Symbolismus

Grundlagen des Symbolismus

Nachdem die Aufklärung des 18. Jahrhunderts jeglichem Irrationalismus den Boden entzogen hatte, konnte im 19. Jahrhundert nur das als wahr und wirklich gelten, was mit Vernunft einsichtig erklärt werden konnte.

In diesem Sinne wirkte auch die Naturwissenschaft (z.B. CHARLES DARWIN) auf die Künstler, gelang es den Wissenschaftlern doch immer mehr, den Zusammenhang aller Teile im Weltganzen zu definieren und zu begründen und nährten somit die Gewissheit, in der denkbar vernünftigsten Welt zu leben. Verlierer dieser Überzeugung war in erster Linie die Religion.

Die Gegenwehr

Widerspruch gegen diese Haltung regte sich in der Kunst Europas bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, erreichte aber seinen Höhepunkt an der Wende zum 19. Jahrhundert.

Am 18. September 1886 erschien in der Zeitung „Le Figaro“ das „Symbolistische Manifest“, in dem der französische Schriftsteller JEAN MORÉAS die „aktuelle Strömung des schöpferischen Geistes in der Kunst“ definiert:

„Die wesentliche Eigenschaft der symbolistischen Kunst besteht darin, die Idee niemals begrifflich zu fixieren oder direkt auszudrücken. Und deshalb müssen sich die Bilder der Natur, die Taten der Menschen, alle konkreten Erscheinungen in dieser Kunst, nicht selbst sichtbar machen, sondern sie werden durch sensitiv wahrnehmbare Spuren, durch geheime Affinitäten mit den ursprünglichen Ideen versinnbildlicht.“

Der Symbolismus war eine breite Strömung, aber kein Stil, sondern eine sich bildende Kunst und Literatur manifestierende Weltanschauung, die sich verschiedener Stile bediente.

Der Symbolismus versucht hinter der erfahrbaren Realität und den wissenschaftlichen Erkenntnissen, eine andere, eine „endgültige“ Wahrheit zu finden, die nur subjektiv erfahren werden kann. Den Ausgangspunkt bildet in der Regel ein reales Objekt, ein psychologisch nachvollziehbarer Akt, von dem aus aber der Betrachter ins Unbekannte geführt wird. Das Kunstwerk soll der Betrachter nicht rational verstehen, sondern er soll sich ganz subjektiv in das Werk einfühlen.

Die Stile des Symbolismus

Die symbolistische Kunst bediente sich um die Jahrhundertwende, im Zeitalter der „Décadence“, überwiegend zweier Stile: einerseits des akademisch-tealistischen Stils in der Art ARNOLD BÖCKLINs, GUSTAV MOREAUs und OLDIN REDONs, andererseits des Jugendstils, dessen deformative Gestaltung die Wirklichkeit bereits verfremdet wiedergibt.

In beiden Stilarten wurden Ausdrucksmittel eingesetzt, die einen Gegenstand in eine hintergründige oder unbestimmte Sphäre übertragen. Eines dieser Verfahren definierte MAX DERI 1920 als „naturalistische Permutation“: Realistische Gegenstände werden in ihrer äußeren Erscheinung nicht verändert, aber sie werden in Zusammenhänge gestellt, die in der Wirklichkeit nicht vorkommen. Ein Beispiel dafür ist das vom MAX KLINGER geschaffene Beethoven-Denkmal.

Der „Beethoven“ von MAX KLINGER (1857–1920), geschaffen 1902, ist mit bedeutenden Einfällen überfrachtet und aus verschiedenen Steinsorten zusammengesetzt, denen auch noch Bronzeteile hinzugefügt sind. Die Intention ist, den Gedankenkosmos des genialen Komponisten anzudeuten. Dazu wird das erste Menschenpaar eingefügt und sogar eine Kreuzigung Christi, von dem Adler – eine Anspielung auf den Göttervater Zeus – zu schweigen.

Der Symbolismus ist auch interessiert an Ursprünglichkeit und Unverbrauchtheit. Der Maler PAUL GAUGIN (1848–1903) findet beides in den 1880er-Jahren zunächst in der Volkskunst der Bretagne und wenig später in der Kunst der Südseeinsulaner – ein früher Fall von Inspiration durch die Kunst der sogenannten Primitiven. Deren Anregungen nahm GAUGIN auf und versuchte sich als Holzbildhauer. Es entstanden zwar grobe, dennoch aber kraftvolle bemalte Reliefs, welche die Schnitzereien der späteren Expressionisten vorwegnehmen.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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