Merkmale und Zentralthema des Barock

Benediktinerklosterkirche in Banz/Oberfranken. Die Kapitelle der 1710–1719 nach Entwürfen JOHANN LEONHARD DIENTZENHOFERs erbauten Klosterkirche zeigen die für die Barockarchitektur typische Variation des korinthischen Kapitells, von dem der einschwingende

Das drückt sich z.B. in Blätterranken an Treppengeländern, steinernen sitzenden Figuren an Brunnenrändern und üppig gestalteten Gewölbemalereien aus.

GIOVANNI LORENZO BERNINI: Flussgott vom Vier-Ströme-Brunnen auf der Piazza Navona in Rom (begonnen 1648)

Blattgold und Stuckmarmor waren viel verwendete Materialien.

Dresdner Zwinger, das Kronentor mit der reich vergoldeten Krone

Die im Zeitalter des Barocks gebauten Kirchen (Sakralbauten), Paläste (Profanbauten) und Gärten haben häufig gewaltige Ausmaße und drücken leidenschaftliche, oft auch kühne Bewegtheit aus. Besonders die neben barocken Schlössern großzügig angelegten Gartenanlagen sind ein Merkmal des Barock.

Merkmale der Richtung, die im engeren Sinne als „Barock“ bezeichnet wird, wodurch sie sich von der Renaissance und von Folgestilen abhebt und an denen man barocke Kunst erkennen kann, sind:

  • Bevorzugung von dynamischen Bewegungsformen in der Architektur (bewegte Fassaden; Raumverschleifungen) anstelle sichtbarer Statik
Innsbruck, Helbinghaus, Fassadenteil.Mit seiner spätbarocken Außendekoration gehört das Helblinghaus zu den schönsten spätbarocken Bürgerhäusern des deutschsprachigen Raumes.
  • Tendenz zu Überschwang und einer auch auf MICHELANGELO zurückgehenden kraftvollen Bewegtheit in Malerei und Plastik
     
  • Betonung des Gegensatzes von Licht und Schatten in Architektur, Malerei, Plastik und Dekorationskunst gegen die gleichmäßige Ausleuchtung
     
  • vehemente Kontraste in Lichtführung, Farbigkeit, Formen
     
  • Bevorzugung betont plastischer Modellierung der Figuren und des Ornaments vor Flächigkeit
GERARD TER BORCH D. J.: „Dame bei der Toilette“;2. Drittel 17. Jh., Leinwand, 36 × 28 cm;London, Wallace Collection.
  • Dominanz der malerischen Auffassung und farbigen Modulation statt zeichnerischer, also das Überspielen und Überwuchern von konturierenden Linien, auch in Architektur und Plastik
     
  • hohes Maß an naturalistischer Wirkung bei gleichzeitiger Veranschaulichung von Übersinnlichem
JOSÉ DE RIBERA: „Anbetung der Hirten“;1650, Öl auf Leinwand, 238 × 179 cm;Paris, Musée du Louvre
  • perspektivisch täuschend echt gemalte Scheinarchitekturen, vielfach erstrebt wurde auch in der Malerei die architektonische Gestaltung oder die illusionär gemalte Darstellung weiter, komplizierter, bewegter Räume und Raumbeziehungen
     
  • eine illusionistische Tendenz, Grenzverwischung zwischen Realraum und Kunstraum (besonders bei Wand- und Deckenmalerei in Schlössern und Kirchen); jedoch ist der Illusionismus als Bildprinzip z.B. auch Teilen der holländischen Malerei eigen, ihrer intensiven Vergegenwärtigung des Alltäglichen, bis hin zu vergnüglichen Augentäuschungen (u.a. in der Trompe-l'Œil-Malerei)
Barockgarten am Schloss Schönbrunn. Die ehemalige Sommerresidenz der österreichischen Herrscher wurde nach Plänen von JOHANN BERNHARD VON ERLACH 1696–1711 errichtet.
  • spannungsvoll-rhythmisierte, dynamische Komposition (Diagonale, Ellipse), die sich auf das Prinzip der Subordination der Teile unter das Ganze stützt
     
  • Architektur, Plastik, Malerei und Kunsthandwerk durchdringen und befruchten sich gegenseitig – ein ikonologisch festgelegtes Gesamtkunstwerk, oft unter Einbeziehung theatralischen, zeremoniellen oder festlich-ausgelassenen Lebens, auch der Musik, wird angestrebt; die alle Künste einende Gartenkunst („Französischer Park“) blüht
JEAN-BAPTISTE BELIN D. Ä.: „Vase mit Blumen und Bronzebüste Ludwigs XIV.“;1686, Leinwand, 190 × 164 cm;Paris, Musée du Louvre.
  • Bevorzugung außerordentlicher Geschehnisse, Gestalten und Dimensionen, pathetisch-gehäufter, üppig-schwellender oder kühl-hoheitsvoller Formen (etwas „Außerordentliches“ kann jedoch auch ein Bauerngenre sein, eine sensible Detaildarstellung im Stillleben, eine dem Bewegten entgegengesetzte, z.T. feierlich, in-sich-ruhende Stille.
LUCA GIORDANO : Fresken in der Galerie des Palazzo Medici-Riccardi in Florenz, Szene: Triumph der Medici in den Wolken des Olymp, Palazzo Medici-Riccardi, Florenz.

Zentralthemen des Barocks

Der Triumph ist das große Zentralthema der barocken Kunst – und der Ruhm, denn im Ruhm erhält sich die Tat des Einzelnen, vollendet sich die Zeit zur Ewigkeit.

Gleichsam ist das Barockzeitalter das Zeitalter der Fantasie, die notwendig war, um die Menschen geistig zu erheben. Triumphal ist das gesteigerte, oft übersteigerte Lebensgefühl, mit dem uns die Persönlichkeiten der Zeit von Bildnissen und Denkmälern entgegensehen. Triumphal ist der Geist, aus dem heraus Schlösser, Kirchen, Plätze, ja selbst ganze Stadtanlagen entstanden.

Bauwerke und Denkmäler bilden die großen Formen einer noch heute verständlichen Symbolik. In den barocken Gärten mit ihrem geometrischen Regelmaß, ihrer Strenge und mit den technischen Wunderwerken ihrer Wasserspiele triumphiert die Kunst des Barock sogar über die Natur.

JOACHIM MACHADO DE CASTRO: Statue von JOSÉ I. von Portugal;Barock, 1775, Bronze, Praça do Comércio, Lissabon.
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