Britische Forschungsreisende

THOMAS EDWARD LAWRENCE

THOMAS EDWARD LAWRENCE war an den Ausgrabungen der altorientalischen Ruinen von Karkemisch am nördlichen Euphrat (heute syrisch-türkisches Grenzgebiet) beteiligt. Während des ersten Weltkrieges (1914-1918) war Oberst LAWRENCE einer der britischen Offiziere, die an der Zurückdrängung des Osmanischen Reiches aus Arabien beteiligt waren. In dieser Zeit wurden der heutige Irak und Jordanien zum ersten Mal vermessen und kartografiert. Weil LAWRENCE das Vertrauen und großen Einfluss unter den Arabern gewonnen hatte, wurde er als Agent eingesetzt, um mit Hilfe eines Aufstands der Araber die Türken zurückzudrängen. 1918 marschierte er als Anführer der arabischen Streitkräfte in Damaskus (im heutigen Jordanien) ein. Er hielt seine Erlebnisse in Arabien in der Erzählung Seven Pillars of Wisdom (1926, dt. Die sieben Säulen der Weisheit) fest. Seine Rolle als legendärer Anführer der Araber wurde unter dem Titel Lawrence of Arabia verfilmt. Nach dem Krieg wurde er Mitglied der Royal Air Force und nahm einen anderen Namen an.

DAVID LIVINGSTONE

DAVID LIVINGSTONE aus Schottland gilt als einer der bedeutendsten Afrikaforscher. Er ging als Arzt und Missionar nach Afrika. Als Gegner des Sklavenhandels vertrat er die Auffassung, dass den Afrikanern durch die Erschließung des Binnenlandes weitere Handelsmöglichkeiten eröffnet werden müssten, um den Sklavenhandel einzudämmen. Von 1849 bis zu seinem Lebensende führte er mehrere Expeditionen in Inneren Afrikas durch. Bei seiner Expedition über den Sambesi-Fluss entdeckte er die Victoria-Fälle; LIVINGSTONE kartografierte bei anderen Reisen das Gebiet der innerafrikanischen Seen (Tanganjika-See, Njassa-See). Während seiner Forschungsreise zur Suche der Nilquellen (1865-71) galt er lange Zeit als verschollen. Legendär ist die Suche des im Auftrage des New York Herald arbeitenden Reporters HENRY MORTON STANLEY nach Livingston. Nach neunmonatiger Reise fand die Expedition LIVINGSTONE in einem Dorf am Tanganjika-See, wo er seine Reise krank und halbverhungert hatte beenden müssen. Er war zu schwach geworden für den langen Weg zur Küste.
Im Innersten Afrikas begrüßte der STANLEY den unauffindbar geglaubten LIVINGSTONE mit den berühmten Worten: Dr. Livingston, I presume?
STANLEY war fasziniert von LIVINGSTONEs Engagement. Er betrachtete ihn als Freund und Vorbild und verbrachte noch einige Wochen mit ihm. LIVINGSTONE starb während seiner letzten Reise am 1. Mai 1873 in der Nähe des Bangweolo-Sees (Sambia) im Inneren Afrikas.

ROBERT FALCON SCOTT

ROBERT FALCON SCOTT, Kapitän der Royal Navy, und seine Expedition waren die tragischen Verlierer im Wettstreit um die Südpoleroberung. Bei seinem zweiten Versuch, den Südpol zu erreichen, kamen SCOTT und seine Gefährten während der letzten Etappe, BOWERS, EVANS, OATES und WILSON, 35 Tage zu spät. Der Norweger ROALD AMUNDSEN, ein erfahrener Arktisforscher war ihnen zuvorgekommen. Die Entscheidung, Ponys statt Schlittenhunden für den Transport zu verwenden, und während der letzten Etappe die Proviantschlitten selbst zu ziehen, bedeutete eine Überforderung der Kräfte und erwies sich schließlich als tödlich. Während des Rückmarsches verloren zwei der Männer ihr Leben; SCOTT und den beiden anderen schafften es während ihres 93-tägigen Marsches nicht, die rettende Versorgungsstation zu erreichen, da sie von der Enttäuschung, der Kälte und den Strapazen geschwächt waren und von einem andauernden Schneesturm am Weitergehen gehindert wurden. Die Toten und SCOTTs Tagebuchaufzeichnungen wurden acht Monate später von einer Suchexpedition gefunden. Die Öffentlichkeit reagierte mit großer Anteilnahme auf SCOTTs Schicksal und das seiner Männer und würdigte seine Leistung mehr als die AMUNDSENs.

ERNEST SHACKLETON

ERNEST SHACKLETON, britischer Antarktisforscher, ist durch seinen Mut und seine Opferbereitschaft bei der Errettung seiner Expeditionsmannschaft in die Geschichte der Arktisforschung eingegangen. Seine Expedition brach 1914 mit dem Schiff Endurance auf, um die Antarktis zu Lande vom Wedell-Meer auf der Atlantik-Seite bis zum Ross-Meer auf der Pazifik-Seite zu überqueren. Bevor das Schiff den geplanten Ausgangspunkt erreichte, wurde es im Wedell-Meer vom Eis eingeschlossen. Zwei Tage lang versuchte die Mannschaft vergeblich, das Schiff vom Eis zu befreien. Das Eis trieb das Schiff neun Monate lang von der Antarktis fort, bis es am 27. Oktober 1915 vom Eis erdrückt wurde. Die Mannschaft musste das Schiff verlassen. Am 21. November 1915 sank das zermalmte Schiff.
Auf Schlitten transportierten die Männer die Rettungsboote bis ans offene Meer und erreichten im April 1916 per Boot die Elefanten-Insel. In Europa dachte inzwischen niemand mehr an SHACKLETONs Expedition; der Erste Weltkrieg war inzwischen ausgebrochen und zog alle Aufmerksamkeit auf sich.
SHACKLETON sah keine andere Möglichkeit der Rückkehr, als mit fünf Männern der Besatzung unter Einsatz des eigenen Lebens auf einem Boot zu wagen, die 800 Meilen entfernte Insel South Georgia zu erreichen und von der dortigen Walfangstation Hilfe zu holen. Nach 17 Tagen durch das stürmische eisige Meer hatten sie das Unglaubliche geschafft. Sie hatten die winzige Insel nicht verfehlt und konnten an Land gehen. Vom Landungsplatz aus waren die Männer noch 36 Stunden lang zu Fuß unterwegs, bis sie die Walfangstation fanden. Erst beim vierten Rettungsversuch gelang es SHACKLETON mit Hilfe eines Schiffes der chilenischen Regierung, seine übrige Mannschaft von der Elefanten-Insel zu retten. Nach seinem Tod 1922 wurde SHACKLETON auf Wunsch seiner Ehefrau auf der Insel South Georgia begraben. SHACKLETON wurde für seine Opferbereitschaft in den Adelsstand erhoben.

HENRY MORTON STANLEY

HENRY MORTON STANLEY gelangte durch seine erfolgreiche Suche nach LIVINGSTONE zur Berühmtheit. So war es für ihn kein Problem, englische und amerikanische Tageszeitungen für die Finanzierung eigener Forschungsreisen zu gewinnen. Er erforschte mehrmals den Lauf des Kongo sowie das Kongo-Gebiet und bereitete so die Erschließung des Kongos durch die belgische Kolonialverwaltung vor. Seine Untersuchung des Victoria-Sees bekräftigt frühere Vermutungen über die Quellzuflüsse des Nils (Weißer und Blauer Nil). Er veröffentlichte die Aufzeichnungen seiner Erlebnisse unter den Titeln How I found Livingstone (1872) und Through the Dark Continent (1878).
STANLEY stammte aus Wales; er war als sechzehnjähriger Schiffsjunge elternlos nach Amerika gekommen und führte bis zu seiner Tätigkeit als Zeitungsberichterstatter ein sehr wechselvolles Leben. Sein richtiger Name lautete JOHN ROWLANDS. Ein amerikanischer Kaufmann, der ihn adoptierte, gab ihm den Namen, unter dem er später bekannt wurde.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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