Bildspannung in der Beziehung der Anordnung

Beziehungen der Anordnung

Der Betrachter erwartet dem Sehen entsprechend (mittige Sehschärfe bei starrer Blickrichtung) die kompositionsbestimmenden Motive in der Bildmitte.

AUGUSTE RENOIR: „Auf der Schaukel“;1876; Paris, Musée d'Orsay.

AUGUSTE RENOIR: „Auf der Schaukel“;1876; Paris, Musée d'Orsay.

Bildspannung in der Beziehung der Anordnung - Auf der Schaukel
Hier wirken die kompositionellen Prinzipien hinsichtlich der Gruppierung zu einer Einzelform kontrastreich.

Hier wirken die kompositionellen Prinzipien hinsichtlich der Gruppierung zu einer Einzelform kontrastreich.

Bildspannungen der Beziehung der Anordnungen - Hier wirken die kompositionellen Prinzipien hinsichtlich der Gruppierung zu einer Einzelform kontrastreich

Spannungsvoller wird der Bildaufbau, wenn ein vorgesehenes Hauptmotiv mehr ins obere oder untere Drittel bzw. nach links oder rechts außen verlegt wird (vgl. goldener Schnitt).

ADRIAN LUDWIG RICHTER: „Abendandacht im Walde“;1842; Leipzig, Museum der bildenden Künste.

ADRIAN LUDWIG RICHTER: „Abendandacht im Walde“;1842; Leipzig, Museum der bildenden Künste.

Bildspannung durch die Beziehung der Anordnungen - Abendandacht im Walde
Das Bild erhält seine Spannung durch die Anordnung des Hauptmotivs im oberen Drittel und im unteren Drittel.

Das Bild erhält seine Spannung durch die Anordnung des Hauptmotivs im oberen Drittel und im unteren Drittel.

Bildspannungen: Beziehung der Anordnungen - Das Bild erhält seine Spannung durch die Anordnung des Hauptmotivs im oberen Drittel und im unteren Drittel.

Weiterhin wirken kompositionelle Prinzipien, z. B. Gruppierungen kontrastreich zu einer Einzelform ebenso wie unterschiedliche Abstände zwischen den Elementen des Bildgefüges.

Bildgegenstände, die als inhaltliche oder formale Elemente zur Sinnerfassung oder Gliederung des Dargestellten beitragen, also Hauptmotiv und Nebenmotive, führen je nach ihrer Anordnung zu einer Bildspannung.

Diese kann harmonisch-ruhig wirken, je stärker das Hauptmotiv in die Bildmitte rückt, oder den Betrachter eher anregen, wenn das Hauptmotiv stärker aus der Mitte in die Bildränder verlagert wird.

Der goldene Schnitt

Die bekannteste Proportionsregel ist der goldene Schnitt. Sie fand bereits in Kunstwerken und der Architektur der Antike Anwendung und lässt sich nicht mit rationalen Zahlen ausdrücken, sondern nur durch Konstruktion erreichen.
Der goldene Schnitt ist die Teilung einer Strecke in der Weise, dass sich der kleinere Abschnitt (lat. minor) zum größeren Abschnitt (lat. major) verhält, wie der größere Abschnitt zur gesamten Strecke.

Konstruktionsmöglichkeit:

Man zeichnet die Strecke AB und errichtet über B das Lot BC mit BC= ½ AB. Dann schlägt man einen Kreis um C mit dem Radius CB, der AC im Punkt D trifft. Danach schlägt man einen Kreis um A mit dem Radius AD. Er schneidet AB in E.
E ist der goldene Schnitt von AB.

½ AB = BC = CD
AE = AD
EB : AE = AE : AB

Konstruktionsmöglichkeit des goldenen Schnittes: Teilung einer Strecke AB

Konstruktionsmöglichkeit des goldenen Schnittes: Teilung einer Strecke AB

Ein Rechteck aus Major und Minor wird „goldenes Rechteck“ genannt.

Das „Goldene Rechteck“ aus einem Quadrat entwickelt

Das „Goldene Rechteck“ aus einem Quadrat entwickelt

Unterteilt man die Höhe des Menschen nach dem goldenen Schnitt, dann liegt der Punkt E im Nabel. Dies und die Einteilung des menschlichen Körpers in acht Kopflängen geht auf VITRUV (MARCUS VITRUVIUS POLLIO, römischer Architekt, Ingenieur und Architekturtheoretiker, schrieb 25 v. Chr. zehn Bücher „Über die Architektur“) zurück.

Der goldene Schnitt lässt sich zwar nicht errechnen, jedoch in einer Zahlenreihe andeuten, die der italienische Mathematiker LEONARDO FIBONACCI (1180–1240) entwickelt hat. Die arithmetische Reihe steigt so an, dass jede Zahl die Summe der beiden vorhergehenden ist: 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55...

Je höher die Zahl ist, desto mehr nähert sie sich dem Goldenen Schnitt an. Die darin enthaltenen Verhältnisse von 3:5 oder 5:8 lassen sich, auch gefühlsmäßig angewandt, als harmonisch bezeichnen.

LE COURBUSIER (eigentlich CHARLES EDOUARD JEANNERET, 1887–1965; bedeutender schweiz.-franz. Architekt und Architekturtheoretiker, Mitbegründer des Purismus, Erfinder des Modulor) verwendete noch Mitte des 20 Jh. den auf dem Goldenen Schnitt aufbauenden „Modulor“ (lat. Modulor = Maßregler) für seine Gestaltungsprinzipien.

Die folgende Zeichnung zeigt verschiedene Möglichkeiten der Teilung, ausgehend von einem Menschen mit Körperhöhe 183 cm.

LE COURBUSIER, „Der Modulor“; 1950

LE COURBUSIER, „Der Modulor“; 1950

Aus dem Goldenen Schnitt lässt sich das Pentagramm (Fünfeck) mit sich stetig nach diesem Prinzip teilenden Strecken entwickeln.

Pentagramm mit seiner stetigen Teilung

Pentagramm mit seiner stetigen Teilung

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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