Weltmusikensembles in Südamerika

Südamerikanische Flöten-Ensembles der indianischen Bevölkerung

In Peru, Bolivien, Chile und Argentinien gibt es eine unendlich große Anzahl unterschiedlicher ruraler Flötenorchester (Tropas), die in verschiedenen großen Besetzungen desselben Blasinstrumente durch mehrere große Trommeln (Bombos) oder durch eine große Trommel und eine kleine Trommel (Tambor) begleitet werden. Es sind traditionelle Ensembles der Aymara, Quechua oder Chipaya sprechenden indianischen Landbevölkerung.

Die Instrumentalbesetzung umfasst reine Panflöten-, Kerbflöten- oder Kernspaltflötenorchester, die zu bestimmten Jahreszeiten geblasen werden, in zwei, drei oder noch mehr Stimmlagen aufgeteilt sind und die mit oder ohne Perkussionsinstrumente begleitet werden. Die älteren pentatonischen und jüngeren heptatonischen Melodien werden in Quinten- und Quint-Quart-Oktavparallelen gespielt.

Ähnliche Beispiele solcher Musikgruppen aus den Anden, die den gleichen Instrumententypus chorisch spielen, finden sich auch in anderen Weltregionen unter anderem auf Papua-Neuguinea in Ensembles von Querflöten oder auf Mikronesien, wo ursprünglich Kampf-Stöcke als Rhythmusinstrumente ertönten.

Mestizen-Ensembles in Lateinamerika

Die urbanen Folkloregruppen (Bandas) der städtischen Mestizentradition im Andenhochland vermengen in der Besetzung einzelne indianische Flöteninstrumente wie Quena und Siku bzw. Pinkillo mit einem von den Spaniern adoptierten und veränderten Charango und mit einer zusätzlichen spanischen Gitarre.
Pinkillo:

Bild

Siku (Panflöte) und Quena

Siku (Panflöte) und Quena

In Mexiko sind die alten Musikinstrumente der Azteken (1325 bis 1525) in moderneren Ensembles weitergeführt; zu ihnen gehören unter anderem Ensembles mit der großen einfelligen Trommel huéhuetl, der horizontalen Zungenschlitztrommel teponazli und der Kürbisgefäßrassel ayacachtli.

Bei den Azteken waren diese sakralen Instrumente die Begleitung zum rituellen Gesang. Bei musikalischen Verstößen der Sänger, Trommler oder Tänzer zog dies eine harte Strafen des Regenten nach sich. In den meisten Fällen war es die Hinrichtung.

Mariachi-Band in Puerto Vallarta, Mexiko

Mariachi-Band in Puerto Vallarta, Mexiko

Das mexikanische Mariachi-Orchester ist in der Melodie dominiert durch Geigen und Trompeten und wird von Gitarrón oder Mandolinen unterschiedlicher Größen und in der tiefen Lage oft auch durch einem Bass oder eine Bassgitarre unterstützt.

In Brasilien gibt es eine Vielzahl von kleineren und größeren Ensembles, die einerseits durch die Akkulturation portugiesischer Instrumente bekannt wurden, wie zum Beispiel

  • die Vihuela-Ensembles (die Vihuela ist eine Gitarrenart) und Viola-caipira-Ensembles mit Rasselbegleitung,
  • die Banda-de-pifano-Flötenensembles mit Perkussionsinstrumenten oder
  • die Choro-Ensembles der Unterhaltungsmusik in der Manier der europäischen Mode, Walzer, Polka, Mazurka und Quadrillen zu tanzen.

Afroamerikanische Musikensembles

Brasilien ist auch geprägt durch die einst von den schwarzen Sklaven aus Afrika abgeleiteten Samba-Tänze oder Capoeira-Kampfspiele (z.B. mit zwei geschlagenen Berimbau-Kalebassenbogen mit Rassel caxixi, Agogo-Doppelglocke und Tamburin).
Hierzu gehören ebenso die vorwiegend von den Yoruba übernommenen afrobrasilianischen Kulturformen des Candomblé mit verschiedenen Trommeln.
Was Candomblé in Bahia ist, hat sich in einer anderen Form als Voodoo-Kult auf Haiti aus schwarzafrikanischer Tradition in Vermischung mit katholischen Glaubensinhalten niedergeschlagen.

Afrokubanische Trommeltanzgruppen pflegen als weiteres Beispiel den Rumba mit etwa drei Conga-Trommeln, werden zugleich aber noch von 1 bis 3 Cajones (Holzkisten-Trommeln) sowie einer Shekere-Kalebassen-Rassel zum Gesang begleitet.

In Guatenmala sind es Marimba-Orchester (Xylophon-Orchester) mit Gitarre und Guitarilla.

Auf den Antilleninseln Trindidad und Tobago haben die Einwohner aus den im Zweiten Weltkrieg zurückgelassenen Ölfässern die Steelbands entwickelt, die als Sopran-, Alt-, Tenor- und Bassdrums durch eingestanzte und abgestimmte Anschlagflächen je 2 bis 25 unterschiedliche Töne hervorbringen und in Vier-Mann-Ensembles auftreten oder selbst in Großformationen von 150 Stahltrommeln und 120 Spielern ihre Calypso-Wettkämpfe austragen.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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