Republik Indien

Die Republik Indien besteht aus 28 Bundesstaaten und 7 Unionsterritorien. Die Hauptstadt ist mit fast 11 Mio. Einwohnern New Delhi.

Die Republik Indien wurde 1950 als parlamentarisch-demokratische Republik gegründet. Sie ging aus dem hinduistischen Dominion Indien hervor, das 1947 durch die Teilung der britischen Kronkolonie Indien nach dem Mountbattenplan gebildet wurde. Der andere Teil war das islamische Dominion Pakistan, das das heutige Pakistan und das heutige Bangladesch umfasste. Mit dieser Teilung waren große Unruhen unter der Bevölkerung verbunden, die in der Flucht von acht Millionen Hindus aus Pakistan nach Indien, von etwa ebenso vielen Muslimen von Indien nach Pakistan und in ca. 500 000 Todesopfern ihren Ausdruck fanden. Auch der bis heute anhaltende Kaschmir-Konflikt hat in der Teilung seinen Ausgangspunkt.
Die Republik Indien nimmt den größten Teil der Halbinsel im Süden Asiens ein, die sich zwischen dem Arabischen Meer und dem Golf von Bengalen befindet. Sie wird als Vorderindien, als Indischer Subkontinent und auch als Südasien bezeichnet. Außer der Republik Indien liegen dort auch die Länder Pakistan, Nepal, Bhutan, Bangladesch und Sri Lanka (Bild 1).

Wichtige Daten zum Land

Fläche:3 287 263 km²
Einwohner:1,08 Mrd.
Bevölkerungsdichte:328 Einw./km²
Bevölkerungswachstum:1,5 %/Jahr
Lebenserwartung:
63 Jahre
Staatsform:Parlamentarische Republik
Sprachen:Hindi als Amtssprache, Englisch, 17 Regionalsprachen (Bengali, Tamil Pandschabi, Gujarati u. a.)
Religionen:Hindus 80 %, Muslime 12 %, Christen 2,4 %, Sikh 2 %
Klima:tropisches Monsunklima mit Regenzeit von Juni bis September; im Norden subtropisch, im Nordwesten Wüstenklima
Bodennutzung:Ackerland 57 %, Weideland 4 %, Wald 23 %
Wirtschaftssektoren:
(Anteil am BIP)
Landwirtschaft 22 %, Industrie 27 %, Dienstleistungen 51 %
Exportgüter:Textilien, Tee, Kaffee, Eisen- und andere Erze, Edelsteine, Ledererzeugnisse, Gewürze
Bruttoinlandsprodukt:600 637 Mio. US-$ (2003)
Bruttosozialprodukt:540 US-$ je Einw. (2003)

 

Subkontinent Indien

Subkontinent Indien

Naturraum

Oberflächengestalt

Die Republik Indien hat Anteil an drei Großlandschaften: dem Hochgebirge des Himalaja, dem Indus-Ganges-Tiefland und dem Hochland von Dekhan, das sich vollständig in Indien befindet (Bild 2). Im Norden hat es wie Pakistan, Nepal, Bhutan und China Anteil am Himalaja, dem höchsten Gebirge der Erde (Bild 3), sowie am Karakorum. Die höchsten Erhebungen in Indien sind mit 8610 m Höhe der K 2 (Mount Godwin Austen), der jedoch in dem Gebiet liegt, auf das auch Pakistan Anspruch erhebt, und mit 8586 m Höhe der Kanchenchunga an der indisch-nepalesischen Grenze in Sikkim.
Die Breite des 2500 km langen Hochgebirges des Himalaja reicht von 150 km im Osten bis zu 280 km im Nordwesten. Er besteht aus mehreren parallel zueinander verlaufenden Gebirgszügen. Von Süd nach Nord sind das die Sivalikkette (bis 1300 m Höhe), der Vorhimalaja (bis 4000 m Höhe), der Haupthimalaja (Durchschnittshöhen um 6000 m hoch, Achttausender) und der Transhimalaja (bis 7088 m hoch), der sich bereits in Tibet befindet.
Der Himalaja, der zum alpidischen Faltengebirgsgürtel der Erde gehört, ist das Ergebnis der Kollision zweier kontinentaler Lithosphäreplatten, der Eurasischen Platte und der Indisch-Australischen Platte.

Unmittelbar südlich des Himalaja befinden sich weite Ebenen, die vor allem im Bereich der großen Ströme Ganges und Brahmaputra als Tiefebenen ausgeprägt sind. Nach Westen zu steigt die Gangesebene über 200 m an, erreicht bei Delhi 215 m und geht dann allmählich in das sich weiter westlich anschließende Tiefland am Indus, das sich zum größten Teil in Pakistan befindet, über. Diese Ebenen sind vor allem mit Sedimenten gefüllt, die die großen Ströme hier abgelagert haben und werden deshalb als Schwemmebenen bezeichnet. Der sich südlich an die Gangesebene anschließende größte Teil Indiens gehört vollständig zum Hochland von Dekhan. Es wird von einigen Gebirgen und Gräben durchzogen und besitzt an den Rändern Aufwölbungen, die Westghats und die Ostghats. Diese fallen steil zu den Meeren ab. Ihnen sind mehr oder weniger breite Küstenebenen vorgelagert, die an der Malabarküste im Westen und an der Coromandelküste im Osten Arabisches Meer und Bengalisches Meer erreichen.
Die Dekhanscholle ist Teil der Indisch-Australischen Platte und war Bestandteil des Gondwanalandes. Sie wird aus den ältesten Gesteinsformationen der Erde gebildet. Die Spannungen, die bei der Kollision mit der Eurasischen Platte entstanden, führten nicht nur zu Bruchlinien, sondern im westlichen Teil auch zur Ablagerung von mächtigen basaltischen Decken (s. Bild 2), die durch Verwitterung und Abtragung wieder zerschnitten wurden. Die Abtragung hat auch dazu geführt, dass an einigen Stellen alte Plutone, also aus erstarrtem granitischem Magma bestehende Tiefengesteinskörper, an der Oberfläche sichtbar sind. Im Nordwesten bildet das Aravalligebirge, dessen Ausläufer bis vor die Tore von Delhi reichen, die schroffe Begrenzung des Hochlandes von Dekhan gegenüber dem Industiefland. Das Aravalligebirge stellt das älteste Faltengebirge der Erde dar.

Gewässer

Ganges und Brahmaputra sind sehr wasserreich und führen ganzjährig Wasser. Das hängt damit zusammen, dass sie sowohl von den außerordentlich hohen Niederschlägen am südlichen Steilabfall des Himalaja als auch durch die Schmelzwässer der gewaltigen Gletscher des Himalaja gespeist werden.
In Bengalen bilden die Ströme das Ganges-Brahmaputra-Delta. Dessen östlicher Teil gehört allerdings zu Bangladesch. Zahlreiche weitere Flüsse folgen der West-Ost-Abdachung des Hochlands von Dekhan und durchbrechen z. T. mit eindrucksvollen Tälern die Ostghats. In Teilen Indiens, so im Nordwesten, geht bei kleineren Flüssen die Wasserführung in der Trockenzeit gegen null.

Naturräume Indiens

Naturräume Indiens

Himalaja

Himalaja

Klima

Indien liegt in der subtropischen und tropischen Klimazone der Erde. Sein Klima wird durch den Monsun (arabisch Mausim = Jahreszeit) bestimmt.
Im Sommer (Juni bis Oktober) weht der feuchtwarme Südwestmonsun, der über dem Indischen Ozean Feuchtigkeit aufgenommen hat. Die ausgeprägte sommerliche Regenzeit bringt etwa 90 % der jährlichen Niederschläge, allerdings regional unterschiedlich verteilt (Bild 4).
Im Stau der Westghats und am Steilabfall des Himalaja fallen hohe Niederschläge, mit 11850 mm, die in einem Ort in Assam gemessen wurden, die wahrscheinlich höchsten Niederschläge der Erde (zum Vergleich: Berlin 587 mm). Westlich des Aravalligebirges hat der Sommermonsun mit seinen Niederschlägen nur noch sehr geringen Einfluss, da er diesen nordwestlichen Landesteil nicht direkt vom Arabischen Meer erreicht, sondern auf einem Umweg über das Hochland von Dekhan. Folglich ist es dort sehr trocken.
In den Monaten November bis Februar drehen die Monsunwinde auf Nordost. Der aus Innerasien kommende Wintermonsun ist nach seinem Herkunftsgebiet recht kühl und trocken. Er bringt dem Land eine Trockenzeit.
Bis der Sommermonsun wieder eintrifft, gibt es in den Monaten März bis Mai in Indien eine sehr heiße und trockene dritte Jahreszeit, in der kaum Winde wehen. In ihr wird die Luft durch die fast ungehinderte Sonneneinstrahlung aufgeheizt, und es treten regelmäßig Temperaturen über 45 °C auf.

Vegetation

Die niederschlagsreichen Gebiete Indiens im Nordosten und die Westghats an der Südwestküste tragen feuchttropische Monsunwälder. Wald bedeckt heute allerdings nur noch ein Fünftel der ursprünglichen Fläche, da schon vor Jahrhunderten die Umwandlung in Ackerflächen und Weiden begann.
Auf den niederschlagsärmeren Flächen des Hochlandes von Dekhan wachsen Laub werfende tropische Trockenwälder. Auch sie wurden durch die landwirtschaftliche Nutzung zurückgedrängt. In den Trockengebieten des Nordwestens besteht die Vegetation aus dornigen Sträuchern und Bäumen. Sie geht westwärts in die Wüstenvegetation der Thar über.
An den meisten Flussmündungen wachsen ausgedehnte Wälder von Mangroven. Die Sunderbans an der Gangesmündung sind mit 4000 km² sogar einer der größten Mangrovensümpfe der Erde.
Die artenreiche Pflanzen- und Tierwelt Indiens ist allerdings nur noch in Wildreservaten und Nationalparks in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. Ein Beispiel dafür ist der 392 km² große Ranthambore-Nationalpark in Rajasthan, 100 km südöstlich der Stadt Jaipur. In ihm sind u. a. noch einige Exemplare des Bengaltigers zu Hause.

Sommermonsun

Sommermonsun

Bevölkerungsentwicklung

Das wirtschaftliche und politische Hauptproblem des Landes ist die Bevölkerungsexplosion. Jedes fünfte Kind der Erde wird derzeit in Indien geboren.
Die Regierung versucht zwar, den hohen Zuwachs mit Aufklärungskampagnen zur Geburtenkontrolle einzudämmen, der Erfolg ist aber gering. Dennoch kann festgestellt werden, das das Bevölkerungswachstum leicht rückläufig ist – momentan bei etwa 1,4% pro Jahr.
Die Ursachen für dieses vergleichsweise hohe Bevölkerungswachtum (Deutschland: 0,12 %) sind vielfältig: Hauptgrund ist das Fehlen einer Altersversorgung etwa in Form einer Rentenzahlung. Die Versorgung alter Menschen, die nicht mehr selbst für ihren Unterhalt sorgen können, müssen die eigenen Kinder übernehmen. Eigene Rücklagen fürs Alter können viele Menschen nicht bilden, da ihr Einkommen als Tagelöhner, Kleinpächter oder Straßenhändler dafür nicht ausreicht. Etwa 30 % der Bevölkerung Indiens lebt in Armut. Um die Familie zu ernähren, müssen auch die Kinder mithelfen.
Dazu kommt das Festhalten an traditionellen Verhaltensweisen:
Eine Frau wird erst respektiert, wenn sie einen Sohn geboren hat. Söhne sorgen im Alter für die Eltern. Nur an sie wird das Land vererbt. Söhne sichern den Fortbestand der Familie. Sie bringen bei der Heirat die Mitgift der Frau und die Frau selbst als billige Arbeitskraft ins Haus.
Deshalb werden vor allem in den ländlichen Gebieten den Frauen immer neue Schwangerschaften aufgezwungen, bis die erforderlichen Söhne geboren sind. So wächst die Bevölkerungszahl weiter.
Andererseits kann oft nur für die erste Tochter die für die Heirat notwendige Mitgift aufgebracht werden. Weitere Töchter stellen ein Unglück für die Familie dar. Unerwünschte Töchter wurden deshalb in der Vergangenheit nicht selten beiseite geschafft. Heute sind Quacksalber mit ausrangierten Ultraschallgeräten unterwegs, um trotz Verbotes und ungenügenden Kenntnissen das Geschlecht von Ungeborenen festzustellen und Mädchen abzutreiben. Das führte in der Konsequenz zu einem Land ohne Mädchen.

Bevölkerungsverteilung

Mit 300 Einw./km² ist Indien eines der am dichtesten besiedelten Länder der Erde.
Die regionalen Unterschiede sind allerdings extrem. Sehr dicht besiedelt, mit z. T. mehr als 1000 Einw./km² sind z. B. die Schwemmebenen im Norden und die Küstentiefländer. Weniger als 30 % der Inder leben in Städten. Die insgesamt 18 Millionenstädte Indiens weisen allerdings im Ergebnis zunehmender Landflucht von armen besitzlosen Bauern ein hohes Wachstum auf.
Mumbai (Bombay), Kolkata (Kalkutta) und die Hauptstadt Delhi gehören schon heute mit jeweils mehr als 5 Mio. Einwohnern zu den Megastädten der Erde.

Bevölkerungszusammensetzung

Daten zur Bevölkerung Indiens unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von denen zur Bevölkerung Deutschlands. Das trifft auch auf die Bevölkerungszusammensetzung zu.
Kein anderes Land der Erde besitzt eine solche Vielfalt von Völkern, die verschiedenen Rassen, Sprachgruppen und Religionen angehören. So werden schon von der Verfassung des Landes 15 Regionalsprachen anerkannt. Daneben gibt es etwa 140 weitere Sprachen und mehr als 1500 Dialekte. Das Nebeneinander dieser ethnischen Gruppen ist nicht immer spannungsw. In manchen Regionen, z. B. im Pandschab, ist die Stabilität durch Konflikte vor allem zwischen den Religionsgruppen gefährdet.

Auch alle großen Religionen der Erde sind in Indien vertreten. Die wesentlichen Ursachen für diese Vielfalt liegen in der über 5000-jährigen Kulturgeschichte des Subkontinents.
Die verbreitetste Religion in Indien ist der Hinduismus (Bild 5), zu dem sich etwa 80 % der Inder bekennen. Er wird durch drei Säulen getragen: das Kastenwesen, die Leichenverbrennung und den Glauben an die Wiedergeburt.

Verbreitung des Hinduismus

Verbreitung des Hinduismus

Der Hinduismus prägt mit seinem Kastenwesen auch heute noch weitgehend das Gesellschaftssystem in Indien.
Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kaste legt bereits von Geburt an weitgehend die Berufschancen und die soziale Stellung fest. Da nur die Angehörigen der gleichen Kaste oder einer Nebenkaste heiraten dürfen und der Beruf des Vaters an den Sohn vererbt wird, ist die gesellschaftliche Hierarchie außerordentlich starr (Bild 6):

An ihrer Spitze stehen die sogenannten Brahmanen, Priester und Schriftgelehrte.
Darunter befinden sich traditionell die Krieger, aus denen die Fürsten und Grundherren hervorgingen.
Dann folgt die Kaste der Kaufleute und wohlhabenden Bauern und Handwerker, die wiederum einen höheren Status hat als die Kaste der einfachen Bauern und Handwerker.
Außerhalb der Kasten stehende Inder gelten als Parias, als „Unberührbare“. Sie müssen ihren Lebensunterhalt mit niedrigsten Arbeiten verdienen. Noch heute bleibt ihnen der Aufstieg zu mehr Bildung, höher qualifizierten Berufen und zu politischer Tätigkeit weitgehend versagt.

Neben den Parias nimmt auch die Frau in der indischen Gesellschaft meist noch eine völlig untergeordnete Stellung ein.
Obwohl es durch die Verfassung abgeschafft wurde, ist das Kastenwesen vor allem auf dem Land ein großes Hindernis für den gesellschaftlichen Aufschwung.

Vor allem das Kastenwesen und die damit verbundene Intoleranz des Hinduismus fanden frühzeitig Kritiker. So entwickelten sich Buddhismus, Jainismus und andere Religionen als Reformbestrebungen am Hinduismus in der Mitte des 1. Jh. v. Chr. Sie forderten vor allem, auf jede Gewaltanwendung zu verzichten. Während heute der Buddhismus in Indien keine Verbreitung mehr besitzt, gibt es zwischen Hinduismus und Jainismus viele Gemeinsamkeiten.

Von großer Bedeutung ist in Indien der Islam. Kartendarstellungen zur Verbreitung des Hinduismus (s. Bild 5) und die statistische Angabe von 14 % für den Anteil der Muslime könnten jedoch eine falsche Vorstellung entstehen lassen. Gegenwärtig steht Indien jedoch mit seiner an Muslimen nach Indonesien bereits an zweiter Stelle unter den Ländern der Erde, gefolgt von Pakistan und Bangladesch. Die Tendenz ist steigend, da ein großer Teil des Bevölkerungszuwachses Indiens in islamischen Familien erfolgt. Die Islamisierung Indiens begann von Nordwesten her im 12. und 13. Jahrhundert und fand ihren Höhepunkt im von 1526-1858 dauernden muslimischen Mogulreich in Nordindien. Viele islamischen Herrscher zeigten große Toleranz mit den Hindus, einige (AURANGZEB, im 17. Jh.) ließen jedoch ihre Tempel schleifen, um darauf Moscheen zu errichten. Diese Ereignisse, die im Volke längst vergessen waren, werden gegenwärtig sowohl von Hindunationalisten als auch von Islamisten missbraucht, um Unruhen zwischen den Angehörigen beider Religionen zu stiften. Die großen Bauwerke aus dem Mogulreich, so das berühmte Taj Mahal in Agra, werden längst von den meisten Indern als kulturhistorischer Reichtum des Gesamtlandes verstanden und auch von Hindus besucht.

Kastengliederung

Kastengliederung

Landwirtschaft

Mehr als 60 % der erwerbstätigen Inder sind in der Landwirtschaft beschäftigt, die fast 30 % zum BIP beiträgt. Das klassifiziert Indien zum ausgesprochenen Agrarland.
Indien wird nicht selten als „Land der Dörfer“ bezeichnet, weil mehr als drei Viertel der Menschen in den etwa 640 000 ländlichen Siedlungen leben. Durch die „grüne Revolution“ in der 60er Jahren des 20. Jahrhunderts kann Indien seinen Bedarf an Lebensmitteln selbst decken, ausgenommen in Dürrejahren mit ausbleibendem Sommermonsun. Durch Einsatz von Kunstdünger, Pflanzenschutzmitteln und Maschinen, die Ausweitung der Bewässerungsflächen und die Züchtung von Hochertragssorten wurden die landwirtschaftlichen Erträge deutlich gesteigert.
Dieser Fortschritt ist andererseits mit einer Reihe von Problemen verbunden:
Nur die wohlhabenden Bauern konnten und können sich nach wie vor den Fortschritt finanziell leisten. Viele Kleinbauern verschuldeten sich dagegen völlig und mussten ihr Land aufgeben. Dazu kamen ökologische Probleme, wie die wachsende Versalzung der Böden in der Folge intensiver Bewässerung der Felder.
Die indische Landwirtschaft erzeugt im Wesentlichen Grundnahrungsmittel für die Bevölkerung und pflanzliche Rohstoffe für die einheimische Industrie (Bild 7):
Für den Nahrungsmittelbedarf werden Reis in der Gangesebene, Hirse in Nordwest- und Zentralindien, Weizen im Norden und Mais, der fast überall gedeiht, angebaut.
Auch bei Kartoffeln und Zuckerrohr gehört Indien zu den wichtigsten Produzenten der Welt.
Die wichtigsten Industriepflanzen sind Baumwolle, die vorwiegend im Hochland von Dekhan angebaut wird, und Jute. Jute wird vor allem in Bengalen und in Süd- und Ostindien kultiviert.
Darüber hinaus ist Indien einer der wichtigsten Teeproduzenten. Weltberühmte Teesorten gedeihen vor allem in den Bergregionen Assams und Bengalens.

Anbauregionen in Indien

Anbauregionen in Indien

Industrie

Zu Beginn der Unabhängigkeit 1947 war das Land industriell noch wenig entwickelt. Vor allem ein breit gefächertes Handwerk war vorhanden, das eine lange Tradition besaß und in vielen Bereichen ein außerordentlich hohes Niveau erreichte. Dazu gehörten neben Bauhandwerken u. a. auch die Herstellung von Teppichen, das Goldschmiedehandwerk und die Ausführung von Marmoreinlegearbeiten. Heute zählt Indien zu den zehn stärksten Industriestaaten der Erde, obwohl die Mehrzahl der Menschen in der Landwirtschaft arbeitet und das Land mit einem BSP von 460 US-$/Einw. zu den ärmsten Ländern der Erde zählt. Der Reichtum an Bodenschätzen war und ist eine günstige Basis für die Entwicklung der Industrieproduktion.
Gefördert werden vor allem Stein- und Braunkohle, Eisen-, Kupfer-, Mangan- und Chromerze sowie Bauxit.
Die Rohstoffvorkommen, vor allem die auf dem Dekhan-Plateau, weisen oft so günstige geologische Bedingungen auf, dass sie im Tagebau gefördert werden können.
Indien kann auch mehr als zwei Drittel seines Erdölbedarfs aus eigenem Aufkommen decken. Nach der Unabhängigkeit fehlte es dem indischen Staat an Kapital, an Energie, Facharbeitern und know how. Mit kräftiger ausländischer Finanzhilfe wurden Schlüsselindustrien, wie die Eisen- und Stahlerzeugung im Nordosten des Landes oder die Erdölindustrie, die sich in staatlicher Hand befinden, ausgebaut.
Im privaten Sektor entstanden Betriebe der weiterverarbeitenden Industrie und der Konsumgüterproduktion. Seit 1951 werden zur Steuerung der Wirtschaft Fünfjahrpläne aufgestellt. Seither entwickelten sich Maschinenbau, petrochemische und weiterverarbeitende Industrie dynamisch. Das Land ist heute auf vielen Gebieten nicht mehr auf ausländische Industrieerzeugnisse angewiesen. Eine Sonderentwicklung gab es in Bangalore in Südindien.
Hier entstand seit den 80er Jahren ein indisches „Silicon Valley“. Grundlage der Hightech-Industrie sind englisch sprechende, an indischen Elitehochschulen hervorragend ausgebildete Informatiker und Programmierer. Diese entwickeln hier für Löhne, die nach westlichen Maßstäben niedrig sind, Software- und Hardwarelösungen oder verarbeiten für ausländische Unternehmen Informationen.
In zunehmendem Maße investierten auch namhafte ausländische Industrieunternehmen (Siemens, Hewlett-Packard, IBM oder Microsoft), um die Gunst der Standorte der indischen Softwarebranche zu nutzen. Der wirtschaftliche Aufschwung hat zu einigen Verbesserungen des Lebens für alle Menschen geführt. Dazu gehören der kostenlose Aufenthalt in Krankenhäusern, die Einführung einer Witwenrente, ein warmes Mittagessen für Schulkinder oder der kostenlose Schulbesuch, bei dem die Kinder oft bereits von der 1. Klasse an drei Sprachen lernen (Bengali, Hindi, Englisch). In Delhi werden täglich 200 Autos neu zugelassen. Gleichzeitig haben sich die sozialen Gegensätze weiter verschärft. Während noch 30 % der Inder unter der Armutsgrenze leben, gehören 20 % zu den Reichen und Superreichen, unter ihnen die (politisch entmachteten) Maharajas und der Autoproduzent Tata. Zu den vielfältigen regionalen Unterschieden gehört auch der Alphabetisierungsgrad. Während er im gesamtindischen Durchschnitt 56,5 % beträgt, hat er im Bundesstaat Kerala 99 % erreicht.

Aus der Geschichte

ab 2500 v. Chr.: Hochkultur im Industal

um 500 v. Chr.: Der Buddhismus entsteht und viele Großreiche entstehen und zerfallen wieder.

1156: Die Festung Jaisalmer durch den Rajputen-Fürsten JAISAL als Schutz vor den einfallenden islamischen Heeren aus Afghanistan gegründet (Bild 8).

1192: Der Norden des Subkontinents wird islamisiert.

1206: Gründung des Sultanats von Delhi (bis 1210)

1336: In Südindien entsteht ein hinduistisches Großreich.

1498: VASCO DA GAMA erreicht Indien auf dem Seeweg.

1526: In Nordindien wird das Großmogulreich gegründet, das 1858 wieder zerfällt.

1818: Die britische Ostindien-Gesellschaft erlangt die Vorherrschaft.

1876: Großbritanien proklamiert das Kaiserreich Indien.

ab 1920: MAHATMA GANDHI (ermordet 1948), die „Große Seele“, ruft zum bürgerlichen Ungehorsam auf, der zum wirtschaftlichen Zusammenbruch der britischen Kolonie.

1947: Die britische Kronkolonie Indien wird unabhängig und geteilt in Indien und Pakistan. Pakistan besteht aus Ostpakistan (heute Bangladesch) und Westpakistan (heute Pakistan). Der Kaschmir-Konflikt beginnt.

1950: Die Republik Indien wird gegründet.

Die Festung Jaisalmer im Nordwesten Indiens ist das einzige Fort des Landes, das wie eine Stadt bewohnt ist. Es wird daher im Unterschied zur umgebenden Unterstadt auch als Oberstadt bezeichnet.

Die Festung Jaisalmer im Nordwesten Indiens ist das einzige Fort des Landes, das wie eine Stadt bewohnt ist. Es wird daher im Unterschied zur umgebenden Unterstadt auch als Oberstadt bezeichnet.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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