KARL IV.

KARL IV. (Taufname WENZEL) war:

  • 1346–78 Römischer König,
  • seit 1347 König von Böhmen,
  • seit 1355 Kaiser,
  • seit 1365 König von Burgund,

KARL war Sohn König JOHANNs VON BÖHMEN aus dem Haus der Luxemburger. Er wurde 1346, gestützt von Papst KLEMENS VI., zum Gegenkönig zu LUDWIG IV., DEM BAYERN, gewählt (seit 1347 allgemein anerkannt). Burgund verlieh er 1377 dem französischen Thronfolger. Durch die Goldene Bulle von 1356 garantierte er die Kurfürstenrechte und regelte die Königswahl (gültig bis 1806). Er erweiterte seine Hausmacht (Schlesien, die Lausitz, Brandenburg) und machte Böhmen, v.a. Prag (1348 erste deutsche Universität), zum geistigen Mittelpunkt des Reichs, der bedeutende Künstler und Humanisten (P.PARLER, PETRARCA, C.DI RIENZO) anzog.

Kindheit und Jugend

Kindheit und Jugend:KARL war der älteste Sohn König JOHANNs VON BÖHMEN aus dem Hause Luxemburg und Enkel des Königs WENZEL II. von Böhmen. Ein Großonkel war Erzbischof BALDUIN von Trier. Er wurde im Jahre 1316 in Prag geboren, am Hof des französischen Königs KARL IV. erzogen. Sein Erzieher war PIERRE ROGER (später Papst KLEMENS VI.). König KARL IV. von Frankreich war der Patenonkel des jungen Prinzen. Aus Respekt und Verehrung für den Onkel nahm er dessen Namen an. KARL wurde vom Vater bereits seit dem 15. Lebensjahr mit zahlreichen politischen Aufgaben betraut. Er war

  • 1331-1333 Statthalter seines Vaters in Oberitalien,
  • 1334-1346 Markgraf von Mähren,
  • seit dem 2.9. 1347 als Nachfolger des verstorbenen Vaters böhmischer König.

Als er im Jahre 1346, mit 30 Jahren, von fünf Kurfürsten in Rhense zum Gegenkönig gegen Kaiser LUDWIG IV., DEM BAYERN, gewählt wurde, konnte er zwar mit der Unterstützung seines ehemaligen Erziehers, des Papstes KLEMENS VI., und der Mehrheit der Kurfürsten rechnen; dennoch war der Thronstreit damit noch keineswegs zugunsten KARLs entschieden, da Kaiser LUDWIG nach wie vor über zahlreiche Anhänger im Reich verfügte und das mit KARL verbündete französische Königtum in der Schlacht bei Crécy eine verheerende Niederlage einstecken musste, wobei es KARL selbst nur mit Mühe gelang, sich dem Zugriff seiner Feinde zu entziehen.

Tod LUDWIGs

Die Entscheidung fiel mit dem Tod LUDWIGs (1347); obwohl die Söhne des Kaisers den Widerstand fortsetzten und den thüringischen Grafen GÜNTHER VON SCHWARZBURG als Gegenkönig gewinnen konnten, fiel es KARL nicht schwer, seine Gegner auszuspielen Er unterstützte dabei auch einen Hochstapler, der sich für den seit 1319 totgesagten askanischen Markgrafen WALDEMAR ausgab, gegen den ältesten Sohn des Kaisers, Markgraf LUDWIG VON BRANDENBURG, bis die Wittelsbacher 1349 einlenkten und gegen die Bestätigung ihres Besitzstandes, einschließlich Tirols, KARL als König anerkannten. Die Wahl fand am 17.6. 1349 in Frankfurt statt, eine erneute Krönung in Aachen am 25.7. 1349.

KARL IV. und „Die Goldene Bulle“

Nachdem KARL im Jahre 1355 aus der Hand des päpstlichen Kardinallegaten in Rom die Kaiserkrone empfangen hatte, ließ er ein Jahr später auf den Hoftagen von Nürnberg und Metz ein umfassendes Reichsgesetz, die Goldene Bulle (benannt nach dem in der kaiserlichen Kanzlei verwendeten goldenen Siegel), verkünden, das die Königswahl und die Rechtsstellung der Kurfürsten regelte, wobei die Festlegung auf das Mehrheitsprinzip künftige Doppelwahlen verhindern sollte. Die Ansprüche des Papsttums auf Zustimmung zur Königswahl (Approbation) und die Ausübung der kaiserlichen Rechte während der Thronvakanz (Reichsvikariat), gegen die sich die Kurfürsten bereits 1338 im Weistum von Rhens gewandt hatten, wurden mit Stillschweigen übergangen und damit faktisch zurückgewiesen, obwohl KARL vor seiner Wahl der Kurie anderslautende Zusicherungen gegeben hatte. Die Goldene Bulle führte zur Konsolidierung der Territorialstaaten, also zur Stärkung der Partikulargewalten gegenüber der Zentralgewalt.
Nachdem KARL im Jahre 1376 die Wahl seines Sohnes WENZEL zum römisch-deutschen König durchgesetzt hatte, schien die Zukunft des Hauses Luxemburg gesichert, als der Kaiser im Jahre 1378 starb. Doch so wenig KARL in seinen letzten Lebensmonaten in der Lage war, das Abendländische Schisma zu verhindern, so wenig vermochte er durch sein Vorbild auf die Politik seiner Söhne und Neffen einzuwirken, die die von ihm beschworene Eintracht des Hauses Luxemburg durch ihren Interessenegoismus schnell zunichtemachten.

Hausmachtpolitik

KARL war der erfolgreichste Hausmachtpolitiker des deutschen Spätmittelalters. Er ordnete die Reichsgewalt ganz den dynastischen Interessen des Hauses unter. Ihm gelang es, seine luxemburgische Hausmacht durch den Erwerb

  • Schlesiens,
  • der Lausitz,
  • der Mark Brandenburg auszubauen.
  • 1354 wurde Luxemburg zum Herzogtum erhoben. KARL setzte seinen Stiefbruder WENZEL als Herzog ein.
  • 1376 wurde sein Sohn WENZEL römisch-deutscher König.

KARL IV. wählte Prag zur Hauptstadt und ständigen residenz und gründete 1348 die Universität Prag, die seinen Namen trägt.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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