des Königs“ (1937),
  • „Die Feuerpause“ (1954) und
  • „Die Zeit ist reif“ (1957)

erweitert wurde.

Der „Grischa“ erschien fast zeitgleich mit REMARQUEs „Im Westen nichts Neues“ und LUDWIG RENNs „Krieg“. Hauptinhalt des Romans ist der Streit zwischen Lychow, dem Vertreter alter preußischer Ordnung, und dem modernen technokratischen Militaristen Schieffenzahn um den Kriegsgefangenen Grischa. Dabei werden die Mechanismen der Militärbürokratie, der Untergang des Einzelnen in der Masse und der labyrinthische Charakter der Wirklichkeit durch eine Darstellung der Gesellschaft und einer Analyse der militärischen Herrschaftsstrukturen dargestellt.
Der „Grischa“ wurde ein Welterfolg und gestattete seinem Verfasser ein Leben als freier Schriftsteller. Allerdings konnte er mit späteren Werken nicht mehr an ihn heranreichen.

Im palästinensischen Exil schrieb ZWEIG mit „Das Beil von Wandsbek“ (hebräisch 1943, deutsch 1947), den wohl wichtigsten Exilroman über die Zustände im nationalsozialistischen Deutschland neben ANNA SEGHERS' „Das siebte Kreuz“.

Werke (Auswahl)

  • Aufzeichnungen um eine Familie Klopfer (1911)
  • Die Novellen um Claudia (1912)
  • Abigail und Nabal (1913)
  • Ritualmord in Ungarn (1914)
  • Gerufene Schatten (1923)
  • Frühe Fährten (1925)
  • Regenbogen (1925)
  • Der Streit um den Sergeanten Grischa (1927)
  • Junge Frau von 1914 (1931)
  • Knaben und Männer (1931)
  • Mädchen und Frauen (1931)
  • De Vriendt kehrt heim (1932)
  • Erziehung vor Verdun (1935)
  • Einsetzung des Königs (1937)
  • Versunkene Tage (1938)
  • Das Beil von Wandsbek (1947)
  • Allerleirauh. Geschichten aus dem gestrigen Zeitalter (1949)
  • Über den Nebeln (1950)
  • Die Feuerpause (1954)
  • Soldatenspiele (1956)
  • Die Zeit ist reif (1957)
  • Traum ist teuer (1962)
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