Cutter

Ein Spiel- oder Dokumentarfilm ist das Ergebnis des Zusammenwirkens verschiedener Berufe der Filmbranche. Dabei fallen in Spielfilmen die Darstellerleistungen und die Kameraführung besonders ins Auge. Sie werden am ehesten als Ergebnis der Zusammenarbeit der betreffenden Personen (Schauspieler, Kameramann) mit dem Regisseur gesehen.

Von vornherein unterschätzt wird der Beruf des Cutters/ Schnittmeister s. Der Cutter sorgt nicht nur für die fließenden Übergänge zwischen den Kameraeinstellungen und Szenen, sondern er ist gleichzeitig auch verantwortlich für die Dynamik eines Films, indem er, gemeinsam mit dem Regisseur, den Rhythmus der Bildwechsel bestimmt. Je schneller die Bilder wechseln, umso temporeicher erscheint uns der Film. Das Tempo ist bereits im Drehbuch vorgeschrieben.
In einem Spielfilm kommen meist mehr als 400 Schnitte vor. Das Wort „Schnitt“ (engl. = cut) suggeriert, dass der Cutter lediglich für das Wegschneiden überflüssiger oder technisch mangelhafter Szenen verantwortlich zeichnet.
Das französische Wort Montage (engl.: film editing) für die Tätigkeit des Schnittmeisters verdeutlicht aber, dass Cutting wesentlich mehr beinhaltet. So kommt es u. a. darauf an, die gedrehten Einstellungen neu zusammenzuführen. Dabei richtet man sich nach dem vorher erstellten Drehbuch. Beim Dokumentarfilm entscheidet jedoch erst das nach dem Abdrehen vorliegende Material über dessen Platz im Film.

Der letzte, endgültige Schnitt eines Films wird als „final cut“ bezeichnet. Darüber hinaus können jedoch weitere Schnitte durchgeführt werden, so der director‘s cut, wenn der Regisseur nach dem Erscheinen der Kinoversion noch eine erweiterte oder veränderte Version veranlasst und überwacht. Dieser director‘s cut wird oft nur auf DVD oder VHS veröffentlicht. Ein Beispiel dafür ist WOLFGANG PETERSENs „Das Boot“ von 1981.
Für „Der Herr der Ringe“ (2003) wurden „Special extended versions“ geschnitten, die Filmmaterial enthalten, das aus den Kinoversionen herausgeschnitten worden war. So ist „Die Rückkehr des Königs“ 250 Minuten lang und wurde auf 2 DVDs gepresst.

Einfluss auf die ästhetische Wirkung eines Films

Der Cutter hat in jedem Fall einen großen Einfluss auf die ästhetische Wirkung eines Films bzw. von Szenen eines Films. Film-Editoren müssen deshalb nach der ersten Schnittfassung selbstständig Schnittfolgen neu ordnen können sowie in der Lage sein, Szenen umzuschneiden und zu kürzen, um die Erzählstruktur des Filmes den geänderten Bedürfnissen anzupassen. Der Cutter muss wissen, welche Schnitt-Technik er einsetzen muss, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen.

Schnittverfahren

Traditionell wurden Filme mechanisch geschnitten. Der Cutter saß an einem Schneidetisch , schnitt die Filmstreifen auseinander und fügte sie neu wieder zusammen.
Im Computerzeitalter werden elektronische Schnittverfahren verwendet, z. B. der lineare elektronische Schnitt , bei dem der Film etwa mithilfe von Magnetaufzeichnungs- (MAZ) Maschinen vom Zuspielband auf das Schnittband kopiert wird, dabei ist die richtige Reihenfolge der Szenen zu beachten.
Falsches Aneinanderkopieren hat einen neuen Schnitt zur Folge. Non-linearer Schnitt ist nur auf computerbasierten Schnittsystemen möglich. Der analoge bzw. digitale Film wird auf die Festplatte des Computers überspielt.

Analoge Filme müssen erst digitalisiert werden, digitale Filme werden von einem Speichermedium (DV-Kassette, CD) auf ein anderes (Harddisc) ohne Bildverluste übertragen. Dabei beinhalten

  • die PAL-Systeme (Westeuropa außer Frankreich) sowie die SECAM-Systeme (Frankreich, Osteuropa) eine Bildwiederholrate von 25 Bildern/ Sekunde und
  • die NTSC-Systeme (USA) von 30 Bildern/ Sekunde.

Die Bildwiederholrate bezeichnet dabei die Anzahl der Einzelbilder, die pro Sekunde (engl.: frames per second) gesehen werden könnten, denn ein Film besteht aus der Aneinanderreihung von einzelnen Bildern. Erst die Trägheit des menschlichen Auges lässt die Bilder zu einem bewegten Bild werden.

Beim Einfügen von Bildmaterial aus anderen Quellen bzw. beim Schreiben des fertigen Films ist auf die richtige Bildwiederholrate zu achten. Nur Filmsequenzen mit gleicher Bildwiederholrate und Größe lassen sich zu einem Film zusammenschneiden.

Die Schnitte können in beliebiger Reihenfolge durchgeführt und verändert sowie Szenen gekürzt oder verlängert werden. Filmsequenzen werden unter Umständen sogar gedehnt (Zeitlupe) oder in ihrer Farbigkeit verändert (Schwarz/Weiß bzw. Herausfiltern bestimmter Farben).

Schnittsysteme

Es gibt

  • Amateurschnittsysteme,
  • semiprofessionelle Schnittsysteme und
  • professionelle Schnittsysteme.

Amateurschnittsysteme wenden sich an den Hobbyfilmer. Sie sind bereits auf Rechnern mit 256 MB Arbeitsspeicher und Pentium III-Prozessoren ausführbar und sehr gut handhabbar. Allerdings benötigt man sehr viel Zeit und Festplattenspeicher, um einen Videoschnitt durchführen zu können.

Schnittprogramme erkennen die an der Firewire-Schnittstelle (auch: IEEE1394-Standard oder i.Link) angeschlossenen Geräte automatisch und steuern sie direkt.

Firewire-Schnittstellen dienen dem schnellen Datenaustausch zwischen dem Computer und entsprechenden Peripheriegeräten.

Sollen Filme über USB-Schnittstelle übertragen werden, müssen die (oft analogen) Lesegeräte manuell gesteuert werden.

Weitere Möglichkeiten der Quellenentnahme und -bearbeitung sind die über Mini-DVD aufgenommenen Videos bzw. die Memory Cards oder Multimedia Cards. Diese Videos liegen bereits als digitale Dateien vor.

Übertragen eines Films von einer digitalen Kamera auf die Festplatte

Übertragen eines Films von einer digitalen Kamera auf die Festplatte

Die Amateurprogramme erkennen bei digitalem Filmmaterial automatisch die Takes in den gedrehten Videos, d. h. die Passagen, die in einer Kameraeinstellung ohne Unterbrechung aufgenommen wurden. Nicht gelungene Passagen, sogenannte Outtakes, können später herausgeschnitten werden.
Werden analoge Filme überspielt, verwendet man die USB-Schnittstelle. Hier muss der Cutter die cuts meist selbst setzen, d. h., das Schnittprogramm erkennt – besonders bei langsamem USB 1.2 und bei geringerer Prozessorleistung – die schon im Videoband integrierten Schnitte nur ungenügend.
Wird bei Übertragung über USB die Videoqualität zu hoch (etwa DVD-Qualität) eingestellt, versucht das Programm, die Informationen in einer Auflösung von 720 x× 576 zu lesen, was den Einleseprozess  ins Stocken geraten lässt, der Film wirkt abgehackt, Ton- und Videospuren stimmen nicht überein. Empfehlenswert sind hier Video-CD-Standards:
Die Auflösung für Video-CD beträgt bei PAL 352x288 Bildpunkte, bei NTSC 352x240 Bildpunkte.

Automatische Szenenerkennung

Automatische Szenenerkennung

Ein Ausschalten der automatischen Schnitterkennung kann hier eine bessere Videoqualität bedeuten.

Per pop-up-Menü fügt der Cutter weitere Schnitte (hard cuts) und Blenden (soft cuts) ein bzw. verändert die Reihenfolge der Szenen (Ausschneiden, Einfügen, Filmsequenzen teilen, Bild 3).
Blenden , z. B.

Hier zeigt das Pop-up-Menü den Befehl „Clip teilen“. Am senkrechten Strich im Schnittfenster wird ein Schnitt eingefügt. Die markierte Szene könnte mit dem Befehl „Löschen“ auch ausgeschnitten bzw. mit dem Befehl „Kopieren“ an eine beliebige Stelle kopiert werden.

Hier zeigt das Pop-up-Menü den Befehl „Clip teilen“. Am senkrechten Strich im Schnittfenster wird ein Schnitt eingefügt. Die markierte Szene könnte mit dem Befehl „Löschen“ auch ausgeschnitten bzw. mit dem Befehl „Kopieren“ an eine beliebige Stelle kopiert werden.

  • Überblende,
  • Wischblende,
  • Auf- und Abblenden,
  • Trickblende

werden aus einem Blendenvorlage-Ordner entnommen und per drag and drop an den entsprechenden Schnittstellen eingefügt.

Fotos importieren

Jedes Schnittprogramm kann Fotos importieren . Sie werden zu Standbildern im fertigen Film und können ohne Qualitätsverlust beliebig gestreckt bzw. gestaucht werden. Auch Überblendungen sind möglich.

Im Beispiel wurde eine Überblendung benutzt. Das Blendensymbol wird an der Schnittstelle angezeigt. Am Fenster rechts oben kann man die Vorschau der Blende kontrollieren.

Im Beispiel wurde eine Überblendung benutzt. Das Blendensymbol wird an der Schnittstelle angezeigt. Am Fenster rechts oben kann man die Vorschau der Blende kontrollieren.

Nachvertonungen

Für Nachvertonungen stehen Audiospuren (Musik, Sprache) zur Verfügung. Die meisten Schnittprogramme sind in der Lage, Musikdateien auch im komprimierten  *.mp3- bzw. *.wma-Format zu lesen. Allerdings können sie nicht bearbeitet werden. Lediglich eine Lautstärkeregelung ist möglich, die auch punktuell gesetzt werden kann.

Semi- und professionelle Programme

Semiprofessionelle Programme sind oft abgespeckte Varianten (z.  B. die kostenlose „Avid FreeDV“, die jedoch seit dem 04. 09.2007 nicht mehr zu haben ist) der professionellen Schnittsysteme. Sie sind weitaus komplizierter zu bedienen, bieten aber oft bessere Resultate bezüglich der Bildschärfe und Bildfarbe.
Sie benötigen allerdings eine höhere Rechnerleistung, sehr viel Speicherplatz auf der Festplatte und oft zwei Monitore. Der Cutter kann in diesen Programmen allerdings auch die Nachsynchronisation realisieren, weil ein Wave-Editor integriert ist.

Professionelle Schnittprogramme sind für den heimischen Computer nicht gedacht und oft auch gar nicht geeignet. Die Software bereits ist für den Laien oft unerschwinglich, aber auch an die Hardware werden höchste Anforderungen gestellt. So besteht ein Schnittplatz aus mehreren Rechnern, deren Rechenleistungen miteinander gekoppelt sind.

Einfügen einer MP3-Datei in den geschnittenen Film per Drag and Drop in die untere Tonspur

Einfügen einer MP3-Datei in den geschnittenen Film per Drag and Drop in die untere Tonspur

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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