Giovanni Battista Tiepolo

GIOVANNI BATTISTA TIEPOLO – Maler des venezianischen Spätbarock an den Höfen Europas

GIOVANNI BATTISTA TIEPOLO wurde am 5. März 1696 in Venedig geboren. Er erhielt eine künstlerische Ausbildung in der Werkstatt des venezianischen Malers GREGORIO LAZZARINI. Neben seiner Ausbildung bei LAZZARANI wurde TIEPOLO stark beeinflusst von zeitgenössischen Malern, wie GIABATTISTA, PIAZETTA, FEDERICO BENCOVICH oder SEBASTIANO RICCI. Darüber hinaus hinterließen die großen Vertreter der venezianischen Maltradition des 16. Jahrhunderts, vor allem TIZIAN, PAOLO VERONESE und TINTORETTO einen nachhaltigen Eindruck auf ihn.

Mit Anfang zwanzig bereits führte er sein erstes Deckenfresko in Santa Maria Assunta in Biadene aus. Rasch wurde er zum gefragten Künstler und malte Altarbilder und Fresken für venezianische Kirchen, Paläste und Villen. Seine Kunst wurde über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und bald stellten sich Aufträge aus dem gesamten oberitalienischen Raum ein. So wurde er 1725/26 nach Undine berufen, um im Auftrag DIONISIO DOLFINs den heute erzbischöflichen Palast auszumalen. In den 1730er- und 1740er-Jahren folgten zahlreiche Aufträge für Tafelbilder und Deckengemälde mit mythologischen und biblischen Inhalten für oberitalienische Villen und Kirchen.

1750 berief Fürstbischof KARL PHILIPP VON GREIFFENCLAU den italienischen Künstler nach Würzburg, damit er Kaisersaal und Treppenhaus der Residenz mit Deckenfresken ausschmücke. 1762 folgte TIEPOLO mit seinen ebenfalls als Maler tätigen Söhnen GIOVANNI DOMENICO und LORENZO dem Ruf Kaiser KARLs III. an den spanischen Hof in Madrid, wo er beauftragt wurde, Decken im königlichen Palast zu freskieren. Diese Fresken gelten als Höhepunkt und Abschluss der europäischen Deckenmalerei.

TIEPOLO kehrte nicht mehr nach Italien zurück und verstarb 74-jährig 1770 in Madrid.

GIOVANNI BATTISTA TIEPOLOs Fresken in der Würzburger Residenz

1750 erhielt GIOVANNI BATTISTA TIEPOLO von Fürstbischof KARL PHILIPP VON GREIFFENCLAU den Auftrag, das Treppenhaus und den Kaisersaal in der von dem deutschen Architekten BALTHASAR NEUMANN errichteten Würzburger Residenz mit Deckengemälden auszuschmücken.

In den drei Fresken des Kaisersaals folgten TIEPOLO und seine Mitarbeiter, darunter seine beiden Söhne GIOVANNI DOMENICO und LORENZO, einem von KARL PHILIPP genau festgelegten Programm, das den Künstlern bereits vorab nach Venedig gesandt worden war. Die Themen waren der mittelalterlichen Geschichte Würzburgs entliehen.

Giovanni Battista Tiepolo - Deckenfresko im Treppenhaus der Würzburger Residenz

In der Person Kaiser FRIEDRICH I. BARBAROSSA, unter dessen Herrschaft Würzburg seine erste Blütezeit erlebte, werden das Würzburger Bistum und das besondere Verhältnis der Fürstbischöfe zum Reich verherrlicht. So erscheint in „Die Brautfahrt der Beatrix von Burgund im Sonnenwagen des Apoll“ die Quadriga des Sonnengottes Apoll als Schirmherr der Künste, der FRIEDRICH seine zweite Frau, BEATRIX VON BURGUND, zuführt, die der Staufer 1156 in Würzburg heiratet. Diese Hochzeitsfeier zeigt das Fresko „Die Trauung der Beatrix von Burgund mit Friedrich Barbarossa“.

G. Battista Tiepolo - Die Sonnenpferde Apollos

Das dritte Fresko des Saales schildert die Szene „Kaiser Friedrich Barbarossa belehnt Bischof Herold von Würzburg mit dem Herzogtum Franken“. TIEPOLOs virtuose Bildregie zeigt sich vor allem in der meisterhaften Beherrschung der illusionistischen Mittel. So öffnet sich für den Betrachter im zentralen Fresko ein Blick in den Himmel, in den der Sonnenwagen mit Apoll und Beatrix hineinzugaloppieren scheint. Das Geschehen erhält die Dynamik dramatisch steigernde Momente durch die hellen und dunklen Wolkenformationen. TIEPOLO, dem Meister des Lichts und der Farbe, gelingt es, alle Farben zum Leuchten zu bringen.

1752 erhielt TIEPOLO dann den Auftrag, auch das große Gewölbe, das das Treppenhaus NEUMANNs überspannt, mit einem Deckengemälde auszustatten.

Er malte die Verherrlichung des Ruhmes des KARL PHILIPP VON GREIFFENCLAU. Über den damals bekannten vier Erdteilen – Amerika, Asien, Afrika und Europa – entschwebt Apoll mit den Olympiern in den Himmel. In der Paradeuniform eines Obristen der fränkischen Artillerie erscheint im Deckenfresko des Treppenhauses auch dessen Baumeister BALTHASAR NEUMANN: auf einer Kanone sitzend und von seinem Hund beschnuppert.

TIEPOLOs Fresken gelten als kongenialer Abschluss der Raumschöpfungen BALTHASAR NEUMANNs und bilden den Höhepunkt der süddeutschen und der europäischen Deckenmalerei des Spätbarock.

GIOVANNI BATTISTA TIEPOLOs Fresken im spanischen Königspalast

1762 begann TIEPOLO gemeinsam mit seinen Söhnen mit der Ausführung der Fresken im Palacio Real, dem spanischen Königspalast in Madrid. Von den Deckengemälden in den vier Repräsentationssälen im Südflügel des Schlosses lagen die Ausstattungen des Kleinen Audienzsaales und des Thronsaales in den Händen TIEPOLOs. Im Kleinen Audienzsaal ist „Die Apotheose (= Vergöttlichung) der spanischen Monarchie“ als eine sich in eine illusionistische Himmelszone erstreckende Szene dargestellt.

Battista Tiepolo, G. - Apollo und die Kontinente

Im Thronsaal wird in „Die Verherrlichung der spanischen Monarchie“ in einer direkt über dem Gebälk ansetzenden „realen Welt“ der Machtbereich KARLs III. gezeigt. Darüber öffnet sich wieder eine „Wolkenlandschaft“, die in ihrer dynamischen Gestaltung den Betrachter in einer Sogwirkung nach oben zieht. Mit seinen letzten Fresken gelang TIEPOLO noch einmal eine lichtdurchflutete Komposition voller Heiterkeit und Klarheit, die als Abschluss der europäischen Deckenmalerei angesehen werden kann.

Giambattista Tiepolo - Fresco im Palacio Real (Madrid)

Zeichnungen, Skizzen und Kartons

Eine kaum überschaubare Zahl an Skizzen, Zeichnungen und Kartons dokumentieren die Schaffenskraft und die künstlerischen Schaffensprozesse GIOVANNI BATTISTA TIEPOLOs.

Tiepolo, Giambattista - Skizze

Für seine großformatigen Altar- und Deckengemälde entstanden zunächst Skizzen und Zeichnungen in kleinerem Format, bevor er viele vor allem der Deckgemälde auf einen sogenannten Karton übertrug.

Als Karton bezeichnet man eine maßstabsgerechte projizierbare Vorzeichnung auf starkem Papier für monumentale Gemälde, Wand- und Deckenbilder sowie für Mosaiken, Wandteppiche und Glasmalerei. Dabei werden die Umrisslinien immer exakt ausgeführt, die Flächen zumeist farbig gefüllt. Viele dieser Zeichnungen und Kartons aus der Werkstatt TIEPOLOs sind überliefert und auf dem Kunstmarkt begehrte Sammelobjekte.

Giovanbattista Tiepolo - Karton

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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