Satzgefüge

Ein Satzgefüge entsteht aus einem Hauptsatz und einem Nebensatz.
Der Nebensatz ist dem Hauptsatz untergeordnet, demzufolge ist er von ihm abhängig.
Der Hauptsatz könnte als selbstständiger Satz stehen. Der Nebensatz kann nur in Verbindung mit dem Hauptsatz existieren. Zwischen dem Hauptsatz und dem Nebensatz steht ein Komma.

Anne ging zum Klavierunterricht, obwohl sie sich nicht wohl fühlte.

Überprüfe, welcher der beiden Teilsätze auch allein stehen könnte!

Woran erkennt man den Nebensatz?
Einmal, wie schon gesagt, an seiner Unselbstständigkeit.
Er braucht also einen übergeordneten Hauptsatz.
Auch im Nebensatz sind Subjekt und Prädikat obligatorisch. Die finite Verbform steht jedoch im Nebensatz – im Unterschied zum Hauptsatz – an letzter Stelle, wenn der Nebensatz durch ein Einleitewort eingeleitet wird. Der Satzform nach handelt es sich dann um einen Spannsatz. Den Spannungsbogen bilden das Einleitewort und die finite Verbform.

Computer erleichtern die Arbeit, wenn sie zweckmäßig eingesetzt werden.

Fehlt das Einleitewort (wenn) im Nebensatz, nimmt die finite Verbform die Spitzenstellung ein (Satzform: Stirnsatz). Meist geht der Nebensatz dann dem Hauptsatz voraus. Trotzdem bleibt er dem Hauptsatz untergeordnet.

Werden sie zweckmäßig eingesetzt, erleichtern Computer die Arbeit.

Man kann Nebensätze auch am Inhalt erkennen. Sie vertreten nämlich Satzglieder oder Satzgliedteile (Attributsatz). Darum spricht man beim Nebensatz auch vom Gliedsatz, außer beim Attributsatz. Weil der Attributsatz – ebenso wie das Attribut – kein selbstständiges Satzglied ist, kann er nur ein Gliedteilsatz sein.
So wie nach allen Satzgliedern kann man auch nach allen Nebensätzen fragen, um deren Inhalt zu bestimmen.

Einteilung der Nebensätze nach vier Kriterien

1. nach der Art und Form des Einleitewortes:
Konjunktionalsätze werden durch eine Konjunktion (z. B. weil, obwohl, dass) eingeleitet.

Der Pelz des Eisbären ist so dick, dass ihm die arktische Kälte nichts ausmacht.
Damit das stattliche Tier sich fortpflanzen kann, wacht es im Frühjahr wieder auf.

Relativsätze werden durch ein Relativpronomen eingeleitet (D-Wörter: der, die, das) bzw. durch eine Präposition und ein Relativpronomen (z. B. auf dem/der).

Der Eisbär ist ein Säugetier, das an extreme Lebensbedingungen gewöhnt ist.
Der Eisbär verbleibt lange Zeit auf Eisschollen,
auf denen er sich treiben lässt.

Indirekte Fragesätze (Interrogativsätze) werden durch Fragewörter (Interrogativpronomen, W-Wörter: wann, wo, wer, wie, weshalb ...) eingeleitet.
Eine innere Uhr sagt dem Eisbären, wann es Frühling ist, und er wacht aus dem Winterschlaf auf.

2. nach der Stellung innerhalb des Satzgefüges:
Der Nebensatz kann vor dem Hauptsatz stehen. Dann ist er ein Vordersatz.
Solange das Nahrungsangebot ausreicht, bleibt der Eisbär in festen Gebieten.

Man kann den Satz aber auch umdrehen:
Der Eisbär bleibt in festen Gebieten, solange das Nahrungsangebot ausreicht.

Dann spricht man von einem Nachsatz, denn der Nebensatz kommt nach dem Hauptsatz.

Und man kann den Nebensatz in den Hauptsatz einschieben. In diesem Fall handelt es sich um einen Zwischensatz.
Achtung: Da der Nebensatz den Hauptsatz unterbricht, wird er von zwei Kommas eingeschlossen.
Der Eisbär bleibt, solange das Nahrungsangebot ausreicht, in festen Gebieten.

3. nach dem Grad der Abhängigkeit vom übergeordneten Hauptsatz:
Es gibt sehr umfangreiche Sätze, die mehrere Nebensätze enthalten. Wenn man genau prüft, in welchem Verhältnis sie zum übergeordneten Hauptsatz stehen, kann man sie leicht durchschauen. Das ist entscheidend für die Kommasetzung.

Es gibt zwei grundsätzliche Möglichkeiten:

Jörn möchte von der Chorleiterin wissen, wann die Chorfahrt stattfindet, wohin die Reise gehen soll, wer sich an der Vorbereitung beteiligt und wie viel die Fahrt kostet.

Wie viele Nebensätze enthält dieser zusammengesetzte Satz?
Zur Erinnerung: Alle Nebensätze sind hier mit einem Fragewort (W-Wörter) eingeleitet.
Richtig! Es sind vier Nebensätze, und alle diese Nebensätze beziehen sich auf den Hauptsatz. Es ist also eine Aufzählung von Nebensätzen. In Gedanken könnte man statt des Kommas zwischen alle Nebensätze die koordinierende Konjunktion und setzen. Koordinierend heißt: Alle Nebensätze sind gleichwertig oder gleichrangig. Sie stehen also in einem nebengeordneten Verhältnis. Nur der Hauptsatz ist übergeordnet.

Man könnte auch vier Sätze daraus machen:
Jörn möchte von der Chorleiterin wissen, wann die Chorfahrt stattfindet.
Jörn möchte von der Chorleiterin wissen, wohin die Reise gehen soll.
Jörn möchte von der Chorleiterin wissen, wer sich an der Vorbereitung beteiligt.
Jörn möchte von der Chorleiterin wissen, wie viel die Fahrt kostet.

Im Satzbild sieht das Satzgefüge mit vier gleichrangigen Nebensätzen so aus:
__________,
............................, ......................, ................., ................... .

4. Dann gibt es noch diese Möglichkeit:

Jörn möchte von der Chorleiterin wissen, wann die Chorfahrt stattfindet, auf die er sich das ganze Jahr schon freut, auch wenn er nicht an allen Proben teilnehmen konnte, weil er öfter krank war.

Nur der erste Nebensatz bezieht sich auf den Hauptsatz. Er ist Nebensatz ersten Grades, weil er direkt vom Hauptsatz abhängig ist.
Der zweite Nebensatz bezieht sich auf den ersten Nebensatz, darum ist er Nebensatz zweiten Grades.
Da sich der dritte Nebensatz auf den zweiten und der vierte auf den dritten bezieht, sind diese Teilsätze Nebensätze dritten und vierten Grades.
Man muss also ganz genau hinsehen:
Worauf bezieht sich das, was im Nebensatz ausgesagt wird?
In diesem Fall befinden sich die Nebensätze in einem subordinierten Verhältnis, das heißt in einem Verhältnis der Unterordnung. Jeder der Nebensätze bezieht sich auf den vorangegangenen übergeordneten Satz, nur durch ihn können die Nebensätze existieren.

Jörn möchte ....,
 wann die Chorfahrt ....,
 auf die er sich ....,
 auch wenn er ....,
 weil er .... .
Zur Verdeutlichung das Satzbild:
____HS______,
 

NS 1. Grades,
........................,

 NS 2. Grades,
........................,
 NS 3. Grades,
........................,
 NS 4. Grades.
...................... .

 

Man unterscheidet Nebensätze auch nach ihrem Inhalt:


Nebensätze vertreten ihrem Inhalt nach Satzglieder.

Wie nach den Satzgliedern im einfachen Satz, die aus Wörtern oder Wortgruppen bestehen, kann man auch nach dem Inhalt der Nebensätze fragen. Darum spricht man bei Nebensätzen von Gliedsätzen. Eine Ausnahme machen die Attributsätze. Genau wie Attribute im einfachen Satz, die bekanntlich immer nur Teile von Satzgliedern sind, ist auch der Attributsatz nur ein Gliedteilsatz, also kein selbstständiges Satzglied. Ein Attribut im einfachen Satz bezieht sich immer auf ein Substantiv/Nomen, erklärt oder beschreibt es näher. Darum ist es auch immer Teil des Satzgliedes, das das Substantiv/Nomen im einfachen Satz repräsentiert. Analog verhält sich der Attributsatz. Er bezieht sich immer auf ein Substantiv/Nomen im übergeordneten Teilsatz.

Du musst unbedingt das Buch lesen, das noch spannender erzählt als der Film.

Das Buch wird also im Attributsatz noch näher erklärt.

Wenn wir also über den Inhalt eines Nebensatzes nachdenken, verwenden wir die Bezeichnung Gliedsatz. Und weil wir alle Satzglieder erfragen können, können wir das auch bei Gliedsätzen.
Die wichtigsten Gliedsätze im Überblick:

1. Der Subjektsatz

Es ist fraglich, ob er kommen wird.
Wer oder was?

Wer oder was ist fraglich?

Es enttäuscht sie, dass er nicht gekommen ist.

Woran es lag, ist noch nicht geklärt.

Einleitewörter: ob, dass, Fragewörter

2. Der Objektsatz

Fragepronomen
Wessen?
Wem?
Wen oder was?
Worum?/andere Fragepronomen

Beispiele:
Ich erinnere mich, dass ich den Film früher schon einmal gesehen habe.
Wessen erinnere ich mich?
Wer noch Probleme hat, dem helfe ich.
Wem helfe ich?
Sie hatte sofort gesehen, dass das Kind Hilfe brauchte.
Was hat sie sofort gesehen?
Peter spürte, wie ihn die täglichen Übungen voranbrachten.
Was spürte Peter?
Die Schülerin bat die Lehrerin (darum), dass sie ihr die Aufgabe noch einmal erklärt.
Worum bat die Schülerin?

3. Der Adverbialsatz

Der Adverbialsatz teilt sich – wie die Adverbialbestimmungen im einfachen Satz – auf nach der Zeit (Wann?, Temporalsatz), dem Ort (Wo?, Lokalsatz), der Art und Weise (Wie?, Modalsatz) und dem Grund (Warum?, Kausalsatz).

Temporalsatz
Da steckt das Wort Tempo drin, und Tempo hat etwas mit Zeit zu tun.
Die zwei Handlungen, die jeweils im Haupt- und im Nebensatz stattfinden, können gleichzeitig auftreten (Gleichzeitigkeit), die Handlung des Temporalsatzes kann nach dem Geschehen des Hauptsatzes stattfinden (Nachzeitigkeit) oder vor dessen Geschehen (Vorzeitigkeit). Dieses zeitliche Verhältnis zeigt uns der temporale Nebensatz durch sein Einleitewort an. Außerdem erfahren wir im Temporalsatz, ob es sich um einen Zeitpunkt, eine Dauer oder um die Häufigkeit eines Geschehens handelt.
Wann? (Zeitpunkt)
Wie lange? (Dauer)
Wie oft? (Häufigkeit)

Gleichzeitigkeit:
Als das Klingelzeichen ertönte, begaben sich alle auf ihre Plätze.
Wann begaben sich alle auf ihre Plätze?

Dieser temporale Nebensatz drückt den genauen Zeitpunkt aus. Das Geschehen beider Teilsätze findet zur gleichen Zeit statt (Gleichzeitigkeit).
Sooft das Jugendsinfonieorchester in unserer Stadt auftritt, besuche ich seine Konzerte.
Wie oft?

Auch hier finden die zwei Handlungen in Haupt- und Nebensatz zur gleichen Zeit statt. Das Einleitewort sooft hebt hervor, dass es hier um ein wiederholtes Geschehen, um Häufigkeit geht.

Vorzeitigkeit:
Nachdem wir die Garderobe abgelegt hatten, begaben wir uns in den Zuschauerraum.
Anders dieser Temporalsatz. Das Einleitewort nachdem zeigt Vorzeitigkeit an. Für den Satzinhalt bedeutet das: Erst legten wir die Garderobe ab. Dann begaben wir uns in den Zuschauerraum.

Nachzeitigkeit:
Bevor ich mich ganz der Musik hingab, schaute ich mir den prunkvollen Saal an.
Wann?

Bevor leitet einen Temporalsatz ein, dessen Geschehen nach dem Geschehen im übergeordneten Hauptsatz stattfindet (Nachzeitigkeit): Erst schaute ich mir den prunkvollen Saal an. Danach gab ich mich ganz der Musik hin.

Wir blieben so lange sitzen, bis der letzte Applaus verklungen war. Wie lange?

Auch bis steht für Nachzeitigkeit, speziell für den Endpunkt einer Handlung von gewisser Dauer.

Lokalsatz
Fragepronomen
Wo?
Wohin?
Wie weit?
Wo fragt nach dem Ort, wohin nach der Richtung, wie weit fragt nach dem Erstreckungsbereich.
Sie trafen sich wieder, wo sie sich kennengelernt hatten.
Wo trafen sie sich wieder?
Sie gingen, wohin sie wollten.
Wie weit sie auch blickten, ringsum war nur Wasser.

Modalsatz

Fragepronomen
Wie?/Auf welche Art und Weise?/Womit?
Unter welchen Umständen?

In einem Nebensatz, der seinem Inhalt nach ein Modalsatz ist, erfahren wir etwas über die Art und Weise eines Geschehens.
Das kann das Mittel sein, mit dem ein bestimmter Erfolg erzielt wird:

Fingerfertigkeit beim Klavierspielen erreicht man, indem man täglich übt.
Auf welche Art und Weise/womit erreicht man die Fingerfertigkeit?

Es kann der fehlende Begleitumstand zu einem Geschehen sein:

Schon als kleines Kind setzte sie sich ans Klavier, ohne dass die Eltern es von ihr verlangten.

Und der Modalsatz kann einen Vergleich anzeigen:

Sie möchte einmal so berühmt werden, wie Clara Schumann es im 19. Jahrhundert war. (Gleichheit)
Wie berühmt möchte sie einmal werden?

Sie ist erfolgreicher, als es alle von ihr erwartet hatten. (Ungleichheit)
Wie ist sie?

Kausalsatz

Der Kausalsatz im engeren Sinne fragt nach der Ursache. Man fragt danach mit „warum“?
Über die Folge wird etwas im Hauptsatz ausgesagt.

Er kam verspätet zum Unterricht, weil er die Bahn verpasst hatte.
Da wenig später die nächste Bahn fuhr, konnte er den Mathetest noch mitschreiben.

Im weiteren Sinne gehören zu den Kausalsätzen, in denen es auch immer um Ursache-Folge-Beziehungen geht:

4. Konditionalsatz
Unter welcher Bedingung?

Wenn über Konditionen verhandelt wird, dann geht es um die Bedingungen.

Wenn nichts dazwischenkommt, fliegen wir im Sommer nach Kanada.
Unter welcher Bedingung fliegen wir nach Kanada?

Falls ich krank werde, muss ich die Reise verschieben.
Unter welcher Bedingung muss ich die Reise verschieben?

Sofern ich Zeit habe, lese ich vorher viel über dieses Land.
Unter welcher Bedingung lese ich viel über dieses Land?

5. Konzessivsatz
Trotz welchen Umstandes?

Im Nebensatz wird eine Ursache eingeräumt, deren erwartete Folge (im Hauptsatz) aber nicht eintritt:

Der Abend war lau und hell, obwohl Regen angesagt war.
Trotz welchen Umstandes war der Abend lau und hell?

6. Konsekutivsatz
Der Inhalt dieses Nebensatzes zeigt uns eine Folge an, die sich direkt aus dem Geschehen des Hauptsatzes ergibt:

Bei seinem ersten Auftritt war er sehr aufgeregt, sodass er den Text vergaß.
Mit welcher Folge war er aufgeregt?

7. Finalsatz
Zu welchem Zweck?
Mit welchem Ziel?

Das Finale ist das Ende, das Ziel. Wer kennt es nicht aus dem Sport?
Das drückt auch der Finalsatz aus: ein Ziel, eine Absicht, einen Zweck.

Er geht das Rennen nicht zu schnell an, damit er in der letzten Runde noch Reserven hat.
Zu welchem Zweck geht er das Rennen nicht zu schnell an?

8. Attributsatz
Welcher? Welche? Welches?
Was für ein/eine?

Der Attributsatz ist ein Nebensatz ohne Satzgliedfunktion. Wie das Attribut nur ein Satzgliedteil ist, ist auch der Attributsatz ein Gliedteilsatz.
Der Attributsatz bezieht sich immer auf ein Substantiv/Nomen im übergeordneten Hauptsatz.

Der Vater schenkte Paula das Buch, das sie sich schon lange gewünscht hatte.
Welches Buch schenkte der Vater Paula?

Der Roman, mit dem er sie überraschte, ist eine der spannendsten Abenteuergeschichten.
Welcher Roman ist eine der spannendsten Abenteuergeschichten?

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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