Wirtschafts- und sozialräumliche Struktur der Republik Botsuana

Botsuana ist ein in Südafrika gelegenes aufstrebendes Entwicklungsland. 1966 erlangte der Staat seine Unabhängigkeit von Großbritannien. Der Ländername Botsuana (auch Botswana) stammt vom Volk der Tswana, das die überwiegende Mehrheit der Bantu-Bevölkerung bildet. Bei einem durchschnittlichen jährlichen Bevölkerungswachstum von etwa drei Prozent wächst die Einwohnerzahl des Landes stetig an. Inzwischen ist fast die Hälfte der botsuanischen Menschen jünger als 15 Jahre.

Mit nur 2,7 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Botsuana allerdings nur dünn besiedelt, was auch mit den natürlichen Bedingungen zusammenhängt.

Naturraum

Den größten Teil der Landesfläche nimmt mit fast 80 % der Wüsten- und Halbwüstenraum der Kalahari ein. Im Nordwesten befindet sich das Okavango-Becken. Der in Angola entspringende Okavango verzweigt sich in diesem Areal in viele Wasserläufe und bildet ein ausgedehntes sumpfiges Flussdelta. Dieses Sumpfgebiet zählt weltweit zu den größten Feuchtbiotopen und beheimatet eine außergewöhnlich artenreiche Tierwelt.
Mit den Salzpfannen des Makarikaribeckens und des Ngamisees gibt es im Norden weitere interessante Landschaften. Etwa 20 % des Landes sind Naturschutzgebiete und Nationalparks.
Fruchtbares Ackerland ist lediglich an der Grenze zu Südafrika zu finden, wo auch die Mehrheit der Bevölkerung lebt.

In Botsuana herrscht arides Klima vor. Niederschläge fallen meist nur zwischen Dezember und April als heftige kurze Schauer. Diese versickern in dem durchlässigen Boden sehr schnell. Außerdem lassen die in der Regenzeit herrschenden Temperaturen von fast 40 °C und der Wind auf den Hochflächen den größten Teil des Niederschlags wieder verdunsten. Deshalb wird das Land häufig von Dürren heimgesucht.

Daten zur Landes- und Wirtschaftsstruktur von Botsuana

Daten zur Landesstruktur
Fläche:581 730 km²
Weltrangplatz:45
Bevölkerung:2 Mio. Einw.
Bevölkerungsdichte:3,4 Einw./km²
Anteil unter der Armutsgrenze:50 %
Lebenserwartung:38 Jahre (2003)
Säuglingssterblichkeit:8,2 % (2003)
Kindersterblichkeit:11,2 % (2003)
Bevölkerungswachstum:0,9 %/Jahr
Analphabetenrate:männlich 24 %, weiblich 18 % (2002)
Städtische Bevölkerung:50,3 % (2003)
Daten zur Wirtschaftsstruktur
Bruttosozialprodukt
gesamt:6,3 Mrd. US-$ (2003)
pro Einwohner:3 530 US-$ (2003)
Bruttoinlandsprodukt
gesamt:7,530 Mrd. US-$ (2003)
durchschnittlicher realer
Zuwachs 2003 bis 2004:
5,4 %
Anteil der Bereiche am BIP:Landwirtschaft 2 %, Industrie
45 %, Dienstleistungen 52 % (2003)
Erwerbstätigkeit:Landwirtschaft 44 % (1997)
Arbeitslosigkeit:durchschnittlich 24 % (2005)
Auslandsverschuldung:395 Mio. US-$ (2003)
Import
Gesamtwert:10,557 Mrd. US-$ (2001)
Importgüter:Fahrzeuge u. Transportausrüstungen 12 %, Maschinen u. elektr. Ausrüstungen 20 %, Nahrungsmittel, Getränke u. Tabak 14 %
Importländer:SACU (v. a. Südafrika) 78 %,
Rep. Korea 10 %, Simbabwe 5 %
Export
Gesamtwert:14,307 Mrd. US-$ (2001)
Exportgüter:Diamanten 84 %, Fahrzeuge 9 %, Kupfer- und Nickel-Konzentrate 4 %
ExportländerGroßbritannien 86 %, EU 6 %,
SACU 6 %
Tourismus
Einnahmen178 Mio. US-$ (1996)
Auslandsgäste1,1 Mio. (1996)

Botsuana zählte bis in die siebziger Jahre zu den ärmsten Ländern Afrikas. Heute gilt es als das „afrikanische Musterland“ schlechthin, wobei die günstigen wirtschaftlichen Bedingungen aus den zwei dominierenden Wirtschaftszweigen Bergbau und Rinderzucht resultieren.

Bergbau

Im Jahre 1967 wurden die ersten gewaltigen Diamantenvorkommen entdeckt. Inzwischen hat sich Botsuana mit einem Produktionswert von etwa 1,8 Mrd. US-$ als der weltweit größte Diamantenförderer etabliert. Gut 70 % beträgt der Anteil der Diamantenausfuhr am Export und stellt somit die wichtigste Devisenquelle des Landes dar. Andererseits führt diese einseitige Ausrichtung der Wirtschaft zu einer völligen Abhängigkeit von den Preisen auf dem Weltmarkt.
Die riesigen Einnahmen aus dem Diamantengeschäft trugen dazu bei, dass das Bruttosozialprodukt je Einwohner auf über 3000 US-$ pro Jahr gestiegen ist. Einen so hohen Wert kann kaum ein anderes Land auf dem afrikanischen Kontinent aufweisen.
Das Land verfügt außerdem über große Vorkommen an Kohle, Nickel, Kupfer, Gold und Mangan. Steinkohle wird hauptsächlich für die inländische Energieerzeugung benötigt.

Der Bergbau gilt als das Standbein der wirtschaftlichen Entwicklung und stellt die Haupterwerbsquelle Botsuanas dar. Bemerkenswert dabei ist, dass nur drei Prozent der Arbeitskräfte beim Abbau der Bodenschätze beschäftigt sind und den Reichtum des Landes schaffen.

Landwirtschaft

Dagegen betätigen sich mehr als 40 % der erwerbstätigen Bevölkerung im landwirtschaftlichen Bereich, und zwar hauptsächlich in der traditionellen Weide- und Viehwirtschaft.
Die extensiv betriebene Rinderzucht stellt sich mit einem Anteil von über 80 % an der gesamten landwirtschaftlichen Produktion problematisch dar. Sie ist die Hauptursache für die Überweidung der z. T. ohnehin dürftigen Landwirtschaftsflächen und damit für die weitere Ausbreitung der Wüsten.
Neben der Fleischproduktion bieten die schwierigen Boden- und Klimaverhältnisse nur geringe Möglichkeiten für den Anbau von Hülsenfrüchten, Mais und Getreide. Die Ernteerträge reichen nicht für die Versorgung der Bevölkerung aus, sodass das Land auf umfangreiche Nahrungsmittelimporte angewiesen ist.

Industrie gibt es in Botsuana mit Ausnahme weniger Maismühlen, Brauereien und Schlachthöfe zur Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten kaum. Für den Inlandbedarf werden noch Textilien und Schuhe hergestellt.

Die positive Handelsbilanz weist aufgrund der Diamantenausfuhr einen erheblichen Exportüberschuss aus. Das wird unter den gegenwärtigen außenwirtschaftlichen Gegebenheiten von den meisten afrikanischen Entwicklungsländern nicht annähernd erreicht. Auffallend bei den wirtschaftlichen Beziehungen ist die große Abhängigkeit Botsuanas von Südafrika. Beide Länder sind durch eine Zollunion miteinander verbunden und insbesondere beim technischen Know-how im Bereich des Bergbaus eng vernetzt.

Tertiärer Sektor

Typisch für ein Land in dem hier beschriebenen Entwicklungsstadium ist der hohe Stellenwert des tertiären Sektors mit einem Anteil am BIP von etwa 50 %. Neben den Teilbereichen Handel, Banken und Verwaltung erlangt der Tourismus zunehmende Bedeutung. Da die Regierung die artenreiche Tierwelt des Landes in Nationalparks und Wildreservaten wirkungsvoll geschützt und teilweise vor dem Ausrotten bewahrt hat, besuchen vor allem Safari-Touristen das Land. Jährlich sind das inzwischen mehr als eine Million Auslandsgäste, die für Deviseneinnahmen in Höhe von fast 180 Mio. US-$ sorgen.

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