Otto I., der Große

WIDUKIND VON CORVEY beschrieb in seiner „Sachsengeschichte“ OTTO den Großen als vorbildlichen Herrscher und Menschen:

„Er selbst also, der großmächtige Herr, der älteste und beste der Brüder, war vor allem ausgezeichnet durch Frömmigkeit, war in seinen Unternehmungen unter allen Sterblichen der beständigste ... Seine Geistesgaben waren bewunderungswürdig, denn nach dem Tod der Königin Edgitha (Editha) lernte er die Schrift, die er vorher nicht beherrschte, so gut, dass er Bücher lesen und verstehen konnte ... Auf die Jagd ging er häufig, liebte das Brettspiel und nahm bisweilen mit Anmut und königlichen Anstand am Reiterspiel teil. Hinzu kam noch der gewaltige Körperbau, der die volle königliche Würde zeigte, das Haupt mit ergrauendem Haar bedeckt, die Augen funkelnd ... Seine Tracht war die heimische, die er nie mit Fremder vertauschte. So oft er aber unter der Krone gehen musste, bereitete er sich stets durch Fasten sorgfältig darauf vor.“

Kindheit

OTTO I., „der Große“, wurde am 23.11.912 als Sohn von König HEINRICH I. und MATHILDE, „der Heiligen“, in Wallhausen geboren. Sein Name bedeutet im Germanisch-Althochdeutschen „der Besitzer des Erbgutes“.
Das frühere Mittelalter kannte keine Familiennamen. Um Personen einer Familie zu kennzeichnen, einigte sich die neuzeitliche Geschichtsschreibung auf familientypische Geschlechternahmen. OTTO I., sein Sohn und Nachfolger OTTO II. (regierte von 936-973) und dessen gleichnamiger Sohn OTTO III. (regierte von 983-1002) prägten den Geschlechternamen der Ottonen.

929 fand die standesgemäße Heirat zwischen OTTO I. und EDGITHA, der Schwester des angelsächsischen Königs AETHELSTAN, statt.

Das Königtum OTTO DES GROSSEN

Das Königtum von OTTO I. unterschied sich maßgeblich von dem seines Vaters HEINRICH I.
OTTO I. sah sich in unmittelbarer Nachfolge KARLs DES GROSSEN, was sich bereits bei seinem Regierungsantritt zeigte, der die Wiederaufnahme karolingischer Traditionen ankündigte. Während sich das Königtum bisher allein durch die Abstammung legitimiert hatte, wurde OTTO I. nicht zuletzt durch seine kirchliche Segnung über die anderen mächtigen Reichsfürsten gestellt.
Königs- und Kaiserweihe wurden als Sakrament verstanden. Als Krönungsort wählte OTTO I. Aachen, wo man ihn am 07.08.936 zum König erhob. Am Ende der Krönungszeremonie, bei der OTTO I. eine fränkische Tracht trug, nahm er auf dem steinernen Thron KARLs des Großen Platz.

Von besonderer Bedeutung war die Nachfolge nur eines Königssohnes. Obwohl HEINRICH I. mehrere Söhne hatte, wurde abweichend vom fränkischen Brauch die Herrschaft nicht mehr geteilt. Davon waren 936 OTTOs Brüder THANKMAR und HEINRICH betroffen, die durch die neue Unteilbarkeit des Reiches von der Thronfolge ausgeschlossen wurden.
Die ersten Regierungsjahre des neuen Königs waren geprägt von zahlreichen Auseinandersetzungen mit seinen Brüdern sowie mit den Herzögen von Franken, Bayern und Lothringen. OTTO I. gelang es jedoch die Aufstände niederzuschlagen und die Überwindung dieser Krise ermöglichte ab 939 die Neuordnung im Reich durch die Besetzung von Schlüsselpositionen mit loyalen Familienangehörigen.
Nach 941/942 begann eine ruhigere Phase in der ottonischen Monarchie. Der König betrachtete die Herzogtümer Franken und Sachsen weiterhin als eigentliches Königsgebiet und bemühte sich, die übrigen Herzogsgewalten durch Heiratspolitik enger an das Königshaus zu binden. Im Jahre 946 starb nach siebzehnjähriger Ehe OTTOs Frau EDGITHA.

Zweite Ehe und erster Italienfeldzug

Die Vormachtstellung des Ostfränkischen Reiches bewegte OTTO I. bereits früh in die Verhältnisse der restlichen Herrschaftsverbände innerhalb des ehemaligen karolingischen Reiches einzugreifen.
951 zog er auf Bitten der Witwe des Langobardenkönigs ADELHEID über die Alpen und brachte Oberitalien unter seine Herrschaft. Weihnachten 951 heiratete er in zweiter Ehe ADELHEID und erhielt damit die rechtmäßige Herrschaft über Oberitalien. Die Eroberung des langobardisch-italienischen Reiches schloss OTTO I. mit der Königskrönung in Pavia ab.

953 machte OTTO seinen jüngsten Bruder BRUN zum Erzbischof von Köln. Auf diese Weise vereinte OTTO I. geistliche und weltliche Macht. Seinen 927 unehelich gezeugten Sohn WILHELM ernannte OTTO I. zum Erzbischof von Mainz.
Doch selbst diese Familienbande schützten das Königtum OTTO I. nicht vor weiteren Aufständen. 953 kam es zur letzten großen Bedrohung von OTTOs Herrschaft infolge der Auflehnung seines Sohnes LUIDOLF und seines Schwiegersohnes Herzog KONRAD der Rote.
OTTOs Sohn LUIDOLF fürchtete nach dem Tod seiner Mutter EDGITHA und der Vermählung seines Vaters mit ADELHEID von Italien um seine Stellung als Thronfolger. Zudem fühlte er sich mit Zustimmung des Königs durch seinen Onkel HEINRICH von Bayern von wichtigen politischen Fragen ausgeschlossen. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Schwerpunkten Mainz und Regensburg, die für OTTO erfolglos blieben, schwenkte 954 die Stimmung im Reich zugunsten des Königtums um, als LIUDOLF beschuldigt wurde, mit den eindringenden Ungarn zusammengearbeitet zu haben. Im Herbst 954 unterwarf sich LIUDOLF schließlich seinem Vater.

Schlacht auf dem Lechtfeld

955 belagerten die Ungarn das von Bischof ULRICH verteidigte Augsburg. Am 10.08.955 gelang es OTTO dem Großen die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg mit einem zahlenmäßig unterlegenen Reiterheer vernichtend zu schlagen. Zwei Monate nach dem Sieg über die Ungarn bezwang er die Slawen an der Recknitz. Mit diesen großen Erfolgen erwies sich OTTO I. als siegreicher Beschützer der lateinischen Christenheit und sein imperialer Charakter war unbestritten.

OTTO I. wird zum Kaiser gekrönt

Als Herr über andere Könige war OTTO kaisergleich, ihm fehlte lediglich der „nomen imperatoris“, der Titel. Auf seinem zweiten Italienfeldzug im Jahr 961 konnte er auch diesen erwerben.
OTTO I. wurde am 02.02.962 durch Papst JOHANNES XII. in der Peterskirche in Rom zum Kaiser gekrönt.
Für die europäische Geschichte hatte dieses Ereignis weitreichende Folgen. Seither gehören Italienpolitik, Romzug und Kaiserkrönung durch den Papst zum Regierungsprogramm der mittelalterlichen deutschen Könige.
Die kaiserliche Herrschaft gipfelte in Rom in der Beteiligung des Kaisers an der Besetzung des Papstthrones. So lies OTTO Papst Johannes XII., der ihn 962 zum Kaiser gekrönt hatte, ein Jahr später wegen dessen Verschwörung mit seinem Gegner BERENGAR vor ein Gericht stellen und kurzerhand absetzen.
Der dritte Italienfeldzug von OTTO I. 966-972 führte zu Spannungen mit dem Byzantinischen Reich. Als Geste der Aussöhnung kam es zur Heirat von OTTOs Sohn und Nachfolger OTTO II. mit der byzantinischen Prinzessin THEPHANU.

OTTO I. als Vertreter Christi

Im Mittelalter verstanden sich Könige und Kaiser als Vertreter Christi. Wie schon KARL der Große, betrachtete auch OTTO I. die Heidenmission als Pflicht des christlichen Kaisers. Sein Ziel bestand in der Schaffung des Heiligen Römischen Reiches, ein Europa unter dem Zeichen des Kreuzes.
Er verhalf der Kirche zu wirtschaftlicher und militärischer Macht und band sie in das Staatsgefüge ein, indem er den Bischöfen große Bistümer zuteilte, von ihnen gleichzeitig aber auch höhere Abgaben forderte.

Gründung des Erzbistums Magdeburg

OTTO der Große war der Ansicht, dass der Kaiser in seiner Herrschaft stets zu Demut gegenüber Gott und Milde gegenüber seinen Untertanen verpflichtet sei. Mit der Begründung neuer Bistümer wollte OTTO zur Verbreitung des Gottesdienstes beitragen. Bedeutsam für die mittelalterliche Herrschaft waren die Verfügung über kirchliche Ämter, mit denen Anhänger und Familienangehörige belohnt werden konnten.

Nach vielen Mühen und Rückschlägen setzte der Kaiser 968 die Errichtung des Erzbistums Magdeburg durch. In der Gründungsurkunde heißt es:

„Auf der Förderung des Gottesdienstes beruht Heil und Ordnung unseres königlichen und kaiserlichen Reiches.“

Der Kaiser veranlasste den Bau einer mächtigen Gotteshauses und baute Magdeburg zu einem bedeutenden Missionsstützpunkt bei der Eroberung slawischer Gebiete und deren Christianisierung aus.
Mit der Gründung der Bistümer Merseburg, Meißen und Zeitz, die zusammen mit den bereits 984 errichteten Bistümern Havelberg und Brandenburg zum Erzbistum gehörten, wollte OTTO I die Ostgrenzen sichern.
Damit befand sich der Kaiser in der Tradition der unter KARL dem Großen begonnenen Strategie von Eroberung und Mission.

Tod von OTTO I.

Das Reich stand auf dem Gipfel seiner Macht, als OTTO I. am 07.05.973 in Memleben verstarb. Er wurde im Dom zu Magdeburg beigesetzt.
Das lateinische Distichon auf der Marmorplatte seines Sarkophags setzt ihm in knappen Worten ein Denkmal:

„König und Christ war er und der Heimat herrlichste Zierde, den hier der Marmor bedeckt: Dreifach beklagt ihn die Welt.“

OTTO I.
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