Charakterisierung

Funktion und Aufbau der Charakterisierung

Es geht um die Erfassung von wesentlichen Merkmalen und Eigenschaften einer oder mehrerer Figuren. Aufgezeigt werden soll, wie die einzelnen Merkmale und Eigenschaften zusammengebracht werden können, sodass eine individuelle literarische Figur entsteht.
Die literarische Charakteristik besteht aus drei Teilen:

  • Die Einleitung offenbart verschiedene Kurzinformationen, mit denen zum Hauptteil hingeführt wird.
     
  • Im Hauptteil wird darauf aufgebaut und über verschiedene Stufen ein Bild eines Figurencharakters gezeichnet, wobei Aussagen über die charakterlichen Merkmale der Figur zu einem Gesamtgefüge miteinander verbunden und am Text nachgewiesen werden.
     
  • Beendet wird die Charakterisierung im Schlussteil mit einem eigenen zusammenfassenden Standpunkt (point of view/standpoint). Es erfolgt ein abschließende Beurteilung.

Merkmale der Charakterisierung

Als wichtigstes Merkmal der literarischen Charakteristik gilt die Untersuchung, inwiefern bestimmte Charaktermerkmale einer Figur durch die Gesellschaft geprägt sind.
Für eine Charakteranalyse stellt man sich somit die Frage, ob gewisse abgebildete Verhaltensweisen in einer Gesellschaft zu einem konkreten Zeitpunkt weitverbreitet waren oder wenigstens allgemein akzeptiert wurden oder gar als unwürdig betrachtet wurden; falls dies nicht festzustellen ist, können sie auf die Persönlichkeit zurückgeführt werden. Somit steht im Zentrum einer jeden Charakterisierung die Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz bzw. Bedingtheit charakterlicher Eigenschaften.
Die literarische Charakteristik lässt sich auf vier unterschiedliche Arten durchführen:

  • Die Einzelcharakteristik analysiert eine oder mehrere einzelne Figuren hinsichtlich ihrer charakterlichen Eigenschaften.
     
  • Die vergleichende Charakteristik untersucht verschiedene Einzelfiguren eines literarischen Textes bezüglich ihrer Merkmale und Eigenarten und vergleicht sie zusammenfassend miteinander.
     
  • Die Typencharakteristik blickt auf bestimmte Figuren oder Figurengruppen als Charaktertypen und beobachtet deren Verhalten in Hinblick dieser typischen charakterlichen Kennzeichen.
     
  • Die Gruppencharakteristik konzentriert sich dagegen auf eine Gruppe literarischer Figuren, um schließlich gemeinsame charakterliche Merkmale herausarbeiten zu können.

Hinsichtlich der sprachlich-stilistischen Form einer Charakterisierung sind außerdem folgende Merkmale zu beachten:

  • Die Charakterisierung erfolgt im Präsens.
     
  • Charakterisiert wird stets in einem sachlich distanzierten, nüchternen Sprachstil.
     
  • In einer Charakterisierung sind einzelne Zitate möglich.

Einzelcharakteristik

Bei der Einzelcharakteristik sind unterschiedliche Gliederungsschemata möglich. Die Reihenfolge der Gesichtspunkte, die im Hauptteil genannt wurden, hängt demnach davon ab, wie bedeutsam sie für die Charakterisierung sind.
Ein Gliederungsschema einer Figur mit Schwerpunkt Charaktereigenschaften könnte für einen dramatischen Text folgendermaßen gestaltet werden:

1. Einleitung

Die Einleitung enthält bündige Informationen über den Autor und den Titel des Theaterstückes, sowie Angaben zur Textart. Weiterhin sollte der Inhalt kurz zusammengefasst werden, sodass auch die Bedeutung der Figur innerhalb des Dramas erkennbar wird.

2. Hauptteil

Im Hauptteil geht es um die Themenfrage, bei der die beobachteten Merkmale sorgfältig erfasst und aufgelistet werden, um ein ganzheitliches Bild der analysierten Figur entstehen zu lassen.

2.1Die äußere Erscheinung der Figur (über Anweisungen der Regie zu erarbeiten)
2.1.1Alter und Geschlecht
2.1.2Körperbau
2.1.3Kleidung
  
2.2Die soziale Lage der Figur
2.2.1
2.2.2
  
2.3Die psychische Verfassung der Figur
2.3.1
2.3.2
  
2.4Das Verhalten und Handeln der Figur
2.4.1Sprachliche Fähigkeiten
2.4.2Verhalten in Bezug auf Mimik und Gestik (ebenfalls über Regieanweisungen zu erhalten)


3. Schluss

Zum Schluss der Einzelcharakteristik wird ein zusammenfassendes, abschließendes Werturteil über die charakterlichen Eigenschaften der Figur formuliert.

Direkte Charakterisierung

Bei der literarischen Charakterisierung unterscheidet man zwei Grundformen; die direkte und die indirekte Charakterisierung.
Direkt wird die Figur vom Erzähler selbst oder anderen Figuren des epischen Werks mit Hilfe von Beschreibungen und Kommentaren charakterisiert.

Die direkte Charakterisierung durch den Erzähler kann durch eine kommentierende, auf eine Außensicht gestützte Beschreibung einer Figur erfolgen. Weiterhin ist dies möglich durch die Darstellung von Handlungen, Gefühlen, Wahrnehmungen, Sinneseindrücken und Beziehungen der Figur zu einer oder mehrerer anderer Figuren. So werden Ähnlichkeiten, sowie Gegensätze verdeutlicht.
Außerdem ist die Einordnung der Figur in einen zeitlichen, räumlichen und ursächlichen Zusammenhang der Geschichte, aber auch die Redeinhalte, einschließlich der indirekten Rede, von essenzieller Bedeutung für die Charakterisierung.

Eine direkte Charakterisierung durch die Figuren kann in Form der direkten Redewiedergabe oder der inneren Gedankenwiedergabe einer anderen Figur geschehen. Aber auch die Figur selbst kann sich charakterisieren.

Indirekte Charakterisierung

Durch die indirekte Charakterisierung beschreibt sich die Figur durch ihre wörtliche Rede und ihr Verhalten selbst. Außerdem kann auch der Erzähler indirekte Charakterisierungen machen.

In der indirekten Figurencharakterisierung durch den Erzähler können bei verschiedenen Figuren Kontraste und Gegensätze bzw. bei ähnlichen Figuren Gemeinsamkeiten verdeutlicht werden.
Weiterhin kann auch Namengebung ein Hinweis auf den Charakter der Figur sein, wie z. B. in lautmalenden, sprechenden oder klassifizierenden Namen.
Außerdem spielt in der Figurencharakterisierung auch die Einordnung der Figur und vor allem die Häufigkeit ihres Auftritts im Drama eine bedeutende Rolle.

Die indirekte Figurencharakterisierung durch die Figuren selbst kann in Form ihrer eigenen charakteristischen Redeweise erfolgen.
Nicht unwichtig ist bei der Analyse auch die Frage, ob die Figuren es vorziehen, bestimmte Inhalte in Form von direkter Rede oder innerer Gedanken mitzuteilen.

Requisiten – Grundlage für ein Spielthema

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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