Tuberkulose – Tbc

Tuberkulose – eine gefürchtete Infektionskrankheit

Die Tuberkulose war früher eine weitverbreitete Volkskrankheit. Man nannte sie „Lungenseuche“ oder „Schwindsucht“ und ein typisches Symptom dieser Krankheit war das „Blut spucken“. Wer an Tbc (so wird diese Krankheit kurz bezeichnet) erkrankte, hatte schlechte Überlebenschancen. Deshalb versetzte sie die Menschen damals in Angst und Schrecken.

Lange wurde, ähnlich wie bei den ersten an Aids Erkrankten, über die Ursachen dieser Erkrankung heftig diskutiert. Die meisten Wissenschaftler und Ärzte gingen davon aus, dass Tuberkulose eine soziale Erkrankung sei, also eine Folge der ärmlichen und unhygienischen Wohn- und Lebensbedingungen der einfacheren Volksschichten.

Atmungsorgane des Menschen

Auch eine Erblichkeit wurde vermutet. Im Jahre 1882 beendete ROBERT KOCH (1843–1910) in Berlin diese Diskussion mit der Entdeckung des Tuberkel-Bakteriums. Dennoch spielt die soziale Komponente auch heute immer noch eine wichtige Rolle, da gut ernährte Menschen ungleich seltener an Tuberkulose erkranken als unterernährte Menschen in schlechten sozialen Verhältnissen. Rund 40 Jahre nach ROBERT KOCHS Entdeckung stand ein wirksamer Impfstoff für die Menschen zur Verfügung. Daher war für lange Zeit die Tuberkulose in den hoch entwickelten Ländern fast aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwunden, man hielt die Krankheit sogar für besiegt. Nur Filme, in denen an Tbc erkrankte Menschen in Extra-Sanatorien langwierige Liegekuren mit ungewissem Ausgang erdulden müssen, erinnerten an Tbc. Ärzte kamen immer weniger in Kontakt mit Tuberkulosekranken, deshalb wurden in manchen Ländern die Organisationen für die Tuberkulosebekämpfung aufgelöst (z. B. in den USA).

ROBERT KOCH (1843 – 1910)

Verbreitung der Tuberkulose

Doch ist die Tuberkulose deshalb keine historische Krankheit. Allgemeinmediziner achten heute wieder vermehrt auf Tuberkulosesymptome. Die Tuberkulose ist zwar sehr zurückgegangen, kann gut behandelt und vor allem auch geheilt werden, aber in den letzten Jahren ist sie wieder gehäuft aufgetreten.

Während man in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts glaubte, dass die Tuberkulose besiegt sei und zumindest für die erste Welt keine Rolle mehr spielen würde, zeichnete sich ab, dass diese Hoffnung nicht der Realität entsprach: Seit den 80er Jahren ist ein starker Anstieg von Tuberkulose-Erkrankungen und -Todesfällen in den Industrienationen, bedingt durch Aids und Immigranten aus der dritten Welt und Osteuropa, zu verzeichnen. In der Bundesrepublik Deutschland geht man zur Zeit von ca. 5 000 Neuerkrankungen pro Jahr aus. Nach einer Mitteilung des Robert-Koch-Instituts in Berlin sind davon etwa 6 % Aussiedler, vor allem aus Russland. Offene, also ansteckende Tuberkulose, unterliegt in Deutschland seit dem 1. Januar 2001 dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Danach ist es möglich, Tuberkulose-Träger auch gegen ihren Willen zu isolieren, außerdem ist die Erkrankung meldepflichtig.

In der Dritten Welt spielt Tuberkulose nach wie vor eine große Rolle für die Sterblichkeit der Menschen. Aufgrund von geschwächtem Immunssystem (meist durch mangelhafte Ernährung) und unzureichender medizinischer Versorgung sterben dort viele Menschen an der eigentlich heilbaren Krankheit. Darüber hinaus ist in den letzten Jahren vor allem in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ein dramatischer Anstieg zu erkennen. Besonders schlimm ist die Situation in den Gefängnissen. So schätzt man, dass in vielen Haftanstalten des Landes fast 100 % der Inhaftierten infiziert sind.

Weltweit sterben jedes Jahr ca. 2–3 Millionen Menschen an den Folgen der Tuberkulose; das sind mehr, als an Malaria und Aids zusammen jährlich sterben. Man geht davon aus, dass ein Drittel der Weltbevölkerung von Tuberkulosebakterien infiziert ist. Sie haben größtenteils eine geschlossene, also nicht infektiöse Erkrankung. Für eine Person mit einer geschlossenen Tuberkulose besteht eine Wahrscheinlichkeit von ungefähr 10 %, dass die Tuberkulose aktiv und behandlungsbedürftig wird.

Das höchste Vorkommen der Tuberkulose ist in Afrika, Südostasien und der westlichen Pazifikregion dokumentiert. Besonders im südlich der Sahara gelegenen Afrika ist die Situation problematisch, da die hohen HIV-Infektionsraten den Tuberkulose-Epidemien besonderen Nährboden bieten. Weltweit finden 95 % der Tuberkulose-Neuerkrankungen unter Bevölkerungen statt, die unterhalb der Armutsgrenze leben.

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit

Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit. Die Krankheitserreger, die Tuberkelbakterien (Stäbchenbakterien), werden durch Tröpfcheninfektion (beim Ausatmen und Husten) von erkrankten Menschen auf andere übertragen. Sie gelangen durch die Atemwege in die Lunge und setzen sich dort fest. In 95 % aller Fälle merken die Betroffenen nichts von dieser Infektion, sie bleiben gesund. Meist sind sie dann sogar immun gegen eine neue Ansteckung.

Es kann aber auch zum Ausbruch der Krankheit kommen, z. B. dann, wenn sehr viele Bakterien in den Körper eingedrungen sind oder die körpereigene Abwehr nicht ausreicht. Dann entwickelt sich die Tuberkulose weiter. Die Inkubationszeit dauert ca. 4–8 Wochen. Der Krankheitsverlauf ist sehr unterschiedlich. Er hängt ab von der Menge und der Ansteckungsfähigkeit (Virulenz) der Tuberkelbakterien. Danach unterscheidet man verschiedene Formen der Tbc. Diese weisen auch unterschiedliche Krankheitszeichen auf. Die 1. Form (Primär-Tbc) beschränkt sich meist auf die Lunge und die erkrankten Personen husten mit oder ohne Auswurf und sind schnell müde, haben keinen Appetit, nehmen ab, u. a. m.

Jeder länger als drei Wochen bestehende Husten sollte unbedingt ärztlich auf Tuberkulose untersucht werden. Bei blutigem Auswurf ist eine sofortige Abklärung erforderlich. Bei Menschen mit intakter Immunabwehr grenzen die weißen Blutkörperchen die Tuberkulosebakterien mit einem Zellwall ein; sie bilden einen Lungenherd (Granulom). Tuberkulosebakterien können so Jahrzehnte in den Lungenherden überleben und werden erst dann wieder aktiv, wenn die Immunabwehr der Betroffenen geschwächt ist.

Bei 5–10 % der Infizierten überwinden die Tuberkelbakterien ihre „Mauern“, vermehren sich und breiten sich über die Lymphbahnen oder über das Blut im Körper aus. Gelangen die Bakterien in die Atemwege so können sie über die Ausatemluft in die Umgebung gestreut werden: es handelt sich dann um eine offene Tuberkulose, der Erkrankte ist ansteckend. Im schlimmsten Fall kann es zu Entzündungen des Rippenfells, Herzbeutels, der Hirnhäute (Meningitis) oder Lunge kommen, was ohne Behandlung zum Tod führt.

Eine rasche Diagnose und wirksame Behandlung sind daher sowohl für die erkrankten Personen als auch für alle Leute, die mit ihnen in Kontakt kommen, äußerst wichtig. Die Krankheit wird heute meistens ambulant und mit sehr wirksamen Medikamenten behandelt. Die Medikamente töten die Bakterien ab, worauf sich der Organismus wieder erholen kann. Neuerdings schwächen jedoch Resistenzentwicklungen die Wirksamkeit der Medikamente und machen eine lange und konsequente Therapie notwendig.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Tuberkulose

Eine wichtige Maßnahme ist die Erhaltung einer stabilen Immunabwehr. Um die körpereigenen Abwehrstoffe zu erhöhen, ist eine gesunde Lebensführung notwendig. Dazu zählen u. a. eine gesunde abwechslungsreiche Ernährung, ausreichend Schlaf und sportliche Betätigung.

Entscheidend für eine effektive Tuberkulosebekämpfung ist die Vermeidung des Kontaktes mit erkrankten Personen. Dazu ist die rasche Entdeckung Erkrankter, die Isolierung infektiöser Patienten und eine schnell einsetzende effiziente Therapie notwendig. Neben einer Erfassung und wenn nötig daraus resultierenden Isolierung von an offener Tbc erkrankten Menschen, ist eine Schutzimpfung, die sogenannte BCG-Impfung (Bacille-Calmette-Guerin), möglich.

Die BCG-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut seit 1998 nicht mehr empfohlen (Gründe: begrenzte Wirksamkeit bei rückläufiger Tuberkulose-Inzidenz in Deutschland, relative Häufigkeit von Impfkomplikationen).

Diese Impfung, kann einer Infektion mit Tuberkulosebakterien allerdings auch nicht vorbeugen, sondern lediglich die Bildung spezieller Abwehrzellen bewirken. Das Erkrankungsrisiko soll dadurch sinken. Die BCG-Schutzimpfung wird nur noch folgenden Personengruppen empfohlen:

  • Säuglinge und Kinder, die in einem Gebiet mit hohem Tbc-Risiko leben, bzw. deren Eltern aus solchen Gebieten kommen.
  • Kinder bei geplanter Ausschaltung des Immunsystems bei bestimmten Therapien, wie z. B. von Leukämie oder schwerer Neurodermitis.
  • Geschwister und Eltern der genannten Personen.
  • Personal im Gesundheitsdienst, vor allem in den Bereichen Kinderheilkunde, Schwangeren- und Immunschwächenbetreuung
  • Personal in Kinder betreuenden Einrichtungen.

Vor jeder Impfung muss ein Tuberkulintest (z. B. Tubergen®-Test) durchgeführt werden, um die Reaktivierung eines Herdes bei bereits Infizierten durch den Impfstoff zu vermeiden. Für den Tuberkulintest wird ein Bestandteil des abgetöteten Bakteriums, das Tuberkulin, in kleinsten Mengen in die Haut injiziert.

Zeigt sich innerhalb der folgenden 24 bis 72 Stunden eine Schwellung mit Rötung, kann das auf eine Infektion mit Tuberkulosebakterien, aber auch auf eine durchgeführte BCG-Schutzimpfung hinweisen. Nach 3 Monaten wird der Erfolg der Impfung ebenfalls mittels des Tuberkulintestes geprüft, der Impfschutz hält lebenslang an.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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