Der Kontinent Europa im Überblick

Europa ist mit einer Fläche von rund 10,5 Mio. km² nach Australien der kleinste Erdteil, steht aber mit rund 739 Mio. Einwohnern nach Asien und Afrika an dritter Stelle. Der Kontinent bildet mit Asien die Landmasse Eurasien, an der es einen Anteil von etwa 20 % hat. Europa, der Westteil der Alten Welt, ist eigentlich die im Westen dieser Landmasse liegende, stark gegliederte Halbinsel, wird aber aufgrund seiner kulturellen und historischen Rolle als selbstständiger Erdteil betrachtet (Bild 1).

Im Altertum verband man den Namen Europa mit einer Figur der griechischen Mythologie: Europa war die Schwester des Kadmos, die Tochter des phönizischen Königs Agenor und eine Geliebte des Zeus, der sie in Gestalt eines Stiers nach Kreta entführte und mit ihr den König Minos zeugte.

Als konventionelle Grenzen gegen Asien im Osten gelten das Gebirge und der Fluss Ural, das Kaspische Meer und die Manytschniederung nördlich des Kaukasus. Von Vorderasien und Afrika im Südosten bzw. Süden trennen Europa das Schwarze Meer, der Bosporus, das Marmarameer, die Dardanellen, das Mittelmeer und die Straße von Gibraltar. Im Westen und Nordwesten bildet der Atlantik die Grenze. Größte Halbinseln sind die Skandinavische, die Iberische, die Apennin- und die Balkanhalbinsel. Auf Inseln entfallen etwa 7 % der Landfläche, von denen die Britischen Inseln und Island die größten sind.

Europa – Übersicht

Die Staaten Europas

StaatHauptstadtFläche (in km²)Einwohner
(in 1 000)
AlbanienTirana28 7483 411
AndorraAndorra la Vella4567
BelgienBrüssel30 51910 252
Bosnien und HerzegowinaSarajevo51 1293 923
BulgarienSofia110 9128 167
DänemarkKopenhagen43 0945 340
DeutschlandBerlin357 02182 150
EstlandTallinn45 2271 435
FinnlandHelsinki338 1455 180
FrankreichParis543 96558 850
GriechenlandAthen131 95710 560
IrlandDublin70 2843 794
IslandReykjavík103 000281
ItalienRom301 30857 670
KosovoPriština10 9081 800
KroatienZagreb56 5384 460
LettlandRiga64 5892 417
LiechtensteinVaduz16032
LitauenWilna65 3003 698
LuxemburgLuxemburg2 586438
MaltaValletta316383
MazedonienSkopje25 7132 031
MoldawienChisinau33 7004 264
MonacoMonaco1,9532
NiederlandeAmsterdam41 52615 919
NorwegenOslo323 7584 492
ÖsterreichWien83 8538 098
PolenWarschau312 68338 650
PortugalLissabon92 38910 010
RumänienBukarest238 39122 435
RusslandMoskau17 075 400145 542
San MarinoSan Marino6127
SchwedenStockholm449 9648 869
SchweizBern41 2857 180
SlowakeiPressburg49 0365 402
SlowenienLaibach20 2511 988
SpanienMadrid504 78239 450
TschechienPrag78 86610 273
UkraineKiew603 70049 600
UngarnBudapest93 03010 022
Vatikanstadt 0,440,85
Vereinigtes KönigreichLondon244 10159 730
WeißrusslandMinsk207 59510 006
MontenegroPodgorica13 812672
SerbienBelgrad88 3619 298

Naturraum

Oberflächengestalt

Europa ist an Reliefformen außerordentlich vielgestaltig. Das hat seine Gründe in der erdgeschichtlichen Entwicklung. Diese wird durch mehrere Gebirgsbildungen bestimmt, die jeweils neue Festlandsteile an einen alten Kern angeschweißt haben. Europa besteht danach aus vier tektonischen Grundeinheiten (Bild 2).

Im Bereich des heutigen Osteuropäischen Tieflandes erstreckt sich zwischen Uralgebirge und der Linie Donaudelta-Karpaten-Weichsel sowie zwischen Schwarzem Meer und Ostsee/Weißem Meer die Russische Tafel. Große Teile Skandinaviens werden vom Baltischen Schild eingenommen. Russische Tafel und Baltischer Schild bilden zusammen die Osteuropäische Plattform. Sie ist die älteste Baueinheit Europas und wird deshalb auch als Ureuropa bezeichnet. Es ist seit 600 Mio. Jahren keinen Gebirgsbildungsprozessen ausgesetzt gewesen und deshalb das stabilste Bauelement Europas. Die nächstjüngere Baueinheit stellt das vor ca. 500 Mio. Jahren an die Osteuropäische Plattform angeschweißte kaledonische Gebirge der Britischen Inseln und Norwegens dar. Keilförmig streicht kaledonisches Baumaterial von dort bis zu den Karpaten nach Osten.

Die dritte Baueinheit – vor ca. 400 Mio. Jahren entstanden – bilden die Gesteine des variskischen Gebirges, die sich südlich an die kaledonischen Gesteine anschließen und heute Mitteleuropa sowie große Teile West- und Südeuropas bilden.

Die alpidischen Faltengebirge Süd- und Südosteuropas, die vor ca. 50 Mio. Jahren gebildet wurden, sind die vierte große tektonische Grundeinheit Europas. Sie treten im Unterschied zu den kaledinischen und variskischen Gebirgen, die längst eingeebnet wurden, als Hochgebirge in Erscheinung. Vom Atlantischen Ozean bis zum Schwarzen Meer folgen auf die Betische Kordillere das Iberische Randgebirge, die Pyrenäen, die Alpen mit der höchsten Erhebung Europas, dem 4807 m hohen Montblanc, die Karpaten und das Balkangebirge aufeinander (Bild 3). Auch die Apenninen und das Dinarische Gebirge, das sich in Griechenland über den Pindos, die Gebirge der Peloponnes und Kreta bis nach Rhodos fortsetzt, gehören zu diesem Faltengebirgszug. Darin eingeschlossen sind die Poebene, das Ungarische Tiefland und das Tiefland der Walachei.

Die Oberflächen der jungen Faltengebirge sind stark vom Formenschatz der Hochgebirge geprägt, zu denen spitze, steilwandige Gipfel, tief eingeschnittene Täler, Hangschuttdecken und Blockhalden ebenso gehören wie die durch Gletscher und ihre Schmelzwässer gebildeten Formen (Kare, U-Täler, Moränen, Seen, Schluffablagerungen). Auf das geringe Alter der alpidischen Gebirge weisen auch die tätigen Vulkane im Mittelmeerraum (Vesuv, Ätna, Stromboli, Vulcano und Santorin) hin.
Die jeweils jüngeren Gebirgsbildungen haben dazu geführt, dass die eingerumpften und mit Festlands- oder Meeressedimenten bedeckten älteren Teile Europas, die nicht mehr durch Faltung verformbar waren, durch seitlichen Druck in unterschiedliche Schollen zerbrachen. Vor allem die variskische Baueinheit stellt heute ein Bruchschollengebirge dar. Das Mittelgebirgsland nördlich der alpidischen Gebirge besteht aus gekippten, gehobenen (Hochschollen) oder abgesenkten (Tiefschollen) Bruchschollen aus Gesteinen der Varisken und der darauf abgelagerten Sedimente. Die Tiefschollen (z. B. Böhmisches Becken, Elbsandsteingebirge, Thüringer Becken, Oberrheingraben) sind sedimentbedeckt, auf Hochschollen (z. B. Sudeten, Harz, Schwarzwald, Vogesen) sind die Sedimente abgetragen, das Grundgebirge der Varisken tritt an die Oberfläche.

Die Bruchtektonik war mit Vulkanismus (Vulkanberge, Deckenergüsse) verbunden. In den weniger vertikal bewegten (gehobenen oder abgesenkten) Bereichen der Bruchtektonik bildeten sich Becken, in denen sich die Sedimentdecken erhielten, und ausgedehnte Schichtstufenlandschaften, bei denen die Sedimente angeschnitten sind. Das trifft auf das Schwäbisch-Fränkische Stufenland ebenso zu wie auf das Pariser Becken und seine Ränder. Das bisher letzte große formenbildende Ereignis war das Eiszeitalter. Von Nordeuropa aus breitete sich mehrmals eine mächtige Inlandeisdecke südwärts aus, und die jungen Hochgebirge waren von gewaltigen Gletschern bedeckt, von denen heute nur noch Reste existieren (Alpen, Norwegen, Island). Das Eis stieß bis an die Nordränder der Mittelgebirge vor.
In den Quellgebieten des Eises wurde der lockere bodennahe Untergrund weitgehend abgeräumt und der Felsuntergrund stark überformt. Es entstanden Trogtäler und Kare. Die abgeräumten Materialien wurden weit südlich als Grund- und Endmoränen abgelagert, die große Teile des mittel- und osteuropäischen Tieflandes (Bild 4) prägen. Aus den vor dem Eisrand abgetrockneten vegetationslosen Flächen wehte der Wind Feinmaterial aus, das heute breite Lössbänder nördlich der Mittelgebirge und des Schwarzen Meeres bildet.

Tektonischer Bau Europas
Im geologisch jungen Hochgebirge
Im Tiefland

Gewässer

Der längste Fluss Europas ist mit 3531 km die Wolga, die in das Kaspische Meer mündet. Die Donau, die zum Schwarzen Meer fließt, hat eine Länge von 2850 km. Die bedeutendsten Zuflüsse des Mittelmeers sind Po, Rhone und Ebro, der Ostsee Weichsel und Oder, der Nordsee Elbe, Rhein und Themse und des offenen Atlantischen Ozeans Loire, Duero und Tajo. Der Norden Europas ist besonders reich an Seen; die größten sind Ladoga- und Onegasee. Auch der Alpenraum hat viele, eiszeitlich entstandene Seen, unter anderem den Genfer See, Vierwaldstätter See, Bodensee und Gardasee. Im Ungarischen Tiefland liegt der Plattensee.

Klima und Vegetation

Das Klima in Europa (Bild 5) wird hauptsächlich durch die ganzjährige Lage im Westwindgürtel der gemäßigten Breiten geprägt. Im Süden hat Europa erheblichen Anteil am Subtropengürtel, in dem nur im Winter die Westwinde mit ihren Niederschlägen wirksam sind, im Sommer dagegen die Passatzirkulation herrscht. Im Nordosten reicht Europa in den Polargürtel hinein. Durch die Lage zum Atlantik bildet sich an den Westseiten des Kontinents ein ozeanisches (maritimes) Klima aus, das sich durch geringe Temperaturgegensätze zwischen Sommer und Winter auszeichnet. Nach Osten hin nimmt die Kontinentalität des Klimas zu, was sich vor allem an größer werdenden Schwankungen der Jahrestemperatur und durch abnehmene Niederschlagshöhen zeigt. Dank der Ausläufer des Golfstroms haben West- und Nordeuropa ein milderes Klima als man es aufgrund der geografischen Breitenlage erwarten würde.

Drei umfangreiche Luftdrucksysteme steuern das Klima Europas: das Islandtief, das Azorenhoch und das jahreszeitlich wechselnde Druckgebiet über Asien. Hier bildet sich im Sommer ein Wärmetief und im Winter ein ausgedehntes Kältehoch. Dieses Druckgebiet ist von grundlegender Bedeutung für den Unterschied zwischen dem Klima Mittel- und Nordeuropas und dem Mittelmeerklima jenseits des Gebirgszuges.

In Südeuropa sind die Sommer heiß und trocken, während in den nördlicheren Lagen im Sommer die meisten Niederschläge fallen. Das Klima weiter Teile im Westen Europas ist vom Nordatlantischen Strom beeinflusst (Bild 6). In Nord- und Osteuropa erhöhen sich landeinwärts die jahreszeitlichen Gegensätze zwischen kalten Wintern und warmem Sommern. Reliefunterschiede beeinflussen in hohem Maße die regionale Niederschlagsverteilung. Die natürliche Vegetation wird durch die steigenden Temperaturen von Nord nach Süd und den Übergang von ozeanischem zu kontinentalem Klima von West nach Ost bestimmt. Im nördlichsten Teil Europas, in den Hochlagen der Skanden und in Island herrscht Tundra mit Moosen, Flechten und Zwergstrauchheiden vor. Südwärts folgt von Finnland und Nordrussland bis zu den Gebirgen Südeuropas ein breiter Waldgürtel. Im Norden sind es vorwiegend Nadelwälder, in Mitteleuropa und Westeuropa Laub- und Mischwälder, die durch Kulturland stark auf die Gebirge und unfruchtbare Böden zurückgedrängt worden sind (Bild 7). In der atlantischen Florenregion treten auch Heiden und Hochmoore auf. Das südliche Osteuropa von der unteren Donau bis zur unteren Wolga gehört zum pontischen Steppengebiet, das bis zum Schwarzen Meer, dem Kaukasus und der Halbwüste der Kaspischen Senke reicht. Im Mittelmeerraum sind die immergrünen hartlaubigen Eichen- und Kiefernwälder weitgehend durch degradierte Macchien und Gariden (Garrigue) ersetzt. Die Hochgebirge tragen oberhalb der Waldgrenze, die zwischen 1000 m und 2500 m liegt, alpine Gehölze und Matten.

Bevölkerung

Bevölkerungsverteilung

Mit einer mittleren Bevölkerungsdichte von etwa 65 Einw. pro km² ist Europa der am dichtesten besiedelte Kontinent der Erde. Die räumliche Verteilung der Bevölkerung ist allerdings sehr unterschiedlich. Dünn besiedelten Ländern wie Island mit 3 Einw. pro km² stehen dicht besiedelte wie die Niederlande mit rund 402  pro km² oder Malta mit über 1300 Einw. pro km² gegenüber. Ein relativ hoher Prozentsatz der Bevölkerung lebt in Städten, in Belgien, Schweden, Dänemark, Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien 65 bis über 80 %, in Albanien, Portugal, Rumänien, Bulgarien und Irland dagegen nur 35 bis 45%. Die Einwohnerzahl Europas stieg von 100 Mio. um 1650, über 403 Mio. (1900) auf 739 Mio. (2009) und hat damit eine fast ebenso große Bevölkerung wie der Doppelkontinent Amerika. Die bevölkerungsreichsten Staaten sind, von Russland und der Türkei abgesehen, Deutschland, Italien, Großbritannien, Frankreich und die Ukraine.

Sprachen und Völker

Der Kontinent ist die Heimat der Europiden. In Europa werden heute über 60, überwiegend indoeuropäische Sprachen gesprochen. Rund 35 % der Bevölkerung sprechen slawische Sprachen, rund 30 % germanische Sprachen und 27 % romanische Sprachen. Seltene Sprachen sind die keltischen Sprachen (Bretonisch, Irisch, Schottisch-Gälisch und Walisisch), die baltischen Sprachen (Lettisch, Litauisch), Neugriechisch, Albanisch, die finnougrischen Sprachen (Estnisch, Finnisch, Lappisch und Ungarisch), Maltesisch und die Turksprachen. Eine Sonderrolle spielt das Baskische, dessen Ursprung ebenso wie die Herkunft der Bewohner des Baskenlands noch nicht restlos geklärt ist. Weitere Sprachen ohne regionalen Schwerpunkt sind das Jiddische und Romani, die Sprache der Zigeuner.

Religion

Die Christianisierung Europas war im wesentlichen gegen Ende des 1. Jahrtausends abgeschlossen. Rund 75 % der Bevölkerung gehören heute christlichen Kirchen an. Zwischen 35 und 50 Mio. Europäer sind Muslime (8%), knapp 2  Mio. jüdischen Glaubens (1%).

Lebensstandard

Der Lebensstandard ist trotz großer regionaler Unterschiede außerordentlich hoch. Die weitentwickelten Länder West-, Nord-, Mittel- und teilweise auch Südeuropas gehören zu den reichsten der Welt, und weisen dementsprechend hohe Einwanderungsraten auf. Moldawien und Albanien, Bulgarien, Rumänien und teilweise die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien dagegen sind verhältnismäßig arm, doch ist in keiner Region die Grundversorgung der Bevölkerung gefährdet.

Wirtschaft und Verkehr

Die wirtschaftliche Gesamtentwicklung Europas beruht auf einer seit Jahrhunderten gewachsenen Wirtschaftsstruktur mit intensiver Landwirtschaft, industrieller Produktion und weitreichenden internationalen Handelsbeziehungen.

Die Landwirtschaft hat einen beachtlichen Anteil an der Welterzeugung, so bei Getreide, Kartoffeln, Wein, Oliven, Milch und Eiern. Nordrussland, Finnland und Schweden liefern Holz. Das Klima Südeuropas gestattet auch den Anbau subtropischer Kulturpflanzen. Der Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche an der Landfläche Europas (ohne Russland) beträgt über 50 %. Die klimatisch bedingten Anbaugrenzen reichen dank des Golfstroms weit nach Norden (Bild 7).

Klimazonen Europas und ihre Untergliederung
Der Nordatlantische Strom ist ein Ausläufer des Golfstromes. Er transportiert warmes Wasser aus dem Golf von Mexiko nach Nordosten und sorgt damit vor allem für eine eisfreie Küste Nordeuropas.
Die natürliche Vegetation Europas

Der Bergbau spielte schon im Altertum eine große Rolle. Die Vorkommen an Bodenschätzen sind groß: Gefördert werden unter anderem Steinkohle, Braunkohle, Eisenerz, Stein- und Kalisalze, Quecksilber, Bauxit, Schwefelkies, Blei, Zink, Nickel und weitere NE-Metalle, Erdöl und Erdgas. Bei Letzteren spielt der Offshore-Sektor (Nordsee) eine große Rolle. Die Kohle- und die Eisenerzförderung wurde in jüngster Zeit aus Rentabilitätsgründen, insbesondere wegen der Konkurrenz durch Billiganbieter, eingeschränkt (Bild 8).

Europa ist neben Nordamerika und Ostasien das wichtigste Industriezentrum der Erde (Bild 9). Alle Industriezweige sind hoch entwickelt, wobei es ein sehr deutliches West-Ost-Gefälle gibt. Die Reformstaaten des ehemaligen Ostblocks rangieren auf einem wesentlich niedrigeren Niveau als die westlichen Staaten. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit wurde stark gefördert durch die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG, EU) und die Europäische Freihandelsassoziation (EFTA).

Die Verkehrsverbindungen sind hervorragend (Bild 10). Westeuropa verfügt über das dichteste Schienennetz der Erde. Überragender Verkehrsträger ist allerdings der Straßenverkehr, auch in Westeuropa. Die Flüsse Rhein, Weser, Elbe, Oder und andere bilden mit den verbindenden Kanälen wie dem Mittellandkanal oder dem Elbeseitenkanal das dichte mitteleuropäische Binnenwassernetz. Der Main-Donau-Kanal bringt den Anschluss an das südosteuropäische Wasserstraßensystem. Die umschlagstärksten Seehäfen sind an der Nordsee, bzw. dem Atlantischen Ozean Rotterdam, Hamburg, Antwerpen, London, Liverpool und Bremen, am Mittelmeer Genua, Marseille, Barcelona und Piräus, am Schwarzen Meer Odessa und Warna. Die größten und wichtigsten Flughäfen haben London, Paris, Frankfurt am Main, Zürich und Moskau.

Bergbau und Industrie
Zentrale und periphere Räume in Europa(mittlerweile gehören mehr Länder zur EU als in der Karte gekennzeichnet)
Verkehr

Aus der Geschichte

Europa war spätestens seit der Altsteinzeit besiedelt. Während der letzten Eiszeit entstanden vor etwa 30 000 Jahren berühmte Höhlenmalereien unter anderem in Altamira, Lascaux und Chauvet. Erste Hochkulturen waren die minoische auf Kreta (um 3000 v. Chr.) und die ihr nachfolgende mykenische Kultur im ägäischen Raum (ab 1400 v. Chr.). In der Antike dominierte zunächst der griechische Kulturkreis, später der römische, der weite Teile Europas beherrschte. In der Spätantike setzte sich das Christentum als Europa bestimmende Weltreligion durch.

Im frühen Mittelalter stehen sich das Frankenreich im Westen und das Byzantinische Reich im Osten gegenüber. Auf der Iberischen Halbinsel existierten bis ins Spätmittelalter hinein maurische Staaten. Bis ins 14. Jahrhundert war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation der mächtigste Staat in Europa. Im Westen bestimmten die Konflikte zwischen England und Frankreich die Geschichte.
Der im 16. Jahrhundert entstehende Protestantismus schwächte die Macht der Kaisergewalt zugunsten lokaler Herrscher. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) stieg Frankreich zum mächtigsten Staat auf dem Kontinent auf, während sich England mehr und mehr nach Übersee orientierte. Ein tiefer Einschnitt für die Geschichte nicht nur Europas war die Französische Revolution (1789), die die Macht der bis dahin absolut herrschenden Königshäuser schwächte.

Im 19. Jahrhundert setzte mit der beginnenden Industrialisierung der Aufstieg des Bürgertums ein. Die großen Nationalstaaten entstanden, zuletzt Deutschland (1870/71). Die sich insbesondere am Ende des Jahrhunderts immer mehr aufstauenden nationalen Konflikte entluden sich im Ersten Weltkrieg (1914–1918), den Deutschland und Österreich-Ungarn entzündeten. Der Zweite Weltkrieg mit seinen weit über 50 Mio. Todesopfern und den rassistisch motivierten, von Deutschland begangenen Völkermorden war der bis heute letzte große Krieg in Europa. Nach 1945 prägte für fast fünfzig Jahre der Kalte Krieg die Politik und trennte den Kontinent in eine demokratische West- und eine sozialistische Osthälfte. Mit dem Fall der Berliner Mauer und dem Zusammenbruch der Sowjetunion setzte auch im Osten der Demokratisierungsprozess ein. Viele der neuen Reformstaaten möchten der aus den EG hervorgegangenen EU beitreten, deren Vision ein föderativ organisiertes Europa ist.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

Lernhelfer-App für dein Smartphone oder Tablet

Lexikon Share
Beliebte Artikel
alle anzeigen

Einloggen