Englische Gotik

Early English Style

Kennzeichen englischer Frühgotik war ihre ungewöhnliche Farbigkeit.
Der Early English Style war noch stark vom normannischen Stil Nordfrankreichs geprägt. Dabei war er in der Übernahme der überlieferten Formen wesentlich freier als gotische Stile auf dem Kontinent. Englische Kathedralen der Frühgotik sind im Vergleich zu ihren französischen Vorbildern oft niedriger, allerdings meist länger und immer wesentlich reicher ausgestattet. Die Mittelschiffwände waren aus Erdgeschoss-Arkaden, Emporen und Fensterbereich aufgebaut. Beeinflusst wurde der Early English Style durch den französischen Baumeister WILHELM VON SENS, der nach 1175 die niedergebrannte Canterbury Cathedral wieder aufbaute.

Typisch für den Early English Style sind

  • der Spitzbogen,
  • schmale Fenster ohne Mittelstrebe sowie
  • die Rippenwölbung.

Die St. Mary’s Cathedral von Salisbury (Grafschaft Wiltshire) ist die wohl einzige englische Kirche, die ganz und gar in diesem Stil gebaut wurde. Alle anderen Kirchen in England sind Mixe aus verschiedenen gotischen Stilen.

Die St. Mary’s Cathedral von Salisbury (Grafschaft Wiltshire) ist die wohl einzige englische Kirche, die ganz und gar im Early English Style gebaut wurde.

Die Kathedrale wurde aus zwei verschiedenfarbigen Sandsteinen errichtet: aus silbergrauem Kalkstein aus der Region (Chilmark) sowie aus Bundsandstein aus Portland, im Innern finden sich marmorne Details. St. Mary’s Cathedral ist eine dreischiffige Basilika mit zwei Querschiffen nach dem Vorbild von Cluny. Über der größeren Vierung erhebt sich ein Turm, der mit 123 m der größte gotische Kirchturm Englands ist. Er wurde 1315 vollendet. Das Fundament ist wegen des feuchten Baugrundes lediglich zwischen 1,30 und 1,50 m tief, konnte allerdings dank des genialen Entwurfs des Baumeisters sowie statiksichernder Maßnahmen die Jahrhunderte unbeschadet überdauern.

1245, unter HENRY III. (1207–1272), wurde mit dem Bau der heutigen Westminster Abbey als dreischiffiger Basilika mit Querhaus, Chor und Chorumgang begonnen.

Decorated Style

Der Decorated Style ist der Stil der englischen Hochgotik. Er übernahm Maßwerke von der Kontinentalgotik und entwickelte sie weiter zum Perpendicular Style. Die Westminster Abbey in London wurde zwischen 1045 und 1065 unter EDWARD THE CONFESSOR (DER BEKENNER, 1003–1066, König von 1042 bis 1066) als Benediktinerabtei gegründet. 1245, unter HENRY III. (1207–1272), wurde mit dem Bau der heutigen Kirche als dreischiffiger Basilika mit Querhaus, Chor und Chorumgang begonnen. Seit WILLIAM THE CONQUEROR (1028–1087) diente die Abbey als Krönungskirche und Grablege der britischen Monarchen.

Tympanon von Westminster Abbey

Der Decorated Style wird allgermein unterteilt in

  • Geometrical Style (geometrischen Stil) und
  • Curvilinear Decorated Style.

Die Westminster Abbey wurde im Geometrical Style gebaut. Typisch ist das geometrisch angelegte Maßwerk. Der Curvilinear Decorated Style wird benannt, wie der Name verrät, nach dem in Kurven gestalteten Maßwerk. Die Cathedral of Wells ist in diesem Stil gebaut.

Wells Cathedral wurde im Curvilinear Decorated Style erbaut.

Perpendicular Style

Der Perpendicular Style (Senkrechtstil) bzw. Rectilinear Style (geradliniger Stil) ist durch die gitterartigen, senkrechten Maßwerkstäbe an Fenstern und Wänden gekennzeichnet. Im Innern der Kirchen finden sich Fächergewölbe. Spitzbögen werden zu flachen Korb- und Tudorbögen. Erstmals wurde die Benediktinerabtei von Gloucester im Perpendicular Style gebaut. Für die Architektur nach 1485 wird manchmal auch der Terminus Tudor-Style verwendet, deren prägende Merkmale die Tudorrose ¹ und der sehr flache Spitzbogen, der sogenannte Tudorbogen, sind.

¹ Tudorrose: weiß-rot bzw. eine große und eine darüber liegende kleinere Rose

Die Wadham College Chapel, Oxford, England, wurde im Perpendicular Style errichtet.

Die Kapelle (1500–1525) HEINRICHs VII. (1457–1509) in der Westminster Abbey sowie das Langhaus von Canterbury Cathedral stammen aus dieser spätgotischen Zeit.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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