Aktive und passive Immunisierung

Als der englische Arzt EDWARD JENNER (1749-1823) Ende des 18. Jh. die ersten Impfungen gegen Pocken durchführte, waren weder die Ursachen für übertragbare Infektionskrankheiten bekannt, noch hatte man Kenntnis von einem Immunsystem. Seine Arbeiten basierten einzig und allein auf jahrzehntelanger Beobachtung und Erfahrung.

Nachdem Ende des 19. Jh. ROBERT KOCH (1843-1910) Mikroorganismen als pathogene Verursacher von Krankheiten nachgewiesen hatte und es LOUIS PASTEUR (1822-1895) gelungen war, den ersten Impfstoff (gegen Hühnercholera) herzustellen, war der Weg für die wissenschaftliche Erforschung des Immunsystems und die gezielte Synthese von Impfstoffen geebnet. Heute gelten viele „Geißeln der Menschheit“ als ausgerottet und viele Infektionskrankheiten sind beherrschbar geworden.

Dies darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der zu lösenden immunologischen Problemfälle nach wie vor enorm hoch ist: Impfstoffe gegen AIDS, Ebola, ein langfristig wirkendes Mittel gegen Malaria sowie neu entdeckte Erreger (BSE) seien stellvertretend genannt. Die Bedrohung durch Krankheitserreger gewinnt durch die wachsende Mobilität des Menschen und die rasante Geschwindigkeit des Ortswechsels globale Dimensionen.

Aktive Immunisierung

Die aktive Immunisierung beruht auf der Erkenntnis, dass der menschliche Organismus nach dem Überstehen einer spezifischen Infektionskrankheit gegenüber dem pathogenen Erreger eine Immunität erworben hat und somit eine Wiedererkrankung ausgeschlossen ist. Das heißt, sie basiert auf der Reaktion des eigenen Immunsystems und kann künstlich durch eine Impfung ausgelöst werden.
Verwendete Impfstoffe zeichnen sich dadurch aus, dass das infektiöse Agenz unter kompletter Beibehaltung seiner Antigenität so modifiziert wurde, dass es nicht mehr in der Lage ist, die entsprechende Krankheit hervorzurufen.

Eine geimpfte Person, die auf den tatsächlichen Krankheitserreger trifft, zeigt dieselbe schnelle und intensive Abwehrreaktion wie eine Person, die diese Krankheit bereits hatte. In beiden Fällen beruht der Effekt auf dem immunologischen Gedächtnis.
Die aktive Immunisierung gegen Krankheiten wie Cholera, Typhus, Fleck- und Gelbfieber wird nicht routinemäßig realisiert, sondern empfiehlt sich für Personen, die in gefährdete Gebiete reisen. Zu beachten ist dabei, dass der entsprechende Impfschutz nur dann gewährleistet ist, wenn die notwendige Karenzzeit eingehalten wurde.

Mögliche Impfstoffe:

  • niedrige Dosis eines Produkts des infektiösen Agenz
  • ein chemisch modifiziertes derartiges Produkt
  • abgetötete Erreger mit intakter Oberfläche
  • Verwendung abgeschwächter (avirulenter) Stämme

Passive Immunisierung

Bei der passiven Immunisierung handelt es sich um die Übertragung von Antikörpern von einem Organismus auf einen anderen. Da das eigene Immunsystem dabei nicht mobilisiert wird, liegt eine passive Immunität vor. Diese hält, entsprechend der biologischen Halbwertszeit der Antikörper, nur wenige Wochen an, denn ein immunologisches Gedächtnis wird nicht angelegt.
Da viele Antikörper die Plazentaschranke durchdringen, kommt es während einer Schwangerschaft auf natürlichem Wege zu einer passiven Immunisierung des Fötus durch den mütterlichen Organismus. Auch die Muttermilch enthält diverse Antikörper.
Passive Immunität ist auch künstlich übertragbar, indem bereits spezifizierte Antikörper dem Patienten injiziert werden. Ein innovatives Forschungs- und Anwendungsgebiet sind hierbei die monoklonalen Antikörper (MAK), die nicht nur therapeutische, sondern auch diagnostische und prophylaktische Anwendungsbereiche erschließen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt in ihren jüngsten Jahresberichten wiederholt vor einer weiteren Zunahme der Infektionskrankheiten, die eine globale Krise befürchten lassen. Die „Ständige Impfkommission“ des Bundesgesundheitsministeriums hat für die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland folgende Impfempfehlungen herausgegeben.

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Der aktuelle Stand kann über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) ständig eingesehen werden.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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