Sieben Jahre Krieg um eine Provinz – die europäischen Großmächte und Friedrich II.

Zeittafel

1756Der Krieg zwischen England und Frankreich wird weltweit in Amerika, Indien und zur See geführt, weitet sich durch einen „Umsturz der Bündnisse“ auf Europa aus: König FRIEDRICH II. von Preußen schließt mit England die Westmintisterkonvention zum Schutz Hannovers, zieht sich dadurch die Feindschaft Frankreichs zu, das auf Drängen der MARQUISE VON POMPADOUR im Vertrag von Versailles ein Defensivbündnis mit Österreich eingeht. Schweden (dessen König ADOLF FRIEDRICH ein Schwager FRIEDRICHS DES GROSSEN ist) und die meisten Staaten des Reiches stellen sich auf Frankreichs Seite.
FRIEDRICH II., der sich von seinen übermächtigen Gegnern eingekreist fühlt, kommt deren Angriff durch seinen Überraschungsangriff auf Sachsen zuvor, löst damit den Siebenjährigen Krieg aus. Die preußischen
Truppen ziehen in Dresden ein, besiegen die Österreicher bei Lobowitz, erobern Pirna. Französische Truppen besetzen Hannover.
Das seit 1746 mit Österreich verbündete Russland tritt unter Zarin ELISABETH dem Versailler Vertrag gegen Preußen bei.
FRIEDRICH II. war von 1740 bis 1786 König von Preußen
1757Preußischer Sieg bei Prag über Österreich unter Prinz KARL VON LOTHRINGEN
Niederlage bei Kolin gegen Österreich, Niederlage gegen Russland bei Großjägersdorf; Triumph über Reichsarmee und Franzosen bei Roßbach (Leipzig)
Sieg bei Leuthen und 20 000 Gefangene gegen Österreich;
Schweden greift von Schwedisch-Pommern aus in den Krieg ein
1758Durch Herzog FERDINAND VON BRAUNSCHWEIG werden bei Krefeld die Franzosen besiegt und aus Hannover, Minden und Westfalen verjagt. Dank des verdienstvollen Kavalleriegenerals FRIEDRICHS II., FRIEDRICH WILHELM VON SEYDLITZ, werden die Russen bei Zorndorf besiegt. Von Österreichern unter Graf VON DAUN werden die Preußen besiegt (bei Hochkirch in Schlesien). Die Russen besetzen Ostpreußen, das der Zarin ELISABETH huldigt. FRIEDRICH II. gerät mehr und mehr in die Defensive.
1759Nach einem Sieg über die Preußen bei Züllichau marschieren die Russen auf Berlin. Österreichische Truppen unter dem livländischen General Freiherr VON LAUDON und Russen unter Graf SALTYKOW sorgen für die schwerste Niederlage FRIEDRICHS II. bei Kunersdorf.
1760Österreicher schlagen die Preußen bei Landshut, Russen besetzen Berlin; FRIEDRICH II.. erringt mit letzten Kräften preußische Siege bei Liegnitz und Torgau.
1762

Zar PETER III., ein Bewunderer FRIEDRICHs DES GROSSEN, bringt nach dem Tod der Zarin ELISABETH Preußen die Rettung, indem er Frieden schließt und Ostpreußen zurück gibt (Mirakel des Hauses Brandenburg). Am 5. Mai 1762 schließen Preußen und Russland den Frieden von St. Petersburg
Preußische Truppen schlagen die Österreicher und Kaiserlichen bei Freiberg in Sachsen.

1763

Austritt Russlands aus der Koalition beendet Siebenjährigen Krieg - Frieden von Hubertusburg zwischen Preußen, Österreich und Sachsen.

Gebietszuwächse Preußens zwischen 1415 und 1795

Erster Schlesischer Krieg

Nach dem Tod des deutschen Kaisers in Wien erbte MARIA THERESIA die habsburgischen Länder. Während andere Staaten mit der Anerkennung der neuen Herrscherin noch zögerten, handelte FRIEDRICH, kühl seinen Vorteil ausnutzend, und marschierte noch im Dezember 1740 in Schlesien ein, um es für Preußen zu erobern (erster schlesischer Krieg). Sachsen und Bayern, selbst die Franzosen erklärten nun ebenfalls Österreich den Krieg. Aber die Königin gewann die Hilfe der Ungarn und konnte die Bayern und Franzosen aus Böhmen vertreiben. Mit dem Preußenkönig aber musste sie verhandeln und ihm Schlesien abtreten. Weil FRIEDRICH II.. wusste, dass MARIA THERESIA bei der ersten Gelegenheit die Provinz zurückerobern würde, führte er noch zweimal Krieg gegen sie, um Schlesien zu behaupten.
Als Folge des Kolonialkriegs zwischen Frankreich und England in Nordamerika hatten sich Preußen mit England und Frankreich in einer großen Koalition mit Österreich, Russland, Sachsen und Schweden verbündet. Während es Österreich es um die Rückeroberung Schlesiens ging, wollte die Koalition den preußischen Machtzuwachs stoppen.

FRIEDRICH II. als Feldherr

FRIEDRICH II. über die Außenpolitik Preußens

FRIEDRICH II. von Preußen schätzte bereits 1752 die Situation in Europa hinsichtlich der Kräftekonstellationen und Zielsetzungen der Mächte ein. Über die Außenpolitik Preußens schrieb er in seinem Politischen Testament, Preußen sei der

„geographischen Lage zufolge Nachbar(n) der bedeutendsten Fürsten Europas; alle diese Nachbarn sind ebenso eifersüchtig wie heimliche Feinde unserer Macht.
Das Haus Österreich ist unbestritten die ehrgeizigste dieser Mächte. Der Hochmut der Kaiser vererbt sich in diesem Geschlecht vom Vater auf den Sohn. Das Gelüst, Deutschland zu unterwerfen, die Grenzen der eigenen Herrschaft zu erweitern und seine Familie überall festzusetzen, ist Grundlage aller seiner Pläne. Von allen Mächten Europas ist es diejenige, die wir am stärksten gekränkt haben...
Der König von England hat Europa nur von seinem Kurfürstentum Hannover her im Auge. Allem, was ihm für dieses Kurfürstentum günstig erscheint, ist er zugeneigt, alles, was ihm dort als nachteilig erscheint, bringt ihn auf. Der Haß, den er gegenüber Preußen hegt, hat seinen Ursprung in alten Zwistigkeiten zwischen dem hannoverischen Ministerium und dem in Berlin und zum Teil in der Mißgunst, mit dem er das Anwachsen der Macht seines Nachbars beobachtet.
Russland darf keinesfalls zu unseren echten Feinden gezählt werden. Mit Preußen hat es nichts zu begleichen, es ist nur von ungefähr ein Feind. Die Politik dieses Hofes zielt darauf ab, den Einfluß, den er auf Polen hat, zu erhalten, in leidlich gutem Einvernehmen mit dem Haus Österreich zu leben... und, soviel er nur kann, Einfluß auf die Vorgänge im Norden zu behalten.
Nehmen wir zu diesen Großmächten Sachsen dazu! Dieses Schiff ohne Kompaß ist ein Spielball des windes und der wellen. Ein bestochener Minister veranlasst seinen Landesherrn, den Vertrag von Petersburg zu unterzeichnen, durch den er sein Haus um den polnischen Thron bringt. Dieser Minister richtet mit seinem Aufwand und den Steuern... den Staat zugrunde zwingt dieser Narr (seinen König) in ein Bündnis hinein, das die königliche Familie allen Zufällen des Krieges aussetzt, ohne ihr die geringste Hoffnung zu lassen, von seinen Vorteilen einen Nutzen zu haben.

Die Holländer haben nicht genug Einsicht, um zu erkennen, wen sie lieben oder wen sie hassen sollen. Schwach und ohne Kredit müsste sich ihre Regierung friedfertig verhalten, um sich zu festigen und ihre Schulden zu bezahlen; da sie aber alles zur unpassendensten Zeit tut, ist zu vermuten, dass sie wie immer weitermacht..

Sie haßt Frankreich, das ihr Beschützer sein könnte, und ergibt sich auf Gnade oder Ungnade England, das den Handel dieser armen Republik zunichte macht.
Alle diese Mächte sind mit ihren Interessen mehr oder weniger gegen die unseren eingenommen... Sachsen verhält sich (...), als ob es von seinen grausamsten Feinden regiert würde, und die Regierung in Holland ist nicht mehr als eine Mischung aus Dummheit und Schwäche.
Die Lebhaftigkeit der Franzosen bedingt, dass sie nur spontan handeln. Wenn sie etwas wollen, streben sie es mit Lebhaftigkeit an; aber schnell dämpfen sie auch wieder ihr Verlangen und wechseln von einer Meinung zur entgegengesetzten über...
Schweden treibt keine andere Politik, als sich Russland gegenüber so zu behaupten, wie es ist.. Schweden ist ein lästiger Verbündeter, der möglicherweise nach Hilfe verlangt, selbst aber keine leisten kann. Diese ebenso arme wie eitle Nation ist durch innere Zwietracht zerrissen...
Dänemark hat wie jedes andere Land seinen Ehrgeiz es wendet seine ganze Kraft an die Flotte, die in bestem Zustand gehalten wird, und vernachlässigt seine Landstreitmacht. Bei seiner Politik dreht es sich um die Erwerbung Holsteins. Von diesem Punkt aus kann man sich alle seine Schritte erklären.“
(Über die Außenpolitik. Politisches Testament von 1752. in: FRIEDRICH II. von Preußen: Schriften und Briefe, S. 187 ff.)

Die im Politischen Testament von FRIEDRICH II. skizzierten „chimärischen Träume“ (chimärisch/ chimära=in der griech. Mythologie) Ungeheuer aus Löwe =Kopf, Ziege =Leib und Beine, und Schlange =Schwanz) konnten durch Krieg einer Verwirklichung näher gebracht werden.
Der Monarch leugnete später jede Eroberungsabsicht. Als er die „Geschichte des Siebenjährigen Krieges“ schrieb, tat er dies mit dem ausdrücklichen Ziel, der Nachwelt zu beweisen, dass die Vermeidung des Krieges nicht von ihm abhing. Der Vorwurf der Aggression ließ ihn nicht mehr kalt. Erst recht verwahrte er sich gegen Eroberungsabsichten. Den Schwarzen Peter schob er den Habsburgern zu. Sie hätten ihm - was ja stimmte- Schlesien wieder entreißen wollen, während er die neue Provinz nur verteidigte. Die „Geschichte des Siebenjährigen Krieges“ war allein für die Öffentlichkeit bestimmt. Darin war über seine „chimärischen Träume“ nichts zu lesen. Er hielt sie geheim und unterrichtete erst seine Nachfolger darüber.

Kriegsvorbereitungen

Die hauptsächlichen Kriegsvorbereitungen galten zunächst und in erster Linie dem Militär. Unmittelbar nach dem zweiten Schlesischen Krieg begann FRIEDRICH die „Generalprinzipien des Krieges“ auszuarbeiten. Als streng geheime Sache übergab er die in Französisch abgefasste Schrift nach Übersetzung seinen Generalen. Darin waren entlarvende Aussagen über den Charakter der preußischen Armee mit weiterführenden Gedanken über die Kriegskunst der damaligen Zeit vermischt. Das ganze System beruhte auf der „Schnelligkeit der Bewegung und auf der Notwendigkeit des Angriffs.“
Die militärischen und finanziellen Kriegsvorbereitungen wurden durch diplomatische Aktivitäten ergänzt. Unter aufmerksamer Beobachtung des Kräfteverhältnisses in Europa ging es um Vorkehrungen, um bei der erwarteten Auseinandersetzung nicht allein, ohne Bundesgenossen dazustehen. Während Österreich sich dem ehemaligen „Erbfeind“ Frankreich anzunähern begann und Brandenburgs/Preußens Vertrag mit Frankreich im Jahre 1756 auslief, befürchtete FRIEDRICH, eine Erneuerung des Bündnisses würde abgelehnt werden. FRIEDRICHs Sondierungen in England zielten darauf ab, auch Russland auf seine Seite ziehen zu können.

Die Konvention von Westminster

Seit 1754 schwelte der überseeische Konflikt zwischen England und Frankreich um die kolonialen Besitzungen. Der englische König fürchtete daher um sein Stammland Hannover und suchte nach Bündnispartnern auf dem Kontinent. Im Preußen FRIEDRICHS DES GROSSEN fand er ihn, denn dieses Land sah sich nach der Annexion Schlesiens immer neuen Versuchen Österreichs ausgesetzt, eine kriegerische Koalition gegen das aufstrebende norddeutsche Königreich zusammenzubringen. Am 16. Januar 1756 einigten sich Preußen und Briten auf folgende Konvention von Westminister:

„Je mehr die Differenzen, die sich in Amerika zwischen dem König von Großbritannien und dem Allerchristlichsten König erhoben haben und deren Folgen immer kritischer werden, für die allgemeine Ruhe Europas Anlaß zu Befürchtungen geben, haben Seine Majestät der König von Großbritannien, Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg, und Seine Majestät der König von Preußen, Kurfürst von Brandenburg, voller Aufmerksamkeit für eine so wichtige Angelegenheit und beide beseelt von dem Wunsche, den allgemeinen Frieden Europas und besonders Deutschlands zu erhalten, sich entschlossen, über die Maßnahmen, die am wirksamsten zu einem so wünschenswerten Ziel beitragen könnten, eine Vereinbarung zu treffen. Zu diesem Zweck ... sind sie über folgenden Artikel übereingekommen: Zwischen den genannten erhabenen Königen sollen aufrichtiger Friede und gegenseitige Freundschaft bestehen, ungeachtet der Wirren, die sich in Europa infolge der oben erwähnten Differenzen erheben könnten. Demzufolge wird keine der vertragschließenden Parteien das Gebiet der anderen direkt oder indirekt angreifen oder verletzen; vielmehr werden sie, jede von ihrer Seite, alle Anstrengungen machen, um ihre beiderseitigen Verbündeten daran zu hindern, irgend etwas gegen das genannte Gebiet auf irgendeine Art zu unternehmen.“

Die unterzeichnenden Seiten gaben sich gegenseitige Garantien für die territoriale Integrität und für die Neutralität Hannovers. Der Abschluss der Konvention beschleunigte die Bündnisverhandlungen Österreichs mit Frankreich: Im Neutralitäts- und Vertreidigungsvertrag aus dem Mai 1756 versprach Österreich sein neutrales Verhalten im Falle eines Krieges zwischen England und Frankreich. Im Gegenzug hob Frankreich durch einen Geheimartikel seine Garantien für Preußisch-Schlesien auf. Unterdessen erreichte die österreichische Diplomatie Erfolge am russischen Zarinhofe. Der entstandenen Drei-Mächte-Koalition schlossen sich bald Sachsen und Schweden an.

Beginn des Siebenjährigen Krieges

Mit seinem kühnen Handstreich gegen Schlesien hatte Preußens König FRIEDRICH II. gleich nach Regierungsantritt 1740 die europäische Machtbalance erheblich verändert. Nachdem er in zwei Kriegen seine Beute hatte halten können und mit seinem vorzüglich ausgebildeten Heer in den Rang einer Großmacht aufgerückt war, sah er einen Entscheidungskampf mit der deutschen Führungsmacht, Österreich, voraus. Im Sommer 1756 war es dann soweit: Sichere Nachrichten kündigten ein bevorstehendes Bündnis zwischen Wien, Petersburg und Paris an. Gegen wen sich das richten sollte, konnte niemandem zweifelhaft sein. FRIEDRICH ließ Österreichs Herrscherin MARIA THERESIA eine Note überbringen, in der er klar auf das Offensivbündnis hinwies und Garantien forderte, dass es nicht gegen Berlin gerichtet sei. MARIA THERESIA stritt rundweg ab, dass eine solche Allianz bestehe.FRIEDRICHs Forderung nach einer Nichtangriffserklärung für jenes und das darauffolgende Jahr, überging sie mit Stillschweigen. FRIEDRICH entschloss sich daher zu einem preußischen Präventivschlag gegen das ebenfalls mit Österreich verbündete Sachsen.
Am 28. August 1756 setzte sich sein Heer in Marsch und entfesselte damit einen Krieg, der über sieben Jahre währen sollte und die halbe Welt in Flammen setzte. Preußen geriet an den Rand der Niederlage, doch letztlich konnte sich FRIEDRICH behaupten, der fortan „der Große“ hieß.

Sieg bei Leuthen

Jene Schlacht bei Leuthen konnte den Siebenjährigen Krieg nicht entscheiden, doch wurde sie zum Musterbeispiel der Kriegskunst FRIEDRICHS DES GROSSEN: seine kleine Armee besiegte im Dezember 1757 die dreimal größere österreichische vollständig. diese Schlacht zeigt, wie FRIEDRICH sieben Jahre lang einer erdrückenden Übermacht im Kampf um Schlesien standhalten konnte. Die entscheidende Phase liest sich in der Darstellung des Generalstabs so:

„... Die Schlacht stand; der kurze Tag neigte sich zum Ende, ohne daß eine Entscheidung abzusehen war. Da sollte die Kavallerie den Sieg vollenden, wie sie die Schlacht ruhmvoll eingeleitet hatte.“

15 Schwadronen Kürassiere und die Bayreuth-Dragoner stürmten in mehreren Reihen heran, 15 Eskadronen von Kürassiere brachen als Geschwader über die Österreicher her. Zwar wollte ein Teil der österreichischen Regimenter wieder zur Front einschwenken, um dem Anprall zu widerstehen, doch die entgegengesetzten Bewegungen erzeugten nur Verwirrung in den eigenen Reihen. 30 preußische Schwadronen der Reserve griffen nach einem Handgemenge ein, bis die österreichischen Geschwader den Widerstand aufgaben und in die eigene Infanterie hinein jagten, wo sie neue Verwirrung und Schrecken in deren Reihen trugen.

Schlacht bei Zorndorf

1757 hatten russische Truppen Ostpreußen besetzt. Sie drangen rasch weiter nach Westen vor und belagerten Küstrin, allerdings vergeblich. Preußens König FRIEDRICH DER GROSSE marschierte in höchster Eile mit einem Heer zum Entsatz herbei. Der russische Oberkommandierende General FERMOR zog sich darauf von Küstrin zurück und erwartete die Preußen in günstiger Stellung. FRIEDRICH aber ließ sie umgehen und zwang FERMOR zum Frontwechsel, der dadurch eine Flanke entblößen musste. Dennoch wären die unterlegenen Preußen in der am 25. August 1758 ausgefochtenen Schlacht bei Zorndorf geschlagen worden, wenn nicht General VON SEYDLITZ in klugem Abwarten, später als vom König gewünscht, die Kavallerie ins unentschiedene Treffen geschickt hätte. SEYDLITZ zu seiner Befehlsverweigerung:

„Nach der Schlacht gehört mein Kopf Ew. Majestät. In der Schlacht hoffe ich, ihn noch für Ew. Majestät verwenden zu können.“

Er durfte ihn auch nach der Schlacht behalten, die bei furchtbaren Verlusten doch noch ein Sieg FRIEDRICHS wurde. Er verlor 12000 seiner 36800 Mann, die Russen aber 18000 sowie 3000 Gefangene ihrer 44300 Mann. Der König schrieb über die Schlacht in seiner „Geschichte des Siebenjährigen Krieges“:

„Am folgenden Morgen, am 25. August, rückte die Armee in vier Kolonnen beim Dorfe Batzlow in die Ebene vor. Zwischen Batzlow und Klein-Cammin hatte der Feind den Hauptteil seiner Bagage unter schwacher Bedeckung zurückgelassen. Hätte die Zeit nicht gedrängt, so hätte man sie mit leichter Mühe wegnehmen und den Feind durch einige Märsche zum Verlassen des Landes zwingen können. Indes mußte eine Entscheidung herbeigeführt werden. Angesichts der seltsamen Stellung, die der Feind seiner Schlachtordnung gegeben hatte, konnte man sich das Beste vom Angriff versprechen.“

Die Armee hatte beim Marsch auf Zorndorf die Kavallerie des linken Flügels unter Benutzung von Bodenfalten so aufgestellt, dass sie vor der feindlichen Artillerie geschützt und doch stets bereit war, im Notfalle einzugreifen. Der Angriff wurde zurückgeworfen, und die Infanterie zog sich in ziemlich großer Verwirrung zurück. Da aber der Feind gleichfalls in Unordnung geraten war, ließ der König SEYDLITZ unverzüglich zur Attacke vorgehen. Der Angriff erfolgte in drei Kolonnen, die gleichzeitig in das russische Viereck einbrachen. In weniger als einer Viertelstunde war das ganze Schlachtfeld vom Feinde gesäubert. Die Kavallerie konnte wegen der Sümpfe in dem Galgen-Grunde nicht operieren, und so mussten die Preußen sich darauf beschränken, den Feind mit Kanonen zu beschießen.

Schlacht bei Torgau

Am Montag, dem 3. November 1760, um halb sieben Uhr morgens standen 52 000 Mann unter dem österreichischen Feldherr DAUN auf den Höhen von Süptitz 48 500 Preußen gegenüber. ZIETENS Reiterei hatte Befehl, die Höhen von Süden anzugreifen, während FRIEDRICH noch weiter nach Norden marschieren, umwenden und mit dem Hauptheer DAUN von hinten fassen wollte. Gleichzeitig mit ZIETEN, das war der Punkt. Aber während der König marschierte, wurde ZIETEN von einer kleinen österreichischen Abteilung in ein Ablenkungsgefecht verwickelt. Nun war der preußische Plan kein Geheimnis mehr. Nach schneller Umgruppierung und veränderter Hauptstoßerwartung stürmten die preußischen Grenadiere und KLEISTS Husaren auf DAUN los und gerieten in das mörderische Artilleriefeuer von 400 Geschützen, gefolgt von österreichischen Reiterangriffen. Weitere Angriffe der Preußen wurden abgeschlagen. Eine Kartätschenkugel verwundete FRIEDRICH, sein dicker „Pelz“ rettet ihm das Leben. Auch DAUN wird verwundet, er reitet nach Torgau, um sich verbinden zu lassen. Die Höhen überließ der Feldherr einem seiner Generale, in der Sicherheit, die Preußen seien geschlagen und würden sich über Nacht zurückziehen. Um 6 Uhr in der Dämmerung machte ZIETEN seinen Fehler wieder gut und rannte gegen die Süptitzer Höhen an. Die aufziehende Dunkelheit wurde zum Verbündeten der Preußen. Gegen 9 Uhr flohen Österreichs gelichtete Reihen auf Torgau zu, von wo über die Elbe gesetzt und zum Rückmarsch nach Dresden geblasen wurde.

Der Krieg und die preußische Bevölkerung

Eine echte Meinungsbildung war damals schwer. Die Tatsache, dass mit England-Preußen zwei protestantische Mächte einer katholischen Koalition gegenüberstanden, wurde ausgenutzt, um den europäischen Machtkampf in einen Religionskrieg umzustilisieren und Angst vor einer neuen Gegenreformation anzufachen. Die Legende vom neuen Religionskrieg wurde mit preußischen Flugschriften und königlichen Verlautbarungen gefördert. FRIEDRICH II. verfasste ein Manifest gegen Österreich (1756), das mit dem Aufruf endete, „die Sache des Protestantismus und der deutschen Freiheit vor den Unterdrückungsgelüsten des Wiener Hofes zu schirmen“. Die Auseinandersetzung mit Frankreich weckte „nationale Gefühle“. Kreise der bürgerlichen Intelligenz, besonders in Preußen, unterlagen der Illusion, in FRIEDRICH einen Interessenvertreter des Volkes und der werdenden bürgerlichen Nation zu sehen. In entsprechender Literatur wurde Preußen mit der Nation gleichgesetzt. Der Nationalismus trieb seine Blüten, noch bevor die Nation entstanden war.
Eine Flut von Propagandaliedern überschwemmte die deutschen Territoialstaaten. Die auftraggebende Macht kommentierte darin das Kriegsgeschehen. Ein Spottlied auf die Franzosen blieb nach der Schlacht bei Roßbach bis heute bekannt:

Wenn unser Großer Friedrich kömmt
und klatscht nur auf die Hosen,
so läuft die ganze Reichsarmee
noch mehr als die Franzosen.

Der teils von den Herrschenden organisierte, teils als Reflex auf die Kriegszeit entstandene ideologische Druck erschwerte den Volksmassen die Orientierung. Die kriegsbereiten Propagandawerke verstummten erst in den späteren Kriegsjahren, bei zunehmender Not und Verelendung. Zur ausbreitenden Desillusionierung trugen selbst jene Autoren der Anfangsjahre bei.

Kriegsfolgen

Zu den unmittelbaren Kriegsfolgen zählen 400000 Menschenopfer, was ein Zehntel der Gesamtbevölkerung um 1756 bedeutete. Der Bevölkerungsrückgang wirkte sich vor allem in

  • Preußen,
  • Pommern,
  • Brandenburg und
  • Schlesien

aus. Wohnhäuser, Ställe, Scheunen und Höfe lagen in Trümmern, es mangelte an Saatgut, der Viehbestand war stark dezimiert. Anforderungen der eigenen Armee sowie die Kontributions- und Fourageforderungen der feindlichen Truppenteile führten zu einer katastrophalen Lage der ländlichen Bevölkerung.

Denkmal FRIEDRICHS DES GROSSEN in Berlin (Unter den Linden)
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