Kanada, Geschichte

Europäische Besiedlung

Die ersten europäischen Besucher waren norwegische Seeleute, die über Britannien, Irland, Island und Grönland Neufundland erreichten und Ende des 10. Jahrhunderts kurzweilig Ansiedlungen zum Handel mit den Eskimos bildeten. Die Stützpunkte wurden jedoch bald wieder aufgegeben.
1497 kam schließlich der italienische Navigator CABOTO (engl.: JOHN CABOT) im Auftrag des englischen Königs - auf der Suche nach einem kürzeren Seeweg nach Asien - über die Nordwestpassage nach Neufundland sowie Neuschottland.
Durch die reichhaltigen Fischgründe bei Neufundland wurden im 16. Jahrhundert europäische Fischer aus Großbritannien, Frankreich, Spanien und Portugal auf Kanada aufmerksam und gründeten an der Küste zahlreiche, kleine Siedlungen.
Auf seiner Expedition entlang des Sankt-Lorenz-Stroms im Jahre 1535 nahm JACQUES CARTIER dieses Gebiet – im Namen der französischen Krone – als Kolonie Neufrankreich in Besitz. Das Fehlen der erhofften Bodenschätze ließ das Interesse Frankreichs an der Region sinken, bis im Jahre 1608 einige Siedler um SAMUEL DE CHAMPLAIN die Stadt Québec gründeten. Von diesem Fort aus organisierten die Bewohner den Pelzhandel mit den Indianern. 1674 übernahm die französische Krone die Verwaltung der Kolonie und weitere Forts entstanden entlang des Sankt-Lorenz-Stroms, um die Großen Seen bis in die Mississippi-Region hinein nach Louisiana.

Kriege zwischen Engländern, Franzosen und Indianern

Die Spannungen zwischen zwischen französischen Siedlern und englischen Kolonien nahmen seither zu. Verfeindete Indianerstämme - Irokesen auf englischer und Huronen auf französischer Seite - waren in die Kämpfe um Gebietsansprüche involviert. Ihren Höhepunkt erreichten die Auseinandersetzungen der Kolonialmächte um Kanada im Siebenjährigen Krieg. Der Friede von Paris 1763 besiegelte die Niederlage Frankreichs, das seine kanadischen Gebiete damit an England verlor. Die Provinz Québec unterstand damit der englischen Krone, welche den ansässigen Franzosen volle Religionsfreiheit gewährte. Im Konflikt der Engländer mit den 13 Gründungskolonien der späteren USA blieb die kanadische Kolonie neutral. Nachdem die Briten 1783 den Krieg gegen die jungen Vereinigten Staaten von Amerika verloren hatten, siedelten sich die königstreu gebliebenen Loyalisten in Kanada an. Dadurch wurde Kanada zunehmend von einem britischen (Oberkanada) und einem französischen Teil (Unterkanada) geprägt.

1784 wurden die Grenzen zwischen dem britischen Kanada und den Vereinigten Staaten in Versailles festgeschrieben und kurz darauf eine kanadische Legislative eingeführt, die schließlich den ersten Schritt hin zur kanadischen Autonomie bedeutete.
1791 teilten die Briten Kanada in die Provinzen Ober- und Unterkanada auf. Die Auseinandersetzungen um den lukrativen Pelzhandel verstärkten sich. Britische Soldaten versorgten indianische Stämme mit Waffen, um das Vorrücken der US-amerikanischen Siedler gegen Norden zu erschweren. Der Konflikt gipfelte 1812 im Versuch der USA, die kanadischen Besitzungen Britanniens zu erobern, was von britischen Truppen verhindert wurde.

Die Geburtsstunde Kanadas

1840 vereinigten das britische Ober- und das französisch geprägte Unterkanada zur Provinz Kanada mit einer parlamentarischen Regierung in der Hauptstadt Ottawa. 1846 wurden die letzten britischen Steuern abgeschafft und eine Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs verbunden mit einem starken Expansionsdrang nach Westen begann.
Am 1. Juli 1867 schlossen sich Ontario (Oberkanada), Quebec (Unterkanada), Neuschottland und Neubraunschweig (New Brunswick) zu einem Bundesstaat namens Dominion of Canada zusammen, der Constitution Act gilt als erste Verfassung Kanadas.
In Folge wurden der Hudson's Bay Company die Provinzen Manitoba, Alberta und Saskatchewan abgekauft. 1871 schloss sich British Columbia und 1873 die Prince Edward Island dem entstandenen Dominion an.

Im Laufe der Jahre strebte Kanada immer mehr nach Eigenstaatlichkeit, die schließlich 1931 mit dem Statut von Westminster größtenteils erreicht wurde. Kanada wurde damit zu einem eigenständigen Staat, blieb aber Teil des britischen Commonwealth of Nations.
Die komplette Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte Kanada erst im Jahre 1982 durch eine neue Verfassung. Diese wurde allerdings von der Provinz Quebec nicht unterschrieben.

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