Anton Webern

ANTON WEBERN wurde am 03.12.1883 als Sohn eines Bergbauingenieurs in Wien geboren. Seine Jugend verbrachte er in Graz und Klagenfurt, wo er Privatunterricht

  • für Klavier,
  • Violoncello und
  • Musiktheorie

bekam. Als Belohnung zum bestandenen Abitur schenkte ihm der Vater einen Besuch bei den Bayreuther Festspielen, was nachhaltigen Eindruck bei WEBERN hinterließ. Von 1902–1906 absolvierte er ein Studium der Musikwissenschaften in Wien bei GUIDO ADLER (1855–1941), das er mit einer Promotion über den Renaissance-Komponisten HEINRICH ISAAC (um 1450–1517) abschloss. Außerdem nahm er von 1904–1908 gemeinsam mit ALBAN BERG (1885–1935) privat Kompositionsunterricht bei ARNOLD SCHÖNBERG (1874–1951), was seinen musikalischen Stil entscheidend prägen sollte.
In den folgenden Jahren arbeitete WEBERN als Theaterkapellmeister in

  • Wien,
  • Teplitz,
  • Danzig,
  • Stettin und
  • Prag,

unterbrochen von seinem Militärdienst in den Jahren 1915 und 1916. Von 1918–1922 wirkte er in SCHÖNBERGs „Verein für musikalische Privataufführungen“ mit, der mit dem Ziel gegründet worden war, passende Aufführungsbedingungen für Werke der Neuen Musik zu schaffen. Seit 1920 lebte WEBERN dauerhaft in Wien und leitete ab 1922 die Wiener Arbeiter-Sinfoniekonzerte sowie den Wiener Arbeiter-Singverein. 1927 erhielt er eine Anstellung beim Österreichischen Rundfunk,

  • zunächst als Dirigent und dann
  • ab 1930 als Fachberater für Neue Musik.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten drängte WEBERN in die vollkommene Isolation. Seine Werke wurden verboten. Da ihm jede Arbeitsmöglichkeit – mit Ausnahme des Erteilens von Privatstunden – genommen war, lebte er seit 1934 in wachsender Armut. In den Jahren der inneren Emigration entstanden seine letzten Werke op. 25–31. WEBERN starb am 15.09.1945. Er wurde von einem amerikanischen Soldaten in der Folge eines Missverständnisses in vermeintlicher Notwehr erschossen.

Kompositionsstil

WEBERNs erste Werke, die in der Studienzeit bei SCHÖNBERG entstanden, sind noch von der Spätromantik geprägt: Op. 1 „Passacaglia“ zeichnet sich durch einen weiträumigen Orchestersatz aus und bewegt sich ebenso wie „Entflieht auf leichten Kähnen“ op. 2 in den Grenzen der – wenn auch stark erweiterten – Tonalität.

Mit den fünf Liedern nach Texten des expressionistischen Dichters STEFAN GEORGE (1868–1933) op. 3 (1908/09) begann WEBERN dann eine freie atonale Phase. Charakteristisch ist der deklamatorische Ausdruck der Gesangsstimme, die in wachsendem Maße wie ein Instrument behandelt wird. In der Folgezeit ist eine Konzentration auf die verdichtete Miniatur festzustellen; so umfasst bspw. op. 10/4 lediglich 7 Takte. Diese Tendenz zur Kürze zeichnete WEBERNs Personalstil aus: Würde man alle seiner 31 Werke hintereinander spielen, ergäbe sich eine Spieldauer von nur drei Stunden. Aller

  • Schmuck,
  • Verzierungen und
  • Wiederholungen

wurden zugunsten der klaren Form weggelassen.
In dieser Zeit entstanden auch

  • „Sechs Bagatellen für Streichquartett“ op. 9 (1913) sowie
  • „Fünf Stücke für Orchester“ (1911–13).

Die Werke op. 12–19 kennzeichnen WEBERNs Weg von der freien Atonalität zur Zwölftontechnik und für das Streichtrio op. 20 (1927) bediente er sich erstmals der Reihentechnik. Anders als bei SCHÖNBERG und BERG waren für WEBERN jedoch die Reihen

  • nicht Ausgangsmaterial für Themen- und Motivbildung,
  • sondern sie hatten selbst schon Motivcharakter: Reihe und Thema wurden in seinen Kompositionen zusammengeführt.

Mit dieser Auffassung der Reihentechnik übte WEBERNs Werk hatte nach dem Zweiten Weltkrieg starken Einfluss auf die Entwicklung des Serialismus aus und inspirierte die Komponisten wie KARLHEINZ STOCKHAUSEN (geb. 1928), LUIGI NONO (1924–1990) und PIERRE BOULEZ (geb. 1925).

Werke

  • Orchesterwerke, darunter:
    – Passacaglia op. 1 (1908),
    – „Sechs Stücke“ op. 6 (1909/1910),
    – Sinfonie op. 21 (1928),
    – Konzert op. 24, 1934
    – Variationen op. 30, 1940);
     
  • Kammermusik, darunter:
    – „Vier Stücke“ für Violine und Klavier op. 7 (1910),
    – Streichtrio op. 20 (1927),
    – Variationen für Klavier op. 27 (1936);
     
  • Vokalwerke für Chor und Solostimmen, darunter:
    – „Sechs Lieder nach Gedichten von GEORG TRAKL“ op. 14 (1917–1921),
    – zwei Kantaten op. 29 (1938/39) und op. 31 (1941–1943);
     
  • Instrumentationen und Arrangements, darunter:
    – Bachs Ricercar aus dem „Musikalischen Opfer“.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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