Leonardo da Vinci

LEONARDO DA VINCI – ein Universalgenie

Wie kein anderer verkörperte LEONARDO DA VINCI (Bild 1) das universelle Ideal des Renaissance-Menschen. In seinem Denken war er seiner Zeit weit voraus. Er besticht noch heute aufgrund seiner vielseitigen Interessen und seines umfangreichen Könnens und Wissens. LEONARDO war

  • Künstler,
  • Erfinder und
  • Wissenschaftler

zugleich. Berühmt sind seine Gemälde, die er als Maler schuf. Er selbst sah sich mehr als Ingenieur. In seinen Manuskripten hinterließ er vielfältige kunsttheoretische und anatomische Erkenntnisse und Erfahrungen. LEONARDO war als Architekt und Bildhauer tätig.
Zeugnisse davon sind nur in Zeichnungen und Dokumenten überliefert. LEONARDO sezierte Leichen und verfasste ein Traktat über Anatomie. Die Leichen untersuchte er nachts, weil das Sezieren von Leichen als Gotteslästerung galt und mit Gefängnis bestraft wurde. LEONARDO führte insgesamt 30 Obduktionen durch. Auch Kühe, Bären und Affen wurden von ihm seziert. Bei seinen Anatomiestudien entdeckte er als Erster die Auswirkungen der Arterienverkalkung. Als Naturforscher untersuchte er den Vogelflug und die Strömungen in Luft und Wasser (Bild 2).

Selbstporträt des LEONARDO DA VINCI (um 1512)

Kurze biografische Übersicht

1452
LEONARDO wurde am 15. April in Anchiano bei Vinci geboren. Er war der Sohn des Florentiner Notars SER PIERO, der in Anchiano ein Landgut besaß, und eines Bauernmädchens namens CATERINA.

1457
Als Fünfjähriger kam er nach Vinci, um im Hause seines Vaters zu wohnen, der inzwischen ALBIERA AMADORI geheiratet hatte, die seine Stiefmutter wurde.

1460
LEONARDO zieht mit dem Vater nach Florenz.

1469
Er beginnt seine künstlerische Laufbahn als Schüler in der Werkstatt des florentinischen Bildhauers und Malers ANDREA DEL VERROCCHIO (1436–1488), des bedeutendsten Vertreters der Frührenaissance in Florenz.

1472
LEONARDO trat der Zunft der Maler bei, die sich vorwiegend aus Ärzten, Apothekern und Künstlern zusammensetzte. Wahrscheinlich hatte er hier erste Gelegenheiten zum Studium der Anatomie des menschlichen Körpers (Bild 6).

1482
LEONARDO ging nach Mailand an den Hof des Herzogs LUDOVICO SFORZA, genannt IL MORO (1452–1508), dem er sich als Ingenieur, Architekt, Bildhauer, Maler und auch Musiker empfahl; LEONARDO erhielt eine Anstellung am Hofe. In dieser ersten Mailänder Zeit war er vor allem Maler und arbeitete am Porträt der CECILIA GALERANI „Die Dame mit dem Hermelin“, und es entstand die erste Version des Gemäldes „Die Madonna in der Felsengrotte“; LEONARDO hatte den Auftrag erhalten, eine Altartafel für die Kapelle S. Francesco Grande in Mailand zu schaffen.

Zwei Studien LEONARDOS: oben links ein Entwurf eines Hubschraubers, darunter Studien menschlicher Gliedmaßen.

1495
Er begann die Arbeit an seinem berühmtesten Werk, dem Fresco „Das Abendmahl“ (Bild 3) in der Kirche Santa Maria delle Grazie in Mailand. Diese Arbeit dauerte bis 1498.

1499
Herzog LUDOVICO IL MORO fiel, als er von der französischen Armee LUDWIGS XII. (LOUIS XII.) verfolgt wurde. LEONARDO verließ Mailand und begann seine Wanderschaft, die ihn nach Mantua, Venedig und dann auch nach Friuli führte. LEONARDO beschäftigte sich mit der Konstruktion von Brücken.

1500
LEONARDO kehrte für eine kurze Zeit nach Florenz zurück.

1502
LEONARDO war in Diensten CESARE BORGIAS (1475-1507), eines italienischen Staatsmannes der Renaissance.

1504
In Florenz begann er die LISA DEL GIOCONDO zu porträtieren („Mona Lisa“ (Bild 4).

1506
Es wechselten kurze Aufenthalte in Mailand und in Florenz miteinander.

1508
LEONARDO kehrte für eine weitere längere Zeit nach Mailand zurück, wo er wieder Studien aufnahm zu Anatomie, Urbanistik, Optik und Ingenieurwesen für Hydraulik.

1513
In Mailand kehrten die SFORZA an die Macht zurück. LEONARDO siedelte nach Rom über, zum neuen Papst GIULIANO DEI MEDICI (LEO X.).

1516
LEONARDO nahm die Einladung des französischen Königs FRANÇOIS I. an und übersiedelte mit seinen Schülern MELZI und SARAI nach Frankreich, nach Schloss Cloux bei Amboise, wo er beauftragt wurde, als „erster Maler und Ingenieur des Königs“ zu wirken.

1519
LEONARDO starb am 2. Mai in seinem Wohnsitz auf Schloss Cloux. Er wurde begraben in der Kirche S. Valentino bei Amboise. Laut Testament vom 23. April desselben Jahres überließ LEONARDO sämtliche von ihm angefertigten Manuskripte, Zeichnungen und verschiedene Instrumente seinem Lieblingsschüler FRANCESCO MELZI und die Gemälde, die sich noch in seinem Studio befanden, an einen anderen Schüler, SARAI. Seit 1570, nach dem Tod MELZIS, begann die Zersplitterung des leonardoschen Erbes.

Das Abendmahl

Mona Lisa

Berühmt ist sein Bild der Mona Lisa, das er um 1504 schuf. GIORGIO VASARI, ein bedeutender Biograf der neuzeitlichen Kunstgeschichte aus dem 16. Jahrhundert, teilte der Nachwelt mit, LEONARDO habe zwischen 1500 und 1506 die Gemahlin des Florentiner Kaufmanns FRANCESCO DEL GIOCONDO porträtiert. LEONARDO, der das Bild behielt, soll es kurz vor seinem Tod an König FRANÇOIS I. von Frankreich verkauft haben. Schließlich kam die Mona Lisa in die Sammlung LUDWIGS XIV. Nach der Französischen Revolution 1789 wurde das Bild im Pariser Louvre ausgestellt. NAPOLEON I. hängte es in sein Schlafzimmer. Als NAPOLEON in die Verbannung geschickt wurde, kehrte das Bild in den Louvre zurück.

Manuskripte
Von den Erfindungen LEONARDO DA VINCIS wissen wir heute dank der zahlreichen überlieferten Zeichnungen und Handschriften. Sie bezeugen die außerordentliche Vielfalt der Interessen, sie bestechen durch eine Vielzahl von an- und vorgedachten Projekten und Experimenten, die davon zeugen, dass die italienische Renaissance eine außerordentliche Zeit war – an universellem Gedankenreichtum, an Schöpferkraft und kultureller Leistung. Das leonardosche Erbe erzählt von einem der Menschen jener Zeit, der Künstler, Wissenschaftler und Erfinder zugleich war. Da können wir heute noch Maschinen betrachten, die erdacht und benutzt wurden für den Bau von Kirchen, von Stadtpalästen und Festungen.

Mona Lisa

Da finden wir Zeichnungen von Kriegsmaschinen (Bild 5) und Arbeitsgerät, von Geräten, die gedacht waren für die Herstellung von Waren und für den Handel mit Waren, Geräte, deren Verfügbarkeit das Leben der Mächtigen und ihrer Höfe bedingte. Und wir sehen auf Strichzeichnungen bereits vorgedacht Fahrzeuge wie

  • Hubschrauber,
  • Automobil und
  • Fahrrad,
  • U-Boot oder den
  • Fallschirm.

Mit seinen faszinierenden Zeichnungen hinterließ uns LEONARDO ein Ebenbild seiner selbst. Sie zeigen uns einen Menschen, der seine Bildung dem Leben in einer der am meisten pulsierenden und anregenden Städte seiner Zeit, wie es Florenz war, verdankt. Hier konnte LEONARDO Ideen entwickeln, die viele Wissens- und Anwendungsbereiche berühren:

  • von der Hydraulik bis zur
  • Mechanik, vom
  • Flugwesen bis zur
  • Anatomie reichen...

Phantastische Maschinen und Gebäude

Es gibt mehrere Tausend Blätter, beschrieben und mit Zeichnungen versehen von LEONARDO. Das „Museo Nazionale della Scienza e della Tecnica“ (dt.: Nationalmuseum für Wissenschaft und Technik) „Leonardo da Vinci“ in Milano (Mailand) zeigt in der Galleria di Leonardo einige Nachbildungen von Geräten und Gebäuden, die LEONARDO für den zivilen und militärischen Gebrauch erdachte. Dazu gehören u. a.

  • ein Boot mit Radantrieb,
  • eine Basilika mit fünf Kuppeln,
  • eine Pfahlramme,
  • eine Kirche, die auf ihrem zentralen Grundriss vier zylindrische Glockentürme aufweist. Wir finden hier
  • einen doppelten drehbaren Hebekran,
  • einen Seebagger,
  • einen Ausschachtungsbagger,
  • eine Maschine zum Bearbeiten von Spiegeln,
  • ein Gerät, mit dessen Hilfe sich die Umwandlung von Wasser in Wasserdampf messen lässt,
  • eine Orgel mit acht Pfeifen,
  • eine Drehbrücke,
  • eine automatische hydraulische Säge,
  • eine Druckpresse und
  • eine ideale Stadt.

Auch das Museo Leonardiano in Vinci zeigt in seiner Sammlung Modelle von Fahrzeugen und Geräten, die nach Zeichnungen von LEONARDO angefertigt wurden – dazu gehören auch Nachbildungen von Automobil, Fahrrad und Fallschirm.

Zerstückelung des Nachlasses
Vom ganzen Schaffen LEONARDOS blieben uns über 5 000 Seiten mit Notizen erhalten, abgefasst in seiner unverwechselbaren Spiegelschrift, die von rechts nach links verläuft. Das Schicksal dieser großen Menge an Schriften, wahrscheinlich der größten, die sich aus den Zeiten der Renaissance erhalten hat, gestaltete sich nach dem Tode LEONARDOS recht wechselhaft.
In der Tat, heutiges Aussehen und Verteilung der Manuskripte sind mit Sicherheit nicht die des Originals, so wie es beschaffen war, als der Meister noch lebte oder als sie übergingen an seinen treuen Schüler FRANCESCO MELZI. Es waren die Erben MELZIS, die nach dessen Tod im Jahre 1570 damit begannen, das umfangreichen Material zu zersplittern. Möglicherweise waren sie sich nicht der Bedeutung dieser Schriften bewusst; anfangs lagerten sie das Material auf einem Dachboden, um es nachher zu verschenken oder zu einem geringen Preis Freunden oder Sammlern zu überlassen.

Kunst wurde von Wissenschaft und Technik getrennt

Ein großes Durcheinander hat wohl POMPEO LEONI verursacht, ein Bildhauer des 17. Jahrhunderts. Er beabsichtigte, die künstlerischen von den technologischen Zeichnungen zu trennen und die wissenschaftlichen Seiten zu vereinheitlichen.
So geschah es, dass vieles, das im Originalmanuskript zusammengehörte, voneinander getrennt, oft zerstückelt wurde und sich in verschiedenen Sammlungen wiederfand. Durch Umverteilen der Originalmanuskripte entstanden zunächst zwei große Sammlungen von Zeichnungen:

  • der Codex Atlantico und
  • die Sammlung von Windsor,

die ca. 600 Zeichnungen zählte. Nach diesem System stellte LEONI wenigstens noch weitere vier Hefte zusammen. Von 1637 bis 1796 gehörte ein Teil der Manuskripte der Biblioteca Ambrosiana in Mailand. NAPOLEON BONAPARTE hat dieses Material bei seiner Ankunft in Mailand von dort entwendet. Ein Teil der geraubten Dokumente wurde im Jahre 1851 nach Mailand zurückgegeben. Andere Teile blieben in Paris, noch andere sogar in Spanien, wo einige erst im Jahre 1966 wiederentdeckt wurden. Heute sind die originalen Schriften LEONARDOS auf wohl zehn verschiedene Handschriftensammlungen verteilt.

Entwurf eines Bogengeschützes von LEONARDO DA VINCI

Handschriftensammlungen
Im British Museum in London befinden sich Studien LEONARDOs

  • zur Physik,
  • Mechanik,
  • Optik,
  • über Gewichte,
  • Studien zur euklidischer Geometrie und
  • Architektur.

Die Architekturstudien enthalten Arbeiten für die königliche Residenz FRANÇOIS' I. in Ramorantin.
Die Biblioteca Ambrosiana in Mailand enthält Studien zur

  • Mathematik,
  • Geometrie,
  • Astronomie,
  • Botanik,
  • Zoologie,
  • Kriegskunst.

In der Biblioteca Trivulziana im Schloss der SFORZA in Mailand werden neben

  • Studien zur militärischen und religiösen Architektur auch
  • zahlreiche Seiten des Autodidakten LEONARDO

aufbewahrt, die Aufschluss geben über sein Bestreben, seine literarische Bildung zu verbessern.
In der Biblioteca Reale in Turin befinden sich LEONARDOS

Handschriftenblätter über den Vogelflug,

die auch Studien über die Flügel, den Luftwiderstand, die Winde und die Luftströmungen beinhalten.
Zwei Sammlungen von Handschriften LEONARDOS befinden sich im Institute de France in Paris. Die eine enthält vor allem

Malstudien,

die andere umfasst Blätter zu

  • Kriegskunst,
  • Optik,
  • Geometrie,
  • Vogelflug,
  • Hydraulik.

Das Victoria and Albert Museum in London ist im Besitz von Studien zu

  • Geometrie,
  • Gewichten und
  • hydraulischen Maschinen.

BILL GATES erwarb im Jahre 1994 einige Blätter mit Studien zu

  • Hydraulik und Wasserbewegung sowie
  • Astronomie.

Eine Sammlung mit Studien zu Anatomie und Geografie, Pferdestudien, Zeichnungen, Karikaturen und geografischen Karten gehört zur Royal Collection auf Schloss Windsor.
Blätter mit Studien zu Mechanik und Geometrie befinden sich in der Biblioteca Nacional in Madrid.

Die Proportionen einer menschlichen Figur (Proportionsstudie nach VITRUV), 1490
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