Johannes Brahms

Kindheit und Ausbildung

JOHANNES BRAHMS wurde am 07. Mai 1833 im Hamburg geboren.
Sein Vater, JOHANN JACOB BRAHMS (1806–1872) verdiente sich zunächst als Straßen- und Tanzmusiker seinen Lebensunterhalt, bis es ihm gelang, eine feste Stelle als Kontrabassist am Städtischen Orchester Hamburg zu bekommen. Im Jahr 1830 heiratete der erst 24-jährige Vater in Hamburg die um 17 Jahre ältere CHRISTIANA NISSEN (1789–1865). Aus der Ehe gingen eine Tochter und zwei Söhne hervor. JOHANNES war das zweite Kind. Die Eltern erkannten früh die besondere Begabung ihres Sohnes.

  • Den ersten Geigenunterricht erhielt er von seinem Vater.
  • Ab 1840 unterrichtete ihn OTTO FRIEDRICH WILIBALD COSSEL (1794–1866) im Klavierspiel.

BRAHMS lernte schnell. Schon bald begleitete er den Vater, wenn dieser in Kneipen zum Tanz oder zur Unterhaltung spielte. 1843 trat er zum ersten Mal als Pianist in einem öffentlichen Konzert auf und wurde in Hamburg als „Wunderkind“ gefeiert. Um seine weitere Ausbildung kümmerte sich der gefeierte Klaviervirtuose und Komponist EDUARD MARXSEN (1806–1887), der ihn

  • in Klavier,
  • Komposition und
  • Theorie

unterrichtete. Im September 1847 gab der erst 14-Jährige sein erstes eigenes Konzert.

Karriere als Pianist

Im April 1853 verließ der zwanzigjährige BRAHMS Hamburg und unternahm mit dem jungen ungarischen Violinisten EDE REMÉNYI (1828–1898) seine erste große Konzertreise. In Hannover lernte er den dortigen Hofkapellmeister und berühmten Geigenvirtuosen JOSEPH JOACHIM (1831–1907) kennen, der ihm ein treuer Freund wurde.

  • Unter JOACHIMs Leitung wurde später das 1. Klavierkonzert d-Moll op. 15 (1855–58) aufgeführt mit dem Komponisten am Klavier.
  • Mit einem Empfehlungsbrief JOACHIMs reiste BRAHMS mit REMÉNYI nach Weimar, um sich bei FRANZ LISZT (1811–1886) einzuführen.

Wegen ausgeprägter künstlerischer Meinungsverschiedenheiten mit LISZT verließ BRAHMS Weimar nach wenigen Wochen wieder.

Auf Anraten JOSEPH JOACHIMs suchte BRAHMS im Jahr 1853 ROBERT SCHUMANN (1810–1856) in Düsseldorf auf, um sich von diesem eine Beurteilung seiner Fähigkeiten als Komponist einzuholen. SCHUMANN erkannte BRAHMS Talent sofort. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine lebenslange innige Freundschaft. Beeindruckt von BRAHMS Klavierspiel und den noch unveröffentlichten Kompositionen, schrieb SCHUMANN einen Aufsatz für die „Neue Zeitschrift für Musik“ mit der Überschrift „Neue Bahnen“, der am 28.10.1853 erschien. Der Fachwelt wurde hier JOHANNES BRAHMS als kommender

„Meister der Musik“

ankündigt. Die positiven Kritiken bewirkten, dass BRAHMS über den Verlag Breitkopf & Härtel weitere Werke veröffentlichen konnte.

Nachdem ROBERT SCHUMANN 1854 in eine Nervenheilanstalt eingeliefert werden musste, lebte BRAHMS mehr als zwei Jahre im Hause SCHUMANN bei dessen Frau CLARA SCHUMANN (18719–1896). Die Jahre von 1853 bis 1856 in Düsseldorf waren eine für BRAHMS in künstlerischer und persönlicher Hinsicht wichtige Zeit. BRAHMS bewahrte CLARA SCHUMANN eine immerwährende Freundschaft und unterstützte sie immer wieder auch finanziell. Während seiner Zeit in Düsseldorf entstand ein Großteil der frühen Werke.

Ab 1857 arbeitete BRAHMS als Pianist und Dirigent am Fürstenhof in Detmold. Während der Wintersaison gab er privaten Klavierunterricht, auch die Tochter des regierenden Fürsten gehörte zu seinen Schülern. 1858 wurde er in Detmold Hofmusikdirektor und machte mit der Leitung des Hofchores seine ersten Erfahrungen als Dirigent. 1859 kehrte er nach Hamburg zurück, wo er sich 1862 erfolglos

  • sowohl um die Dirigentenstelle der Singakademie
  • als auch um die Leitung des Philharmonischen Orchesters

bewarb. Im Herbst 1862 reiste er erstmals für sieben Monate nach Wien. Das Wiener Publikum nahm den jungen Pianisten aus dem Norden Deutschlands mit Interesse und Wohlwollen auf.

Die Jahre in Wien

1863 wurde er zum Dirigenten der Wiener Singakademie gewählt. BRAHMS verließ seine Heimatstadt und siedelte nach Wien über. Nach einem vielversprechenden Anfang wurde die Zusammenarbeit mit dem Chor jedoch zunehmend problematischer. Zudem konnte sich BRAHMS mit den unvermeidlichen Verwaltungsaufgaben seines Amtes nicht anfreunden, so dass er nach nur einem Konzertwinter 1864 seinen Rücktritt einreichte.

In den Jahren zwischen 1865 und 1868 unternahm BRAHMS ausgedehnte Konzertreisen, die zu einem festen Bestandteil der Jahresplanung wurden. Von den Einnahmen aus den Reisen bestritt er im Wesentlichen seinen Lebensunterhalt. Bis in die 1890er-Jahre hinein trat als Interpret auf, zunehmend aber auch als Dirigent seiner eigenen Werke.

Im Jahr 1871 bezog BRAHMS seine endgültige Wohnung in Wien. Nach einer Reihe vergeblicher Versuche, eine feste Anstellung zu erlangen, zog BRAHMS sich auf den Status des freischaffenden Künstlers zurück. Der Wiener Simrock Verlag, der sich um BRAHMS Werke kümmerte, verschaffte ihm aus der Publikation seiner Kompositionen ein ansehnliches Vermögen, so dass BRAHMS finanziell unabhängig war.

1872 bot ihm der Musikverein die künstlerische Leitung des Wiener Singvereins an, die er bis 1875 wahrnahm. Inzwischen war BRAHMS als Komponist überall in Europa bekannt und geschätzt. Zahlreiche öffentliche Ehrungen wurden ihm zuteil.

  • Im Jahr 1879 verlieh ihm die Universität Breslau die Ehrendoktorwürde.
  • 1886 wurde er Ehrenpräsident des Wiener Tonkünstlervereins.
  • Auch die Mitgliedschaft in der Berliner Akademie der Künste gehörte zu den Auszeichnungen.
  • Ebenso erinnerten sich die Hamburger an ihren „großen Sohn“ und verliehen ihm 1889 den Ehrenbürgerbrief.
  • Zu Ehren seines 60. Geburtstages ließ die Wiener Gesellschaft der Musikfreunde eine BRAHMS-Münze prägen.

Am 3. April 1897 starb BRAHMS in Wien.

Werke

BRAHMS hinterließ insgesamt 122 Werke mit Opuszahl sowie zahlreiche kleinere Kompositionen ohne Opuszahl, die zumeist posthum erschienen, außerdem eine Vielzahl von Klavierbearbeitungen eigener und fremder Werke.

  • Orchesterwerke, darunter:
    – 4 Sinfonien;
     
  • Instrumentalkonzerte:
    – 2 Klavierkonzerte,
    – Violinkonzert D-Dur op. 77 (1878),
    – Konzert für Violine und Violoncello;
     
  • Klavierwerke, darunter:
    – 3 Sonaten,
    – mehrere Variationszyklen;
     
  • Vokalwerke mit Orchesterbegleitung, darunter:
    – „Ein deutsches Requiem“ (1857/68);
     
  • ca. 300 Lieder;
     
  • Kammermusik.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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