John Keats

Aus KEATS' Leben

JOHN KEATS hatte schon mit 15 Jahren seine Eltern verloren. Er musste die Schule verlassen und ging bei einem Arzt und Apotheker in die Lehre, die er 1816 in einem Londoner Krankenhaus abschloss. Während dieser Zeit betrieb er aber auch intensive literarische Studien, las unter anderem EDMUND SPENSER, JOHN MILTON und SHAKESPEARE. Kontakte mit LEIGH HUNT und PERCY BYSSHE SHELLEY förderten seinen Entschluss, sich ganz der Dichtung zu widmen. Sein erster Gedichtband erschien 1817 durch Vermittlung seines Freundes SHELLEY.

1818 zeigten sich bei KEATS erste Anzeichen von Tuberkulose. In der Folgezeit verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide. Neben der Erkrankung setzen KEATS auch die schonungslose Kritik an seiner Dichtung „Endymion“ (1818) und seine aufwühlende Liebe zu FANNY BRAWNE, die sich in bemerkenswerten Briefen niederschlug, zu. Es waren aber auch die Jahre seiner größten dichterischen Produktivität. KEATS starb im Alter von 25 Jahren in Rom, wohin er zur Linderung seiner Krankheit gezogen war. Sein Dichterfreund SHELLEY verfasste in Gedenken an KEATS eine Totenklage in Form einer pastoralen Elegie, die „Adonais“.

Literarisches Schaffen

KEATS gilt als romantisches Genie. In seinem kurzen Leben schuf er Meisterwerke der englischen Poesie. Er pries in seinen von SPENSER und MILTON inspirierten Gedichten Oasen der Natur. 1819 entstanden die großen Oden, zu denen unter anderem

  • On a Grecian Urn“ (dt.: Ode auf eine griechische Urne),
  • „To a Nightingale“ (dt.: Ode an eine Nachtigall) und
  • „To Autumn“ (dt.: An den Herbst)

gehören, die MIRKO BRONNÉ kongenial ins Deutsche übersetzt hat. Sie kreisen in bildreicher, klangvoller Sprache um den unauflösbaren Gegensatz zwischen endlichem Leben und dem Ideal ewiger Kunstschönheit. In seiner Ode "On a Grecian Urn" wird die durch die bildliche Fixierung bewirkte Zeitlosigkeit der auf einer griechischen Vase dargestellten Liebesjagd gepriesen. Das lyrische Ich betont die Leblosigkeit des in der Darstellung erstarrten Augenblicks:

Ode on a Grecian Urn (1819)
I
Thou still unravish'd bride of quietness,
Thou foster-child of silence and slow time,
Sylvan historian, who canst thus express
A flowery tale more sweetly than our rhyme:
What leaf-fring'd legend haunts about thy shape
Of deities or mortals, or of both,
In Tempe or the dales of Arcady?
What men or gods are these? What maidens loth?
What mad pursuit? What struggle to escape?
What pipes and timbrels? What wild ecstasy?

II
Heard melodies are sweet, but those unheard
Are sweeter; therefore, ye soft pipes, play on;
Not to the sensual ear, but, more endear'd,
Pipe to the spirit ditties of no tone:
Fair youth, beneath the trees, thou canst not leave
Thy song, nor ever can those trees be bare;
Bold Lover, never, never canst thou kiss,
Though winning near the goal - yet, do not grieve;
She cannot fade, though thou hast not thy bliss,
For ever wilt thou love, and she be fair!

III
Ah, happy, happy boughs! that cannot shed
Your leaves, nor ever bid the Spring adieu;
And, happy melodist, unwearied,
For ever piping songs for ever new;
More happy love! more happy, happy love!
For ever warm and still to be enjoy'd,
For ever panting, and for ever young;
All breathing human passion far above,
That leaves a heart high-sorrowful and cloy'd,
A burning forehead, and a parching tongue.

IV
Who are these coming to the sacrifice?
To what green altar, O mysterious priest,
Lead'st thou that heifer lowing at the skies,
And all her silken flanks with garlands drest?
What little town by river or sea shore,
Or mountain-built with peaceful citadel,
Is emptied of this folk, this pious morn?
And, little town, thy streets for evermore
Will silent be; and not a soul to tell
Why thou art desolate, can e'er return.

V
O Attic shape! Fair attitude! with brede
Of marble men and maidens overwrought,
With forest branches and the trodden weed;
Thou, silent form, dost tease us out of thought
As doth eternity: Cold Pastoral!
When old age shall this generation waste,
Thou shalt remain, in midst of other woe
Than ours, a friend to man, to whom thou say'st,
„Beauty is truth, truth beauty,”- that is all
Ye know on earth, and all ye need to know.

Mit dem Fragment gebliebenen „Hyperion“ (1820) wandte sich KEATS der epischen Form zu. Dargestellt wird die irdische Gesetzmäßigkeit von Werden und Vergehen anhand des Übergangs vom alten Sonnengott Hyperion zum Lichtgott Apoll.
Auf die mit Elementen des Schauerromans durchsetzte Verserzählung „The Eve of Saint Agnes“ (1820, dt: Der St.-Agnes-Abend) folgten im selben Jahr das poetische Drama „Otho the Great“ und die das Verhältnis von Realität und Idealität behandelnde Verserzählung „Lamia“.

Seine leidenschaftliche Wortkunst und der bildhafte, auf Klangwirkungen zielende Stil sind kennzeichnend für KEATS. Ausgehend von seinem künstlerischen Schönheitsideal stellt sich der Dichter hinter die Einfühlung in das Wesen der Dinge zurück. KEATS beinflusste maßgeblich die „Pre-Raphaelite-Brotherhood“, deutsch: die Präraffaeliten, eine englische Künstlervereinigung, die 1848 gegründet wurde. Zu den Präraffaeliten gehörten u. a. DANTE, GABRIEL ROSSETTI und ROBERT BROWNING.

Werke (Auswahl)

  • The Eve of St. Mark (1820)
  • Ode to Psyche (1820)
  • La Belle Dame sans Merci (1820)
  • Ode on Melancholy (1820)
  • Ode on Indolence (1820)
  • The Letters (hg. 1958)
JOHN KEATS (1795–1821)

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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