Musiktheorie

Zum Begriff

Der Begriff „Musiktheorie“ setzt sich aus den Wörtern „Musik“ und „Theorie“ zusammen. Um also eine genaue Begriffsdefintion zu finden, bedarf es zunächst einer separaten Betrachtung der beiden Bestandteile des Begriffs.

Der Terminus „Musik“ geht aus dem lateinischen musica und dem griechischen mousiké (= „Musenkunst“) hervor. Er steht allgemein gesagt für die „Tonkunst“. Die Ursprünge einer genauen Musikdefinition reichen bis in die Antike zurück, wo sich bedeutende Erklärungen bei PTOLEMAIOS (83–161 n.Chr.) und bei ARISTIDES QUINTILIANUS (2. oder 3. Jh.) finden lassen.

Der Ausdruck „Theorie“ ist ebenfalls in der Antike begründet. Er ist aus dem griechisch-lateinischen theória (= „das Anschauen, Untersuchung, Forschung) abgeleitet.

Während sich die „Praxis“ (griech. prássein, práttein = tun, verrichten, ausführen usw.) auf etwas Angewandtes bezieht, stützt sich eine „Theorie“ auf bloße geistige Überlegungen bzw. Betrachtungen.

In Anlehnung an den Gegensatz zwischen Theorie und Praxis unterschied der altgriechische Musiktheoretiker ARISTOXENOS (um 354– 300 v.Chr.) zwei Arten von Musik:

  1. die theoretische Musiklehre (musica theoretica) und
  2. die praktische Musikausübung (musica practica).

Die „musica theoretica“ beinhaltete die gesamten theoretischen Überlegungen zu Intervallberechnungen, Anordnung von Tönen in ein stimmiges Tonsystem usw. Diese theoretische Musiklehre suchte die Erklärung musikalischer Phänomene in mathematischen und physikalischen Gesetzen.

Die „musica practica“ umfasste die neben der Gesangslehre auch die Kompositionslehre und repräsentierte so die musikalische Praxis.

Klassifikationen

Die Klassifikation des ARISTOXENOS wurde seit Mitte des 16. Jahrhunderts in Anlehnung an ARISTOTELES (384–322 v.Chr.) erweitert

Bereits ARISTOTELES klassifizierte im Sinne von Praxis und Theorie. Er gliederte das Tun in drei Bereiche:

  1. „dianoia théoretiké“ (das geistige Betrachten),
  2. „dianoia praktiké“ (die praktische Überlegung) und
  3. „dianoia poietiké“ (das schöpferische Hervorbringen).

Diese Unterteilung übertrug man auf die Musik. Es wurde differenziert zwischen: „musica theoretica“, „musica practica“ und „musica poetica“.

Während sich diese Dreiteilung nur bis ins beginnende 18. Jahrhundert halten konnte, hat die Klassifikation von ARISTOXENOS bis in die heutige Zeit ihre Geltung bewahrt.
Musik besitzt also eine doppelte Funktion. Auf der einen Seite ist sie Wissenschaftslehre, auf der anderen Seite Kunstausübung.

Der Begriff „Musiktheorie“ im Wandel der Zeit

Die Entwicklung der Musiktheorie lässt sich grob in drei Hauptepochen darstellen:

  1. die griechische Antike,
  2. die Entstehung und Entfaltung der Mehrstimmigkeit (seit dem 9. Jh.) und
  3. die Musiktheorie als ein Gebiet der Analyse (18. Jh.–20. Jh).

Die Begriffsgeschichte ist dabei bestimmt durch unterschiedliche Ansichten über Musik zu verschiedenen Zeiten.

In der griechischen Antike untersucht die Musiktheorie als „musica theoretica“ Zusammenhänge von Intervallen sowie von akustischen, physiologischen und psychologischen Beobachtungen. Sie beruft sich auf mathematische und physikalische Gesetzmäßigkeiten. Diese Bedeutung der Musiktheorie erscheint ebenfalls in der mittelalterlichen Antiken-Renaissance.

Seit etwa 900 n.Chr. entstanden mehrstimmige Musikwerke. In diesem Zusammenhang konzentrierte sich die Musiktheorie stärker auf die Grundlagen mehrstimmiger Komposition. Sie suchte nach Regeln des Tonsatzes.

Seit dem 18. Jahrhundert erreichten musikalische Kompositionen in der Regel einen hohen Stand an Komplexität. Zur Erfassung des Inhalts dieser Werke reichten die allgemeinen Mittel des Tonsatzes nicht mehr aus. Es entstanden Teildisziplinen der Musiktheorie, wie beispielsweise die Harmonielehre, um bestimmte Aspekte näher betrachten zu können.

Musiktheorie im heutigen Sinne

Das heutige Verständnis von Musiktheorie entstand im Zusammenhang mit der Entwicklung der Musik seit dem 18. Jahrhundert. Die Musiktheorie ist heute ein Teilgebiet der Musikwissenschaft. Sie versucht Grundlagen, Erscheinungsformen und Gesetzmäßigkeiten der Musik zu erkennen, diese sowohl begrifflich als auch systematisch zu erfassen und zu lehren. Sie gliedert sich in mehrere Teildisziplinen. Dazu gehören:

  • die Harmonielehre,
  • die Kontrapunktlehre,
  • die Melodielehre,
  • die Formenlehre,
  • die Instrumentationslehre und
  • die Lehre des Rhythmus.

Die Teilbereiche

Durch JEAN-PHILIPPE RAMEAUs (1683–1764) Werk „Traité de l`harmonie“ (1722) wurde im 18. Jahrhundert die Harmonielehre als ein eigenständiger Bereich der Musiktheorie begründet. Sie erklärt das Auftreten von Akkorden und bestimmten Akkordverbindungen. Es wird zwischen der älteren Stufenlehre und der neueren Funktionstheorie der Harmonielehre unterschieden.

Die Lehre des Kontrapunkts geht aus dem Lehrbuch „Gradus ad Parnassum“ (1725) von JOHANN JOSEPH FUX (1660–1741) hervor. Dieser Bereich beschäftigt sich mit Regeln des Zusammenklangs und der Bewegungsrichtung einzelner Stimmen im mehrstimmigen polyphonen Satz. Im Gegensatz zur Harmonielehre geht die Kontrapunktlehre nicht von einem Akkord, sondern von einem Intervall aus.

In JOHANN MATTHESONs (1681–1764) Werk „Der vollkommene Capellmeister“ (1739) liegen bereits Ansätze einer Melodielehre vor. Es geht darum, den Aufbau von Melodien genauer zu untersuchen.

Zwischen 1837–1847 schrieb ADOLPH BERNHARD MARX (1795–1866) eine Kompositionslehre, die die Formenlehre ins Leben rief. Dieses Teilgebiet der Musiktheorie befasst sich mit dem inneren Aufbau von Musikstücken.

Mit seiner Schrift „Grand Traité d`Instrumentation et d`orchestration modernes“ (1844) schafft HECTOR BERLIOZ (1803–1869) die Grundlagen für eine Lehre der Instrumentation. Auch bestimmte Instrumentationen können Wesenszüge einer Komposition beschreiben.

Eine Lehre des Rhythmus geht auf HUGO RIEMANN (1849–1919) und dessen musiktheoretische Schrift „System der musikalischen Rhythmik und Metrik“ (1913) zurück. Hier wird das Verhältnis von Zeitdauern und Betonungen innerhalb einer ausgewählten Tonfolge näher analysiert.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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