Richard Wagner

Kindheit, Jugend, Frühwerke

RICHARD WAGNER wurde am 22.05.1813 in Leipzig geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend dort und in Dresden. 1831 bekam er Unterricht von dem Thomaskantor CHRISTIAN THEODOR WEINLIG (1780–1842) und begann 1833 mit einer Anstellung als Chordirektor in Würzburg seine Theaterkarriere. In den folgenden Jahren wechselte er mehrfach zu anderen Theatern und schrieb seine ersten Opern

  • „Die Feen“ (1833/1834, UA 1888) und
  • „Das Liebesverbot“ (1835/1836, UA 1836).

Beide Frühwerke stehen ganz in der Tradition der romantischen Oper seiner Zeit und tragen noch keine Merkmale seines späteren Personalstils.

In den Jahren von 1837–1839 arbeitete WAGNER am Theater in Riga, von wo er 1839 – stark verschuldet – in einer abenteuerlichen Reise über die Ostsee fliehen musste. Die Eindrücke dieser Flucht inspirierten ihn in der folgenden Pariser Exilzeit zu der Oper „Der fliegende Holländer“ (1841, UA 1843).

1842 hatte WAGNER dann seinen ersten Bühnenerfolg mit der großen tragischen Oper „Rienzi, der Letzte der Tribunen“ (1838–1840, UA 1842) in Dresden, wo er 1843 zum Königlich Sächsischen Kapellmeister ernannt wurde. WAGNER etablierte sich als gefeierter Dirigent in der Stadt besonders mit seinen Beethoven- und Gluck-Interpretationen und 1845 feierte er mit seiner Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg“ (1842–1845, UA 1845) dort einen triumphalen Erfolg.

Mit „Lohengrin“ (1845–1848, UA 1850) schloss WAGNER eine erste Schaffensperiode ab, denn aufgrund seiner Verwicklung in die erfolglosen demokratischen Aufstände im Mai 1849 in Dresden musste er ins ausländische Exil in die Schweiz nach Zürich fliehen.

Die Opern dieser zweiten Periode enthalten schon Merkmale des späteren Schaffens: die Handlung der Opern ist in der Sage oder in der Mythologie angesiedelt und die Figuren neigen zu dämonischer Größe. Zentral wird das Thema der schicksalshaft Liebenden, die nur im Jenseits Erlösung finden (Erlösungsmotiv). In „Lohengrin“, wo die traditionelle Unterteilung von Opern in einzelne Nummern zugunsten eines durchkomponierten Ganzen aufgegeben wird, findet sich auch musikalisch die Vorstufe zu WAGNERs folgenden Musikdramen.

Das Musikdrama

In Zürich verfasste WAGNER die Schrift „Oper und Drama“ (1851), in der er grundlegende Kritik am Opernwesen seiner Zeit äußerte und gleichzeitig sein Konzept des Musikdramas formulierte. Er griff die romantische Idee des Gesamtkunstwerks auf, in dem alle Einzelkünste aufgehen sollten, um in der Wechselwirkung zu neuer dramatischer und ästhetischer Wirkung zu gelangen.

  • An die Stelle melodiöser Arien sollte ein deklamatorischer Sprechgesang treten, der den Wortakzenten folgt.
  • Dem Orchester schrieb Wagner die Rolle des antiken Chores zu: Er reflektiert und ergänzt musikalisch das Bühnengeschehen und schafft durch wiederkehrende Leitmotive zusammen mit dem Gesang ein ununterbrochenes Klanggewebe (unendliche Melodie).
  • Die Stoffe der Musikdramen sollten dem Mythos entnommen werden, da in ihm alle Kräfte, die das Verhältnis des Menschen zu Gott, zur Natur und zur Gesellschaft prägen, wirksam seien.

Diese Theorie setzte er dann mit der Arbeit an seinem Spätwerk – dem Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ – musikalisch um. Zu diesem Zyklus gehören vier abendfüllende Opern, zu denen WAGNER zunächst bis 1852 den gesamten Text schrieb. Der Stoff geht zurück auf die mittelhochdeutsche Sage „Das Nibelungenlied“ sowie auf Teile der „Edda“-Dichtung. WAGNER komponierte dann die ersten beiden Opern des "Ring:

  • „Das Rheingold“ (1853/1854, UA 1869) und
  • „Die Walküre“ (1854–1856, UA 1870) sowie einen Teil der dritten
  • „Siegfried“ (1856/1857, 1864–1871, UA 1876).

Die Arbeit am Ring wurde unterbrochen, als WAGNER 1858 Zürich aufgrund einer skandalösen Liebesbeziehung zu der verheirateten MATHILDE WESENDONCK (1828–1902) verlassen musste. Ihr widmete er fünf Lieder.

Es folgten zwei Opern, die zwar auch der Theorie des Musikdramas verpflichtet sind, sich jedoch stilistisch sehr voneinander und auch vom „Ring“ unterscheiden.

  • In „Tristan und Isolde“ (1857–1859, UA 1865) arbeitete WAGNER nicht mit der Leitmotivtechnik, sondern mit einem unendlichen sinfonischen Variationsfluss, der harmonisch die Grenzen der Tonalität erreicht. Berühmt geworden ist der Eröffnungsakkord des Vorspiels, da er sich nicht mehr eindeutig im Rahmen einer bestimmten Tonart deuten lässt (Tristan-Akkord).
     
  • „Die Meistersinger von Nürnberg“ (1861–1867, UA 1868) ist dagegen szenisch stärker gegliedert und anstelle der fließenden Übergänge der Tristanpartitur treten hier wieder abgeschlossene Formen wie Chöre und Ensembles. Dafür ist der Zusammenhang dieser Oper durch zahlreiche Leitmotive, die verschiedenen Stimmungen und Situationen (z.B. Fest-Motiv, Liebesmotiv) zugeordnet sind, gewährleistet.

1872 zog WAGNER mit seiner Familie nach Bayreuth, um dort seine Vision eines Festspieles für seine Opern zu realisieren. WAGNERs Denken war stark von der zeitgenössischen Philosophie beeinflusst, v.a. von FRIEDRICH NIETZSCHE (1844–1900) und ARTHUR SCHOPENHAUER (1788–1860) und seine Schriften inspirierten diese gleichzeitig.

Er entwarf einen Mythos der Kunst, in dem das Erleben von Musik die Religion ersetzte und mit dem Bau des Festspielhauses in Bayreuth wollte er eine Weihestätte für diese metaphysisch überhöhte Musik schaffen. Damit war auch der äußere Rahmen geschaffen, um ein Mammutwerk wie den „Ring“ überhaupt als Ganzheit inszenieren zu können. Er stellte „Siegfried“ fertig und komponierte zwischen 1869 und 1874 den letzten Teil des Zyklus „Götterdämmerung“ (1868–1874, UA 1876), sodass 1876 der gesamte „Ring“ an mehreren Abenden im neu eröffneten Festspielhaus uraufgeführt werden konnte.

Kurz vor seinem Tode – er starb am 13.02.1883 in Venedig – vollendete WAGNER sein Spätwerk, das „Bühnenweihfestspiel“ „Parsifal“ (1877–1882), das auf dem mittelalterlichen Epos „Parzival“ von WOLFRAM VON ESCHENBACH (um 1170 bis nach 1217) basiert. Zwei gegensätzliche Welten stehen sich in dieser Oper gegenüber: die feierlich-fromme Gralsburg mit dem Ritter Parsifal und der verführerisch-verdorbene Garten des Zauberers Klingsor. Die Musik vermittelt eine würdige und weihevolle Atmosphäre, in der die Gralsritter am Ende siegen. Das Erlösungsmotiv, das viele von WAGNERs Opern durchzieht, ist hier ins Christliche gewendet.

WAGNERs Werk prägte viele nachfolgende Opernkomponisten, darunter HUGO WOLF (1860–1903), der neben einer Vielzahl von Liedern auch zwei Opern komponierte, und RICHARD STRAUSS (1864–1949). Er schuf eine neue Klangwelt, erweiterte das Instrumentarium und führte neue Gesangstechniken ein, die den Gesangspart bis in Extreme steigerten. Besonders die weibliche Figur im „Parsifal“ schreit, stammelt und flüstert auf der Bühne – eine Tendenz, die im modernen Musiktheater charakteristisch werden sollte.

Werke

Zu den Werken von WAGNER gehören:

  • Klavierwerke (darunter eine Sonate, mehrere Polonaisen);
     
  • Orchesterwerke (Ouvertüren, Märsche u.a.);
     
  • Vokalwerke für Solostimmen und Chor;
     
  • Opern:
    – Die Feen (1833/1834, UA 1888),
    – Das Liebesverbot (1835/1836, UA 1836),
    – Rienzi (1838– 1840, UA 1842),
    – Der fliegende Holländer (1841, UA 1843),
    – Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg (1842–1845, UA 1845),
    – Lohengrin (1845–1848, UA 1850),
    – Tristan und Isolde (1857–1859, UA 1865),
    – Die Meistersinger von Nürnberg (1861–1867, UA 1868),
    – Der Ring des Nibelungen: Das Rheingold (1853/1854, UA 1869), Die Walküre (1854–1856, UA 1870), Siegfried (1856/1857, 1864–1871, UA 1876), Götterdämmerung (1868–1874, UA 1876),
    – Parsifal (1877–1882);
     
  • Schriften u.a.:
    – Die Kunst und die Revolution (1849),
    – Das Judentum in der Musik (1850),
    – Oper und Drama (1851),
    – Zukunftsmusik (1860),
    – Religion und Kunst (1870).

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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