Luther als Übersetzer

MARTIN LUTHER lebte für etwa ein Jahr als Junker Jörg auf der Wartburg. In dieser Zeit übersetzte er das Neue Testament aus der altgriechischen Sprache sowie aus einer lateinischen Übersetzung in die deutsche Sprache. Er benutzte also erstmals den Urtext, nicht wie andere, die sich nur auf den lateinischen „Vulgata“-Text beriefen.

Der Druck des Neuen Testaments erfolgte im September 1522.
LUTHER machte sich bald darauf daran, auch die Bücher des Alten Testaments zu übersetzen. Er nutzte dazu althebräische und altgriechische Ausgaben.

Die folgende Liste zeigt, wie hart der Reformator gearbeitet haben muss:

  • Oktober 1524 - fünf Bücher Mose (Pentateuch), historische und poetische Bücher
  • März 1526 - das Buch Jona
  • Juni 1526 - das Buch Habakuk
  • Januar 1528 - das Buch Sacharja
  • Oktober 1528 - das Buch Jesaja
  • Juni 1529 - die Weisheit Salomonis
  • April 1530 - das Buch Daniel
  • Januar 1533 - Jesus Sirach und 1. Makkabäer

Wie LUTHER die Bibel übersetzte

LUTHER kannte wohl bereits einige Bibeln in deutscher Sprache, die andere Autoren vor ihm übersetzt hatten. Diese Übersetzungen klangen jedoch zu spröde, weil sie sich stets an das Wort, nicht jedoch an den „Sinn des Textes“  hielten. LUTHER bekennt, er wolle „rein und klar Deutsch“ reden, man müsse „die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt“ hören, dem „Volk aufs Maul schauen“.

Dazu bringt er ein Beispiel: „Ex abundantia cordis os loquitur“  müsse man wörtlich übersetzen mit „Aus dem Überfluss des Herzens redet der Mund.“  Das aber verstehe kein Deutscher, heißen müsse deshalb: „Wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über“ (in: „Sendbrief vom Dolmetschen“).

Man müsse viele Worte haben, um dolmetschen zu können, meint LUTHER. Er wollte, dass alle Deutschen seine Bibel verstehen können. Deshalb nutzte er die vielen Dialekte und Regionalekte des Deutschen. Dies beförderte die Herausbildung einer gemeinsamen deutschen Hochsprache und damit einer einheitlichen deutschen Sprachkultur.

Wie schwierig eine Übersetzung werden kann, sieht man an der Arbeit LUTHERS selbst:

Der Psalm 23,1-3 in verschiedenen Stadien der Übersetzung

Vorlutherische deutsche Fassung

Der Herr, der richt’ mich,
und mir gebrast (= mangelte) nit,
und an der Statt der Weide
do satzt’ er mich.
Er fuorte mich ob dem Wasser
der Wiederbringung,
er bekehrt’ mein Seel.
Er fuort’ mich aus auf die
Steig der Gerechtigkeit
umb seinen Namen.

Luthers Handschrift

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er läßt mich weiden
in der Wohnung des Grases
und nähret mich am Wasser
guter Ruhe.
Er kehret wieder meine Seele,
er führet mich auf den
rechten Pfad
umb seins Namens willen.

Erstdruck der Psalmen 1524

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er läßt mich weiden,
da viel Gras steht,
und führet mich zum Wasser,
das mich erkühlet.
Er erquicket meine Seele, er
führet mich auf rechter Straße
umb seins Namens willen.

Psalmenrevision 1531

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich
auf einer grünen Auen
und führet mich
zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele,
er führet mich auf rechter Straße
umb seines Namens willen.

Ein weiterer Vergleich kann angestellt werden durch Vergleich des „Paternoster aus dem Weißenburger Katechismus“ (PDF 3) mit „Matthäus 6 in der Bibelübersetzung des Wulfila“ (PDF 4) und der entsprechenden Übersetzung LUTHERS (PDF 2, „Vaterunser“ ab Vers 9).

Nicht immer, so meint LUTHER, solle man sich jedoch an den Sinn halten, manchmal müsse man der „Sprache Raum lassen, wo sie es besser macht, als unsre deutsch tun kann“ (in: „Summarien über die Psalmen“).

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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