Mensch und Menschenaffe

Morphologische und anatomische Ähnlichkeiten

Durch das Vergleichen morphologischer Merkmale – diese wissenschaftliche Methode der Anthropologie hat noch heute ihre Berechtigung – lassen sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede feststellen sowie Folgerungen und letztlich Erkenntnisse über die Stellung des Menschen im natürlichen System der Organismen ableiten.

Vergleich der Augenstellung

Betrachtet man beispielsweise die Stellung der Augen von Menschenaffen und Mensch und vergleicht sie mit der Augenstellung anderer Tiere, z. B. Fisch, Vogel, Pferd, so stellt man Unterschiede fest.

Bei vielen Tieren befinden sich die Augen seitlich am Kopf, sodass ihr Gesichtsfeld auch weit nach hinten reicht. Bei den Affen und beim Menschen liegen die Augen dicht beieinander. Dadurch kommt es zur Überschneidung der Gesichtsfelder beider Augen.

Gesichter von Lemur, Gorilla, Schimpanse und Mensch

Vergleich von Hand und Fuß

Die meisten Affen und der Mensch haben an jeder Hand fünf Finger und an jedem Fuß fünf Zehen mit Nägeln. Bei den Händen kann der Daumen allen anderen Fingern gegenübergestellt werden. Man spricht von einer Greifhand. Bei den Menschenaffen sind die Füße so gestaltet, dass sie damit ebenfalls greifen können. Sie haben einen Greiffuß. Die Menschen dagegen haben einen Standfuß.

Vergleich des Gebisses

Die nahe Verwandtschaft von Menschenaffen und Menschen wird besonders deutlich, wenn man das Gebiss und die Beschaffenheit der Zähne genauer betrachtet.

Die Zahnkronen der Backenzähne haben das gleiche Muster auf den Kauflächen, das sich aus der Anzahl der Höcker und der Furchen ergibt. Es wird als Dryopithecus- oder 5-Y-Muster bezeichnet. Dieses Zahnkronenmuster muss zu einer Zeit entstanden sein, als die Vorfahren der Menschenaffen und des Menschen noch in einem gemeinsamen Erbstamm vereint waren.

Skelett, Körperhaltung und Schädel im Vergleich

Besonderheiten, durch die sich der Mensch von allen anderen Tieren unterscheidet, sind sein aufrechter Gang und die Ausbildung seines Gehirns. Im Verlaufe der Entwicklung des Menschen aus tierischen Vorfahren bildete sich der aufrechte Gang (aufrechte Körperhaltung) heraus. Damit waren zahlreiche Veränderungen des Skeletts verbunden, z. B. doppelt-S-förmige Krümmung der Wirbelsäule zur besseren Abfederung vom Boden, Verbreiterung und schaufelförmige Ausbildung des Beckens als vergrößerte Ursprungsfläche für die Gesäßmuskulatur, Verlängerung der Beine, Verkleinerung der Schädelmuskulatur.

Hände und Füße von Menschenaffen und dem Menschen

Vergleicht man die Gehirnmasse von Mensch (ca. 1 450 g) und Gorilla (ca. 430 g), so stellt sich heraus, dass der Mensch trotz der geringeren Körpermasse das weitaus größere Gehirn hat. Ein Vergleich der Schädel macht das deutlich.

Skelett von Gorilla und Mensch
Schädelvergleich von Gorilla und Mensch

Große Unterschiede erkennt man beim Gebissvergleich von Gorilla und Mensch.

Oberkiefervergleich von Gorilla und Mensch

Genetischer Vergleich

In den zurückliegenden Jahrzehnten wurden die Chromosomen der Primaten genauer untersucht, ihre Anzahl und ihre Form ermittelt. Gleiches gilt für die Blutkörperchen, die Blutgruppen und Blutfaktoren sowie die Serumgruppen. Die Menschenaffen haben 48 Chromosomen im doppelten Chromosomensatz, der Mensch hat 46 Chromosomen.

Die meisten Chromosomenpaare des Schimpansen stimmen weitgehend mit denen des Menschen überein. Nur bei wenigen gibt es geringfügige Unterschiede.

Genauere Erkenntnisse brachte die Untersuchung der Chromosomenstruktur mithilfe von Färbetechniken, durch die man die Bandmusterung erkannte. Sie ließ folgende Aussage zu:

Chromosomensätze

Das eine Chromosomenpaar des Menschen weist nahezu die gleiche Bandstruktur auf wie zwei Einzelchromosomen beim Schimpansen. Vermutlich ist es im Verlaufe der Stammesentwicklung des Menschen nach der Trennung vom gemeinsamen Erbstamm zu einer Verschmelzung von zwei Chromosomenpaaren gekommen. Vergleichende Hämoglobinuntersuchungen bestätigen gleichfalls die nahe Verwandtschaft des Menschen mit den Menschenaffen.

Beispiele für Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Mensch und Menschenaffen

Besonderheiten im Verhalten

In den zurückliegenden Jahrzehnten ist es den Forschern gelungen, durch Beobachtungen von Tier- und Menschenaffen unter Laborbedingungen und im Freiland Erkenntnisse auch über die Evolution des Verhaltens des Menschen aus einem frühen Stadium seiner Entwicklung zu gewinnen. Die Abbildungen zeigen Schimpansen in unterschiedlichen Verhaltenssituationen.

Man kann den Werkzeuggebrauch und die Werkzeugherstellung bei Schimpansen schon als Intelligenzleistung bezeichnen. Sie benutzen z. B. spontan eine Stange, um eine Banane außerhalb des Gitters zu erreichen und heranzuangeln, bzw. einen Stock, um gegen ein Raubtier zu kämpfen.

Es drängt sich die Frage auf: „Können Schimpansen denken?“
Die Menschen verständigen sich durch eine Wortsprache. So werden Informationen von Generation zu Generation weitergegeben. Die Sprache ist beim Menschen Grundlage des bewussten Denkens und Handelns sowie der zielgerichteten Arbeits- und Lebenstätigkeiten. Die Schimpansen beispielsweise verständigen sich durch bestimmte Laute und Gebärden. Sie erfassen situationsbezogene Kausalbeziehungen und bewältigen damit einfache Denkprozesse, die nicht an die Sprache gebunden sind.

Fest steht, dass sich das Verhalten von Mensch und Menschenaffen aus angeborenen und erlernten bzw. erworbenen Verhaltensweisen zusammensetzt.

Verhaltensweisen von Schimpansen
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