Hermann Kant

Lebensgeschichte

Die Lebensgeschichte von HERMANN KANT begann am 14. Juni 1926 in Hamburg. Als er als Sohn eines Gärtners geboren wurde, dachte niemand an eine schriftstellerische Laufbahn. In seiner Freizeit las er allerdings schon Weltliteratur.
Sechs Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er zum Militärdienst eingezogen und geriet in polnische Kriegsgefangenschaft. In den vier Jahren, die er in den Trümmern Warschaus Arbeitsdienst leistete, dachte er über die „Schuld der Unschuldigen“ nach und wurde Antifaschist. In dieser Zeit begann er zu schreiben.
Nach seiner Rückkehr in die sowjetische Besatzungszone im Jahr 1949 erlernte KANT zunächst den Beruf eines Elektrikers, holte auf der Arbeiter- und Bauernfakultät in Greifswald sein Abitur nach und begann anschließend sein Germanistikstudium in Ost-Berlin. Nach Abschluss seines Studiums wurde er wissenschaftlicher Assistent an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald. Er promovierte mit der Dissertation „Die Darstellung der ideologisch-politischen Struktur des faschistisch-deutschen Heeres in Plieviers Roman Stalingrad“.

Seit 1959 arbeitete KANT nur noch als freier Schriftsteller. 1962 gab er sein Debüt mit dem Erzählband „Ein bißchen Südsee“.
1949 trat KANT in die SED ein – war Mitglied und Parteifunktionär. 1964 wurde er Mitglied im P.E.N.-Zentrum Ost und West, 1969 Mitglied der Akademie der Künste der DDR. 1981 wurde KANT Abgeordneter der Volkskammer und 1986 Mitglied des Zentralkomitees der SED.

Im Schriftstellerverband war er von 1969 bis 1978 unter ANNA SEGHERS Vizepräsident und von 1978 bis 1985 Präsident. Aus gesundheitlichen Gründen gab er 1990 sein Amt auf. Allerdings wurde über die wahren Gründe seines Austritts immer wieder spekuliert, denn die kulturpolitische Situation war damals sehr kompliziert. Es war die Zeit der Ausbürgerung des Liedermachers WOLF BIERMANN und der damit verbundenen Solidarität vieler Schriftsteller und Autoren. Dies führte zu einer Vielzahl von Ausschlüssen und Austritten aus dem Schriftstellerverband.
KANT erhielt zahlreiche Literaturpreise. 1980 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald verliehen.
Ein Jahr nach der Wende im Jahre 1990 bekundete KANT öffentlich: „Ich war Aktivist der DDR“, weigerte sich aber, die aus dem Schriftstellerverband (besonders während der Zeit, als er Vorsitzender des Verbandes war) ausgeschlossenen Autoren als „Opfer“ zu bezeichnen. Mehrmals wurde er von Schriftstellerkollegen als Stasispitzel bezeichnet. Er strengte Unterlassungsklagen gegen Schriftsteller und Zeitungen an, die aus Mangel an Beweisen Erfolg hatten.
1992 gab KANT auch die Mitgliedschaft der Akademie der Künste auf.

Literarisches Schaffen

Seine schriftstellerische Laufbahn begann KANT im Prinzip an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald als Redakteur der Studentenzeitung „tua res“. Später schrieb er Artikel für das Feuilleton im „Neuen Deutschland“.
Seit 1959 arbeitete KANT nur noch als freier Schriftsteller und publizierte 1962 seinen ersten Erzählband „Ein bißchen Südsee“. 1965 wurde sein erster Roman („Die Aula“) veröffentlicht.
In KANTs Werken ist die DDR bzw. ihre Vorgeschichte Gegenstand der Handlung. Die Romane verfolgen meist Etappen der DDR-Geschichte. Während „Die Aula“ (1965) die Aufbaujahre und die ersten Studentengenerationen an der Arbeiter- und Bauernfakultät schildert, handelt „Das Impressum“ (1972) vom Aufstieg eines jungen Büchsenmachers zum Minister. „Der Aufenthalt“ (1977) erzählt die Vorgeschichte der DDR, berichtet vom Kriegsende, von Gefangennahme und Gefangenschaft.
Die Leser in der DDR schätzten KANTs Ironie und Satire. Er ist nicht immer unkritisch. Mit seiner Vorliebe für das Spiel mit Worten trifft er meist genau ins Schwarze, er kann aber auch betroffen machen. Zum Beispiel äußert sich KANT in seinem (von der Kritik verrissenen) Roman „Komoran" (1994) über das Abtreibungsrecht folgendermaßen: „218? Gott verhüte!“.
Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten äußert sich KANT teilweise resigniert, er sei „weder gewendet noch verblendet“ und dass Stimmen wie dieRobert Iswalls nicht gefragt seien. Der Journalist Robert Iswall ist die Hauptperson in KANTs Roman „Die Aula“. Er soll eine Festrede über die Arbeiter- und Bauernfakultäten halten und gerät damit in Konflikte. Der Roman „Die Aula“ (1965) verhalf KANT nach seinem Erscheinen zu außerordentlicher Popularität, nicht nur in der DDR. MARCEL REICH-RANICKI lobte den Erstling als „runden und lesenswerten Roman“, kritisierte allerdings, dass die Anekdote KANTs „ständiger Schlupfwinkel“ sei.

KANT erhielt zahlreiche Literatur- und andere Preise, so u. a.:

  • den Heinrich-Heine-Preis (1963),
  • den Heinrich-Mann-Preis (1967),
  • den Nationalpreis 1. Klasse der DDR (1983) und
  • den Orden der Völkerfreundschaft (1986).

KANT war nie Vorreiter in der DDR-Literatur, aber Werke wie „Die Aula“ und „Der Aufenthalt“ bilden mit Werken anderer Autoren dieser Zeit den Anfang einer neuen literarischen Entwicklungsphase.

Werke (Auswahl)

  • Ein bißchen Südsee (1962, Erzählband)
  • Die Aula (1965, Roman)
  • Das Impressum (1972, Roman)
  • Der Aufenthalt (1977, Roman)
  • Die Summe (1987, Erzählung)
  • Eine Übertretung (1975, Erzählband)
  • Der dritte Nagel (1977, Erzählband)
  • Zu den Unterlagen. Publizistik 1957–1980
  • Bronzezeit (1986, Erzählband)
  • Abspann. Erinnerungen an meine Gegenwart (1991, Autobiografie)
  • Kormoran (1994, Roman)
  • Escape. Ein WORD-Spiel (1995, Roman)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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