Italien bis zum Quattrocento

Streit zwischen Kaiser und Papst

Im Streit zwischen Kaiser und Papst seit dem 11. Jahrhundert (Investiturstreit) verlor der Kaiser in Italien immer mehr an weltlicher Macht. Der Kaiser trachtete danach, seinen politischen Einfluss sowohl auf die Kirche als auch auf die politisch wie wirtschaftlich erstarkten oberitalienischen Städte wiederherzustellen, der Papst dagegen versuchte nicht nur, dies zu verhindern, sondern seine kirchliche Macht auf die weltliche Sphäre auszudehnen. Und auch die wirtschaftlich erstarkten Städte wollten sich dem Kaiser nicht beugen. Das politische Geschehen im beginnenden Duecento wurde darüber hinaus von den Streitigkeiten zwischen Staufern und Welfen bestimmt. Diese Faktoren wirkten sich nachhaltig auf die italienische politische Landkarte aus:

Das Bürgertum

Das Bürgertum in Gestalt der Kaufleute und Handwerker wurde zur neuen politischen Macht im Italien des 13. Jahrhunderts. Der wirtschaftliche Aufschwung der Städte war Folge der florierenden Industrie der Wolltuchherstellung. Es kam zu

  • einer Trennung von Handwerk und Handel,
  • die Arbeit wurde nach neuen, frühkapitalistischen Gesichtspunkten organisiert,
  • bisher unbekannte Handelstechniken entwickelt.

Durch den Fernhandel bedingt, kehrte Wohlstand in die mittelitalienischen Stadtstaaten ein. Es gab Anfänge der Geldwirtschaft. Hier wurden die ersten Goldmünzen (Gulden) geprägt. Die Abkürzung fl. für den Gulden deutet auf ihren Ursprung hin, auf Florenz.

Eine Errungenschaft war die Erfindung der doppelten Buchführung¹, das heute fast ausschließlich verwendet wird. Die Erfindung der doppelten Buchführung gilt als Geburtsstunde des Kapitalismus.

Das Bankwesen entwickelte sich und damit der einflussreiche Beruf des Bankiers. Der moderne Geldverkehr führte dazu, dass das erstarkte wohlhabende Bürgertum – neben Klerus und weltlichem Adfel – jetzt selbst zum Mäzen und Auftraggeber für die Kunst wurde.

Politisch emanzipierten sich die oberitalienischen Städterepubliken. Sie besaßen bald eine rechtliche Sonderstellung. Besonders Florenz und Venedig wurden zu Zentren bürgerlicher Kultur. Der Bürger selbst bildete sich, bedingt durch den anwachsenden Handel musste er lesen, schreiben und rechnen können. Es kam zur Gründung von Stadtschulen und Universitäten. Dadurch veränderte sich das Verhältnis des Menschen zur Welt.

¹ Buchführung beinhaltet die zahlenmäßige Erfassung aller wirtschaftlichen Vorgänge. LUCA PACIOLI verfasste 1494 das erste Lehrbuch für die doppelte Buchführung.

FRANZ VON ASSISI

Auch im Inneren der Kirche gab es Veränderungen. Der Wanderprediger und Ordensstifter FRANZ VON ASSISI (1181/82–1226) lehrte neue Sichten auf die mittelalterliche Welt. Statt der Anhäufung von Reichtum, wie er es bei den Bürgern reicher Städte gesehen hatte, predigte FRANZISKUS die Armut.

„Gegen die Nacht können wir nicht ankämpfen! Aber wir können ein Licht anzünden..." (FRANZ VON ASSISI).

Hartnäckig verfolgte er seinen Weg, stellte sich gegen seinen Vater, schlug das Erbe aus, ging in die Einsiedelei. Somit wurde FRANZ VON ASSISI zu einem Vorbild für Selbstwerdung und Selbstfindung, zum Sinnbild für Freiheit der persönlichen Lebensführung und Verwirklichung der eigenen Identität.

Es ging ihm darum, dass die Menschen religiöse Rührung eingedenk der Leiden Christi erführen. FRANZISKUS’ Vorstellungen vom brüderlichen Gott bewirkten, dass man sich Jesus als Menschensohn näherte. Diese Entwicklung innerhalb der Kirche führte dazu, dass neue Kunstauffassungen Raum greifen konnten, sich ein neuer Realismus durchsetzte, Christus als leidender Mensch dargestellt wurde.

Sizilianische Dichterschule

Die Veränderungen der Gesellschaft in den Künsten begannen sich zuerst innerhalb der Literatur auszuwirken. Am Hofe Kaiser FRIEDRICHS II. in Sizilien setzte sich im Duecento, nachdem es bis dahin üblich war, in Latein zu dichten, eine volkssprachliche Tendenz (lingua volgare) mit weltlicher Thematik durch, die Sizilianische Dichterschule („Scuola poetica, siciliana“, 1220–1250). Sie breitete sich nach Norden immer weiter aus, wurde zum „Dolce Stil Nouvo“ (1280–1310) der Dichter

  • GUIDO GUINIZELLI (ca. 1235–1276),
  • CINO DA PISTOIA (1270–1337) und
  • GUIDO CAVALCANTI (1255–1300)

und kulminierte in den Werken

  • DANTE ALIGHIERIS (1265–1313).

Mit seinen Werken „Divina Commedia“ und „Vita Nuova“ begründete DANTE die italienische Klassik. Mit FRANCESCO PETRARCA und GIOVANNI BOCCACCIO war DANTE einer der sogenannten tre corone. DANTE gab der neuen literarischen Strömung „Dolce Stil Nouvo“ auch ihren Namen.

Dieser Stil war gekennzeichnet durch lebensnahe Menschen. Bildende Künstler setzten diese Ideale der italienischen Literatur in Skulpturen und Gemälden um. Dazu betötigten sie neue Raum-, Zeit- und Perspektiverfahrungen.

FRANZ VON ASSISIs (eigentlich GIOVANNI BERNARDONE) Beiname FRANCESCO bedeutet „kleiner Franzose“. Das Bild zeigt eine Arbeit GIOTTOs (Assisi, San Francesco, Oberkirche): „Der Heilige Franziskus gibt seinen Mantel einem armen Ritter“. Die Auffasssungen FRA

FRANZ VON ASSISIs (eigentlich GIOVANNI BERNARDONE) Beiname FRANCESCO bedeutet „kleiner Franzose“. Das Bild zeigt eine Arbeit GIOTTOs (Assisi, San Francesco, Oberkirche): „Der Heilige Franziskus gibt seinen Mantel einem armen Ritter“. Die Auffasssungen FRA

Italien bis zum Quattrocentro - „Der Heilige Franziskus gibt seinen Mantel einem armen Ritter“

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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