Lebensweise in der Jungsteinzeit

Der Übergang zur Sesshaftigkeit hat das Leben der Menschen grundlegend verändert. Diese Epoche, die eine Revolution in der Geschichte der Menschheitsentwicklung darstellte, wir Jungsteinzeit bezeichnet. Die jungsteinzeitlichen Lebensformen drangen allmählich vom Orient nach Europa vor.

Lebensweise in der Jungsteinzeit

Seit etwa 50 000 Jahren gab es im westlichen Eurasien nördlich von Mesopotamien (fruchtbarer Halbmond) nutzbare Pflanzengesellschaften und Wildformen von Ziege und Schaf. Nachweisbar sind Wildformen von Emmer, Einkorn und Gerste. Steinerne Mörser und Stößel weisen darauf hin, dass die Körner aufbereitet wurden.

Das Getreide sowie Jagdwild wie Gazellen, Ziegen, Schafe und Auerochsen und Vögel haben zu einem großen Teil die Nahrung gesichert. Es kam zur Anlage von Dörfern mit runden Einzelhäusern und Anlagen für Gräberfelder. Das waren die ersten Anzeichen längerer saisonaler oder auch ganzjähriger Sesshaftigkeit.

Allmählich wurde später die Pflege des Wildgetreides durch planmäßige Aussaat ergänzt. Die Ernte mit langstieligen Erntemessern (aus Knochen oder Holz mit Feuersteinmessern) wirkte sich dabei auf das Erntegut aus. Der Grund war, dass fester haftende Körner geerntet wurden, während die locker sitzenden ausfielen. Die Wiederaussaat erfolgte mit den stabileren Körnern. Damit erfolgte eine Selektion jener Eigenschaften, die für die früheren kultivierten Getreidearten typisch waren. Dieses stabile Getreide konnte gewinnbringend an feuchteren und bewässerten Standorten angebaut werden. So begann im Tiefland von Mesopotamien, dem späteren Sumer (vgl. Frühe Hochkulturen), der erste bewässerte Feldbau. Ziegen und Schafe wurden hier bereits durch Schweine und Rinder ergänzt.

Ackerbau und Viehzucht in Mitteleuropa

Am Ende der letzten Eiszeit um 10 000/8000 v. Chr. begann von Süden her sich ein Waldgürtel auszubreiten. Nach Birken und Kiefern folgten Eichen, Ulmen, Linden und Haselsträucher. Ein dichter Eichenmischwald erstreckte sich bald über Mitteleuropa. Viele Tiere wie Bären, Wölfe, Luchse, Auerochsen, Wisente und Rotwild bevölkerten die Wälder.
An freien Seeufern fanden die Menschen gute Bedingungen für Siedlungen. In den weichen Boden konnten Pfosten für den Hausbau gerammt werden, auch Schilf zum Dachdecken war vorhanden. Außerdem siedelten die Menschen an Flussläufen, auf gerodeten Lichtungen oder freien Anhöhen.

Zum Hausbau verwendeten die Menschen gerade gewachsene Baumstämme, die sie mit Steinbeilen fällten. An einem Holzschaft war eine Steinklinge mit Schnüren befestigt. Erst später wurde das Durchbohren der Klinge für den Schaft entwickelt. Für ein Haus benötigten die Menschen etwa 120 laufende Meter Pfahl- und Balkenmaterial. Das waren ungefähr 25 Bäume. Die Rodung zur Gewinnung von Ackerfläche bedeutete einen noch größeren Eingriff in die Natur. Der Mensch hat also schon vor etwa 10 000 Jahren seine Umwelt erheblich verändert.
Bisherige Ausgrabungen vermitteln eine ungefähre Vorstellung der Größe und Bevölkerungsstruktur solcher Dörfer. Meist waren es sieben bis zehn Häuser. Die Familiengröße umfasste zunächst etwa 4 bis 8 Personen, so lebten also etwa 28 bis 80 Personen in solch einem Dorf.

Arbeitsteilung in der Jungsteinzeit

Die Viehzucht gehörte zum Aufgabenbereich des Mannes, der Getreideanbau zu dem der Frau. Wahrscheinlich war das in der Tradition der Jäger und Sammler begründet. So verstärkte sich die in der Altsteinzeit sich ausprägende naturwüchsige Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau.
Die Frauen buken außerdem Fladenbrote, kochten Brei, Mehlsuppen und Grütze. Aus Samen von Lein und Mohn pressten sie Öl und aus den Leinstängeln stellten sie Flachsfasern her und spannen sie zu Fäden. An einfachen Webstühlen webten sie Stoffe.
Bei Ausgrabungen stießen die Wissenschaftler auch auf Knochen geschlachteter Haustiere. Anhand der Knochen waren hier die ersten gezüchteten Haustiere Rind, Schwein, Schaf, Ziege und Hund. Zur Nahrungsergänzung sammelten die Frauen und Kinder Wildfrüchte, essbare Wurzeln, Pilze und Wildgemüse.
Neben dem Ackerbau und der Haustierhaltung versorgten sich die Menschen weiterhin durch Jagd- und Fischfang mit eiweißreicher Nahrung. Für den Winter legten sie Vorräte an; dabei waren Lufttrocknung und Räucherei wichtige Konservierungsmethoden.

Bei der Herstellung von Werkzeugen und Geräten fand eine Revolution statt. Zuerst lockerten die Bauern den Boden mit spitzen Holzstäben oder Hacken. Mit dem später erfundenen Holzpflug wurde der Feldanbau entscheidend verbessert. Mehr und mehr übernahmen die Männer die schweren Bestellarbeiten des Feldes. Aus Feuerstein wurden Sicheln hergestellt für die Ernte. Zur Aufbewahrung überschüssiger Nahrungsmittel wurden Töpfe, Krüge und Schalen aus Tonerde geformt. Die Tongefäße wurden an der Sonne getrocknet oder im Ofen zu feuerfestem Keramikgeschirr gebrannt.

Durch die Steinbohrung entfiel die nur wenig haltbare Befestigung mit Schnüren. Dazu wurde aus hartem Felsgestein ein Rohling herausgeschlagen und mit einem Schleifstein zu einer scharfen Klinge geschliffen. Auf die Bohrfläche wurde feuchter Sand gestreut und mit einem Bohrstab ein Loch hindurch geschmirgelt. Eine weitere Errungenschaft war das Spinnen und Weben.
Die Herstellung bäuerlicher Gegenstände war zeitaufwändig und erforderte Übung und Geschicklichkeit. Handwerker bildeten sich heraus, die Töpferwaren, Stoffe, Werkzeuge und Waffen herstellten. Erster Tauschhandel setzte ein, indem Händler von Dorf zu Dorf zogen und die Erzeugnisse vertrieben.

Besitz und Eigentum

Jäger und Sammler besaßen nur das, was sie auf die Wanderung mitnehmen konnten. Mit der neuen Lebensweise in der Jungsteinzeit konnten die Menschen durch die Sesshaftigkeit Eigentum bilden. Die Form des Eigentums spielte dabei noch eine untergeordnete Rolle. So gab es Eigentum der Dorfgemeinschaft und Eigentum des Einzelnen. Mit Schutzgräben und Zäunen sicherten die Dorfbewohner ihre zunächst unbefestigten Dörfer vor Plünderern.

Großfamilien und Stämme

Mit der Sicherung der Ernährungsgrundlage durch Ackerbau und Viehzucht kam es in der Jungsteinzeit zu einem enormen Anwachsen der Bevölkerung. In den sich entwickelnden Langhaussiedlungen lebten die Menschen in Großfamilien. Zu einer Großfamilie zählten inzwischen die Großeltern, Eltern, die unverheirateten Kinder sowie die verheirateten Söhne mit Schwiegertöchtern und ihren Kindern.
Mehrere dieser Großfamilien, die meist blutsverwandt waren, bildeten die Sippe. Ein Familienoberhaupt organisierte das Leben und die Arbeit der Sippe. Aus ihren Reihen wurde der Dorfvorsteher gewählt. Dieses Amt konnte auch eine Frau übernehmen.
Wurde die Dorfbevölkerung so groß, dass die Ernährung nicht mehr gesichert werden konnte, verließen die jungen Leute das Dorf und gründeten in der Nähe neue Siedlungen. Es entstanden in einem Gebiet größere Gemeinschaften, die Stämme. Alte Bräuche und gemeinsame Gewohnheiten hielten die Angehörigen der Stämme zusammen. In einigen Indianervölkern ist diese Form des Zusammenlebens heute noch üblich.

Glaube und Bestattungen

Die Menschen hatten das Gefühl der Abhängigkeit von überirdischen Mächten. Vieles erschien ihnen unerklärbar, unheimlich und z. T. bedrohlich. Mit Opferzeremonien versuchten sie „dämonische Kräfte“ gnädig zu stimmen. So opferten sie beim Hausbau ein Schwein und begruben es unter dem Herd. Sie erhofften sich dadurch Glück und Schutz vor feindlichen Naturgewalten.
Außerhalb der Siedlungen wurden Friedhöfe für die Bestattung angelegt. In einfachen Gruben wurde der Leichnam in einer Schlafstellung beigesetzt. Als Grabbeigaben sind Tontöpfe bekannt, die wahrscheinlich mit Speisen gefüllt waren. Schmuck und Waffen wurden ebenfalls beigelegt. In Norddeutschland und an der Atlantikküste wurden die Toten in Großsteingräbern beigesetzt. Das waren „Hünengräber“, die mit mächtigen Tragsteinen und einem großen Deckstein ursprünglich von einem Erdhügel überdeckt waren. Ganze Bauernsippen konnten in dieser Grabanlage bestattet werden.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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