Franz Schubert

Leben

FRANZ SCHUBERT wird am 31. Januar 1797 in Lichtenthal bei Wien als Sohn des Lehrers Franz Theodor und Maria Elisabeth SCHUBERT geboren.

Mit ihm wachsen fünf Geschwister unter kümmerlichen Verhältnissen auf, die wie er früh in der Musik unterrichtet werden. Er lernt

  • Violine von seinem Vater,
  • Klavier von seinem Bruder Ignaz,
  • Harmonielehre bei dem Kantor MICHAEL HOLZER,

bis er mit 11 Jahren Hofsängerknabe im k. k. Konvikt zu Wien wird. Dort erkennt und fördert man sein Talent. Während seine anderen schulischen Leistungen zu wünschen übrig lassen, konzentriert er sich auf die Komposition. In kurzer Folge entstehen – orientiert an der Wiener Klassik – nahezu 100 Lieder und eine Oper. Hofkapellmeister ANTONIO SALIERI (1750–1825) wird auf ihn aufmerksam und nimmt ihn als Schüler an.

1813 verlässt SCHUBERT das Konvikt, und sein Vater, der seinen musikalischen Fähigkeiten misstraut, besteht auf einer Ausbildung als Lehrer. Drei Jahre erduldet SCHUBERT die Arbeit als Lehrergehilfe an der Schule des Vaters, die er als „Martyrium“ empfindet. Trotzdem entstehen in dieser Zeit

  • 250 Lieder,
  • 8 Opern,
  • mehrere Sinfonien, Messen und
  • Kammermusik,

bis er sich 1817 mit seinem Vater überwirft und fortan auf die Unterstützung seiner Wiener Freunde angewiesen ist.

Bei FRANZ VON SCHOBER, JOHANN MAYRHOFER und bei Graf ESTERHÁZY auf dem Landgut Zelesz in Ungarn widmet er sich vollständig der Musik, doch seine Situation bleibt prekär. Die Aufführungen

  • des Singspiels „Die Zwillingsbrüder“ (1819) und
  • des Melodrams „Die Zauberharfe“ (1820)

verlaufen mit mäßigem Erfolg, Bewerbungen um eine dauerhafte Anstellung schlagen fehl.

GOETHE, dem er mehrmals Vertonungen nach Weimar schickt, sendet sie ohne Bemerkung zurück. Nur sein Freundeskreis und insbesondere der Sänger MICHAEL VOGL (1768–1840), mit dem er kleine Konzertreisen unternimmt, schätzen sein Werk. Es gelingt ihnen, den Verleger DIABELLI für SCHUBERT zu interessieren, der die ersten 12 Liederhefte für 800 Gulden erwirbt und veröffentlicht, und dann allein am „Wanderer“ 27000 Gulden verdient. SCHUBERTs Liedwerk steht im Mittelpunkt seines Schaffens, erst mit den beiden letzten Sinfonien 

  • die „Unvollendete“ h-moll, (1822); und
  • die „Große“ C-Dur (1826[?], 1838 von Schumann aufgefunden)

und dem späten Instrumental- und Vokalwerk kann er sich von seinem Leitbild BEETHOVEN lösen. Am 26. März 1828, BEETHOVENs erstem Todestag, findet SCHUBERTs erstes und einziges öffentliches Konzert mit eigenen Werken statt, und es wird ein Erfolg. Zu einer Wiederholung kommt es nicht mehr, da SCHUBERT an Typhus erkrankt und am 19. November 1828 im Alter von 31 Jahren in Wien stirbt.

SCHUBERTs Schaffen

SCHUBERT lässt sich zu seinen Liedern von der Lyrik der Zeit inspirieren. So schreibt er allein 66 Werke nach Gedichten von JOHANN WOLFGANG GOETHE (1749–1832) sowie die Liederzyklen

  • „Die Schöne Müllerin“ (1823) und
  • „Die Winterreise“ (1827)

nach WILHELM MÜLLER (1794–1824). Außerdem vertont er Werke von

  • HEINRICH HEINE (1797–1856),
  • JOHANN MAYRHOFER (1787–1836) und
  • FRIEDRICH RELLSTAB (1799–1860).

Formal lassen sich drei Liedtypen in SCHUBERTs Werk nachweisen:

  • Einfaches Strophenlied, bei dem Melodie und Begleitung in jeder Strophe gleich bleiben („Heideröslein“, 1815),
  • variiertes Strophenlied, in dem sich Melodie und Begleitung in bestimmten Strophen ändern, sowie
  • durchkomponiertes Lied, das eine sich ständig ändernde musikalische Struktur hat („Rastlose Liebe“, 1815).

Neben seinem umfangreichen Liedschaffen zählt SCHUBERT auch in der Instrumentalmusik zu den bedeutendsten Komponisten der Frühromantik. Von gleichem lyrischen Charakter wie die Lieder sind SCHUBERTs Klavierstücke, die Moments musicaux, Impromptus und Tänze. Er schreibt außerdem zahlreiche kammermusikalische Werke und Kirchenmusik. Hier sind besonders die beiden Messen

  • As-Dur (1822) und
  • Es-Dur (1828)

zu nennen.
Während seine frühen Sinfonien noch ganz in der Tradition der Wiener Klassik stehen, zeichnet sich sein instrumentales Spätwerk durch die Nähe zu der von ihm entwickelten Liedstruktur aus. Im Gegensatz zu BEETHOVENs dramatisch-kontrastierender Prozesshaftigkeit setzt SCHUBERT auf flächige Klangbewegungen und eine ruhige Themenentwicklung. Seine freie, neuartige Formbehandlung in einigen der späten Werke hat großen Einfluss auf die stilistische Entwicklung der Hochromantik.

SCHUBERTs Bedeutung für das Lied

Durch SCHUBERT gewinnt das Klavierlied Werkcharakter im Sinne der Wiener Klassik. Die Gattung wird nicht mehr vom Adel, sondern vom selbstbewusst gewordenen Bürgertum getragen und weniger im Konzertsaal als im Kreis gleichgesinnter Freunde aufgeführt. Neuartige an SCHUBERTs Liedtypus, der zuerst in der GOETHE-Vertonung „Gretchen am Spinnrade“ (1814) hervortritt, ist eine Interpretation des lyrischen Materials in einer in sich geschlossenen Melodie in variierter Strophenform. Wenn die Dichtung eine Veränderung im Ausdruck verlangt, wandelt er die Strophenmelodie ab und zieht harmonische Variationen herbei, er erweitert die Begleitung bis zum Nachzeichnen der Stimmung oder zur Illustration des Sinnes einzelner Wörter. Die Wirkung der Doppelkunstform aus Poesie und Musik und SCHUBERTs in diesem Zusammenhang entwickelter Gestaltungsreichtum geht sowohl in seinem Gesamtwerk als auch musikgeschichtlich weit über das textgebundene Komponieren hinaus.

Werke

SCHUBERTs Gesamtwerk umfasst

  • über 600 Lieder, darunter die Zyklen:
    – „Die schöne Müllerin“ (1823),
    – „Winterreise“ (1827) sowie
    – „Schwanengesang“ (1828);
     
  • 8 Sinfonien, darunter:
    – die „Unvollendete“ (1822),
    – die „Große“ (1826);
     
  • 14 Opern und Singspiele;
     
  • mehrere Messen, Kantaten, Chöre;
     
  • zahlreiche Kammermusikwerke, darunter:
    – das „Forellenquintett“ (1819);
     
  • ein Oktett;
     
  • mehr als 15 Streichquartette, darunter:
    – Variationen über „Der Tod und das Mädchen“ (1824);
     
  • Streich- und Klaviertrios;
     
  • zwei- und vierhändige Klaviermusik.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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