Marco Polo

MARCO POLOs Vater NICOLO und dessen Bruder waren wohlhabende und sehr weit gereiste Fernkaufleute auf der Osthandelsroute. Dieser Handelsweg führte von Genua bzw. Venedig aus über das Schwarze Meer nach Mittelasien.

Als unter der Herrschaft der Mongolen-Khane im 13. Jh. das Reisen auf den Kurierstraßen der Khane in Zentralasien erleichtert wurde, dehnten die Brüder ihre Handels- und Reisetätigkeit um 1260 bis nach Ostasien aus und kehrten nach guten Geschäften in die Heimat zurück. Der gebildete und an Kontakten mit dem Westen interessierte KUBLAI-KHAN hatte sie zum Wiederkommen aufgefordert und ihnen außerdem Erleichterungen und Schutz für eine erneute Fernreise zugesagt. Deshalb brachen die Kaufleute 1271 wieder nach China auf. Diesmal begleitete sie der junge MARCO POLO. Die Reise sollte 24 Jahre dauern, von denen MARCO 17 Jahre in China verbrachte.

MARCO POLO (1253–1324)

MARCO POLO (1253–1324)

Die Reise (Bild 2) ging zunächst durch Persien (heute Iran) zur alten Karawanenmetropole Balch im heutigen Afghanistan. Dort musste aus Gesundheitsgründen lange gerastet werden, ehe auf Hochpässen der Pamir bezwungen und die Reise auf der berühmten Seidenstraße fortgesetzt werden konnte. Nach der Durchquerung der Lop-Nor-Wüste unter dem Schutz einer Eskorte des Großkhans trafen die Venezianer 1275 in Peking ein, das damals Kambalu bzw. Shangdu hieß.

MARCO POLO, durch seine Jugend zum schnellen Erlernen des Mongolischen besonders befähigt, gefiel in seiner Anmut und Eleganz dem Großkhan. Er wurde zahlreicher Gespräche gewürdigt und bald auch mit Kurierdiensten betraut. So konnte er das Riesenreich China gut kennenlernen, von dem man in Europa keinerlei Vorstellungen hatte. Außerdem erhielt er von Nachbarländern, sogar von Japan zutreffende Kunde. Wegen seiner Treue und Verlässlichkeit erhielt er sogar einen Gouverneursposten in Südchina und musste in dieser Funktion einen Aufstand an der Grenze des heutigen Burma niederwerfen.

MARCO POLO entledigte sich aller Aufgaben zur großen Zufriedenheit von KUBLAI-KHAN. Der alte Herrscher wollte sich von ihm deshalb auch nicht mehr trennen. Selbst Vater und Onkel sollten durch die Eröffnung besonderer Verdienstmöglichkeiten zum Bleiben bewegt werden. Doch die Reisenden zog es in die Heimat zurück. Als eine Mongolen-Prinzessin als Braut nach Persien begleitet werden musste, nahmen die Venezianer diese Chance wahr und verließen 1292 China.

Die Reise führte sie durch das Südchinesische Meer und die Sundasee nach Sumatra, wo lange gerastet wurde. Von dort führte die Seereise schließlich in den Hafen von Ormuz (Hormus) im Persischen Golf, wo sie sich ihres Auftrags entledigten. Danach reisten die Venezianer zu Land weiter und kehrten 1295 über Konstantinopel nach Italien zurück.

MARCO POLO erstattete in seiner Vaterstadt Bericht über seine Reisen und korrespondierte auch ausführlich mit dem Papst. Doch man nahm ihn zunächst nicht ernst. Er berichtete von Dingen, die einfach die Vorstellungskraft überstiegen: von lebendigen Städten mit Millionen Einwohnern, von gut ausgebauten Straßen, blühendem Handwerk, entwickeltem Postverkehr mit Rasthäusern, von Papiergeld als Zahlungsmittel usw. Seine Kenntnisse und Erfahrungen wären wohl weitgehend verloren gegangen, hätte er sie nicht in Genua dem RUSTIGHELLO VON PISA als Reisebericht diktiert.

Die Wirkung dieses umfangreichen und detailgenauen Reiseberichts, der 1477 auch gedruckt vorlag und das christliche Europa erstmals mit dem uralten Kulturland China bekannt machte, war riesengroß. Trotz der fehlerhaften Entfernungsangaben und manchen Übertreibungen machte er MARCO POLO zum berühmtesten Reisenden vor KOLUMBUS.

Das Buch erreichte schnell eine außerordentliche Verbreitung und wurde in alle Kultursprachen übersetzt. Als nach und nach andere Reisende Passagen des Buches, die zunächst bezweifelt worden waren, bestätigten, avancierte es bis ins 16. Jahrhundert hinein zur Grundlage für das Wissen über China. Viele Entdeckungsreisende und Forscher, beispielsweise KOLUMBUS, stützten sich in der Folgezeit auf die Aufzeichnungen.

MARCO POLO arbeitet aber nicht nur die Ergebnisse und Einsichten seiner eigenen Reisen auf, sondern lernte durch Mitreisende auch weitere bis dahin unbekannte Teile der Erde kennen, beispielsweise Hinterindien, Ceylon oder die Sunda-Inseln. Seine auf dieser Grundlage verfassten Berichte waren so genau, dass sich die Kartografie, u. a. der Katalanische Atlas von 1375, bis ins 15. Jahrhundert hinein auf seine Handschriften stützte.

Reiserouten Marco Polos

Reiserouten Marco Polos

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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