Edward Estlin Cummings

Das künstlerische Talent EDWARD ESTLIN CUMMINGS' (e.e.cummings, wie er selbst firmierte) wurde schon frühzeitig durch seine Eltern und das kulturelle Umfeld in Cambridge – dem Sitz der Harvard University – gefördert. Während seines Harvard-Studiums schrieb er erste Gedichte. In seiner Abschlussrede „The New Art“ (1916) formulierte er seine von Kubismus, Futurismus und der neuen Musik IGOR STRAWINSKIs inspirierte Kunstkonzeption.

Er diente im Ersten Weltkrieg als freiwilliger Frontsanitäter. Wegen Spionageverdachts wurde er in Frankreich inhaftiert. Auf diesem Erlebnis fußt sein autobiografisches Werk „The Enormous Room“ (1922). Von 1921 bis 1923 studierte er Kunst in Paris. Schließlich veröffentlichte CUMMINGS 1923 seinen ersten Gedichtband. Ab 1924 lebte er als Maler und Dichter in New York.

Literarisches Schaffen

In seinem autobiografischen Roman „The Enormous Room“ (1922, dt.: „Der ungeheure Raum“) klagt CUMMINGS Krieg, Gewalt und Erniedrigung des Menschen an. Mit schockierend schonungslosem Duktus und surrealistischen Sprachbildern beschreibt er seine Erlebnisse von der Verhaftung in Frankreich bis zur Ankunft in New York im Jahr 1918. Das Buch gilt als eines der frühesten und einflussreichsten (Anti-)Kriegsbücher.

Schon CUMMINGS' erster Gedichtband „Tulips and Chimneys“ (1923, vollständige Fassung 1937) zeugt vom Bestreben, die traditionelle Sprachlogik in Anlehnung an die Spontaneität des Jazz und der kubistischen Malerei durch asyntaktische Fügungen und ungewöhnliche Wortschöpfungen zu unterlaufen. Inhaltlich griff CUMMINGS zwar auf traditionelle Themen wie Liebe, Wechsel der Jahreszeiten und Natur zurück, erschloss aber formal neue Dimensionen.

Seine Lyrik ist zugleich

  • intellektuell,
  • ironisch

und besticht durch

  • ihre experimentelle Sprache und Syntax .
  • Ihr auffälliges typographisches Arrangement,
  • ihre ungewöhnliche Verwendung von Interpunktionen und
  • die eigentümliche Orthografie.

CUMMINGS, der seine innovative Lyrik auch als Mittel der Satire einsetzte, wurde durch seine typographischen Experimente zum Vorläufer der Pop-Art, die sich in den 1950er- und 1960er-Jahren zur dominierenden Kunstströmung vor allem in den USA und England entwickelte.

Außer seinen Gedichten schrieb CUMMINGS auch Dramen wie das Liebe und Kunst thematisierende expressionistische Stück „Him“ (1927) und das die moderne Moralität problematisierende Drama „Santa Claus“ (1946). Unter dem Titel „Eimi“ verfasste er 1933 einen kritischen Reisebericht über seine in der Sowjetunion gewonnenen Reiseeindrücke. 1931 veröffentlichte er den Bildband „CIOPW“ mit Zeichnungen und Gemälden. Die während seiner Gastprofessur in Harvard gehaltenen Vorträge wurden als „Six Nonlectures“ im Jahr 1953 publiziert.

1955 erhielt CUMMINGS den „National Book Award“, 1957 den „Bollingen Prize for Poetry“. CUMMINGS' zeitweiliger Einfluss auf die moderne deutsche Lyrik ist heute unbestritten. Sein poetisches Prinzip, die Zerstörung der Syntax, wurde in Deutschland in den Sechziger- und Siebzigerjahren – in der DDR erst in den Achtzigerjahren – häufig von jungen Poeten nachgeahmt, ohne dass dies Folgen für ihr späteres Schaffen gehabt hätte. International wird der Dichter überschwänglich als „Edward Estlin Cummings, der 'Magic Maker' der modernen amerikanischen Lyrik“ gefeiert. Allerdings wird er kaum noch rezipiert.

Werke (Auswahl)

Lyrik

  • XLI Poems (1925)
  • Is 5 (1926)
  • ViVa (1931)
  • No Thanks (1935)
  • Tom (1935)
  • 1/20 (1936)
  • Fifty Poems (1941)
  • 1 x 1 (1944)
  • Ninety-five Poems (1958)
  • 73 Poems (hg. 1963)
  • Complete Poems (1991)
Zitat von E. E. CUMMINGS (1894–1962)

Zitat von E. E. CUMMINGS (1894–1962)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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