Sigmund Freud

Kindheit und Jugend

SIGMUND FREUD wurde am 6. Mai 1856 in Freiburg (Príbor) in Mähren im heutigen Tschechien als SIGISMUND SCHLOMO FREUD geboren. Der bereits 41-jährige Vater, der wohlhabende Wollhändler KALLAMON JAKOB FREUD (1815–1896), hatte nach dem Tod seiner ersten Frau, mit der er bereits zwei Söhne hatte, noch zweimal geheiratet. Seine Frau REBECCA starb kurz nach der Vermählung. Die nach seiner dritten Hochzeit erst 21-jährige AMALIÉ NATHANSON (1835–1930) gebar ihm weitere acht Kinder, von denen SIGISMUND das älteste war. Sein Bruder JULIUS wurde ein Jahr darauf geboren, starb aber schon mit 18 Monaten. Als 1859 sein Vater geschäftliche Schwierigkeiten bekam, die Folge der Technisierung der Textilproduktion waren, aber auch daher rührten, dass er jüdischen Glaubens in einer Kleinstadt, rund 250 km von Wien entfernt, mit römisch-katholischer Mehrheit war, übersiedelte die Familie zunächst nach Leipzig und 1860 nach Wien.

SIGISMUND wurde von der Mutter nahezu vergöttert (sie nannte ihn „mein goldiger Sigi“) und auch der Knabe selbst liebte seine Mutter außerordentlich. Die Beziehung zum patriarchalischen Vater, der bei SIGISMUNDs Geburt bereits Großvater war, hingegen gestaltete sich eher schwierig. Später (1897, in einem Brief an WILHELM FLIESS: Verliebtheit FREUDs in seine Mutter bei gleichzeitiger Eifersucht gegen den Vater) würde FREUD dieser Konstellation die Bezeichnung Ödipuskomplex geben.

Das Leben der Familie FREUD in Wien, der Hauptstadt der damaligen österreichisch-ungarischen k.u.k. Monarchie, gestaltete sich für den Jungen nicht eben freundlicher. Die Familie hatte sich in der bis 1669 überwiegend von Juden bewohnten Leopoldstadt, in der Wohlmutstraße, niedergelassen. Noch 1923 wohnten 38,5% Juden im Stadtbezirk.

Zwar hatten Wiens jüdische Bewohner nun eben das Bürgerrecht erworben (das österreichische Staatsgrundgesetz vom 21. Dezember 1867 gestand den Juden vollständige bürgerliche und politische Freiheit zu), jedoch waren die Vorbehalte der christlichen Wiener gegen Juden doch nicht eben gering. So musste der junge SIGISMUND bei einem Spaziergang mit dem Vater erleben, wie jemand zum Vater sagte: „Runter vom Gehsteig, Jude!“.

Ersten Unterricht erhielt FREUD bei der Mutter. Mit neun Jahren wurde er ins Leopoldstädter Communal-Realgymnasium eingeschult. Er war ein sehr fleißiger Schüler und konnte es mit dem Prädikat summa cum laudae abschließen. Mit 17 Jahren,1873, begann FREUD ein Studium der Medizin. Er entschloss sich zu diesem Studium, nachdem er einen Vortrag von CARL BRÜHL über GOETHE gehört hatte und belegte Zoologie bei CARL CLAUS (1835–1899), Physiologie bei ERNST WILHELM VON BRÜCKE (1819–1892) und Philosophie bei FRANZ VON BRENTANO.

Erste Jahre als Medizinier

Von 1876 bis 1881 arbeitete FREUD am Wiener Physiologischen Institut bei BRÜCKE, u. a forschte er zur Funktionsweise des Nervensystems. BRÜCKE wurde sehr prägend für den jungen Studenten. FREUD ging, wie sein Lehrer, davon aus, dass im Organismus keine anderen Kräfte als physikalisch-chemische wirksam seien. Das wirkte sich auf seine späteren Auffassungen aus.

Seit 1877 nannte er sich SIGMUND FREUD. In diesem Jahr erschien auch seine erste wissenschaftliche Abhandlung unter dem Titel „Beobachtungen über Gestaltung und feineren Bau der als Hoden beschriebenen Lappenorgane des Aals“. 1880 leistete er seinen einjährigen Militärdienst ab und promovierte am 30. März 1881 zum Doctor medicinae (Dr. med.) Sein Thema lautete: „Über das Rückenmark niederer Fischarten.“

Wirkung von Kokain

Er wurde Aspirant und kurze Zeit später Sekundararzt am Wiener Allgemeinen Krankenhaus, wo er z. B. „Eine neue Methode zum Studium des Faserverlaufs im Centralnervensystem“ beschrieb.

Unter THEODOR MEYNERT arbeitete FREUD in der Psychiatrie. Hier widmete er sich 1884–1885 im Laboratorium von SALOMON STRICKER der therapeutischen Wirkung von Kokain, u. a. im Selbstversuch. Er wollte herausfinden, ob diese Droge Depressionen heilen könnte. Zwar konnte er nachweisen, dass Kokain als Lokalanästhetikum eingesetzt werden kann (u. a. erste Lokalanästhesie mit Kokain und chirurgischer Eingriff am Auge eines Patienten durch CARL KOLLER), eine Heilung von Morphinismus (Drogensucht) durch Kokain scheiterte jedoch.

1885 habilitierte FREUD und arbeitete seit September als Privatdozent für Neuropathologie an der Universität Wien. Im Oktober reiste er mit einem Stipendium nach Paris zu JEAN-MARTIN CHARCOT (1825–1893), Professor der Pathologischen Anatomie am Collège de France, wo er an der Nervenklinik Salpêtrière Frauen mit seelischen Erkrankungen ohne organischen Befund (Hysterien) beobachtete. Er wollte nun Behandlungsmethoden bei Hysterie entwickeln.

FREUD heiratet MARTHA BERNAYS

1882 hatte FREUD MARTHA BERNAYS (1861–1951) kennengelernt, mit der er sich am 17. Juni 1882 verlobte. Am 13. September 1886 heiratete FREUD die aus einer bedeutenden deutsch-jüdischen Familie entstammende MARTHA, die seit 1882 in Wandsbek bei Hamburg wohnte. Mit MARTHA hatte FREUD sechs Kinder.

Schon am 25. April 1886 hatte er seine Praxis eröffnet, arbeitete aber teilweise noch im Ersten Öffentlichen Kinder-Krankeninstitut des Wiener Professors für Kinderheilkunde MAX KASSOWITZ (1842–1913), wo er bis 1897 die neurologische Abteilung leitete.

1891 war FREUD in die Berggasse 19 umgezogen, wo er bis zur Emigration nach London 1938 blieb. Hier in der Berggasse richtete er nun auch seine Praxis ein.

Psychoanalyse

Seit seinem Paris-Aufenthalt beschäftigte sich FREUD mit dem Phänomen der Hysterie. 1889 reiste er deshalb nach Nancy zu AUGUSTE AMBROISE LIÉBEAULT (1823–1904) und HIPPOLYTE BERNHEIM (1837–1919), und beim befreundeten Wiener Physiologen und Internisten JOSEF BREUER (1842–1925) lernt er dessen Patientin „Anna O.“ kennen, die an schweren hysterischen Symptomen litt. Mit BREUER versuchte er, die Hypnose als Behandlungsmethode einzusetzen. In der Hypnose sollte der Patient sich seiner traumatischen Erfahrung erinnern und durch Katharsis überwinden. Gemeinsam veröffentlichten sie „Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene“ und „Studien über Hysterie“ (1895). Vor allem letztere Schrift gilt als Geburtsstunde der freudschen Psychoanalyse, deren Betätigungsfeld das unbewusste Seelenleben ist.

Hypnose als Therapiemittel gab FREUD aber bald auf, konzentrierte sich auf die sogenannte freie Assoziation des Gedankenflusses seiner Patienten. Bei der Untersuchung des Unbewussten stieß er auf die beiden Mechanismen Verdrängung und Widerstand. Der Patient verdränge die Erinnerung an schmerzliche Erlebnisse und wehre sich gegen das Erinnern angstvoll.

Zitate von SIGMUND FREUD

Zitate von SIGMUND FREUD

Seit 1897 hatte sich FREUD in einer Art Selbstanalyse mit seinen Träumen beschäftigt. 1900 erschien „Die Traumdeutung“ (siehe PDF "Sigmund Freud - Die Traumdeutung") als „Königsweg zum Unbewussten“. In diesem Werk führte FREUD grundlegenden Begriffe der frühen Psychoanalyse ein: Hier unterschied FREUD

  • bewusste (als augenblickliche Wahrnehmung),
  • vorbewusste (die Erinnerungen und Wissensinhalte) und
  • unbewusste (alle verdrängten, unangenehmen Erinnerungen bzw. nicht erlaubte Triebwünsche)

Anteile der Persönlichkeit.

Er sah den Traum als Produkt eines Triebwunsches an, im Traum würden verdrängte und tabuierte Wünsche sich ins Bewusstsein drängen. Als Aufgabe des Therapeuten nahm er an, die Botschaft der Träume herauszufiltern und zu entschlüsseln, um so eine Heilung der psychischen Störung zu erreichen.

Wichtigstes Utensil FREUDs bei der Behandlung von Patienten wurde die Couch.

FREUD definierte den Begriff Psychoanalyse folgendermaßen:

  1. „... ein Verfahren zur Untersuchung seelischer Vorgänge,
    welche sonst kaum zugänglich sind;
  2. eine Behandlungsmethode neurotischer Störungen, die sich
    auf diese Untersuchung gründet;
  3. eine Reihe von psychologischen auf solchem Wege
    gewonnenen Einsichten, die allmählich zu einer
    wissenschaftlichen Disziplin zusammenwachsen“.

„Psychologische Mittwoch-Gesellschaft“

1902 wurde FREUD von Wiener Ärzten, dem späteren Begründer der Individualpsychologie ALFRED ADLER (1870–1937), RUDOLF REITLER, MAX KAHANE und WILHELM STEKEL (1868–1940) gebeten, mit ihnen über seine Forschungen diskutieren zu dürfen. Daraus entstand sie sogenannte „Psychologische Mittwoch-Gesellschaft“ die sich regelmäßig im Wartezimmer in der Berggasse 19 zu ihren Diskussionsrunden traf und aus der die spätere „Wiener Psychoanalytische Vereinigung“ hervorging.

Hier lernte er auch CARL GUSTAV JUNG (1875–1961), SÁNDOR FERENCZI (1873–1933) und den späteren Philosophen und Literaturwissenschaftler OTTO RANK (1884–1939) kennen. Viele dieser Männer wurden zu seinen „Jüngern“. Die Mittwoch-Gesellschaft führte dazu, dass FREUDs Lehre auch außerhalb Wiens und Österreichs Verbreitung fand und er international anerkannt wurde.

In „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ (1905) führte FREUD weitere zentrale Begriffe ein:

  • Ödipuskomplex, als Kampf des Kleinkindes gegen den Vater (die Vaterinstanz) um die Mutter (die Muttersinstanz),
  • Kastrationsangst als Angst des zwei- bis dreijährigen Jungen vor dem (über)mächtigen Vater, weil der Sohn die Mutter begehrt und
  • Penisneid, als Neid des zwei- bis dreijährigen Mädchens um den Penis des Jungen und dem Wunsch nach einem Kind als Penisersatz.

FREUD deutete die Entwicklung vom Kleinkind bis zum Erwachsen als sechs Phasen der psychosexuellen Entwicklung.

Begriff der „Libido“

In den Zwanzigerjahren kamen zu den zentralen Begriffen drei weitere hinzu:

  • „Es“ als das Unterbewusstsein, das Angeborene, die Triebe,
  • das „Ich“ als Vermittlungsinstanz zwischen dem „Es“ und der Außenwelt und
  • das „Über-Ich“ als die dem Individuum auferlegten Normen und Verhaltensmuster, als Moral-Instanz (vgl. PDF "Sigmund Freud - Das Ich und das Es").

Das Es produziert dabei die sogenannte Libido. Dieser Begriff wird zum Kern der Psychoanalyse. Er bedeutet, dass das Unterbewusstsein verantwortlich ist für Spannung, Lustansprüche und Trieb. Mund, After und Genitalien sind die Bereiche erogener Zonen, in denen die Libido auftritt.
Das Ich ist der Ort der Konflikte. Wenn die Ansprüche des Es mit der Wirklichkeit kollidieren, entsteht Angst, diese wird zumeist durch Verdrängung gelöst.
Das Über-Ich = Gewissen ist der Bereich der moralischen Instanz des Individuums. Es wird durch Verbote und Gebote der Gesellschaft geprägt.

FREUD und C.G. JUNG

Zwischen FREUD und C.G. JUNG (1875–1961), Begründer der analytischen Psychologie, der sich unter teleologischem Aspekt der Psychologie näherte, begann im Jahr 1906 der Briefwechsel, zum ersten Mal trafen sich die beiden 1907. Auch für JUNG war der Traum der wichtigste Wegweiser zum Unbewussten. Jedoch erweiterte er den Begriff des Unbewussten auf das kollektive Unbewusste (Tiefenpsychologie). Nicht die „Libido“ war der Schlüssel zum Unbewussten, sondern die Archetypen als Personifikation unbewusster Komplexe, Urbilder, die man tief in seinem Unterbewusstsein bewahrt. JUNG führte die Kategorien „Schaffensbedürfnis“ und das Bedürfnis der „Selbstverwirklichung“ ein. Er setzte zudem auf die Selbstheilungskraft des Individuums. Damit befand er sich im Widerstreit zu FREUD, seit 1913 trennten sich deshalb ihre Wege.

In seinem Buch „Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung“ (1914) distanzierte sich FREUD von seinen einstigen Mitstreitern JUNG und ADLER, der 1911 aus der „Wiener Psychoanalytischen Vereinigung“ ausgetreten war.

Das Geheime Komitee

Das Geheime Komitee war eine Reaktion auf das enttäuschende Verhalten JUNGS und ADLERS, der ehemaligen Epigonen FREUDS. Aufgabe des Komitees war es, die Reinheit der Lehre zu hüten. Seine Gründung kam auf Initiative von ERNEST JONES (1879 –1958), dem einzigen „offiziellen“ Biographen des Psychoanalytikers, zustande, obwohl FREUD ihm in einem Brief von 1912 gestand:

„Die Idee einer geschlossenen kleinen Truppe, die wie die Paladine Karls des Großen das Reich und die Politik ihres Herrn zu schützen hatte, ist ein Produkt meiner eigenen Romantik gewesen“ (FREUD).

Erste Mitglieder waren die „Jünger“ FERENCZI, RANK, HANNS SACHS (1881–1947), KARL ABRAHAM (1877–1925) und JONES. 1919 nahnm das Komitee als sechstes Mitglied MAX EITINGON (1881-1943) auf. Auch FREUDS Tochter ANNA FREUD (1895–1982), die Begründerin der Kinderanalyse, fand 1924, nach dem Ausscheiden OTTO RANKS, Aufnahme in den Geheimbund. Alle Mitglieder des Komitees erhielten von FREUD einen Siegelring.

Verbreitung der Psychoanalyse

In Salzburg fand 1908 der Erste Kongress für „Freudsche Psychologie“ statt. C. G. JUNG redigierte das auf dem Kongress gegründete Periodikum „Jahrbuch für psychoanalytische und psychopathologische Forschungen“, FREUDs Buch „Über infantile Sexualtheorien“ erschien, in dem er das Konzept des Kastrationskomplexes behandelte. 1909 führte ihn eine Vortragsreise in die USA. Auf dem Zweiten Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Nürnberg wurde die „Internationale Psychoanalytische Vereinigung“ gegründet. ADLER und STEKEL redigierten seitdem das neue „Zentralblatt für Psychoanalyse“, aus der 1912, nach dem Abtrünnig-Werden der beiden einstigen Epigonen, die „ Internationale Zeitschrift für ärztliche Psychoanalyse“ unter den Geheimbund-Mitgliedern FERENCZI, JONES und RANK wurde. Hier erschien erstmals FREUDs kulturtheoretisches Werk „Totem und Tabu“ in Fortsetzungen (als Ganzschrift 1913).
1915 begann FREUDs Vorlesungsreihe, die als „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“ veröffentlicht wurden.
1923 stellte man bei FREUD Gaumenkrebs fest. Er unterzog sich der ersten Operation, der bis 1939 dreißig weitere folgen.

Freud und die Schriftsteller

FREUD lebte im „fin-de-siècle“. Mit seinen Schriften machte er vor allem unter Literaten des Impressionismus auf sich aufmerksam. Seit dem Ersten Weltkrieg hatte FREUD seine Untersuchungen auf Mythologie, Religion, Kunst, Literatur, Kultur, Ästhetik und Gesellschaft ausgedehnt (u. a. in seinen Werken „Der Dichter und das Phantasieren“, 1908, „Das Unbehagen in der Kultur“, 1929, „Der Mann Moses und die monotheistische Religion“, 1939).

Er pflegte Kontakte zu vielen Schriftstellern. 1915 besuchte RAINER MARIA RILKE (1875-1926) den Psychoanalytiker in Wien. Die beiden hatten sich 1912 auf dem psychologischen Kongress in München kennengelernt, an dem RILKE mit der Vertrauten ANNA FREUDs, der Schriftstellerin und Psychoanalytikerin LOU ANDREAS-SALOMÉ (1861–1937), teilgenommen hatte.

1929 veröffentlichte ARNOLD ZWEIG (1887–1968) seinen Essay „Freud und der Mensch“, worin er FREUD als Befreier von religiösem und pathologischem Terror feierte. THOMAS MANN (1875–1955) hatte FREUDs Werk „Totem und Tabu“ als „allen großen Beispielen deutscher Essayistik verwandtes und zugehöriges Meisterstück“ bezeichnet. Er besuchte FREUD 1932. 1936 hielt er anlässlich des 80. Geburtstages FREUDs im Wiener Konzerthaus die mit STEFAN ZWEIG (1881–1942) verfasste Festrede „Freud und die Zukunft“.

Eine Geburtstagsadresse unterschrieben PABLO PICASSO, ROBERT MUSIL, HERMANN BROCH, JAMES JOYCE, FRITZ BUSCH, SALVADOR DALI, ALFRED DÖBLIN, ANDRÉ GIDE, H.G.WELLS, HERMANN HESSE, PAUL KLEE, THOMAS MANN, ROMAIN ROLLAND, FRANZ WERFEL, VIRGINIA WOOLF und STEFAN ZWEIG.

STEFAN ZWEIG hatte 1931 seine Studie über FREUD „Heilung durch den Geist“ veröffentlicht. 1939 erklärte er rückblickend:

„Ich habe einen wahrhaft Weisen gesehen; ich habe Sigmund Freud gekannt“.
(Gedenkrede am Sarge Sigmund Freuds in London)

Bereits 1935 hatte FREUD auf Bitte des Fischer-Verlages eine Festschrift zu THOMAS MANN veröffentlicht. Auch HERMANN HESSE war gewissermaßen „Freudianer“. Bereits 1918 schrieb er „Künstler und Pychoanalyse“ für die Frankfurter Zeitung.

Der amerikanische Schriftsteller THORNTON WILDER besuchte FREUD und diskutierte mit ihm über die Schwierigkeit zwischen moderner Kunst und Psychoanalyse Bezüge herzustellen.

Letzte Lebensjahre

1930 erhielt FREUD den Goethepreis in Frankfurt am Main, von dem er sagte: „Es war der Höhepunkt meines bürgerlichen Lebens ...“. In Wien starb seine Mutter.
Nachdem HITLER die Reichskanzlerschaft in Deutschland angetreten hatte, korrespondierte FREUD mit ALBERT EINSTEIN über die Frage „Warum Krieg?“ Die Bücher der beiden Denker werden neben denen THOMAS und HEINRICH MANNs, bei nationalsozialistischen Bücherverbrennungen verbrannt.
1935 wählte die British Royal Society of Medicine FREUD zum Ehrenmitglied.

Am 12. März 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein, der österreichische Kanzler SCHUSCHNIGG wurde zum Rücktritt gezwungen. Es folgen Wohnungsdurchsuchungen und wahllose Verhaftungen. Man durchsuchte FREUDs Praxis, verhaftete seine Tochter ANNA. Der prominente Psychoanalytiker und seine Familie erhielten Visa zur Einreise nach Großbritannien.

Am 4. Juni verlässt die Familie Wien und fährt über Paris nach London, wo sie am 6. Juni eintrifft. Am 23. September 1939 starb FREUD in London.

Werke (Auswahl)

  • Studien über Hysterie (1895)
  • Die Traumdeutung (1900, siehe PDF "Sigmund Freud - Die Traumdeutung")
  • Psychopathologie des Alltagslebens (1901)
  • Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1905)
  • Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten (1905, siehe PDF "Sigmund Freud - Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten")
  • Über Psychoanalyse (1910, siehe PDF "Sigmund Freud - Über Psychoanalyse")
  • Bruchstück einer Hysterie-Analyse (1905)
  • Der Dichter und das Phantasieren (1908)
  • Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (1916/17)
  • Totem und Tabu: einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der Neurotiker (1913, siehe PDF "Sigmund Freud - Totem und Tabu")
  • Jenseits des Lustprinzips (1921)
  • Das Ich und das Es (1923, siehe PDF "Sigmund Freud - Das Ich und das Es")
  • Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung (1924)
  • Hemmung, Symptom und Angst (1926)
  • Die Frage der Laienanalyse (1926)
  • Die Zukunft einer Illusion (1927)
  • Das Unbehagen in der Kultur (1929, siehe PDF "Sigmund Freud - Das Unbehagen in der Kultur")
  • Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (1933)
  • Der Mann Moses und die monotheistische Religion (1939)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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