Augustin Louis Cauchy

AUGUSTIN LOUIS CAUCHY wurde am 21. August 1789, also inmitten der französischen Revolution, in Paris geboren. Sein Vater war ein Jurist, streng katholisch und zudem zutiefst Royalist. Dies hatte zur Folge, dass die Familie aus dem revolutionären Paris floh und von der Umwelt abgeschieden auf dem Lande in Armut und Hunger lebte. Jene Zeit seiner frühesten Kindheit beeinflusste CAUCHYS gesamtes Leben, insbesondere lehnte er jegliche revolutionären Veränderungen ab und blieb stets ein Anhänger des Herrschaftsgeschlechts der Bourbonen.

Seinen ersten Unterricht erhielt der junge CAUCHY durch seinen Vater, der Literatur und Sprachen studiert hatte. Die Familie hielt während ihres Aufenthaltes auf dem Lande ständigen Kontakt zu Freunden, die sich Ende des 18. Jahrhunderts NAPOLEON angeschlossen hatten. Einer von ihnen war auch PIERRE SIMON LAPLACE (1749 bis 1829), der bei einem Besuch der Familie schon frühzeitig die mathematische Begabung des Jungen erkannte.

Das Leben und insbesondere die Erziehung von AUGUSTIN LOUIS CAUCHY änderten sich schlagartig, als der Vater im Jahre 1800 (nach dem Staatsstreich NAPOLEONS) Sekretär des Senats geworden war und die Familie nach Paris zurückkehrte. Auf Anraten LAGRANGES erlernte der junge CAUCHY zunächst klassische Sprachen, um sich auf eine Mathematikausbildung vorzubereiten.

Nachdem er sich endgültig für eine Ingenieurslaufbahn entschieden und die Aufnahmeprüfung mit Bravour bestanden hatte, begann CAUCHY im Jahre 1805 ein Studium an der École Polytechnique und widmete sich speziell dem Straßen- und Brückenbau. Ab 1807 setzte er das Studium an der École Nationale des Ponts et Chaussées fort. Nach 1809 erfolgtem Abschluss nahm CAUCHY eine Tätigkeit als Ingenieur in Nordfrankreich auf.

Insbesondere war er ab 1810 im Auftrage NAPOLEONS führend am Bau des Hafens in Cherbourg beteiligt, mit dem die Invasion Englands vorbereitet werden sollte. Obwohl ihn die Tätigkeit als Ingenieur und Organisator voll in Anspruch nahm, widmete er sich schon in dieser Zeit systematisch der Mathematik und veröffentlichte ab 1811 entsprechende Publikationen, u.a. zum eulerschen Polyedersatz sowie zu figurierten Zahlen.

CAUCHYS angegriffener Gesundheitszustand führte dazu, dass er seine Arbeit in Cherbourg mehrfach wegen Krankheit unterbrechen musste und schließlich im Jahre 1813 nach Paris zurückkehrte. Hier bewarb er sich auf freie Stellen der Pariser Akademien, aber zunächst ohne Erfolg.

Nach der endgültigen Niederlage NAPOLEONS im Jahre 1815 und der Machtübernahme durch LUDWIG XVIII. ergaben sich für AUGUSTIN LOUIS CAUCHY als strengen Katholiken und treuen Royalisten neue berufliche Chancen, da Wissenschaftler revolutionärer Gesinnung nunmehr einen schweren Stand hatten. Schon 1815 erhielt er eine Professur an der École Polytechnique und übernahm nach der aus politischen Gründen erfolgten Umgestaltung der Akademie ab 1816 die Stelle des abgelösten GASPARD MONGE (1746 bis 1818). Obwohl es keine Zweifel an der fachlichen Kompetenz gab, verschaffte dies CAUCHY keine Freunde – im Gegenteil. Hinzu kam, dass er sich aufgrund fachlicher Differenzen mit LAPLACE überwarf und sein Förderer LAGRANGE inzwischen verstorben war. Lediglich mit dem Physiker AMPÈRE war CAUCHY freundschaftlich verbunden. Auf wissenschaftlichem Gebiet arbeitete er relativ eng mit SIMÉON DENIS POISSON (1781 bis 1840) zusammen.

Besonders erfolgreich war CAUCHY in seiner Lehrtätigkeit. So entstand aus seinen Vorlesungen das Buch „Cours d’Analyse de l’École Polytechnique“ (Lehrgang der Analysis an der polytechnischen Schule).
Dieses auf Anregung von LAPLACE und POISSON entstandene Werk stellt eine (erstmals geschlossen dargelegte) Einführung in die Grundlagen der Infinitesimalrechnung dar und gilt als ein Meilenstein in der Entwicklung der Analysis.

Die Gebiete, auf denen CAUCHY wissenschaftlich arbeitete, sind sehr vielschichtig. Im Bereich der Mathematik sind diesbezüglich folgende zu nennen:

  • detaillierte Ausarbeitung der Theorie der Differenzialgleichungen;
  • Schaffung einer Theorie der Funktionen komplexer Veränderlicher;
  • Beitrag zur Entwicklung einer modernen Algebra;
  • Aufbau einer Lehre von den Determinanten

Das Ausmaß der von CAUCHY erzielten mathematischen Ergebnisse wird allein schon dadurch deutlich, wenn man nur die Begriffe und Sätze betrachtet, welche seinen Namen tragen (Cauchy-Folge; Cauchy-Riemannsche Differentialgleichungen; Cauchysche Integralformel, Cauchysches Konvergenzkriterium, Cauchy-Schwarzsche Ungleichung u.a.).

Neben der Mathematik befasste sich CAUCHY auch mit Fragen der theoretischen Physik, insbesondere beschäftigte er sich mit der Lichtausbreitung auf Grundlage der Wellentheorie.

Nach der Julirevolution 1830 emigrierte CAUCHY in die Schweiz, um auf diese Weise seine Verbundenheit mit dem gestürzten Bourbonenkönig KARL X. zu demonstrieren.

CAUCHY lehnte es ab, nach Frankreich zurückzukehren, und nahm vielmehr eine Professur für Höhere Mathematik in Turin an, wo er von 1831 bis 1833 arbeitete. Anschließend hielt er sich am Prager Exilhof von KARL X. auf und war auf dessen Wunsch als Erzieher des Thronfolgers (eines Enkels von KARL X.) tätig. Diese Aufgabe nahm CAUCHY in treuer Verbundenheit bis zum 18. Geburtstag des Thronfolgers wahr und wurde dafür mit dem Titel eines Barons geehrt.

1838 kehrte CAUCHY nach Paris zurück. Er weigerte sich jedoch, der neuen französischen Regierung den Treueeid zu leisten, sodass er keine Professur mehr innehaben durfte. Als Mitglied der Académie des Sciences konnte er jedoch weiterhin publizieren und am wissenschaftlichen Leben teilnehmen. So erschienen zwischen 1839 bis 1848 mehr als 300 Beiträge von ihm in den „Comptes rendues“, dem Journal der Akademie.

Nach mehrjähriger Tätigkeit im sogenannten „Längenbüro“ (Amt für Maße und Gewichte) erhielt CAUCHY im Jahre 1848 (nach Abschaffung des Treueeids und Machtübernahme NAPOLEONS III.) wieder eine Professur an der École Polytechnique bzw. an der Pariser Sorbonne. So konnte er bis zu seinem Tode am 23. Mai 1857 noch weiter wissenschaftlich wirken.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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