Show

Die Show verstärkt, verselbstständigt und vereinseitigt allgemeine Merkmale des Musizierens als Darbietungs-Musik für ein (zahlendes) zuhörendes und zuschauendes Publikum: die optischen (mimischen, gestischen), theatralischen Mittel der Musikpräsentation treten gegenüber der klanglich-akustischen Seite in den Vordergrund.

Die Mittel der Podiums- bzw. Bühnenpräsentation umfassen ein reiches, vielfältiges Spektrum; solche Mittel der Bühnenpräsentation sind:

  • Ausdrucks- und Bewegungsformen der Musiker einschließlich des Tanzens;
  • Bühnenverhalten und betonte Zur-Schau-Stellung von Körperlichkeit;
  • Make-up – samt auffälliger, vom Gewöhnlichen abweichender Kleidung bzw. Kostümierung (einschließlich der teilweisen Entkleidung als Sonderform);
  • Bühnen- und Inszenierungselemente wie Lichteffekte (Lightshow) und pyrotechnische Effekte (künstlicher Nebel u.a.m.);
  • zusätzliche Begleitelemente (z.B. Go-Go-Girls als auf der Stelle tanzende Animierdamen als Blickfang und zur Aktivierung des Publikums).

Show als Gesamtkunstwerk – zur Geschichte

Die „Show“ als nach außen ans Publikum gerichtete, effektvolle Darstellung der Musik und zugleich Selbstdarstellung ist ein unerlässliches und legitimes Element von umfassender, vielgestaltiger Virtuosität auch in früheren Phasen der Musikgeschichte. Sie entfaltet sich im Zeitalter der technischen Massenmedien und hauptsächlich im Zusammenhang mit der populären Musik, hat aber Parallelen auch im „klassischen“ Konzertwesen einschließlich der neuen Musik. (Absichtliche und auch unwillkürliche theatralische Effekte des Musikmachens werden im „Instrumentalen Theater“ der 1960er-Jahre zum gesonderten Gegenstand des Komponierens und der Aufmerksamkeit.)

Immer wieder gibt es dabei Übergänge zu explizit musiktheatralischen Gattungen und Typen, etwa bereits

  • bei der Minstrel Show des 19. Jh. in den USA,
  • in der auf Schauwerte ausgerichteten Revue des 19. und 20. Jh.,
  • aber auch in der „Rock-Oper“ als Verselbstständigung der Bühnenshow.

Im Unterschied zur Show im engeren Sinn gibt es hier eine mindestens lose geknüpfte, als roter Faden dienende Handlung.

Jazzensembles bezogen Showelemente von Anfang an schon in New Orleans und anderen Entstehungsorten des Jazz ein, besonders aber die Big Bands, die in den 1920er-Jahren z.B. in größeren Hotels auftraten. Seit den 1940er-Jahren bildete sich ebenfalls in den USA die speziell unterhaltungskulturelle, meist um populäre Musik zentrierte Show heraus. Der Star und oft der Entertainer sind dabei Leit- und Zentralfigur. Hier verstärkt sich die – letztlich nur relative, nicht totale – Verselbstständigung dieser sachlichen und personalen Elemente auf Kosten des Musikalischen zum eigentlichen Inhalt der Veranstaltung. (Ein Rockkonzert ist weder Modenshow noch Striptease. Umgekehrt wiederum bedienen sich solche Kulturformen der Attraktivität der Musik.) Eine weitere, technisch-ästhetisch orientierte Steigerung der Effekte ist die Lightshow als Bestandteil der Live- Aufführung etwa seit 1965.

Lightshow und Gag

Die rein optischen Effekte als Teil der Bühnenausstattung verselbstständigen sich in der Lightshow bei der Live-Aufführung. Rhythmisch wechselnde Kombinationen gleißenden, vielfarbigen Scheinwerferlichts, Spots, Stroboskopeffekte, heute auch Laserstrahlen korrespondieren – synchron oder kontrapunktisch – mit den zeitlich-formalen Abläufen der Musik. Rockgruppen haben dafür auf ihren Tourneen in der Regel eigene, aufwändige und teure Lichtanlagen und Lichttechniker; immer häufiger ist inzwischen die Lichtgestaltung während der Veranstaltung computergesteuert. Die ersten Experimente mit einer solchen Kombination von Licht und Musik machten Gruppen des von der Hippie-Bewegung beeinflussten Psychedelic Rock nach 1965. Historisch weit zurückreichende Vorformen sind verschiedene Ansätze zu einer Farb-Licht-Musik, etwa im Farblichtklavier mit der Kombination von Tönen, Tasten und Farben um und nach 1900.

Allerdings können die optischen Show-Elemente in einem zweiten Entwicklungsschritt doch wieder musikalisch integriert werden. So kam der Einsatz von Go-Go-Girls in US-amerikanischen Nachtklubs in den Nachkriegsjahren auf und wurde in den sechziger Jahren dann vor allem in den Varietés auch zu einem selbstständigen Bestandteil der Bühnenpräsentation von Musik. Die meist nur spärlich bekleideten Tänzerinnen traten ursprünglich als Zweier- oder Dreiergruppen auf. Neben der optischen Funktion als zusätzlicher Blickfang hatten und haben sie darüber hinaus jedoch oft noch die Funktion eines vokalen Backgrounds zur Musik und vertreten mit meist relativ einfachen Rufen, Antworten u.Ä. das Publikum mit.

Und im Zusammenhang mit der Lightshow hat sich seit den 1970er-Jahren eine Form der Visualisierung von Musik entwickelt, die die Lightshow zu einem integralen Bestandteil der Musik selbst macht. Das entspricht der allgemeinen Tendenz zur Emanzipation des optischen Bereichs der Musikdarbietung: sie wird von einer bloßen Begleitung oder einer inhaltsarmen Verselbstständigung zu einem ästhetisch grundlegenden, mit dem Klanglichen etwa gleichberechtigten Element des Aufführungsprozesses. Der Aufwand für die Lightshows wurde auch dadurch allerdings immer größer.

Überraschungen, Gags aller Art sind Bestandteil der Show. Neben (auch verbalen) Scherzen bei der Vorstellung der Gruppen und bei Überleitungen aller Art kann das exhibitionistische, sich ausstellende Element der Show auch ins Destruktive übergehen. Gags als überraschende Bühneneffekte bei Live-Konzerten gehen dann bis hin zum Zerschlagen oder Verbrennen der Instrumente, Zerstörung der Bühneneinrichtung oder exhibitionistischen Obszönitäten. Harmlose wie weniger harmlose Gags verstärken die Show-Tendenz. Derlei Effekte nützen sich jedoch rasch ab. Die verselbstständigte Show genügt nie auf Dauer und führt immer wieder zu Pendel- bzw. Gegenbewegungen. So wandte sich gegen den Glitter Rock (wörtlich „Glitzer Rock“, auch „Glamour Rock“) als kurzzeitige Entwicklungsphase der Rockmusik zu Beginn der siebziger Jahre die – wesentlich tiefer greifende – Welle des Punk Rock.

Entertainer, Personality Show, Master of Ceremony

In den USA beginnt schon in den 1940er-Jahren die Verselbstständigung dieser Elemente zum eigentlichen Veranstaltungsinhalt, sodass die Musik dann nur noch der Anlass für ein vieldimensionales Gesamtprodukt aus Stars, Tanz, Licht und Bewegung ist.

Die Show-Tendenz treibt den Typus des Entertainers (bereits seit den 1940ern) neu aus sich heraus und führt zu Sonderformen wie der Personality Show. Sie ist eine Personalveranstaltung im Unterschied zur Ensemble-Veranstaltung der Pop- oder Rockgruppe. Die Personality Show ist ein abendfüllendes Bühnenprogramm eines einzigen Interpreten (meist Sänger), das ganz oder hauptsächlich von ihm allein bestritten wird. „Personality“ meint dabei die Ausstrahlungskraft des Stars, oft mehr medial produziertes und induziertes „Image“ als genuine „Persönlichkeit“. Der „Star“ ist mit seiner Person das Zentrum des Programms. Weitere Mitwirkende erscheinen als „seine“ Gäste (Special Guests). Die Form der Personality Show wurde in den frühen fünfziger Jahren in den USA vor allem für das Fernsehen entwickelt. Das Erfolgsmodell wurde inzwischen auch auf nicht-musikzentrierte und nicht-musikbezogene „Formate“ im Fernsehen übertragen.

Der Entertainer (wörtlich „Unterhalter“) ist eine bereits vor Aufkommen der modernen Show im Unterhaltungsgewerbe ausgeprägte und etablierte soziale Figur. Es sind in der Regel Sänger-Darsteller (selten erhalten Frauen diese Rolle). Ihre Auftritte beinhalten neben ihren Songs

  • die Conférence ihres Programms, also mehr oder minder humoristische Zwischentexte,
  • schauspielerische und tänzerische Einlagen,
  • manchmal auch die Leitung von Spielen (Quiz, Wettbewerbe) u.Ä.

Die Darbietung wird so zur Personality Show. Diese prägte sich etwa seit den 1940er-Jahren in Nightclubs, dem Varieté u.Ä. in Vergnügens- und Unterhaltungszentren innerhalb großer Städte aus. Vorläufer sind u.a.:

  • die „Sprechstallmeister“ (auch Zirkusdirektor selbst) des Zirkus,
  • die Minstrelsy in den USA,
  • die „Master of Ceremonies“ der englischen Music Hall des ausgehenden 19. Jh. und
  • die „Conferenciers“ von Cabaret und Varieté, ebenfalls seit dieser Zeit, u.ä. Typen.

Eine Fortsetzung findet dieser Typus im Master of Ceremony im Zusammenhang mit dem Hip-Hop und der Diskotheken-Kultur. Die Diskjockeys reaktivierten und integrierten den Master of Ceremony, denn sie wurden durch die immer komplizierter werdenden Mischverfahren als gewissermaßen „live“ komponierende Technologen voll in Anspruch genommen. Der Master of Ceremony (MC) übernahm nun den verselbstständigten, stimmungsfördernden Show-, Animations- und Unterhaltungs-Aspekt der DJ-Tätigkeit mit rhythmischem Sprechen, witzigen Kommentaren und dem Anfeuern der Tänzer. Das war im Ubrigen auch ein Ausgangspunkt des Rap.

Stand: 2010
Dieser Text befindet sich in redaktioneller Bearbeitung.

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