Guillaume de Machaut

GUILLAUME DE MACHAUT wurde um 1300 in der französischen Champagne geboren. Vermutlich verdankt er seinen Nachnamen dem dort gelegenen Ardennendorf Machault. Aussagen innerhalb MACHAUTs Dichtungen deuten auf eine bürgerliche Herkunft hin, obgleich er in den Genuss guter Bildung kam. Seine Ausbildung erhielt er aller Wahrscheinlichkeit nach in der Kathedrale Reims, ebenfalls kommt ein weiterführendes Studium zum magister artium in Paris in Frage. Ein intensives Theologiestudium als auch die Priesterweihe MACHAUTs können jedoch weitgehend ausgeschlossen werden.

Lebensstationen

1323–1346 war MACHAUT als Sekretär JOHANNs VON LUXEMBURG, der gleichzeitig König von Böhmen, Mähren und Schlesien war, angestellt. In dieser Funktion reiste er vornehmlich in den Jahren 1327–1329 im Gefolge seines Herrn durch weite Teile Europas, sogar bis in das entlegene Litauen. Die chronologische Zuordnung musikalischer Werke ist für diese Zeit weitgehend offen. Dennoch können diesem Lebensabschnitt mit Sicherheit einige seiner Motetten und möglicherweise erste Lais (mittelalterliche Form des Liedes) zugeordnet werden.

Finanziell abgesichert war MACHAUT nicht nur durch seinen königlichen Dienstherren. Präbenden, Einkünfte ohne Anwesenheitspflicht, sind für MACHAUT schon ab dem Jahre 1330 belegt. Mit Aussichten auf ein Kanonikat erhielt er diese Einkünfte aus Verdun, Arras, Saint-Quentin und Reims.

In Reims ließ er sich im Jahre 1340 auch als Kanoniker nieder. Dieses Amt ermöglichte ihm viel Raum für sein literarisches und musikalisches Schaffen, war es doch lediglich mit einem zeitlichen Aufwand von 28 Wochen pro Jahr verbunden, um in dieser Zeit den liturgischen Pflichten nachzukommen.

1346 kam JOHANN VON LUXEMBURG in der englisch-französichen Schlacht von Crécy ums Leben. MACHAUT trat daraufhin in den Dienst von dessen Tochter BONNE VON LUXEMBURG, die drei Jahre später verstarb, wohl aber vor ihrem Tod als Bezugsperson für MACHAUT von großer Bedeutung gewesen ist. Möglicherweise stand sie in Zusammenhang mit der in Reims verstärkt einsetzenden Produktion vertonter Lyrik.

Ab 1349 war MACHAUT für verschiedene Mitglieder des französischen Hochadels tätig, darunter

  • für den späteren König Charles V. von Frankreich
  • und dessen kunstliebenden Bruder JEAN DUC DE BERRY, aus dessen Besitz eine späte Sammlung der Werke MACHAUTs überliefert ist.

Im Auftrag des König CHARLES V. könnte MACHAUT die unvertonte, literaturgeschichtlich bedeutende Chronik „La Prise d’Alexandre“ verfasst haben, die erst in den 1370er-Jahren abgeschlossen wurde. Darin finden sich unter anderem

  • die Erlebnisse der Pest im Jahre 1348/49,
  • die Belagerung von Reims 1359/60 durch die Engländer
  • und der Kreuzzug 1365 wieder.

1363 bis 1365 entstand „Le Livre dou Voir Dit“ mit eingeschobenen Briefen und Kompositionen. Diese Dichtung schildert ein Liebesverhältnis zu der 19-jährigen PÉRONNE D’ARMENTIÈRE, die autobiografische Hintergründe haben könnte.

Eines der bedeutendsten Werke MACHAUTs ist die „Messe de Nostre Dame“, eine erste zyklische und durchgehende Vertonung des Ordinariumtextes, die eventuell zur Krönung CHARLES V. 1364 entstanden sein könnte.

Die letzten zehn Jahre MACHAUTs waren von der Ergänzung des bisher entstandenen Werkes geprägt, für das 1372 der zweiteilige „Prologue mit Balladen sowie einer Dit“ entstand.

1372 starb der Bruder MACHAUTs, JEAN DE MACHAUT. Mit ihm zusammen teilte sich GUILLAUME DE MACHAUT, der im April 1377 aus dem Leben schied, ein Grab zu Füßen des Pfeilers der Kathedrale zu Reims.

Werk

GUILLAUME DE MACHAUT war einer der bedeutendsten Vertreter der Ars Nova. Er entwickelte entscheidend die isorhythmische Motette. Seine mehrstimmigen Balladen, von denen 40 überliefert sind, prägten den weiteren Verlauf der späten mittelalterlichen Mehrstimmigkeit maßgeblich.

MACHAUTs Verdienst lag vorrangig in der Verknüpfung weltlicher Einstimmigkeit mit den neuen Verfahren der Ars Nova. Er war es, der zum ersten Mal in subtiler Komposition mit Werkcharakter einen isorhythmischen Liedsatz mit französischen Texten verknüpfte.

Besondere Erwähnung gebührt der von MACHAUT etwa zwischen 1360 und 1365 als Votivmesse für die heilige Jungfrau sowie als Gedenkmesse für sich selbst und seinem Bruder Jean de MACHAUT komponierten „Messe de Nostre Dame“. Sie ist durchgehend vierstimmig, von weitgehend isorhythmischer Anlage und im liturgischen Repertoire der Ars Nova einmalig.

MACHAUTs musikalisches Werk umfasst neben der „Messe de Nostre Dame“

  • 21 Rondeaux,
  • 24 Motetten,
  • 34 Virelais,
  • 33 Lais und
  • den 3-stimmigen Hoquetus David.

Den größten Teil seiner Werke bilden nicht vertonte Dichtungen. Sie stehen in den Handschriften durchweg vor den Kompositionen. MACHAUTs rein literarische Werke sind zweierlei Art:

  • Zum einen bestehen sie aus umfangreichen Dits (Spruchdichtungen), die meist in Bezug zu Personen des Hochadels stehen,
  • zum anderen aus den Loange des dames, einer Zusammenstellung zentraler lyrischer Gattungen.

Zu seinen bekanntesten unvertonten Dichtungen zählen die Versromane

  • „Le jugement dou Roy de Navarre“ und
  • „Livre dou voir dit“
  • sowie die Chronik „La Prise d’Alexandrie“.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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