Gotische Malerei und Grafik

FormenThemenMaterialTechniken
– Glasmalerei
– Tafelmalerei
– Fresko
– Buchmalerei
– Holzschnitt
– Kupferstich
– biblische Darstellungen
– höfisches Leben
– Jagdszenen
– Gebrauchs-
kunst
– Porträt
– Glas
– Holz
– Leinwand
– Papier
– Kalkputz
– Tempera
– Mischtechnik
– Öl-Lasur
– Öl
– Druckgrafik

Duecento

Noch DUCCIO (um 1250/60–1318) malte Personen nicht nach ihrer Position im Raum, sondern nach ihrer Bedeutung (Bedeutungsperspektive). In seiner „Versuchung Christi auf dem Berg“ wird der Bildvordergrund zwar perspektivisch, jedoch viel kleiner als der Gottessohn mit Engeln und „Versucher“ im Bildhintergrund dargestellt. Die Bauwerke sind additiv ins Bild gestellt, haben jedes für sich eine eigene Perspektive, die nicht mit der des Gesamtbildes übereinstimmt. Deshalb wirken sie wie nicht zum Bild gehörig, puppenstubenhaft.

DUCCIO: Maestà, Altarretabel des Sieneser Doms, Rückseite,Predella mit Szenen zur Versuchung Christi und Wundertaten,Szene: Versuchung Christi auf dem Berg, 1308-1311,Tempera auf Holz, 43 × 46 cm,New York, Frick Collection.

DUCCIO: Maestà, Altarretabel des Sieneser Doms, Rückseite,Predella mit Szenen zur Versuchung Christi und Wundertaten,Szene: Versuchung Christi auf dem Berg, 1308-1311,Tempera auf Holz, 43 × 46 cm,New York, Frick Collection.

In der italienischen Malerei des Duecento (13. Jahrhundert) begann sich mit GIOTTO (1267–1337) in Ansätzen bereits die Formensprache der Renaissancemalerei herauszubilden, die dann für fast ein Jahrhundert wieder nahezu in Vergessenheit geriet.

Auch GIOTTO stellt die Gebäude in seinem Fresko „Bürger von Assisi breitet seinen Mantel vor dem hl. Franziskus aus“ noch additiv nebeneinander, durch Licht- und Schattenwirkung Dreidimensionalität erreichend. Die Menschen im Vordergrund treten in eine glaubhafte Beziehung zu den Gebäuden im Hintergrund: Die Größenverhältnisse wirken harmonisch. Damit verlässt GIOTTO die Prinzipien der Bedeutungsperspektive und nähert sich denen der (Zentral-)Perspektive an. GIOTTOs Gestalten beginnen sich von den byzantinischen Vorbildern zu emanzipieren durch plastische, körperhafte Darstellung.

GIOTTO: Freskenzyklus zum Leben des Hl. Franziskus von Assisi,Szene: Bürger von Assisi breitet seinen Mantel vor dem Hl. Franziskus aus, 1296-1298,Fresko, Assisi, San Francesco, Oberkirche.

GIOTTO: Freskenzyklus zum Leben des Hl. Franziskus von Assisi,Szene: Bürger von Assisi breitet seinen Mantel vor dem Hl. Franziskus aus, 1296-1298,Fresko, Assisi, San Francesco, Oberkirche.

Die von GIOTTO beeinflussten Malschulen in Florenz, Siena und Pisa waren Anreger für die gotische Malerei nördlich der Alpen. Da begann sich in Italien jedoch bereits die Frührenaissance durchzusetzen.

Deutsche Malerei

Schon Künstler der Romanik hatten überregional gewirkt (z. B. Naumburger Meister), im 15. Jahrhundert arbeiteten jedoch italienische, französische und deutsche Meister oft gemeinsam (deutsch-böhmische Malschule), wodurch die deutsche Malerei zahlreiche Anregungen erhielt. Auch der holländische Realismus strahlte auf die Kunst im Heiligen Römischen Reich zurück.

KONRAD WITZ

„Der wunderbare Fischzug“ (1444) des Basler Malers KONRAD WITZ (um 1400–1447) vom Seitenflügel des Petrus-Altars der Petrus-Kathedrale von Genf: Im Hintergrund sieht man hier die erste identifizierbare Landschaft, den Genfer See mit seinem Ufer, verschiedenen Gebäuden und den Bergen. Damit beginnt die für die anschließende Renaissancezeit dann so typische „Entdeckung der Welt und des Menschen“ (JACOB BURCKHARDT, 1860).

KONRAD WITZ: Petrusaltar, Fragment eines Altares der Petrus-Kathedrale in Genf,linker Flügel außen: Der Wunderbare Fischzug, 1444,Tempera auf Holz, 132 × 154 cm, Genf, Musée d'Art et d'Histoire.

KONRAD WITZ: Petrusaltar, Fragment eines Altares der Petrus-Kathedrale in Genf,linker Flügel außen: Der Wunderbare Fischzug, 1444,Tempera auf Holz, 132 × 154 cm, Genf, Musée d'Art et d'Histoire.

„Der heilige Christophorus“ (um 1435),ebenfalls von KONRAD WITZ, trägt das ihn segnende Christuskind zwar in gebeugter Haltung durch das Wasser, sein Gesicht wirkt jedoch nicht überanstrengt von der Last des immer schwerer werdenden Kindes, sondern entspannt, lächelnd und ruhig in Erwartung der Taufe. In der Rechten hält der Riese einen Stab, der in Höhe des Christuskindes zu knospen beginnt, scheinbar in freudiger Erwartung dessen, am nächsten Tag tatsächlich ein Baum mit Früchten zu sein. Das Haupt des Kindes umgibt eine Glorie, die nicht mehr, wie noch in Romanik und Frühgotik als goldener Kreis erscheint, sondern als dezenter Strahlenkranz. Die das Paar umgebende Landschaft wirkt zwar kulissenhaft, aber, wie der Felsen am oberen rechten Bildrand, nahezu realistisch. Auch das Wasser, durch das der Riese Christophorus mit dem Christuskind watet, ist nicht mehr flächenhaft gemalt, sondern zeichnet sorgfältig die Wellenbewegungen und Körperschatten nach.

KONRAD WITZ: Heiliger Christophorus,um 1435, Holz, 102 × 81 cm,Basel, Kunstmuseum.

KONRAD WITZ: Heiliger Christophorus,um 1435, Holz, 102 × 81 cm,Basel, Kunstmuseum.

Tafelbild

„Der wunderbare Fischzug“ und der „heilige Christophorus“ wurden auf Holz gemalt, eine Technik, die sich mit der Gotik durchsetzte. Die Tafelmalerei ist aber keine Neuschöpfung der Gotik. Sie wurde im byzantinischen Raum bereits bei der Herstellung von Ikonen verwendet.

In Westeuropa bemalte man zunächst die hölzernen Flachdecken und Altäre der Kirchen. Dazu wurden Holztafeln mit Gips oder Schlemmkreide grundiert. So erreichte man einen ebenen Malgrund. Auf diesen wurden am Anfang der Tafelmalerei Temperafarben aufgetragen, später malte man in sogenannten Mischtechniken aus Tempera und Öl. Erst im 15. Jahrhundert begann man in den Niederlanden mit der Ölmalerei.

Aus der Altarmalerei entstand die Tafelmalerei als eigenständiges Genre der westeuropäischen Kunst, als im 14. Jahrhundert der Trend dahin ging, Altäre mit Flügelbildern auszustatten. Im 15. Jahrhundert fand dann die Loslösung des Altarflügels statt, und die Entwicklung des Tafelbildes begann.

STEFAN LOCHNERs „Darbringung im Tempel“ von 1447 ist noch ganz im Stile der Gotik gemalt. Der goldene Hintergrund und die goldenen Glorien um die Köpfe der Heiligen (Maria mit dem Jesuskind) verweisen eindeutig auf byzantinische Ikonenvorbilder. Auch der Maßstab der einzelnen Figuren lässt eher auf Bedeutungsperspektive schließen, denn auf eine zentralperspektivisch entwickelte Bildwelt. Es findet im Gegenteil eine perspektivische Verkürzung statt: Gottvater, umgeben von den göttlichen Heerscharen, schaut knapp über den Köpfen der Agierenden dem Geschehen zu. Die auf Individualisierung zielenden Gesichter und Körperhaltungen der dargestellten Figuren deuten bereits in Richtung eines neuen Weltverständnisses: der Renaissance.

STEFAN LOCHNER : Darbringung im Tempel, 1447,Holz, 139 × 124 cm,Darmstadt, Hessisches Landesmuseum.

STEFAN LOCHNER : Darbringung im Tempel, 1447,Holz, 139 × 124 cm,Darmstadt, Hessisches Landesmuseum.

Mit dem Mäzenatentum des Bürgertums fand auch das weltliche Thema in der Tafelmalerei Verwendung. Beliebt wurden nun Porträts von Königen und Fürsten, aber auch Porträts wohlhabender Bürger. Als erstes eigenständiges Porträtbild außerhalb Italiens entstand in Österreich um 1365 das Bildnis Herzog RUDOLFs IV.

HANS HOLBEIN D. Ä. war der führende Augsburger Künstler der Spätgotik an der Schwelle zur Renaissance. Sein umfangreiches Schaffen umfasst neben Altar- und Glasmalerei auch die frühesten Porträtmalereien im deutschen Raum Sein Spätwerk zeigt deutliche Einflüsse der altniederländischen Malerei.

Weitere Maler der Spätgotik waren:

  • HUBERT (um 1370–1426) und
  • JAN VAN EYCK (um 1390–1441) sowie
  • HIERONYMUS BOSCH (um 14560–1516) in den Niederlanden,
  • Meister BERTRAM (um 1345–1415),
  • STEFAN LOCHNER (um 1410–1451) und
  • MARTIN SCHONGAUER (um 1450–1491) in Deutschland,
  • JEAN FOUQUET (um 1420–1480) in Frankreich.

Glasmalerei

Die gotische Architektur nördlich der Alpen schuf mit ihrer Skelettbauweise hohe, lichtdurchflutete Kirchenräume, in der Fresken kaum mehr einen Platz hatten. Man schmückte daher die vielen Fenster mit kräftiger Glasmalerei sowie den Altarraum mit in der Spätgotik oft vielflügeligen Altarbildern. Zuweilen findet man auch bemalte Holzdecken in gotischen Kirchen bzw. in Profanbauten.

Die großen Kathedralen in Frankreich, in Chartres, Bourges, Reims und Paris wurden seit dem 12. Jahrhundert mit bunten, bleigefassten Glasfenstern ausgestattet. Man kennt das Verfahren der Glasmalerei wahrscheinlich aus Persien: Man bemalte farblose oder einfarbige (rot, blau, violett etc.) Glasscheiben. Allerdings malte man lediglich eine Binnenzeichnung, d.h. trug Linien innerhalb der aus Glasscheiben bestehenden Farbflächen mit dunklerer Farbe (zunächst Schwarz-braun-Lot, später Silbergelb)¹ auf, so dass man eine quasi „räumliche Wirkung“ erreichte. Danach wurde diese Schmelzfarbe bei 600°C in die Glasscheibe eingebrannt.

¹ Schwarz-braun-Lot: Bleiglas mit Metalloxid, beides pulverisiert, und Bindemittel (zumeist Gummi arabikum); Silbergelb: Schwefelgelb, mit Ocker oder Ton vermischt

Die Kunst der Glasmalerei, die es in Frankreich zu perfekter Meisterschaft brachte, gelangte von hier nach England, nach Spanien und nach Deutschland.

Der Oberrheinische Meister schuf um 1240 den „Thronenden Christus“, ein Glasfenster in Freiburg im Breisgau. Deutlich erkennt man die Linienführung des Gesichtes, die noch mit Schwarz-braun-Lot auf hautfarben gefärbtes Glas aufgetragen wurde. Das Gewand ist im typischen Blau und Gelb (Gold) gehalten. Die starken schwarzen Linien zeigen an, wie die Glasscheiben gebrochen und mit Blei neu zusammengefügt wurden, die schwächeren Linien sind Binnenzeichnungen. Eingerahmt wird die Gestalt JESU durch ein kräftiges Rot.

Oberrheinischer Meister um 1240: Thronender Christus, um 1240, Glasfenster,Freiburg im Breisgau, Augustinermuseum.

Oberrheinischer Meister um 1240: Thronender Christus, um 1240, Glasfenster,Freiburg im Breisgau, Augustinermuseum.

Die griechischen Buchstaben a und o, die die Figur in Gesichtshöhe flankieren, das Alpha und das Omega, sind der erste und der letzte Buchstabe des griechischern Alphabets, sie deuten auf Anfang und Ende hin, auf Geburt und Tod und zugleich auf Gott:. „Ich bin das A und das O, sagt Gott der Herr“, heißt es in Apokalypse 1, 8 (Die Offenbarung des Johannes).

Buchmalerei

Bücher wurden in gotischer Zeit zumeist im Folio-Format gebunden. Das bedeutet, dass das Seitenformat 1:2 betragen musste und der Bogen nur einmal gefaltet wurde. Später wurde der Bogen dreimal vertikal und einmal horizontal gefaltet. Dieses Buchformat bezeichnete man als Oktav. Ab 1420 faltete man einmal längs und einmal quer, wodurch sie das Quart ergab.

Bücher wurden mit der Hand geschrieben und bemalt (illustriert). Später erfand man den Einblattholzschnitt, wobei jede Seite eines Buches wie ein Holzschnitt in das Holz geschnitten wurde. Bücher hatten in der Gotik vorwiegend sakrale Inhalte (Bibeln, Kommentare). Reiche Fürsten konnten neben den üblichen Gebets- und Andachtsbüchern auch Bücher mit weltlicher Thematik (z. B. Manessische Liederhandschrift, entstanden von 1305 bis 1340) in Auftrag geben. Die Buchmalerei war also auf weltliche und geistliche Thematik ausgerichtet.

Ein berühmtes Beispiel weltlichen Erzählens ist das Heldenepos „Tristan und Isolde“ GOTTFRIEDs VON STRASSBURG. Der Illustrator Meister HESSE (der „Schreiber von Strassburg“) gehörte der sogenannten Oberrheinischen Schule an, wobei der Begriff lediglich auf seinen Entstehungsort hinweist und kein stilistisches Merkmal darstellt. Die Szene illustriert das Frühlingsfest² am Hofe König Markes. Tristan („der Traurige“), der vater- und mutterlos aufwuchs, ist Neffe des Königs.

Die Meister³ verwendeten für ihre Malereien Wasserfarben, das waren natürliche, wasserlösliche Pigmente, die mit Gummi arabicum vermischt wurden. Diese wurden mit Pinseln aufgetragen.

² „Beltane“, das keltische Frühlingsfest (Fest der Fruchtbarkeit), wurde in der Nacht zum 1. Mai gefeiert. Es ist in seiner Bedeutung mit der Walpurgisnacht (Licht- und Feuer-Fest) vergleichbar.

³ Meister: Bücher wurden in gotischer Zeit in der Regel in den Klöstern durch Mönche geschrieben und bemalt. In der Frühgotik übernahmen zunehmend Laienwerkstätten die Buchherstellung. Im Spätmittelalter, und natürlich nach der Entstehung des Buchdruckes (Einblattholzschnitt, Wiegendrucke bzw. Inkunabeln) entwickelten sich verschiedene Druckerberufe, u.a. der Briefmaler, der die Illustrationen malte.

Meister HESSE: „Tristan und Isolde“, GOTTFRIED VON STRASSBURG, Szene: Frühlingsfest bei König Marke,um 1240, Pergament, 23,5 × 16 cm, München, Bayerische Staatsbibliothek.

Meister HESSE: „Tristan und Isolde“, GOTTFRIED VON STRASSBURG, Szene: Frühlingsfest bei König Marke,um 1240, Pergament, 23,5 × 16 cm, München, Bayerische Staatsbibliothek.

Bücher wurden im frühen Mittelalter auf Pergament (= gegerbte Tierhäute) geschrieben. In die Zeit der Gotik fällt die Erfindung des Papiers. Für die Buchmalerei wurden im 13. Jahrhundert erstmals auch Federzeichnungen entdeckt.

Entwicklung der Grafik

Parallel mit dem Buchdruck entstand die Grafik. Zunächst wurde der Holzschnitt als neues Vervielfältigungsverfahren ausprobiert, den man aus Asien übernahm.

Seit dem 12. Jahrhundert wurde in Ostasien bereits mehrfarbig gedruckt. In Europa kannte man zu jener Zeit erst den Stempeldruck („Zeugdruck“, weil man „Zeug“, also Stoff, bedruckte). Der Holzdruck entwickelte sich hier erst im 15. Jahrhundert meist als Einblattholzschnitt, d.h. man druckte Einzelblätter als Andachtsbilder, die später auch mit Gebettexten versehen waren. In Blockdruck¹ entstanden Bücher.

Zunftmäßig organisierte Berufe, wie

  • der Reißer (Zeichner),
  • der Formschneider,
  • der Briefmaler

übernahmen die Fertigung. Der Buchdruck um 1400 war also arbeitsteilig organisiert. Der Zeichner lieferte die zeichnerische Vorlage, die der Formschneider auf das Holz übertrug und in Holz schnitt (er trug die nicht zu druckenden Teile vom Druckstock ab), der Buchdrucker druckte und der Briefmaler kolorierte. Verbreitet war der sogenannte Linienschnitt, der der Linienführung der Zeichnung folgte. Später kam die Schraffierung hinzu, die dem Druck Räumlichkeit verlieh und Hell-Dunkel-Partien schuf.

¹ Blockdruck: Bild und Text wurden auf einem Block geschnitten und gedruckt.

Holzschnitt

Der Holzschnitt ist eine Hochdrucktechnik. Beim Hochdruck schneidet man die nicht zu druckenden Flächen aus dem Druckstock heraus. Es werden nur erhabene Linien und Flächen gedruckt.

Für den Holschnitt verwendet man weicheres Holz (Linde, Pappel), aber auch härtere Hölzer, wie Obstgehölze (Kirsche) sind geeignet.

In der Regel wird das Holz vor dem Schnitt mit Schleifpapier geplant. Die bewusste Nutzung der Maserung des Holzes ergibt oft eine besonders expressive Bildsprache. Das Motiv wird nach der Vorbehandlung des Druckstockes direkt auf das Holz gezeichnet oder gepaust.

Um Flächen und Linien aus dem Material herausarbeiten zu können, bedient man sich verschiedener Werkzeuge: Stichel, Geißfuß, Flacheisen, Rundeisen, Konturenmesser.

ALBRECHT DÜRERs „Hl. Hieronymus, dem Löwen den Dorn ausziehend“ von 1492 zeigt sich noch stark dem mittelalterlich-gotischen Holzschnitt verhaftet. Das Gesicht des Hieronymus ist stark vereinfacht, relativ unplastisch gezeichnet. Der Schatten des Löwen zeigt nichts weiter als parallel gearbeitete Linien.

ALBRECHT DÜRER:„ Hl. Hieronymus, dem Löwen den Dorn ausziehend“, 1492, Holzschnitt, 190 x 133 mm,

ALBRECHT DÜRER:„ Hl. Hieronymus, dem Löwen den Dorn ausziehend“, 1492, Holzschnitt, 190 x 133 mm,

Das Blatt der Folge der „Großen Passion“, „Das Letzte Abendmahl“ von 1510, ebenfalls ein Holzschnitt von DÜRER, ist wesentlich feiner in der Strichführung. Die Gesichter, Haare, Gewänder wirken körperhaft. Die Christus-Johannes-Gruppe, traditionell die Bildmitte des Letzten Abendmahles bildend, folgt noch der mittelalterlichen Bildsprache.

ALBRECHT DÜRER: Folge der „Großen Passion“, Szene: „Das Letzte Abendmahl“, Holzschnitt, 390 x 280 mm

ALBRECHT DÜRER: Folge der „Großen Passion“, Szene: „Das Letzte Abendmahl“, Holzschnitt, 390 x 280 mm

Kupferstich 

Weil das Holz als Druckstock bei der künstlerischen Umsetzung der Zeichnung - den Intentionen des Künstlers - an seine Grenzen stieß, griff man im Spätmittelalter und in der Renaissance auf eine neue Technik zurück, den Kupferstich.

Der Holzschnitt verlor zwar seine Stellung als dominierende Drucktechnik, er blieb aber über Jahrhunderte hinweg im Bewusstsein der Künstler und wurde im Expressionismus zu neuer Meisterschaft geführt.

Der Kupferstich wurde als erstes Tiefdruckverfahren in der Renaissance aus der Gravierkunst der Goldchmiede entwickelt. Mit sogenannten Grabsticheln ritzten sie Dekore aus dem Metall von Rüstungen, Schmuckstücken, Kannen etc. Die entstehende Vertiefung wurde Creux (frz.: hohl, tief) genannt. Man erkannte, dass plane Metallplatten sich auch gut für den Druck von Grafiken eigneten. Erste Kupferstiche entstanden um 1430, Tiefdrucke mit Kaltnadel nach 1465. Beim Kupferstechen wird eine Zeichnung mit einer Stahlnadel direkt in die Kupferplatte geritzt. Die dabei entstehenden Grate werden manuell entfernt. Danach wird die Platte leicht erwärmt und eingefärbt und auf einer Tiefdruckpresse gedruckt. Dabei wird die sich in den Vertiefungen der Platte befindliche Druckerschwärze mit starkem Druck auf das Papier gebracht.

ALBRECHT DÜRERs Kupferstich „Schmerzensmann an der Säule“ von 1509 zeigt eindringlich die Vorteile der neuen Technik. Man konnte nun die Kreuzschraffur benutzen und somit die Licht-Schatten-Wirkung besser herausarbeiten.

ALBRECHT DÜRER arbeitete daneben bereits mit den neuen Ätzverfahren, z.B. der Radierung. Hatte DÜRER seine ersten Holzschnitte noch von einem Holzschneider ausführen lassen, konnte der gelernte Goldschmied seine Kupferstiche und Radierungen selbst ausführen.

ALBRECHT DÜRER: Folge der „Kupferstichpassion“: „Schmerzensmann an der Säule“, 1509,Kupferstich, 116 x 75 mm,New York, The Metropolitain Museum, Department of Drawings

ALBRECHT DÜRER: Folge der „Kupferstichpassion“: „Schmerzensmann an der Säule“, 1509,Kupferstich, 116 x 75 mm,New York, The Metropolitain Museum, Department of Drawings

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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