William Butler Yeats

Biografie

WILLIAM BUTLER YEATS wurde 1865 als Sohn eines Porträtmalers in Irland geboren. Nachdem er in Dublin Kunst studiert hatte, zog er nach London, wo er 1889 in Kontakt mit OSCAR WILDE und den Ästheten des Fin de Siècle trat, die sich aus der Untergangsstimmung der Jahrhundertwende in eine ästhetisierte Weltsicht flüchteten.

YEATS unterstützte die irische Nationalbewegung, die zur Rückbesinnung auf die eigene Geschichte und Kultur aufforderte. Vereinigungen wie die 1892 gegründete National Literary Society boten engagierten Autoren ein Forum zur öffentlichen Darstellung ihrer Ideen. In diesem Umfeld setzte sich YEATS für die Förderung der englischsprachigen Literatur und die Bewahrung der keltischen Kultur ein. Gemeinsam mit Lady ISABELLA AUGUSTA GREGORY rief er 1899 das Irish Literary Theatre (1904 in Abbey Theatre umbenannt) ins Leben, das er bis zu seinem Tod leitete. Seine Eheschließung mit GEORGIE HYDE-LEES beendete 1917 sein vergebliches Werben um die Freiheitskämpferin und Schauspielerin MAUDE GONNE, die in seinen Stücken auftrat und in seinem Werk eine wichtige Rolle spielt. Zwischen 1922 und 1928 gehörte YEATS dem irischen Senat an. 1923 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Literarisches Schaffen

Im Bereich des Schauspiels gilt YEATS als Erneuerer des poetic drama. Das von ihm und Lady GREGORY 1899 gegründete Irish Literary Theatre gab der anglo-irischen Dramatik entscheidende Impulse. Dort wurden YEATS' – meist in Versen geschriebene – Stücke aufgeführt. In Ablehnung der realistischen Stilart schuf YEATS ein neues poetisch-symbolisches Drama, das durchweg irische Themen mit zum Teil märchenhaften Elementen zum Inhalt hatte. Beispiele hierfür sind The Countess Kathleen (1892) und The Land of Heart's Desire (1894).

Den Streitern für das irische Theater wäre jedoch kein dauerhafter Erfolg beschieden gewesen, wenn auf dem Spielplan des Irish National Theatre nur die Dramen YEATS' und die burlesken Einakter Lady GREGORYS gestanden hätten. YEATS' wesentlicher Beitrag zum anglo-irischen Theater besteht weniger in seinem dramatischen Werk, als in der Entdeckung von JOHN MILLINGTON SYNGES. Abgesehen von SEAN O'CASEY kann SYNGES als der herausragende Dramatiker der irischen Nationalliteratur gelten.

Nach 1913 standen YEATS' Dramen untere dem Einfluss von EZRA POUND, der zeitweilig als sein Sekretär arbeitete. Sie wurden zunehmend von der rituell-symbolischen Strenge des japanischen No-Spiels beeinflusst, wie das Stück At the Hawk's Well (1917) erkennen lässt.

Die Gedichte

YEATS' frühe Gedichte entstanden unter dem Einfluss des französischen Symbolismus, der Präraffaeliten und seiner Beschäftigung mit den Romantikern WILLIAM BLAKE und PERCY BYSSHE SHELLEY. Geprägt wurden sie aber auch von YEATS' mystischen und okkulten Neigungen. YEATS' Lyrik schlug zunächst einen melancholisch wohlklingenden Ton an, der, in elegische Rhythmen gefasst, Leser und Zuhörer betören sollte. Ihre Motive entstammten häufig der keltischen Mythen- und Sagenwelt.

In den späteren, nach der Jahrhundertwende erschienenen Gedichtbänden löst sich YEATS von den spätromantischen und präraffaelitischen Vorbildern. Seine Lyrik wird präziser und nimmt durch die Einbindung umgangssprachlicher Elemente gelegentlich den Stil der frühen Gedichte T. S. ELIOTS vorweg. In seiner durch die kulturpolitische Arbeit beeinflussten Gedichtsammlung Responsibilities (1914) hebt YEATS die öffentliche Verantwortung des Dichters hervor. Das 1925 in Zusammenarbeit mit seiner Frau GEORGIE HYDE-LEES entstandene mystisch-philosophische Werk A Vision weist mit dem Entwurf eines zyklischen Geschichtsbildes voraus auf die bedeutenden Lyrikbände The Tower (1928) und The Winding Stair (1929). Diese beleuchten vielfältig mit sprachlicher und formaler Meisterschaft Themen wie Zeit und Vergänglichkeit sowie die Gegensätze von Körper und Geist, Kunst und Leben. Letzter Schaffenshöhepunkt sind die Last Poems and Two Plays (1939), in denen YEATS sein künstlerisches Vermächtnis formuliert.

WILLIAM BUTLER YEATS gilt als einflussreicher Initiator der irischen literarischen Bewegung um die Jahrhundertwende („keltische Renaissance“) und wird als bedeutender Erneuerer der englischsprachigen Lyrik und Dramatik angesehen.

Weitere Werke (Auswahl)

Lyrik
The Wanderings of Oisin, and Other Poems (1889)
The Wind Among the Reeds (1899)
The Green Helmet, and Other Poems (1910)
The Wild Swans at Coole (1917)
Michael Robartes and the Dancer (1920)
A Full Moon in March (1935)

Dramen
The Shadowy Waters (1900)
The Hour-Glass, a Morality (1903)
The King's Threshold (1904)
Deirdre (1907)
Four Plays for Dancers (1921)
The Cat and the Moon (1924)

Autobiographisches
Reveries over Childhood and Youth (1915)
Autobiography (1926)
Dramatis personae (1935)

Essays
Ideas of Good and Evil (1903)
Discoveries (1907)
The Cutting of an Agate (1919)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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