Architektur des Einzelbauwerkes: Dekorative Bauelemente

Dekorative Bauelemente

Bereits im Altertum wurde begonnen, die Konstruktion der Bauelemente mit Dekor zu versehen. Bei allen handwerklich ausgeführten Bauten gab es bis ins 20. Jh. kaum eine Trennung zwischen Konstruktion und Dekoration. In früheren Zeiten wurde Innen- und Außendekor zur Wert- und Qualitätssteigerung bzw. zur Verschönerung konstruktiver Details benutzt. Architekten der Gegenwart lehnen meist Dekor als Verschleierung der Konstruktion, als Beeinträchtigung der Form und des Materials oder als wesensfremden Illusionismus ab.

Dekorative Elemente können unterschieden werden in:

  • funktional-dekorative Bauelemente (erfüllen neben der dekorativen z. B. auch gliedernde, tragende, aussteifende oder vereinheitlichende Funktion);
  • Bauplastik (figürliche Skulpturen, die im Zusammenhang mit der Architektur im Innen- oder Außenraum stehen) und
  • Ornamentik (schmückende Ornamentik, wie Friese; Rocaillen oder die muschelartige Ornamente des Spätbarock; gliedernde Ornamentik, wie Fensterverdachung oder Blendmaßwerk).

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Der Umgang mit Bauschmuck lässt Rückschlüsse auf die Grundauffassung von Funktion und Bedeutung des Gebäudes zu. Zurückhaltender Umgang betont in der Regel das Konstruktive des Baus, kann aber auch Ausdruck von Bescheidenheit oder Armut sein. Übertriebene Verwendung verschleiert die Konstruktion und bringt Pracht, Verherrlichung, aber auch Protzigkeit zum Ausdruck.

Wasserspeier dienen zugleich funktionalen wie dekorativen Zwecken.

Wasserspeier dienen zugleich funktionalen wie dekorativen Zwecken.

Funktional-dekorative Bauelemente

Als funktional-dekorative Bauelemente gelten alle Gebäudeteile, die beispielsweise

  • gliedernde,
  • tragende,
  • aussteifende und
  • vereinheitlichende Funktionen erfüllen.

Eine wichtige Rolle für die Horizontalgliederung im Steinbau spielen z. B. die Gesimse – waagerecht aus der Fassade hervortretende Mauerstreifen (sie werden im Holzbau auch Knaggen genannt). Man unterscheidet:

  • Sockelgesimse,
  • Gurtgesimse,
  • Kappgesimse,
  • Kranzgesimse und
  • Hauptgesimse.

Konsolen sind Tragsteine für Balkone, Figuren usw.

Als Risalite werden Gebäudeteile bezeichnet, die aus der Bauflucht vorspringen. Nach ihrer Stellung zur Mittelachse spricht man von

  • Mittelrisaliten,
  • Seitenrisaliten und
  • Eckrisaliten.

Der Mittelrisalit ist häufig mit einem Frontspitz (frz.: Giebeldreieck) bekrönt.

Die sogenannten Vorlagen (Dienste, Lisene, Pilaster) treten nur wenig aus der Wand hervor, helfen aber, Gewölbe zu tragen bzw. die Wand zu stabilisieren.

Kassettierungen erfüllen neben dem dekorativen Zweck immer einen konstruktiven. Sie machen das Gewölbe oder die Holzdecke leichter.

Weitere Elemente sind im Steinbau z. B. Wasserspeier, Giebelreiter, Dachreiter, Schornsteinköpfe.

Beim Holzbau sind zu nennen:

  • verzierte Balken- und Sparrenköpfe,
  • Kopfbänder (zur Versteifung des Verbandes zwischen senkrechten und waagerechten Hölzern eingezogene Eckverbindungen),
  • Pfosten,
  • Giebelleisten,
  • Balkendecken u. a.,

die trotz Schmuck ihre konstruktiv wichtige Funktion erfüllen.

Bauplastik

Zur Bauplastik zählen figürliche Skulpturen, die im Zusammenhang mit der Architektur im Innen- oder Außenraum stehen, z. B:

  • Akroterien (Giebelverzierungen von Tempeln und Grabmälern),
  • Atlanten (nach dem angeblichen antiken Träger des Himmelsgewölbes benannte kräftige Männerfiguren),
  • Karyatiden (weibliche Trägerfigur mit langem Gewand),
  • Hermen (Halbfigur an Pfeilern und Pilastern),
  • Amoretten und Putten (Kleinkinder mit und ohne Flügel, seit der Neuzeit an Altären, Decken, Galerien, Balustraden usw.),
  • Neidköpfe (Menschen- oder Tierköpfe zur Abwehr böser Geister),
  • Reliefs.

Auch in der Bauplastik gibt es funktional wichtige Elemente (z. B. Karyatiden, Hermen) und andere, die rein dekorative Zwecke erfüllen.

Ornamentik

Bei der Ornamentik wird unterschieden in

  • schmückende Ornamentik (z. B. Friese; Rocaillen, muschelartige Ornamente des Spätbarock) und
  • gliedernde Ornamentik (z. B. Fensterverdachung, Blendmaßwerk).

Ein schmückender Fries kann aber auch die Fläche gliedern. Hauptformen sind:

  • geometrische Ornamentik, die mit Zirkel und Lineal konstruiert wird (z. B. Zackenfries, Rundbogenfries, Eierstab, Perlstab),
  • pflanzliche Ornamentik (z. B. Knospenformen, Blattformen),
  • Tierornamentik,
  • Menschenornamentik.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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