Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen

FRIEDRICH III., Kurfürst von Sachsen

FRIEDRICH III., als Kurfürst von Sachsen auch „der Weise“ genannt, entstammte dem Adelsgeschlecht der Wettiner, das seit dem 12. Jh. im sächsisch-thüringischen Raum beheimatet war.
Nach dem Tod seines Großvaters, Kurfürst FRIEDRICH II. von Sachsen, teilten, wie damals üblich, seine Söhne 1485 Kursachsen unter sich auf.
Kurfürst ERNST VON SACHSEN behielt das eigentliche Kernland Kursachsens. Sein Bruder, HERZOG ALBRECHT VON SACHSEN (der Beherzte), erhielt die sächsischen Territorien außerhalb Kursachsens.
Seitdem gab es im Geschlecht der Wettiner zwei Linien, die nach den beiden Brüdern benannt waren: die albertinische Linie, die in Dresden residierte, und die ernestinische Linie mit der ebenfalls an der Elbe liegenden Residenzstadt Wittenberg.
Nach dem frühen Tod von Kurfürst ERNST übernahm dann 1486 sein älterer Sohn als FRIEDRICH III. die Kurfürstenwürde von Sachsen.

Die Frömmigkeit von FRIEDRICH III.

FRIEDRICH III. wurde am 17. Januar 1463 in Torgau an der Elbe geboren. Auf der Fürstenschule in Grimma erhielt er seinen ersten Unterricht. Sein besonderes Interesse galt der Theologie, der Geschichte und der Jurisprudenz (Rechtswissenschaft).
Erzogen wurde er von GEORG SPALATIN. Dieser für seine Zeit sehr gebildete Theologe war Hofkaplan, Prinzenerzieher, später Beichtvater von FRIEDRICH III. und Mitglied der kursächsischen Kanzlei. Er war damit einer der engsten Vertrauten des Kurfürsten.

FRIEDRICH DER WEISE war von den Lehren der spätmittelalterlichen Kirche durchdrungen und sehr fromm. Er besaß die größte Reliquiensammlung nördlich der Alpen. 1520 soll diese Sammlung fast 20 000 Teile umfasst haben. Darunter waren, vom heutigen Standpunkt aus gesehen, solch eigenartige Dinge, wie Flaschen mit der Muttermilch der Jungfrau Maria und Dornen aus der Dornenkrone Christi. Noch 1522 soll nach zeitgenössischen Berichten ein Mittelsmann in Venedig in FRIEDRICHS Diensten gestanden haben, um für ihn Reliquien aufzukaufen.
Einmal im Jahr stand die Sammlung allen Gläubigen offen. Durch einen einzigen Besuch der Reliquiensammlung konnte jeder Besucher den Ablass von seinen irdischen Sünden für einen Zeitraum von fast zwei Millionen Jahren gewährt bekommen.
Im Jahre 1493 nahm FRIEDRICH sogar an einer Wallfahrt nach Jerusalem teil.

FRIEDRICH III., der weise Landesvater

Als frommer Katholik zeigte sich FRIEDRICH auch als für damalige Verhältnisse gütiger und gewissenhafter Patriarch bzw. Landesvater. Er vermied es weitestgehend, sein Land in kriegerische Verwicklungen hineinzuziehen, und zeichnete sich bei wichtigen Entscheidungen durch Besonnenheit und Gerechtigkeit aus. So vermied er vorschnelle Urteile und hörte bei Streitigkeiten stets erst beide Seiten.
Da er kaum Schulden machte, gehörte FRIEDRICH zu den reichsten Fürsten seiner Zeit. Das verlieh ihm ein gewisses Maß an Unabhängigkeit. Ungewöhnlich bei seiner Frömmigkeit war außerdem, dass er unverheiratet war, aber mit einer ANNA VON MOLSDORF zusammenlebte, von der er drei Kinder hatte.
Auf dem Feld der Reichspolitik setzte sich FRIEDRICH einerseits für ein starkes Reich ein. Andererseits war er sehr auf die Wahrung der Rechte der Fürsten bedacht.
Bei der Wahl des deutschen Kaisers im Jahre 1519 war er sogar der Wunschkandidat des Papstes. Trotzdem er auch noch von anderen deutschen Fürsten zur Kandidatur gedrängt wurde, lehnte er ab. FRIEDRICH DER WEISE fühlte sich für diese Position nicht geschaffen und unterstützte deshalb die Kandidatur KARLS V., der dann auch zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt wurde.

Wittenberg an der Elbe

Seit 1485 war Wittenberg Residenzstadt der Ernestiner. FRIEDRICH ging tatkräftig an den Ausbau der Stadt heran. Im Jahre 1502 gründete er die Universität, der er den Namen Leucorea gab. Er war bestrebt, hervorragende Wissenschaftler und Künstler als Professoren an seine Universität und in die Stadt zu holen. Dazu zählten u. a. die Professoren und Kirchenreformer LUTHER und MELANCHTHON, aber auch der Maler LUCAS CRANACH DER ÄLTERE. Nach seinem Tod gehörte die Universität bereits zu den größten und bedeutendsten im damaligen Deutschland.
In den Jahren von 1490 bis 1515 ließ FRIEDRICH in Wittenberg das Schloss mit der Schlosskirche erbauen. Diese Kirche diente seit 1507 auch der Universität als Kirche. An ihre damals noch hölzerne Tür soll MARTIN LUTHER am 31. Oktober 1517 seine berühmten 95 Thesen angeschlagen haben, in denen er die Missstände in der katholischen Kirche geißelte.
Den Vorgang des Anschlags der in Latein verfassten Thesen bezweifeln heute die meisten Historiker, denn nur wenige Bewohner konnten damals Latein lesen. Fest steht jedoch, dass LUTHER die Thesen an den Erzbischof von Mainz und an andere kirchliche Amtsinhaber sandte.
Im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 brannte die Schlosskirche aus. Dabei wurde auch die berühmte Thesentür ein Raub der Flammen. Deshalb wurde später eine Bronzetür angebracht, in die die 95 Thesen von LUTHER eingeprägt sind.

FRIEDRICH DER WEISE und LUTHER

Als sein Landesherr war FRIEDRICH DER WEISE auch der Beschützer von LUTHER. Er war aber nicht Anhänger seiner Lehren. Das hing damit zusammen, dass FRIEDRICH DER WEISE der Reformation fast bis an die Schwelle seines Todes skeptisch und abwartend gegenüber stand.
LUTHER und FRIEDRICH DER WEISE hatten sich 1521 auf dem Reichstag zu Worms zwar gesehen. Nach Aussagen SPALATINS soll es aber nie ein persönliches Treffen zwischen beiden gegeben haben.
Von großer Bedeutung für ihr Verhältnis war deshalb SPALATIN, der LUTHERS Lehren übernommen und den Wittenberger Reformator immer gefördert hatte. Er war die Kontaktperson zwischen LUTHER und FRIEDRICH. Bis 1525 soll LUTHER über 400 Briefe an ihn geschrieben haben.
SPALATIN war es auch, der bewirkte, dass FRIEDRICH DER WEISE den Reformator in den lebensbedrohlichen Auseinandersetzungen mit dem Papst unterstützte.
Der Papst hatte gegen LUTHER einen Ketzerprozess wegen seiner Streitschriften gegen die Missstände in der Kirche in die Wege geleitet. Da sich LUTHER weigerte, der päpstlichen Vorladung zum Prozess in Rom Folge zu leisten, forderte der Papst seine Auslieferung.
FRIEDRICH DER WEISE widersetzte sich jedoch der Auslieferung LUTHERS, da sie für diesen möglicherweise den Tod auf dem Scheiterhaufen bedeutet hätte. Stattdessen setzte er durch, dass LUTHER 1518 durch einen päpstlichen Gesandten im sicheren Augsburg verhört wurde.
Auf dem Reichstag zu Worms nahm FRIEDRICH einen noch größeren Einfluss auf das Schicksal von LUTHER.
Er setzte gegen den Willen von Kaiser KARL V. durch, dass LUTHER, unter der Zusicherung freien Geleits, der Einladung zum Reichstag folgen und dort unbedroht seine kritischen Positionen zur katholischen Kirche vortragen konnte.
Auf dem Rückweg nach Wittenberg ließ er LUTHER, über den in Worms der Reichsbann verhängt worden war, außerdem entführen, um ihn den Nachstellungen des Kaisers und des Papstes zu entziehen.
Dafür ließ er ihn an einen sicheren Ort bringen, auf die Wartburg bei Eisenach im Thüringer Wald. Dort lebte LUTHER dann einige Monate unter dem Namen „Junker Jörg“ und übersetzte die Bibel (genauer: das Alte Testament) ins Deutsche.

Die Hauptmotive FRIEDRICHS DES WEISEN für die Unterstützung von LUTHER waren allerdings weniger dessen kirchenreformatorische Lehren. Vielmehr ging es ihm darum, in seinem Territorium eine gewisse Eigenständigkeit gegenüber Rom zu bewahren.
Durch diese abwartende und abwägende, aber auch auf Eigenständigkeit bedachte Politik trug er maßgeblich zur Ausbreitung der Reformation bei.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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