Albrecht Dürer

ALBRECHT DÜRERs Selbstbildnis von 1493, Leinwand, 57 × 45 cm, Paris, Musée du Louvre

Kindheit und Jugend

Der Maler, Grafiker, Zeichner und Kunstschriftsteller ALBRECHT DÜRER wurde am  21. Mai 1471 in Nürnberg als drittes von 18 Kindern des aus Ungarn eingewanderten Goldschmieds ALBRECHT DÜRER  D. Ä. und dessen Frau BARBARA, geb. HOLPER, geboren. Sein Taufpate war der Buchdrucker und Verleger ANTON KOBERGER (um 1440–1513).

Die Familienchronik, das Tagebuch der niederländischen Reise, Briefe und viele eigenhändige Niederschriften geben Auskunft über Herkunft und künstlerische Persönlichkeit DÜRERs. Auf der Lateinschule lernte er WILLIBALD PIRCKHEIMER (1470–1530) kennen. Beide verband eine lebenslange Freundschaft. Der junge ALBRECHT ging nach der schulischen Ausbildung zunächst bei seinem Vater in die Goldschmiedelehre (aus dieser Zeit stammt sein Selbstporträt als Silberstiftzeichnung), bevor er 1486 in die Werkstatt des MICHAEL WOLGEMUT in Nürnberg kam. In dieser Zeit malte er seinen Vater.

ALBRECHT DÜRER: „Bildnis des Albrecht Dürer des Älteren“, 1490, Holz, 123 × 89 cm, Florenz, Galleria degli Uffizi.

1490–1494 war DÜRER auf Wanderschaft am Oberrhein (Basel, Colmar, Straßburg). In Breisach wollte DÜRER den aus Augsburg stammenden MARTIN SCHONGAUER kennen lernen. Dieser hatte sich stark an der niederländischen Malerei ROGIER VAN DER WEYDENs, DIERIC BOUTs und JAN VAN EYCKs orientiert. Auch seine Kupferstecherkunst hatte ALBRECHT DÜRER so stark beeindruckt, dass er unbedingt in die Lehre des Meisters gehen wollte.

Sein Wunsch, sein Vorbild kennen zu lernen, erfüllte sich nicht: Der große Maler starb kurz vor DÜRERs Ankunft 1491. Von SCHONGAUERs Brüdern erwarb er jedoch noch einige Zeichnungen.

1494, nach seiner Rückkehr in seine Heimatstadt, heiratete DÜRER die Bürgerstochter AGNES FREY (gest. 1539).

Erste Italienreise

Im Herbst 1494 trat DÜRER seine erste Italienreise an, in deren Verlauf bedeutende Landschaftsaquarelle entstanden, so z. B. die „Ansicht der Burg von Trient“ (National Gallery, London). In Mantua wollte er den Maler, Zeichner, Kupferstecher und  Bildhauer ANDREA MANTEGNA (1431–1506) begegnen, dessen Kupferstiche ihn beeindruckt hatten. MANTEGNA gilt als herausragender Künstler der zweiten Generation von Renaissance-Künstlern. Stilistisch orientierte er sich an der  Florentiner Schule. Stattdessen kam es jedoch zu einer Begegnung mit JACOPO DE BARBARI, von dem er wesentliche Anregungen für spätere Proportionsstudien empfing. Er schrieb Jahre später:

„Ich habe niemanden gefunden, der über die Proportionen des menschlichen Körpers geschrieben hätte, mit Ausnahme eines in Venedig geboren Jacobus, der ein ausgezeichneter Maler ist. Er hat mir einen Mann und eine Frau gezeigt, die er unter Berücksichtigung bestimmter Maße gezeichnet hatte. Mir liegt nicht so sehr daran, unbekannte Gefilde zu erkunden als seine Theorien kennenzulernen.“

Nach seiner Rückkehr im Frühjahr 1495 richtete DÜRER in Nürnberg eine eigene Werkstatt ein. Aus dieser Zeit stammen das Selbstporträt sowie das Porträt der Mutter. 1496 erhielt er erste Aufträge durch Kurfürst FRIEDRICH DEN WEISEN, u. a. das „Bildnis Friedrichs des Weisen“ (um 1496).

Zweite Italienreise

1505–1507 hielt DÜRER sich erneut in Italien auf. Er lernte den venezianischen Maler GIOVANNI BELLINI (um 1430/35–1516) kennen, den Schwager ANDREA MANTEGNAs. BELLINI hatte in seinen frühen Jahren sehr von MANTEGNAs Malstil partizipiert, fand in seinen späteren Jahren jedoch zu einem eigenen Malstil und gilt als Begründer der italienischen Hochrenaissance in Venedig. Vor allem werden DÜRER Wärme und Leuchtkraft der Farben BELLINIs beeindruckt haben. Davon kündet das 1506 während seiner zweiter Italienreise für die Kirche San Bartolommeo geschaffene Gemälde „Das Rosenkranzfest“ (Prag, Nationalgalerie). Es zeigt die Verteilung von Rosenkränzen durch Maria. Aus den zahlreichen Vertretern der weltlichen und geistlichen Sphäre sind Maria, Kaiser Maximilan und Papst Julius II. als monumentale Dreieckskomposition herausgehoben.

ALBRECHT DÜRER: Das Rosenkranzfest (auch: Rosenkranzaltar),1506, Pappelholz, 162 × 194,5 cm. Prag, Národni Galerie.

BELLINIs Bild „Thronende Madonna mit Heiligen“ (1505) regte den jungen Deutschen zu seinen „Vier Aposteln“ von 1526 an. DÜRER traf jedoch auch den Mathematiker LUCA PACIOLI DI BORGO, der ihn mit dem Goldenen Schnitt vertraut machte.

1509 erwarb DÜRER in Nürnberg das stattliche Haus am Tiergärtnertor und wurde Mitglied des Großen Rates der Stadt. 1520/21 reiste er in die Niederlande, wo er volle Anerkennung als Künstler erhielt. Er erkrankte dort an einem Fieber, das seine Gesundheit nachhaltig schwächte.

DÜRERs Haus am Tiergärtnertor in Nürnberg, am Fuße der Nürnberger Burg

DÜRER als Maler

ALBRECHT DÜRER kam aus dem spätmittelalterlichen Handwerkertum, dessen Fleiß und Werktreue er zeitlebens bewahrte. Die Anfänge seiner Kunst wurzeln in der altniederländischen Malerei (JAN VAN EYCK, ROGER VAN DER WEYDEN). Obwohl DÜRER zahlreiche Themen aus der mittelalterlichen Tradition übernahm, zeigt sich in seiner Behandlung christlicher wie allegorischer und mythologischer Stoffe eine starke Prägung durch den deutschen Humanismus, den ihm sein Freund WILLIBALD PIRCKHEIMER vermittelte.

Auch seine Auffassung der Themen im Sinne einer bürgerlichen Frömmigkeit zeigt DÜRER als Künstler einer neuen Zeit, ebenso wie er im Bereich der Form in Auseinandersetzung besonders mit der italienischen Renaissance neue Wege ging. Als Maler schuf er Andachtsbilder und mehrere Altäre. Hauptthemen bei der Schilderung der Heilsereignisse sind

  • die Passion Christi,
  • das Leben Mariens und
  • das Heiligenleben,

dominierend in den grafischen Werken. Form gebend ist bei seinen Gemälden die Zeichnung, der die Farbe zugeordnet ist. Die erste Begegnung mit der italienischen Kunst vermittelten ihm noch vor seiner ersten Italienreise die Stiche ANDREA MANTEGNAs, die er zusammen mit seinem Freund PIRCKHEIMER studierte.

Einziger Auftrag seiner Vaterstadt blieben die Tafeln „Kaiser Karl der Große im Krönungsornat“ und „Kaiser Sigismund“ für die Heiltumskammer am Hauptmarkt (beide 1512/13; Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum). 1526 vermachte DÜRER seiner Vaterstadt ausdrücklich als Mahnmal in unruhigen Zeiten die beiden Tafeln der „Vier Apostel“ (München, Alte Pinakothek). Sie tragen Beischriften, die auf MARTIN LUTHERs Übertragung des Neuen Testaments basieren und sich gegen radikale Sektierer und Bilderstürmer richten.

DÜRER als Zeichner und Grafiker

MANTEGNAs mythologische Blätter reizten ALBRECHT DÜRER zur Nachahmung. Mit seinen Holzschnittfolgen

  • „Apokalypse“ (1498),
  • „Große Passion“ (1498–1510) und
  • „Marienleben“ (1501–1511)

sowie den drei Meisterstichen

  • „Ritter, Tod und Teufel“ (1513),
  • „Der heilige Hieronymus im Gehäus“ (1514) und
  • „Melancolia I“ (1514)

führte DÜRER die druckgrafischen Techniken in Deutschland zu höchster Vollendung.

ALBRECHT DÜRER: Der heilige Hieronymus im Gehäus, 1514, Kupferstich, 247 x 188 mm, Kansas City (Missouri), The Nelson-Atkins Museum of Art.

Seine weit verbreiteten Grafiken, mit denen DÜRER ein außergewöhnliches Vermögen erwarb, gehören zu seinen bedeutendsten Leistungen und dienten wiederum in unzähligen Fällen als Vorlagen auch für die Malerei; sie genossen Wertschätzung selbst in Italien oder den Niederlanden, wo etwa der bedeutende Grafiker LUCAS VAN LEYDEN DÜRER 1521 in Antwerpen begegnete.

Von seiner Auseinandersetzung mit der Formklarheit der italienischen Renaissancekunst zeugt besonders auch der Kupferstich „Adam und Eva“ (1504). Das neue Selbstbewusstsein der Renaissance drückt sich v. a. in seinen Porträts aus, die neben religiösen Themen einen Schwerpunkt seines Schaffens bilden.

Seine etwa 350 Holzschnitte sowie über 100 Kupferstiche und Radierungen zeichnen sich durch künstlerische und technische Vollkommenheit aus. Die über 1000 Zeichnungen umfassen v. a. Porträts (u. a. das Bildnis seiner Mutter, 1514; Berlin, Kupferstichkabinett), Darstellungen von Tieren und Pflanzen sowie Vorlagen für Goldschmiedearbeiten.

Ab 1512 war DÜRER leitend an den Entwürfen und der Ausführung von Aufträgen für Kaiser MAXIMILIAN I. beteiligt und fand hier für seine überragende Begabung als Zeichner und Grafiker ein weites und angemessenes Betätigungsfeld. Es sind die aus 192 Holzschnitten bestehende „Ehrenpforte“ (1515) und der Triumphwagen des riesigen „Triumphzuges“, ebenfalls in Holzschnitten (um 1518). Den Höhepunkt seiner Tätigkeit für MAXIMILIAN I. bilden die 50 farbigen Randillustrationen zum Gebetbuch des Kaisers (um 1515; München, Bayerische Staatsbibliothek). Hier arbeitete er u. a. mit LUCAS CRANACH DEM ÄLTEREN, ALBRECHT ALTDORFER und HANS BALDUNG GRIEN zusammen.

Kunsttheorie und Proportionslehre

Ab 1500 bis zu seinem Tod beschäftigte sich DÜRER mit Kunsttheorie, besonders der Proportionslehre. Er versuchte die Kunst aus der Erkenntnis ihrer Formgesetze zu erneuern. Ihr höchstes Ziel, die Schönheit, erschien ihm normativ, mit „Zirkel und Richtscheit“ konstruierbar.

Das Ergebnis eingehender Proportionsstudien ist die 1528 postum erschienene Proportionslehre, die mit der „Underweysung der Messung mit dem Zirckel und Richtscheyt ...“ (1525) und seiner Befestigungslehre („Etliche Underricht zur Befestigung der Stett, Schloß und Flecken“, 1527) einen Meilenstein der deutschen Kunstliteratur darstellt.

Albrecht Dürer setzte sich theoretisch auch mit der Zentralperspektive auseinander. Zu genaueren Konstruktionen war er aber erst nach der zweiten Italienreise, die ihn 1505–1507 bis nach Florenz und Rom führte, fähig. Zur Verbesserung der Perspektivenzeichnung erfand Dürer eigene Apparate zur Konstruktion der Perspektive.

ALBRECHT DÜRER: Der Zeichner des liegenden Weibes, 1512–1525, Holzschnitt, 75 x 215 mm.

DÜRER erscheint als der umfassend interessierte, gebildete und vielseitige Künstler einer neuen Epoche, dessen Wirken besonders auf dem Gebiet der Druckgrafik von weit reichendem Einfluss war. DÜRER starb am 6. April 1528 in seiner Heimatstadt Nürnberg.

ALBRECHT DÜRER: Die sieben Schmerzen Mariä, Mitteltafel, Szene: Christus am Kreuz, um 1494-1497, Nadelholz, 63,5 × 45,5 cm, Dresden, Gemäldegalerie.

Gemälde:

  • Bildnis des Vaters (1490; Florenz, Uffizien)
  • Selbstbildnisse (1493, Paris, Louvre; 1498, Madrid, Prado; 1500, München, Alte Pinakothek)
  • Büßender Hieronymus (um 1494–1497; Ravening Hall, Norwick, Norfolk, Sammlung Lt. Col. Sir Edmund Bacon)  
  • Die Sieben Schmerzen Mariens (um 1495; Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, und München, Alte Pinakothek)
  • Dresdner Altar (1496; Dresden, Staatliche Kunstsammlungen)
  • Madonna mit Kind (um 1496; Washington, District of Columbia, National Gallery of Art)
  • Bildnis Friedrichs des Weisen (um 1496; Berlin, Gemäldegalerie)
  • Bildnis der Katharina Fürlegerin (1497; Frankfurt am Main, Städelsches Kunstinstitut)
  • Bildnis Albrecht Dürers des Älteren (1497; London, National Gallery)  
  • Bildnis des Oswalt Krel (1499; München, Alte Pinakothek)
  • Beweinung Christi (um 1500; ebenda)
  • Paumgartner-Altar (1498–1504; ebenda)
  • Anbetung der Könige (1504; Florenz, Uffizien)
  • Bildnis einer jungen Venezianerin (1505; Wien, Kunsthistorisches Museum)
  • Rosenkranzfest (1506; Prag, Národní Galerie)
  • Madonna mit dem Zeisig (1506; Berlin, Gemäldegalerie)
  • Adam und Eva (1507; Madrid, Prado)
  • Marter der 10000 Christen (1508; Wien, Kunsthistorisches Museum)
  • Heller-Altar (1507–1509; im 18. Jahrhundert verbrannt)
  • Allerheiligenbild (1511; Wien, Kunsthistorisches Museum)
  • Madonna mit der Birne (1512; Wien, Kunsthistorisches Museum)
  • Die Auferstehung des Lazarus (1512; Moskau, Puschkin-Museum)  
  • Kaiser Karl der Große im Krönungsornat (1512/13; Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum)
  • Bildnis des Malers Michael Wolgemut (1516; Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum)
  • Bildnis Kaiser Maximilians I. (1518/19; Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum)
  • Anna Selbdritt (1519; New York, Metropolitan Museum)
  • Heiliger Hieronymus (1521; Lissabon, Museum de Arte Antigua)
  • Bildnis des Hieronymus Holzschuher (1526; Berlin, Gemäldegalerie)
  • Bildnis des Jacob Muffel (1526; Berlin, Gemäldegalerie).
ALBRECHT DÜRER: Adam und Eva, 1507, Holz, 209 × 81 und 209 × 83 cm, Madrid, Museo del Prado.

Holzschnittzyklen:

  • Die Apokalypse (1498)
  • Das Marienleben (1502–1511)
  • Die Große Passion (1496–1511)
  • Die Kleine Holzschnittpassion (1509–1511).
  • Ehrenpforte (1515)

Kupferstiche und Radierungen:

  • Der verlorene Sohn (um 1496)
  • Adam und Eva (1504)
  • Die Kleine Kupferstichpassion (1507–1512)
  • Ritter, Tod und Teufel  (1513)
  • Der heilige Hieronymus im Gehäus (1514)
  • Melancolia (1514)
  • Christus am Ölberg (1515)
  • Albrecht von Brandenburg (1519, 1523)
  • Willibald Pirckheimer (1524)
  • Philipp Melanchthon (1526)
  • Erasmus von Rotterdam (1526)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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