Ludwig XIV.

LUDWIG wird mit fünf Jahren König von Frankreich

LUDWIG XIV. wurde am 5. September 1638 in Saint-Germain als Sohn von LUDWIG XIII. und ANNA VON ÖSTERREICH geboren. Im Jahre 1643 starb sein Vater.
Das 5-jährige Kind wurde 1643 König und wuchs unter der Regentschaft seiner Mutter heran, unterstützt durch den Premierminister, Kardinal MAZARIN. Bestimmender politischer Jugendeindruck war die Erschütterung der monarchischen Autorität. Besonders bedrohlich für den König wurde der Aufstand des PRINZEN VON CONDÉ und seines Bruders zwischen 1648–1653, der als die „Fronde“ bekannt wurde.
Gestützt durch die großen außenpolitischen Erfolge der Minister-Kardinäle RICHELIEU und MAZARIN (Westfälischer Friede 1648, Pyrenäenfriede 1659), entwickelt sich LUDWIG XIV. zum absoluten Regenten.
LUDWIG war zweimal verheiratet. Nach dem Tod seiner spanischen Gemahlin MARIA THERESIA schloss LUDWIG 1684 eine zweite, aber geheime Ehe mit Madame DE MAINTENON.

Absolute Monarchie und europäische Hegemonie LUDWIGS XIV.

1661 stirbt MAZARIN, und der 22-jährige König LUDWIG übernimmt die absolute Macht ohne leitenden Minister. Dies war der Beginn der Entfaltung des Absolutismus in seiner für das Europa des 17. Jh. prägenden Form.
Absolutismus ist eine Form der Königsherrschaft, in der ein König alle Herrschaftsmittel in seiner Hand vereinigt. Er allein erlässt die Gesetze, denen er selbst nicht unterworfen ist. Gleichzeitig ist er oberster Richter.
LUDWIG beschränkte das Parlament und den Adel in ihren politischen Kompetenzen, verstärkte gleichzeitig die königliche Verwaltung (zentralistische Verwaltung) und organisierte die Armee neu, indem er ein stehendes Heer schuf..
Er entwickelte in einer für ganz Europa vorbildhaften Weise den Absolutismus durch Zentralisation des Staates allein auf die Krone.BildDer ehemalige Intendant (hoher Beamter) von MAZARIN, JEAN BAPTISTE COLBERT, wurde mit der Wirtschaft und den Finanzen betraut. Er führte wichtige Reformen im Land durch, die als erstes Beispiel staatlicher Intervention in die Wirtschaft gelten.
Um das kostspielige Hofleben LUDWIGS zu finanzieren, wurden immer wieder neue Steuern und andere Einnahmequellen erschlossen. Eine besonders unrühmliche Methode war der Ämterkauf.

LUDWIG XIV. (1638–1715)

COLBERTS Modell des Merkantilismus

COLBERT gelang es, eine florierende Wirtschaft zu entwickeln. Hierfür spielte das Modell des Merkantilismus eine herausragende Rolle. Dabei wurden Importe mit hohen Zöllen belegt und der Export von im Lande hergestellten Fertigwaren gefördert. Kaufleute und Unternehmer erhielten staatliche Förderungen, sodass ein breites Netz von Manufakturen entstand.BildDer König beriet sich regelmäßig mit kompetenten Ministern (Kammer = Kabinett) und legte mit ihnen die Innen- und Außenpolitik fest. Er wollte die europäische Hegemonie Frankreichs. Deutschland war gerade durch den Dreißigjährigen Krieg geschwächt.
In drei Angriffskriegen (Devolutionskrieg 1667/68 – erster Eroberungskrieg Ludwigs XIV. gegen die spanischen Niederlande), Holländischer Krieg 1672–79, Pfälzischer Erbfolgekrieg 1688–1697) begründete LUDWIG die europäische Hegemonie Frankreichs, die erst im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1713/14) erschüttert wurde.
Nach innen vollendete er die absolute Macht der Krone im Sinn des Leitworts „L' État c'est moi“, „Der Staat bin ich“.
Für seinen Sohn und erhofften Thronfolger notierte LUDWIG XIV:

„Zwei Dinge vor allem sind notwendig: Eigene unablässige Arbeit und sorgfältige Auswahl der Männer, die mir dabei zur Hand gehen können ... Ich habe es mir zum Gesetz gemacht, regelmäßig zweimal am Tag zu arbeiten, jedes mal zwei oder drei Stunden mit jeweils verschiedenen Mitarbeitern, nicht gerechnet die Stunden, wo ich für mich allein tätig war, oder die Zeit, die ich von Fall zu Fall über das gewöhnliche Maß hinaus für besondere Geschäfte verwendet habe ... Ich bin über alles unterrichtet, höre auch meine geringsten Untertanen an, weiß jederzeit über Stärke und Ausbildungsstand meiner Truppen und über den Zustand meiner Festungen Bescheid, gebe unverzüglich meine Befehle zu ihrer Versorgung, verhandle unmittelbar mit fremden Gesandten, empfange und lese die Depeschen und entwerfe teilweise selber die Antworten, während ich für die übrigen meinen Sekretären das Wesentliche angebe. Ich pflege Einnahmen und Ausgaben des Staates und lasse mir von denen, die ich mit wichtigen Ämtern betraue, persönlich Rechenschaft ablegen ... .“

LUDWIG XIV. überlebte jedoch seinen Sohn, sodass sein Urenkel LUDWIG XV. Thronfolger wurde.
Die glanzvolle Repräsentation des Sonnenkönig tums wurde zum Symbol. Sie bezog sich ganz auf die Person des Herrschers, auf die Hofkultur des „Grande Siècle“. In dieser Zeit erreichten die vom König geförderten Künste, Kultur und Wissenschaften, eine hohe Blüte. Diese kulturelle Blüte war zugleich Machtinstrument, um den widerstrebenden französischen Hochadel an den Hof zu ziehen und zu überwachen. Mit hervorragender Unterstützung (J. B. COLBERT, MARQUIS DE LOUVOIS, H. DE LIONNE, MARQUISE DE POMPONNE) erweiterte LUDWIG die militärischen, institutionellen und materiellen Machtgrundlagen der französischen Monarchie. Durch den aggressiven Geist seiner Politik rief er in Europa Gegenkräfte hervor (eine große Allianz,1689 und 1701). Die wirtschaftliche Rezession des 17. Jh. wurde angesichts der Hofhaltung LUDWIGS XIV. – sie kostete bis zu 40 % der Staatseinnahmen! – und der militärischen Kraftanstrengungen des Staates immer fühlbarer.

Kirchenpolitik LUDWIGS XIV.

Die damalige Kirchenpolitik (Gallikanismus) führte zwangsläufig zu Konflikten mit dem Heilgen Stuhl. Gemäß dem Grundsatz „ein Gott, ein Glaube, ein Gesetz, ein König, versuchte Ludwig XIV. vergeblich eine vom Papst unabhängige französische Nationalkirche zu schaffen. Aber er erreichte, dass er über die Kirchengüter verfügen konnte und nur ihm genehme Kandidaten für die Besetzung hoher Kirchenämter zu bestimmen. Ab 1680 verstärkte er sein Vorgehen gegen religiöse Gruppen innerhalb des Katholizismus, besonders aber gegen die Hugenotten . Die Verfolgung der Hugenotten gipfelte in der Aufhebung des Edikts von Nantes im Jahre 1685. 200 000 Hugenotten mussten Frankreich verlassen. Damit wurde erheblich die Wirtschaftskraft Frankreichs geschwächt.

Ludwigs fürstlich-barocker Lebensstil und die Auswirkungen auf Europa

Die Architekten LE VAU und HARDOUIN-MANSART bauten das Schloss Versailles in über 20 Jahren. Im Mittelpunkt standen die Privatgemächer des Königs. Die Sonne sollte unmittelbar über dem Bett des Königs aufgehen. Berühmt wurde der große Spiegelsaal. Ein Heer von Architekten, Bildhauern und Malern gestaltete die 2 000 Räume in Versailles und in anderen Schlossanlagen aus. Musiker, Dichter und Schauspieler trugen zur Unterhaltung der höfischen Gesellschaft bei. Im Park von Versailles wurden große Feste mit Feuerwerk, Ballettmusik und Opernaufführungen veranstaltet; der König selbst präsentierte sich als Schauspieler in prunkvollen Kostümen.
Nach den Vorstellungen des Königs hatte sich auch die Natur seinem Willen unterzuordnen. Der Architekt LE NÖTRE schuf nach streng geometrischen Plänen Parkanlagen mit prächtigen Blumenbeeten, schnurgeraden Alleen, künstlichen Kanälen, Brunnen und Fontänen. Das Wasser dafür musste über kunstvolle Pumpanlagen aus großer Entfernung herangeführt werden.
Die großen französischen Dichter (z. B. RACINE und CORNEILLE) schrieben Tragödien für das Hoftheater . Besonders erfolgreich wirkte MOLIÈRE, ein Komödiendichter, als Leiter der königlichen Schauspielertruppe in Versailles.
Alle Bauwerke zeichneten sich durch die Verbindungen aus erhabenem Prunk und eleganter Verzierung, aus lebhaften Bewegungen und großartiger Symmetrie aus. Die prunkvollen Räume und weit ausschwingende Treppenhäuser lassen eine festliche Stimmung entstehen. Eleganz stand für eine verfeinerte Empfindung.
Künstler und Architekten schmückten Kirchen und Schlösser, aber auch bürgerliche Stadthäuser mit Gemälden und Stuckverzierungen. Die Gebäude waren lichtdurchflutet; die Decken wurden durch kunstvolle Fresken (Wandmalerein) zu grenzenlos scheinenden Himmelszelten ausgestaltet.
Die europäischen Fürsten wollten es in ihren Residenzen dem Vorbild LUDWIGS XIV. gleichtun. Dem europäischen Adel schien der Regierungsstil und die höfische Lebensweise in Frankreich erstrebenswert: die Höflichkeit (das Verhalten am Hofe), die aufwendige und teure Art sich zu kleiden und bestimmte Verhaltensweisen wurden nachgeahmt.
Der Kavalier oder Ehrenmann in Deutschland, der Gentleman in England bestachen durch ein Gehabe mit großen Posen: schreiten statt gehen, die Oper musste lang, der Roman dick, die Orgel riesig und das Menü mit vielen Gängen sein. Französisch galt als Modesprache des europäischen Adels.
Garten- und Parkanlagen, Stadtpaläste und Schlösser, Kirchen und Klöster im barocken Stil dienten vorrangig der Selbstdarstellung der kleinen und großen Herrscher. Durch die Stiltreue zu Frankreich und Italien sollte die Zugehörigkeit zu den Reichen Europas betont werden.

Frankreich nach 62 Jahren vor dem Staatsbankrott

So standen den unbestreitbaren Erfolgen LUDWIGS große Schattenseiten seiner Herrschaft gegenüber. Am 1. September 1715 stirbt LUDWIG XIV. in Versailles.
Frankreich ist zwar immer noch erste Macht in Europa. Nach 62 Jahren absoluter Macht des Königs stand Frankreich vor dem Staatsbankrott . Die Schulden, der durch die Vertreibung der Hugenotten wirtschaftliche Rückgang und die starre Aufrechterhaltung der immer unhaltbarer werdenden gesellschaftlichen Strukturen sollten Hauptursache der Französischen Revolution werden.

JEAN-BAPTISTE COLBERT (1619–1683)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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