Giacomo Puccini

Anfänge

GIACOMO PUCCINI wurde am 22.12.1858 in Lucca in eine alteingesessene Komponisten- und Kirchenmusikerfamilie hineingeboren und erhielt eine Ausbildung zum Kirchenmusiker. Während seines Studiums am Mailänder Konservatorium von 1880–1883 entstanden in erster Linie Instrumentalwerke, doch PUCCINIs Ziel war schon zu dieser Zeit die Oper, nachdem er 1876 eine Aufführung von GUISEPPE VERDIs (1813–1901) „Aida“ (1870) gesehen hatte.

Sein erstes Bühnenwerk komponierte er bereits 1883 („Le Villi“), Es gewann zwar nicht, wie gewünscht, den Kompositionswettbewerb eines Verlagshauses, für den es entstanden war, wurde aber im folgenden Jahr in Mailand mit großem Erfolg uraufgeführt. Dies motivierte den Verleger GIULIO RICCORDI (1840–1912), einen langfristigen Vertrag mit PUCCINI abzuschließen, der ihm die finanzielle Freiheit verschaffte, sich ganz auf das Komponieren von Opern zu konzentrieren. Es folgte die Oper „Edgar“ (1884), die allerdings nicht mehr als einen Achtungserfolg erzielte.

Die Meisterwerke

Mit „Manon Lescaut“ (1893) gelang PUCCINI dann sein erstes Meisterwerk, dem diejenigen Werke folgten, die seinen weltweiten Ruhm begründeten:

  • „La Bohème“ (Uraufführung 1896),
  • „Tosca“ (Uraufführung 1900) und
  • „Madame Butterfly“ (Uraufführung 1904).

Bei allen seinen Opern rang PUCCINI lange mit dem Stoff und arbeitete intensiv mit seinen beiden Librettisten

  • LUIGI ILLICA (1857–1919) und
  • GIUSEPPE GIACOSA (1847–1906),

da die Libretti nicht nur Grundlage für die musikalische Komposition, sondern auch selbst von hohem künstlerischen Rang sein sollten.

La Bohème“ schildert farbenprächtig und wehmütig verklärend das Künstlerleben in Paris. Anders als VERDIs Heldenopern schlägt die Oper einen lyrischen und sentimentalen Ton an und ist auf die Darstellung des Seelenlebens ihrer Darsteller bedacht.

Mit dem Melodram „Tosca“ trat der italienische Belcanto zugunsten einer härteren Musiksprache in den Hintergrund, denn hier wandte sich PUCCINI dem Verismo zu und stellte seine Figuren realistisch und ungeschminkt dar – was sich auch musikalisch niederschlug. Die Oper erzählt eine klassische Dreiecksgeschichte mit tragischem Ende, in der die Sängerin Tosca von zwei Männern geliebt wird.

In „Madame Butterfly“ spiegelte sich dann die Faszination des Fin du Siècle für das Exotische wider. Die Handlung der Oper ist in Japan angesiedelt und PUCCINI nahm auch musikalische Elemente des Fernen Ostens auf. So erzielte er durch außergewöhnliche Instrumentation ein japanisches Kolorit. Die Uraufführung 1904 geriet zum Skandal, der vermutlich von PUCCINIs Gegnern inszeniert wurde. Doch schon wenige Monate später erlangte auch „Madame Butterfly“ großen Erfolg.

Experimente

Auf die drei großen Werke folgte eine längere Schaffenspause, in der PUCCINI nach einem passenden Libretto suchte, bevor er sich der Komposition von „La fanciulla del West“ („Das Mädchen aus dem Goldenen Westen“) widmete, die 1910 in New York uraufgeführt wurde. Die Oper spielt in einem Goldgräberlager des amerikanischen Westens und hat damit ein untypisches Sujet. Auch musikalisch unterscheidet sie sich von den bisherigen Werken, da sie harmonisch avancierter und weniger lyrisch ist. Zur Zeichnung der rauen Männerwelt ging PUCCINI Wahrhaftigkeit vor melodische Schönheit. Außerdem nahm er für das amerikanische Kolorit volkstümliche Melodien und Anklänge eines Ragtime auf.

Nach der erfolglosen Operette „La Rondine“ (1917) wandte sich PUCCINI der Komposition von drei Einaktern zu, die unter der Bezeichnung „Il trittico“ zusammengefasst und erstmals 1918 aufgeführt wurden. Die Kurzopern kontrastieren einander:

  • Das Melodram „Il Tabarro“ („Der Mantel“) schildert das trostlose Leben der Seine-Schiffer, wohingegen
  • „Gianni Schicchi“ eine witzige Charakterkomödie ist, die sich durch hervorragende Ensembleszenen auszeichnet.
  • „Suor Angelica“ („Schwester Angelika“) wurde als reine Frauenoper konzipiert und hat das Leben in einem Nonnenkloster zum Gegenstand. Dank seiner kirchenmusikalischen Ausbildung konnte PUCCINI die Partitur mit zahlreichen geistlichen Pastoralszenen versehen. Innerhalb des Trittico setzte sich diese Oper auf Dauer jedoch nicht durch und wird deshalb bei Aufführungen oftmals weggelassen.

Die letzten Jahre

Am Ende von PUCCINIs Schaffen steht die große unvollendet gebliebene Oper „Turandot“, die wiederum ein exotisches Sujet hat. Sie erzählt die alte chinesische Fabel einer Prinzessin, die jeden Freier umbringen ließ, der nicht ihre drei Rätsel zu lösen in der Lage war. Mehr noch als in „Madame Butterfly“ bestimmt der Orientalismus auch die musikalische Struktur, die von Pentatonik und fernöstlichen Klangfarben durchdrungen ist. Die Oper wurde 1926 von FRANCO ALFANO (1876–1954), einem Schüler PUCCINIs, vollendet. PUCCINI starb am 29.11.1924 in Brüssel, wo er sich zur Behandlung einer Krebserkrankung aufhielt.

Werke

Zu den Werken von PUCCINI gehören:

  • Opern, darunter:
    – „Manon Lescaut“ (1893),
    – „La Bohème“ (1896),
    – „Tosca“ (1900),
    – „Madame Butterfly“ (1904),
    – „La fanciulla del West“ („Das Mädchen aus dem goldenen Westen“, 1910),
    – „Il Tabarro“ („Der Mantel“), „Suor Angelica“ („Schwester Angelica“), Gianni Schicchi (Trilogie, 1918),
    – „Turandot“ (ergänzt von F. Alfano, 1926);
     
  • Messe As-Dur (1880);
     
  • Requiem (1905);
     
  • Kammermusik;
     
  • Lieder.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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