Neuseeland, Kriege

Kriegstraditionen der Maori

Kriege hat es in Neuseeland gegeben, seit es dort Menschen gibt. Die Maori sind ein kriegerisches Volk, dessen vielen Stämme sich regelmäßig bekämpften. Ihre Kriegsrituale sind eine bis heute überlieferte Tradition und werden lebendig gehalten. Weltberühmt ist der Haka, die Vorbereitung auf den Kampf. Die Krieger folgen einer vorgegeben Choreografie und rufen dazu Schlachtrufe aus. Heute sind Hakas fester Bestandteil der neuseeländischen Kultur und werden oft aufgeführt. Die englische Königin bekommt beim Staatsbesuch ebenso einen Haka präsentiert, wie das sportbegeisterte Publikum vor einem Rugby-Match der Nationalmannschaft All Blacks. Typisch für den Haka ist neben Stampfen und Schreien die Drohgrimasse der Maori mit aufgerissenen Augen und herausgestreckter Zunge.

Die Musket Wars

Zwischen den Stämmen gab es von Anfang an blutige
Auseinandersetzungen, die teilweise auch mit Kannibalismus verbunden gewesen sein sollen. Im frühen 19. Jahrhundert ließen sich die ersten weißen Siedler in Neuseeland nieder. Sie führten eine für die Maori neue Lebensart ein. Ein Aspekt dieser Lebensart waren die Waffen. Schnell erkannten die Maori die effektiv-tödliche Wirkung westlicher Schusswaffen und es dauerte nicht lange, bevor sich einige Stämme diese im Tausch gegen andere Waren besorgten. Die Musket Wars (Musketenkriege) begannen. Geheimwaffe zunächst nur einiger Stämme verliehen die Musketen den Maori-Auseinandersetzungen eine neue blutige Dimension. Zwischen 1818 und 1833 metzelten sich Stämme auf beiden Inseln gegenseitig nieder und reduzierten die Zahl ihres Volkes beträchtlich.

Die Maori-Kriege

Auseinandersetzungen und Konflikte gab es auch zwischen Maori und Siedlern. Ihren Höhepunkt erfuhren diese in der Zeit nach der Unterzeichnung des Vertrags von Waitangi (Waitangi Treaty), als die Einwandererströme aus England anschwollen und Tausende neuer Bewohner Ansprüche auf ein Stück Land in den neuen Kolonie erhoben. Die sogenannten Maori-Kriege dauerten von 1843 bis 1872 und wurden von den Maori, den Siedlern und der britischen Armee ausgetragen. Die Maori, die durch die Unterzeichnung des Vertrags von Waitangi 1840 zwar der englischen Krone ihr Land überschrieben hatten, wohl aber unanfechtbare Besitzrechte zugesprochen bekommen hatten, wehrten sich gegen die Enteignung oder den Verkauf unter Preis. Sie bildeten jedoch keine geschlossene Kriegspartei, sondern waren in viele Gruppen gesplittert, von denen sich einige auch der britischen Seite anschlossen.
Die britische Regierung war seit 1840 militärisch durch einige Divisionen imperialer Truppen auf Neuseeland vertreten. 1846 wurde eine bewaffnete Constabulary (Polizei), eingerichtet, um den Frieden zu sichern. Sie löste die imperialen Truppen ab. Die Konflikte dauerten an.

Die New Zealand Militia und das ANZAC

1858 wurde der Militia Act verabschiedet, der es ermöglichte, eigene spezifisch militärische Truppen zusammenzustellen. 1872 wurde daraus die New Zealand Militia. Neuseeland hatte eine Armee. Aktiv geworden ist diese seither ausschließlich außerhalb Neuseelands.
Schon wenige Jahre später, Im Jahr 1899, hatte die neuseeländische Armee ihren ersten Auslandseinsatz: Ein Kontingent beteiligte sich auf Seite der Engländer in einer anderen Kolonie: In Süd-Afrika tobte der Burenkrieg (1899 bis 1902), ein Aufstand ursprünglich niederländischer Siedler, die sich der neuen Kolonialmacht Großbritannien nicht unterwerfen wollten.
Der Erste Weltkrieg führte zum nächsten Einsatz. Am 29. August 1914 erklärte Neuseeland Deutschland den Krieg und marschierte mit 1 413 Mann in Samoa ein, damals eine deutsche Kolonie. 8 417 Soldaten, allesamt Freiwillige, brachen Richtung Europa auf. Sie landeten in Ägypten, wo sie sich mit dem Australischen Heer zusammentaten und unter Führung des Generals WILLIAM RIDDELL BIRDWOOD die Streitkraft ANZAC (Australian New Zealand Army Corps) bildeten.
Der bedeutendste Kriegsschauplatz aus australo-neuseeländischer Sicht war zweifellos Gallipoli, eine türkischen Halbinsel, wo ANZAC von April bis Dezember 1915 ausharrte und auf der Seite der Engländer und Franzosen gegen die türkische Armee kämpfte. Obwohl die neuseeländischen Soldaten, darunter ein Maori-Battaillon, später auch an anderen Orten kämpften, etwa in Palästina und Frankreich, hat sich der neuseeländischen Bevölkerung Gallipoli am stärksten ins kollektive Bewusstsein eingebrannt. Bis heute wird jährlich am 25. April, dem ANZAC-Day, der gefallenen Landsmänner gedacht. Im Ersten Weltkrieg starben 2 721 Neuseeländer.
Auch der Zweite Weltkrieg sah von Anfang an Neuseeländische Beteiligung. 104 000 Soldaten waren involviert; im März 1944 befanden sich 70 000 neuseeländische Soldaten im Einsatz außerhalb des Landes. Die neuseeländische Kriegserklärung an Deutschland erging im September 1939. 1940 landete die eigens gebildete Second New Zealand Expeditionary Force in Ägypten. Neuseeländische Soldaten kämpften in Griechenland und Italien, ein großer Anteil war auch im pazifischen Raum im Einsatz. Nicht vergessen werden dürfen die vielen Soldaten, die in der Heimat Stellung hielten, um das Land gegen mögliche Angriffe aus der näheren Umgebung, etwa Japan zu schützen.
Obwohl „nur“ 11 625 Neuseeländer im zweiten Weltkrieg fielen, war das Land von seinen Verlusten sehr belastet. Tatsächlich zeigte sich, dass Neuseeland, gemessen an der Zahl seiner Bevölkerung, die höchste Todesrate im ganzen Commonwealth zu verkraften hatte.

Der Sicherheitspakt ANZUS

Weitaus weniger dramatisch war die Beteiligung am Koreakrieg (1950 bis 1953). 1951 schloss Neuseeland mit Australien und den USA den Sicherheitspakt ANZUS (Australia New Zealand US), den Amerika in den 1980er-Jahren suspendieren sollte. Das Abkommen sah vor, dass sich die Länder gegenseitig bei Bedarf unterstützen. Dies führte zu neuseeländischer Beteiligung am Vietnam-Krieg. Trotz starker Proteste seitens der Bevölkerung entsandte die Regierung über die Jahre 3 256 Soldaten nach Vietnam. Von 1965 bis 1971 kämpften diese an der Seite der Amerikaner. Es war der bislang längste Konflikt, an dem neuseeländische Soldaten beteiligt waren, der erste, bei dem Neuseeland nicht an der Seite Englands kämpfte und der bislang letzte größere kriegerische Einsatz. Heute ist die neuseeländische Armee weltweit an humanitären Einsätzen und UN-Missionen beteiligt.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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