Die Al-Qaida-Organisation

Al-Qaida (auch El-Kaida) ist eine islamisch-fundamentalistische Terrororganisation, die in den 1980er-Jahren (1989/90) in Afghanistan und Pakistan gegründet wurde (Al-Qaida bedeutet aus dem Arabischen übersetzt „die Basis“). Der Gründung der Organisation war das 1984 geschaffene Koordinierungsbüro MAK-Mektab al Khidemat) unter der Führung von ABDALLAH AZZAM (jordanischer Palästinenser, 1941–1989) und OSAMA BIN LADEN (1957/58–2011) vorausgegangen.
Nach dem Tod von AZZAM (er starb durch eine Autobombe) übernahm OSAMA BIN LADEN die alleinige Führerschaft. Er stammte aus Saudi-Arabien und verfügte über private Finanzmittel in Höhe von etwa 300 Millionen US-Dollar. Nach den Terroranschlägen vom 11. Spetember 2001 fahndeten die USA verstärkt, aber bis 2010 erfolglos nach ihm. In der Nacht zum 2. Mai 2011 erschossen US-Soldaten BIN LADEN bei der von US-Präsident BARACK OBAMA befohlenen Erstürmung seines Anwesens in Pakistan.
Der ägyptische Arzt AYMAN AL-ZAWAHIRI gilt seit dem Tod OSAMA BIN LADENS als neue Nummer 1 innerhalb des Terrornetzwerks. Er ist seit langem Mitglied des Obersten Rates, beriet BIN LADEN und leitet das Komitee für Religion.

Entwicklungsphasen der Organisation

Al-Qaida hat mehrere Entwicklungsphasen durchlaufen:

  • Kampf gegen die sowjetischen Truppen in Afganisthan (1989/90): aus diesem Grunde wurde 1986 das erste Trainingscamp für Freiwillige gegründet, das auch von den USA unterstützt wurde. Mit dem herrschenden Taliban-Regime in Afghanistan wurden engste Beziehungen entwickelt.
     
  • Geografische Ausdehnung der Aktivitäten, u. a. im Sudan; Verstärkung der Agitation gegen „unislamische“, „pro-amerikanische“ Länder, besonders Saudi-Arabien; Förderung anderer terroristischer Organisationen und Aufbau eigener terroristischer Zellen.
     
  • Beginn des Strategiewechsels (ab 1996), der sich vornehmlich gegen Einrichtungen der USA auf der arabischen Halbinsel, aber auch in anderen Ländern (z. B. Bombenanschläge auf die amerikanische Botschaften in Tansania und Kenya 1998) zeigte; begründet in den Dokumenten „Declaration of War against the Americans Occupying the Land of the Holy Places“ vom 23.08.1996 und „Jihad aginst Jews and Crusaders„ vom 22.02.1998; im letztgenannten Dokument wird die Bildung einer Internationalen Islamischen Front verkündet.

Die Netzwerkstruktur von Al-Qaida zeichnet sich durch folgende Elemente aus:

  • Führungs- und Kommandoebene: Hier sind die ehemals engsten Mitstreiter BIN LADENS vertreten, wobei die Auswahl vielfach auf Grund persönlicher Beziehungen oder familiärer Aspekte erfolgte; weiterhin zählt hierzu ein Konsultativrat (shura), dem die wichtigsten Leute des Ex-Al-Qaida-Chefs angehören; dem untergeordnet sind 4 Komitees, deren Leiter dem Konsultativrat angehört; es bestehen Komitees für Militär, Finanzen, Religion und Medien.
     
  • Guerilla-Organisation (auch genannt 055-Brigade): Sie soll 2 000–5 000 Kämpfer umfassen; der Großteil der Mitglieder sind Araber, deshalb wird von Tausenden Saudis gespochen, die eine militärische Ausbildung erhalten haben; es sollen auch Mitglieder aus Asien kommen (gewöhnlich aus Konfliktgebieten wie Kaschmir, Tschetschenien).
     
  • Terrorzellen, die in über 50 Ländern existieren sollen und weitgehend unabhängig voneinander agieren, nur durch so genannte principal agent-handler verbunden sind. Die Zellen umschließen nicht mehr als 3–15 Mitglieder, die im allgemeinen nach funktionalen und geografischen Gesichtspunkten gebildet werden.
     
  • Verbindungen, Absprachen, Koalitionen mit anderen terroristischen Gruppen: Nach amerikanischen Quellen unterhält Al-Qaida zu Gruppen aus 55 Ländern Kontakt, wobei die Verbindungen finanzieller bis militärischer Art sind (solche Gruppen bestehen beispielsweise in Ägypten, Jemen, Algerien, Pakistan, Indonesien, Westeuropa).

Die miltärische Ausbildung erfolgt in Afghanistan und Pakistan, wobei als theoretische Grundlagen

  • die Enzyclopaedia for the Afghan Jihad (7 000 Seiten), eine Erfahrungsbilanz einstiger Afghanistankämpfer und
     
  • die Declaration of Jihad against the Countrys Tyrants (Military Series) von 1993/94 (180 Seiten) mit 18 militärischen Lektionen gelten.

Ideologisches Fundament

Ideologisches Fundament ist der Wahhabismus (im 18. Jh. von ABL UL WAHHAB – 1703/04 bis1792 – begründet). Er ist der vorherrschende Zweig des Islam in Saudi-Arabien und predigt die Reinheit der Lehre, die möglichst wortgetreue Wiedergabe islamischer Gesetze. Auf dieser Grundlage versucht Al-Qaida weltweit, alle Moslems zu erreichen. Zu den geistigen Vätern zählen der Pakistani ABDUL ALA MAUDUDI (1903–1979) und der Ägypter SAYYID QUTB(1906–1966).
Im Mittelpunkt ihrer Lehre steht der Begriff des Dschihad (arabisch: sich bemühen). Er dient BIN LADEN als geistige Begründung und als Rechtfertigung seiner terroristischen Aktionen. 1996 erklärte BIN LADEN:

„Im Sinne des Glaubens gibt es sicherlich keine wichtigere Pflicht als jene, den amerikanischen Feind aus dem heiligem Land zu drängen.“

1998 wurde er noch deutlicher:

„Wir – mit Gottes Hilfe – rufen jeden Muslim, der an Gott glaubt und der wünscht, belohnt zu werden, dazu auf, die Amerikaner zu töten und ihr Geld zu plündern, wo und wann immer er sie oder es findet.“

Es ist das globale Ziel von Al-Qaida, mit seinem Terror vornehmlich den „Westen“, besonders die USA zu treffen, und eine neue internationale Ordnung zu schaffen, die sie bestimmt.

Finanzierung

Der enorme Finanzreichtum von Al-Qaida speist sich aus verschiedenen Quellen:

  • aus dem Vermögen von BIN LADEN: Ausgangspunkt ist das Erbe seines 1968 tödlich verunglückten Vaters, der ein sehr erfolgreicher Bauunternehmer in Saudi-Arabien war; das 20- bis 30-fache des Millionen-Erbes konnte BIN LADEN in den folgenden Jahren durch Geschäftstätigkeiten (Export/Import, Finanzdienstleistungen) anhäufen;
     
  • aus Spenden wohlhabener Privatleute aus Saudi-Arabien und den Golfstaaten, einschließlich aus der islamischen Diaspora: Stiftungen oder Wohltätigkeitsorganisationen dienen vielfach als Organe solcher Sammlungen;
     
  • aus illegalen Quellen, wie Erpressungen, Waffenhandel, Drogenschmuggel, „Blut“-Diamantenverkäufe.

Das Gesamtvermögen von Al-Qaida wird auf 5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Verantwortlich für Finanzfragen ist MOHAMMED JAMAL KHALIFA, der Schwager BIN LADENs.

Militärische Strategie von Al-Qaida

Die militärische Strategie von Al-Qaida ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Einsatz von „Schläfern“, d. h. Organisationsmitglieder werden erst bei militärischen Aktionen aktiv;
     
  • plötzliches Zuschlagen bei größter medialer Wirkung;
     
  • bewusste Orientierung auf hohe Opferzahlen und erhebliche materielle Schäden;
     
  • Einsatz von Selbstmordattentätern.

Anschläge, die Al-Qaida zugerechnet werden

  • 07. August 1998 – Bombenanschläge auf die amerikanischen Botschaften in Nairobi/Kenia und Daressalam/Tansania, es sterben 81 Menschen.
     
  • 11. September 2001 – Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA, es sterben etwa 2 990 Menschen.
     
  • 13. September 2001 – Plan zum In-Angriff-Nehmen der Botschaft in Paris wurde gestoppt.
     
  • 23. Januar 2002 – In Pakistan wird der US-Journalist DANIEL PEARL ermordet – 1 Toter.
     
  • 17. März 2002 – Anschlag mit Handgranaten auf eine Kirche in Islamabad / Pakistan – 5 Tote.
     
  • 11. April 2002 – Bombenanschlag auf eine Synagoge in Djerba/Tunesien; es sterben 19 Menschen.
     
  • 08. Mai 2002 – Bei einem Attentat auf Ingenieure aus Frankreich sterben in Karatschi / Pakistan 14 Menschen.
     
  • 14. Juni 2002 – Bei einem Autobombenanschlag vor dem US-Konsulat in Karatschi sterben 12 Menschen.
     
  • 05. September 2002 – Bei einem Autobombenanschlag in Kabul / Afghanistan sterben 26 Menschen; der afghanische Präsident KARSAI überlebt knapp.
     
  • 06. Oktober 2002 – Beim Angriff auf den französischen Öltanker „Limbourg“ im Jemen stirbt 1 Mensch.
     
  • 12. Oktober 2002 – Bei Anschlägen gegen Diskotheken in Bali / Indonesien sterben 202 Menschen.
     
  • 28. Oktober 2002 – In Amman / Jordanien wird ein amerikanischer Entwicklungshelfer erschossen - 1 Toter.
     
  • 28. November 2002 – Bei einem Anschlag auf israelische Touristen in Kenia sterben 16 Menschen.
     
  • 30. Dezember 2002 – In Dschibla / Jemen werden 3 amerikanische Ärzte erschossen.
     
  • 12. Mai 2003 – Bei einem Anschlag auf Ausländersiedlungen in Riad / Saudi-Arabien sterben 35 Menschen.
     
  • 14. Mai 2003 – Bei einem Anschlag in einem Gerichtsgebäude im Jemen sterben 4 Menschen.
     
  • 16. Mai 2003 – Bei fünf Anschlägen auf ausländische und jüdische Einrichungen in Marokko sterben neben den Attentätern weitere 32 Menschen.
     
  • 07. Juni 2003 – Bei einem Anschlag auf einen Bus der deutschen Bundeswehr sterben in Afghanistan 4 deutsche Soldaten.
     
  • 05. August 2003 – Vor einem Hotel in Jakarta sterben 12 Menschen.
  • 08. November 2003 – Bei einem Anschlag auf Ausländersiedlungen in Saudi-Arabien sterben 18 Menschen.
     
  • 15. November und 20. November 2003 – Bei vier (je zwei) Anschlägen in Istanbul sterben insgesamt 57 Menschen.

Für Informationen über Anschläge, die Al-Qaida zwischen 2004 und 2010 zugeschrieben wurden, siehe PDF "Anschläge durch Al-Qaida 2004–2010".

Material zum Thema
  • Anschläge durch Al-Qaida 2004–2010
    Format: PDF

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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