PETER I., der Große

Zar PETER I., DER GROSSE, (russisch: PJOTR I. ALEKSEJEWITSCH) wurde am 9.6. 1672 in Moskau als Sohn des Zaren ALEKSEJ MICHAJLOWITSCH geboren. Sein Halbbruder FJODOR III. trat zunächst die Thronfolge an, als dieser jedoch starb, wurde PETER zum Zaren ausgerufen, jedoch erzwangen die aufrührerischen Strelitzen die Mitregierung seines schwachsinnigen Halbbruders IWAN V. (1666–1696) und ermöglichten es seiner Halbschwester SOPHIA (SOFJA), die Regentschaft an sich zu reißen und bis zur Volljährigkeit PETERs (1689) zu behaupten.
PETER war in erster Ehe (1689–98) mit JEWDOKIJA FJODOROWNA (EUDOXIA) LOPUCHINA (1670–1731), in zweiter Ehe (seit 1712) mit MARTHA SKAWRONSKAJA, der späteren Kaiserin KATHARINA I., verheiratet. Der junge PETER machte Exerzierübungen mit Gleichaltrigen („Spielregimenter“) und befasste sich mit Schiffbau. In der Moskauer Ausländervorstadt erhielt er wichtige Anregungen und fand mit LEFORT und GORDON sachkundige Berater.

PETER DER GROSSE (1672–1725)

PETERs Außenpolitik

Mit einer neuen Kriegsflotte gelang ihm 1696 die Einnahme der türkischen Festung Asow. 1697 schloss sich PETER inkognito der „Großen Gesandtschaft“ an, zu deren Leiter er LEFORT bestimmt hatte: Er hielt sich u.a. auf den Werften in den Niederlanden und in England auf. So arbeitete er monatelang in Amsterdam als einfacher Zimmermann, traf mit zahlreichen Gelehrten zusammen und bemühte sich an mehreren europäischen Höfen, v.a. bei Kaiser LEOPOLD I., vergeblich um Beistand für den Kampf gegen die Türken. Auf der durch den Aufstand der Strelitzen in Moskau erzwungenen vorzeitigen Rückreise vereinbarte er mit AUGUST II., DEM STARKEN, im August 1698 einen Angriffskrieg gegen Schweden. Der Große Nordische Krieg (1700–21) sicherte Russland trotz anfänglicher Rückschläge (vernichtende Niederlage bei Narwa am 30.11. 1700) nach dem entscheidenden Sieg über KARL XII. von Schweden in der Schlacht von Poltawa am 8.7.1709 den Zugang zur Ostsee. Er eroberte

  • Livland,
  • Estland,
  • Ingermanland,
  • Teile Kareliens.

Nach dem Frieden von Nystad am 10.9. 1721 war Russland die überragende Macht an der Ostsee. Im Krieg gegen das Osmanische Reich hatte der missglückte Pruthfeldzug von 1710/11 zwar die Rückgabe Asows erzwungen, doch brachte der Feldzug gegen Persien (1722/23) Gebietserwerbungen an der West- und Südküste des Kaspischen Meeres.

PETERS Innenpolitik

Im Innern leitete PETER nach der blutigen Abrechnung mit den Strelitzen (Massenhinrichtungen 1698/99) umfassende Reformmaßnahmen ein, die den Bruch mit der Vergangenheit und den altertümlichen moskowitischen Lebensformen bedeuteten.

  • Er führte bei Hof die westeuropäische Etikette und Kleiderordnung ein,
  • stellte die Zeitrechnung zum 1.1.1700 auf den julianischen Kalender um,
  • gründete 1703 mit Sankt Petersburg die künftige Hauptstadt und
  • reorganisierte den gesamten Staatsapparat nach rationalen Gesichtspunkten
    - Städtereform 1699,
    - Gouvernements-Ordnung 1708–19,
    - Kirchenreform und „Geistliches Reglement“, 1721.

Hinzu kam die Bildung neuer Regierungsbehörden

  • Regierender Senat, 1711;
  • Kollegienverwaltung, 1717;
  • Fiskale, Heiligster Regierender Synod, 1721;
  • Generalprokurat, 1722.

PETER veranlasste eine Schriftreform (1710), förderte u.a. die Einrichtung von Fachschulen und der Akademie der Wissenschaften (Gründungserlass 1724) und schuf sich mit der Rangtabelle von 1722 einen Dienstadel, der im Geiste der europäischen Frühaufklärung nur nach dem Leistungsprinzip rekrutiert werden sollte. 1721 nahm PETER den Kaisertitel an.

PETER und Deutschland

Über Eheschließungen der Nichten und zweier seiner Kinder verband er die außenpolitischen Interessen Russlands mit deutschen Fürstenhäusern (Kurland, Mecklenburg, Braunschweig-Wolfenbüttel, Holstein-Gottorp). PETER geriet in einen tiefen Gegensatz zu seinem Sohn aus erster Ehe, den Zarewitsch ALEKSEJ PETROWITSCH, den er nach dessen Flucht nach Russland zurückholen ließ, enterbte und dem er wegen Hochverrats den Prozess machte (ALEKSEJ starb kurz nach Verkündung des Todesurteils 1718 an den Folgen von Folterungen). Unter dem Eindruck der Auseinandersetzung mit ALEKSEJ erließ PETER zwar 1722 eine neue Thronfolgeordnung, die verfügte, dass der russische Herrscher unter Umgehung des Geblütsrechts seinen Nachfolger selbst wählen könne, versäumte es aber, sein Lebenswerk durch eine rechtzeitige Bestimmung des Thronfolgers zu sichern.
PETER DER GROSSE starb am 8.2. 1725 in Sankt Petersburg.

Nachwirkung

In Musik und Literatur wurden zahlreiche Episoden aus dem Leben des Zaren verarbeitet. Vom Aufenthalt in Holland handeln u.a. die Opern

  • „Zar und Zimmermann“ (1837) von A. LORTZING und
  • „Der Nordstern“ (1854) von E. SCRIBE/G.MEYERBEER.

Gesamtdarstellungen seines Lebens geben u.a. die Romane von

  • D.S. MERESCHKOWSKIJ (1905),
  • KLABUND (1923) und
  • A.N. TOLSTOI (1929–45; unvollendet).
Das Denkmal PETERS DES GROSSEN wurde von KATHARINA DER GROSSEN gestiftet.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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