Olympische Götterfamilie

Quellen

Zwar sind die Namen einiger griechischer Götter bereits durch schriftliche Zeugnisse aus der Zeit um 1200 v. Chr. überliefert, aber die eigentliche griechische Götterwelt wurde erst durch die Dichter HOMER und HESIOD ausgeformt. In HESIODS „Theogonie“ findet sich eine systematische Beschreibung der Weltentstehung und der Generationen der Götter und ihrer Machtkämpfe. Bei HOMER dagegen tragen die Götter des Olymp individuelle und menschliche, fast satirische Züge. In den Epen „Ilias“ und „Odyssee“ interpretiert er die Götterwelt wie die Adelsgesellschaft seiner Zeit: Sie herrschte über Land und Leute, verfolgte ausschließlich eigene Interessen und war niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig.

HANS ROTTENHAMMER: Das Mahl der Götter (Hochzeit des Peleus und der Thetis), um 1600, Öl auf Kupfer, 34 × 45 cm, St. Petersburg, Eremitage.

Göttervorstellungen

Die durch die Dichter überlieferten Göttergestalten verkörperten das Prinzip der Ordnung gegenüber dem Chaos. Als Sitz der Götter galt der griechische Berg Olymp, von wo sie alles sehen und beherrschen konnten. Sie verfügten nicht nur über ewige Jugend und Schönheit, sondern waren auch unsterblich.
Dennoch waren die griechischen Götter nicht allmächtig. Ihnen wurde nicht nur eine menschliche Gestalt, sondern vor allem menschliche Eigenschaften und Verhaltensweisen zugeschrieben: Sie waren eifersüchtig, zornig, ungerecht, rachsüchtig usw. Die Götter griffen positiv wie negativ in das Leben und Handeln der Menschen ein, etwa im Trojanischen Krieg, dessen Ursachen in einem Streit der Götter lagen. Verfehlungen oder Beleidigungen von Menschen begegneten sie mit unnachsichtiger Rache – ein Beispiel war Tantalos, der für seine Missetaten mit ewigen Qualen bezahlen musste. Einfluss nahmen die Götter auch durch das Orakel, das die Menschen – unter Hilfe von Priestern – befragten, beispielsweise wurde das Schicksal des Ödipus durch den Orakelspruch bestimmt. Das Wohlwollen der Götter konnten die Menschen durch kultische Handlungen, Opfer, Mysterien, Feste oder Spiele erringen.
Nachkommen von Göttern und Sterblichen hießen Heroen (gottähnliche Helden). Sie waren zwar nicht unsterblich, aber mit übermenschlichen Kräften ausgestattet, beispielsweise Achill, Prometheus (Bild 3) und Herakles.

Das gesamte Göttersystem war sehr unüberschaubar, weil die Gottheiten immer wieder Beziehungen zu Geschwistern, eigenen Kindern oder zu Sterblichen eingingen und Nachkommen hinterließen. So hat auch die olympische Götterfamilie einen eigenen Stammbaum (Bild 3).

Prometheus, der an einem Felsen des Kaukasus gekettet wurde. Ein Adler riss ihm ein Stück Leber heraus. Das war die Strafe, weil Prometheus den Menschen das Feuer gebracht hatte. PETER PAUL RUBENS: Gefesselter Prometheus, 1611–1612, Öl auf Leinwand,

Stammbaum der olympischen Götterfamilie

Am Anfang war Chaos, der erste Gott, der eher ein Geist war. Seine Tochter Gaia (die Erde) und deren Sohn Uranos (der Himmel) hatten viele Kinder, darunter die Titanen, die ersten echten Götter (Bild 3). Die wichtigsten Titanen waren Kronos und Rheia, die ebenfalls etliche Kinder zeugten. Kronos entmannte seinen Vater Uranos und übernahm die Herrschaft. Aus Angst vor einem Rivalen verschlang er alle seine Kinder nach der Geburt. Den jüngsten Sohn, Zeus, rettete Rheia, indem sie Kronos anstelle des Kindes einen in Windeln gehüllten Stein gab. Zeus wurde heimlich nach Kreta gebracht und von Nymphen aufgezogen. Als er herangewachsen war, zwang er Kronos, seine Geschwister, die Olympier Poseidon, Hades, Hestia, Demeter und Hera, wieder auszuspeien. Nun entbrannte die zehn Jahre andauernde Titanomachie, ein Kampf zwischen den Titanen auf Seiten des Kronos und den Olympiern unter der Führung von Zeus. Nach dem Sieg der Olympier wurden die Titanen in die Tiefen des Tartaros (Unterwelt) verbannt. Von nun an herrschte Zeus über den Himmel; seinen Brüdern wies er die anderen Herrschaftsbereiche zu: Poseidon das Meer und Hades das Totenreich, die Erde blieb gemeinsamer Besitz.

Die olympische Familie

Die eigentliche „olympische Götterfamilie“ (die Olympier) bestand aus 12 Gottheiten: Zeus und seine Geschwister Hera, Poseidon, Demeter und Hestia sowie Zeus' Kinder Apollon, Artemis, Athene, Aphrodite, Hephaistos, Ares und Hermes. In manchen Darstellungen wird auch Zeus' zweiter Bruder Hades (Pluton) oder ein weiterer Sohn von Zeus, Dionysos, zur Götterfamilie gezählt, dafür fehlen andere. Die Götter haben einen unterschiedlichen Rang, erkennbar am Standort der Heiligtümer: Zeus stand an der Spitze der Hierarchie, ebenfalls bedeutend waren Poseidon, Athene und Apollon.

Die Götter des antiken Griechenland

Zeus (Bild 4), der Göttervater, war der Herrscher der olympischen, ihm untertänigen Götter und der Menschen. Er leitete die Versammlungen und den Rat der Götter. Als Ehrfurcht gebietender Gott des Himmels und des Wetters gebrauchte er seinen furchtbaren Donnerkeil. Zeus nahm seine Schwester Hera zur Gemahlin; unter ihren gemeinsamen Kindern waren Ares und Hephaistos. Er hatte viele andere Verbindungen mit Göttinnen und sterblichen Frauen (etwa 115), denen er sich in vielerlei Gestalt näherte. Von ihnen war Zeus der Vater zahlreicher Kinder. Seine Symbole sind Zepter, Blitz, Adler und Eiche.
Hera als die Schwester und Gemahlin des Zeus war sowohl Götterkönigin als auch Göttin der Ehe und der Familie sowie Beschützerin der verheirateten Frauen (Bild 4). Sie war überaus eifersüchtig auf die Geliebten und die Kinder ihres Gatten und hatte ein herrschsüchtiges und rachsüchtiges Wesen. Ihre Attribute sind Zepter, Opferschale und Pfau.

Poseidon, Bruder des Zeus und Gott des Meeres, war einer der wichtigsten Götter. Er lebte mit seiner Gattin in der Tiefe des Ägäischen Meeres, hatte zahlreiche Liebesaffären, aus denen mehrere wilde und grausame Kinder hervorgingen. Mit der Gorgone Medusa zeugte er das geflügelte Pferd Pegasus. Seine Kennzeichen sind Dreizack, Fisch, Pferd und Stier.

Demeter, eine Schwester des Zeus, wurde als Göttin der Fruchtbarkeit und des Ackerbaus in häufigen Kulten und Festen verehrt. Die Menschen nahmen an Prozessionen zu ihren Ehren teil und fasteten. Demeter trauerte um ihre und Zeus' Tochter Persephone, die von Hades entführt und als dessen Gattin in die Unterwelt gebracht wurde. Als Sinnbilder trägt Demeter Ähre, Mohn und Fackel.

Eine andere Schwester des Zeus war Hestia, Göttin des Hausfriedens, des Eheglücks und des Herdes. Vor und nach dem Essen wurde ein Gebet an sie gerichtet. Unter ihrem Schutz stand das Feuer der Opferaltäre, und die meisten Städte verfügten über eine öffentliche Feuerstätte, in dem ihr heiliges Feuer loderte. Hestias Sinnbild ist die Feuerstätte.

Unter den Kindern des Zeus war Apollon, Zwillingsbruder der Artemis, eine sehr bedeutende und edle Göttergestalt. Er war der Gott der Heilkunst, der Weissagung und der Künste und führte die neun Musen. Ihm erbaute man einen Tempel in Delphi, den Menschen aus allen Landesteilen aufsuchten, um vom Orakel von Delphi den Rat der Götter einzuholen. Apollon wird dargestellt mit Pfeil und Bogen sowie goldener Leier.

Die Zwillingsschwester von Apollon, Artemis, war ebenfalls eine der bedeutenden Göttinnen, die Göttin der Jagd und der Jäger, der Wälder und der wilden Tiere. Zugleich war sie Mondgöttin, Göttin der Geburt und die Beschützerin der Jugend, insbesondere der jungen Frauen. Auch sie trägt Pfeil, Bogen und Köcher und wird begleitet von einer Hirschkuh.

Athene, auch Pallas Athene, war eine der Hauptgöttinnen und die Lieblingstochter des Zeus. Als Hephaistos den Kopf des Zeus mit einer Axt spaltete, sprang Athene aus dem Kopf hervor, erwachsen und in voller Rüstung. Athene war die Göttin der Weisheit, der Wissenschaft und der Kunst, aber auch des Handwerks und des Ackerbaus. Sie lehrte die Menschen die Kunst der Tierzucht, des Schiffsbaus und der Schuhherstellung. Als Stadtgöttin von Athen baute man ihr einen Tempel, den Parthenon auf der Akropolis. Athenes Attribute sind die Eule als Symbol der Weisheit sowie Helm, Schild und Lanze.

GIOVANNI BATTISTA TIEPOLO: Danae und Zeus, um 1736, Öl auf Leinwand, 41 × 53 cm, Stockholm, Universitet Konsthistoriska Institutionen

Aphrodite (Bild 5) galt als Göttin der Liebe, der Schönheit und besonders der Leidenschaften. Obwohl verheiratet mit Hephaistos, hatte sie mehrere Liebhaber, darunter Ares. Es kam immer wieder zu Schönheitswettbewerben mit den anderen Göttinnen; davon ist der berühmteste der Götterstreit, der den Trojanischen Krieg zur Folge hatte. Aphrodite ist geschmückt mit Spiegel, Taube oder Apfel.

HephaistosGott des Feuers und des Schmiedehandwerks – kam mit verkrüppelten Füßen zur Welt, was Hera so ärgerte, dass sie ihn vom Olymp ins Meer hinabwarf. Er wurde von Nereiden gefunden und in einer Höhle großgezogen. Als Erwachsener wurde er wieder im Olymp aufgenommen und schmiedete dort Waffen für die Götter. Seine Schmiede befand sich unter dem Ätna, dem Vulkan auf Sizilien. Trotz des Gebrechens und des Hinkens heiratete er die Schönheitsgöttin Aphrodite. Er wird dargestellt mit Schmiedegerät und Bergmannskappe.

Dem Kriegsgott Ares brachte man Opfer vor und nach einem Krieg. Aufgrund seiner Vorliebe für brutale und gewalttätige Kriege sowie für den Angriffskrieg war er weder bei Göttern noch bei Menschen beliebt. Auf das Schlachtfeld begleiteten ihn Deimos (die Furcht) und Phobos (der Schrecken). Seine Symbole sind Waffenschmuck und Kriegswagen.

Der wegen seiner Schnelligkeit bekannte Götterbote Hermes war gleichzeitig der Gott des Handels, der Kaufleute und der Diebe. Als Vermittler zwischen Göttern und Menschen, zwischen Ober- und Unterwelt begleitete er die Toten zur Unterwelt. Kennzeichnend für ihn sind Flügelschuhe, Hut und Stab.

Hades (Pluton) – der zweite Bruder des Zeus – war Gott des Totenreichs und Herrscher über die Unterwelt, wo er mit seiner aus der Oberwelt entführten Gemahlin Persephone lebte. Hades galt als hart und unerbittlich, aber nicht ungerecht. In der Antike wurde die Unterwelt selbst Hades genannt. Sie teilte sich in den Erebos, das dunkle Reich der Toten, und den Tartaros, die tiefste Region und Gefängnis, etwa für die Titanen, Tantalos und Sisyphos. Dort wachte Kerberos, der grimmige, dreiköpfige Hund des Hades, mit dem Hades auch oft dargestellt wird.

Der stets feiernde Dionysos war der Gott des Weins und der Lebensfreude. Ihn kennzeichnen Weinrebe und Efeukranz.

JOHANN HEINRICH FÜSSLI Aphrodite führt Paris zum Duell mit Menelaos, 1766–1770, Tusche, aquarelliert auf Karton, 21,8 × 17,8 cm, Oackland, City Art Gallery

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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